Intel Compute Card: So sieht die Zukunft des modularen Computings aus

Mit der Kreditkarten-großen Compute Card präsentiert Intel seine Vision des modularen Computings. Ab August soll dieser Kleinst-PC, der mit verschiedenen Prozessoren bis zum Intel Core i5 bestückt werden kann, erhältlich sein.

An modularen Systemen haben sich in den letzten Jahren gleich verschiedene Unternehmen die Zähne ausgebissen. Das mag an der Konzeption liegen, vielleicht auch daran, dass wir – also die Endverbraucher – noch nicht wirklich bereit waren für solche Systeme. Persönlich glaube ich, dass die Ideen – vor allem bei modularen Smartphones – noch nicht wirklich ausgereift waren und die Vorteile solcher modularer Systeme nicht wirklich ersichtlich waren.

Intel experimentiert auch schon seit Jahren und hat zum Beispiel mit dem Compute Stick einen vielseitigen Kleinst-Rechner angeboten. Der war weniger modular ausgerichtet und eher eine Konkurrenz für Mini-PCs wie die Raspberry Pi-Modelle. Damals – vor etwa eineinhalb Jahren – schrieb ich darüber:

Mehr als nur ein TV-Dongle, aber ein bisschen weniger als ein vollwertiger PC – das ist der Intel Compute Stick, der so ein bisschen an das allererste iPhone erinnert: Schon ein starkes Stück Hardware, aber noch mit Luft nach oben. Mag sein, dass die nächste Generation bereits ein wirklicher Gamechanger auf dem PC-Markt sein kann – aktuell ist er aber wohl eher für eine kleinere Gruppe an Usern interessant.

Jetzt legt Intel die Compute Card nach – ebenfalls ein winziger Rechner, aber eben im Format einer Scheckkarte und ein wenig dicker als eine solche. Die könnte nun tatsächlich sowas wie der erhoffte Gamechanger werden.  Im Gegensatz zum Compute Stick, den ihr einfach an einen Fernseher anschließt, funktioniert die Karte ein wenig anders: Ihr schiebt sie einfach in ein entsprechendes Device ein – das kann alles Mögliche sein, als beispielsweise ein Tablet oder ein Notebook, aber eben auch der smarte Kühlschrank oder irgendein anderes Gerät aus dem IoT-Kosmos. Lasst uns zunächst einmal einen Blick auf die Karte und die dazugehörige Docking-Station werfen:

Credit: Intel

Kurz gesagt ist die Intel Compute Card eine modulare Computing-Plattform, welche inklusive SoC, Arbeitsspeicher (bis zu 4 GB RAM), Speicher (bis zu 128 GB) und WLAN-Konnektivität quasi einem vollwertigen PC entspricht.  Die Maße betragen 95 x 55 x 5 mm und in der Karte ist zudem Platz für ein AC 8265-Modul und neben WLAN-Funktionalität ist auch Bluetooth 4.2 mit an Bord.

Damit ist Intel das Kunststück gelungen, uns einen Kleinstrechner im Scheckkarten-Format vorzustellen, den es noch im Januar dieses Jahres bei der CES erst als ein Intel-Konzept zu sehen gab. Hier unser Video aus dem Januar:

Jetzt also kann Intel also Vollzug melden und erklärt gleichzeitig, dass die Karte ab August ausgeliefert wird und zunächst einmal in vier verschiedenen Konfigurationen zu haben sein wird:

Prozessor7th Gen Intel® Core™ i5 vPro™ (i5-7Y57) Prozessor7th Gen Intel® Core™ i3 (m3-7Y30) ProzessorPentium® N4200 ProzessorCeleron® N3450 Prozessor
Arbeitsspeicher4 GB DDR34 GB DDR34 GB DDR34 GB DDR3
Interner Speicher128 GB Intel SSD128 GB Intel SSD64 GB eMMC64 GB eMMC
KonnektivitätIntel Wireless-AC 8265 (2×2 .11ac & Bluetooth 4.2)Intel Wireless-AC 8265 (2×2 .11ac & Bluetooth 4.2)Intel Wireless-AC 7265 (2×2 .11ac & Bluetooth 4.2)Intel Wireless-AC 7265 (2×2 .11ac & Bluetooth 4.2)

