Interview mit Jen-Hsun Huang – Wie der NVIDIA CEO die Zukunft von AI sieht!

Im Rahmen der GPU Technology Conference 2016 in Taipei konnten wir uns mit NVIDIA CEO Jen-Hsun Huang treffen und uns mit ihm ueber die zukuenftigen Entwicklungen im Bereich kuenstliche Intelligenz und dem selbstfahrenden Auto unterhalten.

Entwicklerkonferenzen sind so etwas wie ein Spa fuer mich. Und das meine ich wirklich so. Ich kann verschiedenen Sessions und Panels stundenlang lauschen, muss nicht von einer Pressekonferenz zur naechsten hetzen und habe einfach die Ruhe, um mich intensiv mit sehr komplexen Themen auseinanderzusetzen. Der Druck ist weg und bin einfach in meinem Element… lasst uns mal in Ruhe schauen, was die Zukunft fuer uns parat haelt und wie wir diese, zumindest technlogisch, zusammen meistern koennen.

Wenn dann so eine Konferenz mit meinem absoluten Lieblings-CEO stattfindet und ich dann auch noch die Chance bekomme, ihm einige Fragen zu stellen, dann ist das fuer mich wie 5 mal “BAR” am einarmigen Banditen. Jackpot hoch 5. Nun, genau das konnte ich dann am gestrigen Mittwoch auf der GPU Technology Conference 2016 in Taipei erleben, die mit einer gut 2-stuendigen Keynote durch NVIDIAs CEO Jen-Hsun Huang eingelaeutet wurde.

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Jen-Hsun Huang

Jen-Hsun ist ein Sprecher der Marke “weniger Slides, mehr Leidenschaft” und die gibt es in einer Welt voller “Teleprompter-CEOs” wirklich kaum noch. Den Burschen koennt ihr mitten in der Nacht um 2 Uhr aufwecken und ne halbe Stunde spaeter mit 40 Grad Fieber auf eine Buehne stellen und er legt los. Ohne Vorbereitung, ohne Slides, er hat es einfach im Blut. Tech. Zukunft. Ideen und Loesungen! Und wenn du dies nun bereits ueber eine Dekade erleben durftest, dann kannst du wunderbar die grosse Vision hinter diesem Menschen erkennen. Ja, Jen-Hsun will die Welt erkennen und mit NVIDIA hat er die Firma geschaffen, die das moeglich machen kann.

Frage: Jen-Hsun, wir reden in der Industrie immer gerne ueber “Moore’s Law” und wie sich alles 18-24 Monate die Effizienz und Leistung der Prozessoren verdoppelt. NVIDIA macht mit seinen Servern und Clustern Spruenge um das 50-fache innerhalb von 3, 4 Jahren. Wann sprechen wir von “Huang’s Law”?

Jen-Hsun Huang: Es gab niemals eine App oder Anwendung, die so viel Rechenleistung benoetigte wie AI (“Kuenstliche Intelligenz”). AI duerfte nicht mehr und nicht weniger als die ultimative Herausforderung fuer die IT- und Prozessorentwicklung sein. In der nahen Zukunft wollen wir uebermenschliche kuenstliche Intelligenz schaffen. Aber langfristig wollen wir dieses Ziel weit uebertreffen. Sehr weit sogar! Ich moechte aber uebrigens nicht, dass da irgendwas nach mir benannt wird. Das waere mir eher unangenehm.

Das Fundament der 4. industriellen Revolution basiert nicht auf Dampf, Elektrizitaet oder Stahl. Es ist kuenstliche Intelligenz! Jen-Hsu Huang, NVIDIA

Frage: NVIDIA hat sich in den letzten 23 Jahren fundamental veraendert. Wohin geht die Reise fuer euch?

Huang: Gute Frage, die du mir eigentlich alle 10 Jahre erneut stellen muesstest. Als wir 93 starteten, da haben wir Grafik-Chips fuer PCs hergestellt. Anfang des Jahrtausends wurden wir dann langsam aber sicher zu einer PC-Gaming Company und jetzt, ja jetzt sind wir eine Firma fuer kuenstliche Intelligenz.

In der PC-Aera da waren wir halt nur die GPU. Jetzt sind wir Prozessor und Computing-Plattform und koennen auf einmal mit Firmen wie IBM, Amazon und Quanta zusammenarbeiten. Das hat sich alles dramatisch fuer uns veraendert.

Das Fundament der 4. industriellen Revolution basiert nicht auf Dampf, Elektrizitaet oder Stahl. Es ist kuenstliche Intelligenz!

Die meissten AI-Algorithmen wurden doch noch gar nicht entwickelt!

Frage: Stichwort AI. Wo steht da NVIDIA oder besser, wo stehen wir generell auf dieser Roadmap?

Huang: Ganz am Anfang. Das ist sicher! Die meissten AI-Algorithmen wurden doch noch gar nicht entwickelt. In den letzten 40 Jahren fand AI-Forschung nur an Universitaeten statt und ja, das ist zum groessten Teil auch heute noch der Fall. Unsere Strategie ist es, dass alle fuehrenden AI-Labore Zugriff auf die fortschrittlichste Hardware haben. Wenn du ein Asto-Physiker bist, dann brauchst du ein Teleskop und wenn du im Bereich AI forschst, dann brauchst du den entsprechenden AI-Super Computer. Und genau den habe ich gebaut (Anmerkung: es handelt sich um den $129k teuren NVIDIA DGX-1)

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Frage: Jetzt sind $129 000 auch kein Pappenstiel, sprich ich koennte mir vorstellen, dass da so einige Startups Schwierigkeiten bekommen, wenn sie sich einen DGX-1 anschaffen wollen. Habt ihr schon einmal ueber “AI as a Service” nachgedacht?

Huang: Spannend! Ich finde jeder Entwickler und Forscher sollte Zugriff auf AI-Hardware erhalten. Punkt! Gerade fuer Startups, die nicht grosse Investoren im Ruecken haben, ist AIaaS wichtig. Unsere Strategie ist es deshalb, die NVIDIA Deep Learning Plattform ueberall verfuegbar zu machen. Ich hab DGX-1 entwickelt, weil keine andere Firma das machen wollte. Dieser Prozess war denen zu teuer und riskant. Also habe ich 2 Miliarden investiert und diese Plattform entwickelt.

Unsere Automotive-Abteilung waechst pro Jahr um 60-80%!

Frage: Ich weiss dass du, wie ich uebrigens auch, auf Autos stehst. Wenn ich mir eure Designwins in der Automobil-Industrie anschaue, dann duerfte es schneller gehen, wenn ich nur die Marken aufzaehle mit denen ihr (noch) nicht zusammenarbeitet. Mit dem Drive PX 2 haut ihr nun 8 TFLOPS auf 4 Raeder und das sehr erfolgreich. Aber wie schaut das mit dem selbstlernenden Auto, dem BB8 aus? Ist das eine Technologie die NVIDIA an seine Partner auslizensieren koennte?

Huang: Sascha du nennst die Dinge doch bereits beim Namen. Drive PX 2 ist Teil unserer Strategie und zwar auf der Hardware-Seite. Dazu bieten wir mit DriveWorks ein SDK fuer selbstfahrende Autos. Partner koennen dies bereits jetzt nutzen. Aber natuerlich entwickeln wir ebenfalls basierend auf diesen Plattformen weiter. Fuer das Projekt BB8 arbeiten mehr Software-Entwickler als bei irgendeinem Automobilhersteller. Der Business in unserer Automotive-Abteilung waechst pro Jahr um 60-80% und du kannst dir sicher sein, dass wir auch in Zukunft Loesungen an unsere Partner weitereichen werden.

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