Das bedeutet, dass die Partner, mit denen Intel hier zusammenarbeitet, Hardware entwickelt, die einen Slot für diese Karte berücksichtigt, in die der Verbraucher dann lediglich nur die Compute Card einführen muss, um das Device nutzen zu können. Denkbare Szenarios gibt es dabei viele: Es kann also der bereits angesprochene smarte Kühlschrank sein, der von so einer Karte gesteuert wird und bei dem ihr gegebenenfalls lediglich irgendwann eine modernere Karte als Ersatz einschiebt, ohne gleich einen komplett neuen Kühlschrank anschaffen zu müssen.

Aber aus der geringen Größe ergeben sich auch ganz andere Möglichkeiten. Denkt einfach nur, dass jeder Schüler eine solche Karte mit sich in der Geldbörse herumschleppen kann und dann im Unterricht in ein passendes Notebook diese Karte einführt und dort dann seinen typischen Desktop und seine gespeicherten Dateien zur Verfügung hat. Somit bräuchte die Schule nur diese Rechner anschaffen, die jeden Tag von anderen Schülern genutzt werden und dennoch jeder seine ganz persönliche Experience vorfindet. Intel selbst erklärt:

Die Intel® Compute Card lässt sich dank ihres modularen Designs und ihrer hohen Flexibilität sowohl in zertifizierte Geräte einbauen wie auch extern über einen speziellen Steckplatz verwenden. Unternehmen können mit dieser neuen Plattform die Funktionalität verschiedenster Geräte – wie Digital-Signage-Systemen und Kiosken, All-in-One-PCs, smart TVs und Haushaltsgeräten – erweitern und profitieren gleichzeitig von den Vorteilen des modularen Ansatzes, zum Beispiel durch einfachere Bestandsverwaltung und Wartung.

Da wir oben schon von den Intel-Partnern gesprochen haben: Intel selbst nennt Tech-Größen wie Dell, HP, Lenovo und Sharp, aber auch kleinere regionale Partner mit speziellen Lösungen wie Seneca Data, InFocus, Contec DTx, TabletKiosk oder Pasuntech hat man bereits ins Boot holen können. In unserem Video eingangs des Artikels seht ihr nicht nur den Stick, der problemlos in der Lage ist, auch 4K-Content auf ein Display zu zaubern, sondern auch diverse Referenz-Designs. Das dürfte euch noch einen genaueren Eindruck dessen verschaffen, was Intel mit der Compute Card anstrebt.

Zusammen mit diesen Referenz-Deisgns stehen den Entwicklern ab heute auch die sogenannten Compute Card Device Design Kits und verschiedene Anleitungen zur Verfügung, mit denen die Developer ihre Hardware auf diese Karten abstimmen können. Die Anleitungen können – unter NDA – bei Intels Classified Design Information (CDI)-Plattform von Kunden eingesehen werden. Das bedeutet für uns: Mit Namen wie Dell, HP oder Lenovo hat man schon die richtig dicken Namen am Start und es werden sich sicher noch viele große und kleine Namen drumherum ansammeln, die Hardware für diese kleine Computer-Karte entwerfen.

Ein ganzes Füllhorn verschiedener smarter Devices stehen uns also ins Haus – von Tablets, Net- und Notebooks angefangen über Smart-TVs, Set-Top-Boxen und verschiedenen Docking-Stationen bis zu den smarten Küchengeräten, Whiteboards oder eben allem, was ihr euch mit einem Computer-Herz vorstellen könnt. Intel könnte hier ein richtig dickes Ding auf den Weg gebracht haben – jetzt liegt es auch an den Partnern und deren Ideen, wie man diese tolle Idee mit Leben füllt. Hier seht ihr ein paar Hands on-Bilder mit ersten Referenz-Designs der Intel-Partner: