iSkin: „Kunst-Haut“ fürs Touchinterface

iSkin. Der geneigte Leser braucht eigentlich nur dieses Kunstwort, um seiner Fantasie gleich freien Lauf zu lassen. Trotzdem hier ein Artikel dazu, quasi pro Forma… 

Auf der CeBIT in Hannover, dieses Jahr unter dem Motto „D!conomy“, stellte ein internationales Forscherteam ihre Machbarkeitsstudie namens iSkin vor. Einfach ausgedrückt ist iSkin eine auf die Haut aufklebbare Touch-Oberfläche. Was recht simpel klingt war in der Entwicklung mit einer Vielzahl technischer Herausforderungen gespickt. Elastische Leiterbahnen und neues Elektroden-Design etwa, um nur die Offensichtlichsten zu nennen. Was dabei herauskam war ein Prototyp mit erstaunlich vielen Features. Aber von vorne…

Wie eine zweite Haut – nur ohne Pickel

Die Vision hinter iSkin sieht vor, dass man sich einen Sticker an Unterarm, Zeigefinger oder Kopf -ja, wirklich, aber dazu später mehr- heftet, der eine Multi-Touch-Oberfläche bietet. Der durchsichtige Silikon-Aufkleber ist dabei sehr hautverträglich und besteht aus einem Material, das bereits in der Medizintechnik Verwendung findet und ungiftig, atmungsaktiv, festklebend, leicht-lösend, abwaschbar, knickfest und äußerst flexibel und dehnbar ist. Die Sticker sind dabei auch noch sehr günstig, und obwohl das Material angeblich auch für längere Zeit problemlos wieder und wieder aufgetragen und abgenommen werden kann, sind Einmal-Sticker, die nach dem Gebrauch in der Tonne landen, nicht undenkbar.

Das digitale Arschgeweih

Damit nicht nur der eigentliche Sticker all diese Anforderungen erfüllt, sondern auch die enthaltene Elektronik, mussten in den Bereichen Materialwissenschaft und Robotik einige Register gezogen werden. Ausgestattet mit zwei unabhängigen Sensorsystemen kann die Oberfläche zwischen einfacher Berührung und festem Fingerdruck unterscheiden. Das Interface des Stickers kann individuell gestaltet werden, ist nach der Herstellung aber statisch. Es gibt also kein Display im eigentlichen Sinn sondern ein festes Layout. Die vorgestellten Designs lehnen sich aus nicht näher erläuterten Gründen an 90er-Jahre Assi-Tribals an. Dennoch ist das unattraktivste an iSkin im jetzigen Stadium die Kontrolleinheit, die für Stromversorgung, Rechenleistung und Kommunikation mit anderen Geräten sorgt. Bei dem Prototypen hängt am iSkin also noch ein knallbunter Kabelbaum, in Zukunft soll der Rechner aber so verkleinert werden, dass er unauffällig auf dem Sticker Platz findet oder sogar ganz ins Innere der Silikonschicht verschwindet.

Kleb’s dir hinter die Ohren!

Über die Frage, wozu man iSkin denn benutzen wird, hat sich das Forscherteam auch schon Gedanken gemacht. (PDF) Als Sticker auf dem Unterarm könnte es als peripheres Eingabegerät für das Smartphone in der Hosentasche dienen, etwa um die Musikwiedergabe zu steuern. Der gezeigte Prototyp bietet das gängige Interface mit play/pause, next/previous und lauter/leiser. Ebenso denkbar ist eine ausziehbare Tastatur für die Smartwatch am Handgelenk.

iSkin Titel

Den „Fingerstrap“ wickelt man sich, ja wer hätte es gedacht, um das Mittelsegment des Zeigefingers, dabei darf es sogar das Fingergelenk mit umschließen – dank des bereits erwähnten Wundermaterials. Der gezeigte Fingerstrap verfügt über drei Buttons und einen fünfstufigen Slider. Die Bedienelemente können dann bequem mit dem Daumen ausgelöst werden. Das soll praktisch sein, sollte man mal die Hände nicht frei haben oder das Smartphone nicht aus der Tasche kramen wollen, etwa um einen eingehenden Anruf abzuweisen oder beim Sport die Stoppuhr zu betätigen.

Den „Ear Sticker“ kann man sich dezent hinter das Ohr kleben und tritt damit ganz unauffällig in direkten Wettbewerb mit den Bluetooth-Douchebags. Natürlich können die Sticker überall am Körper getragen werden, auch unter der Kleidung, sofern man auf die zweistufige Touch-Erkennung verzichten kann. Welche Anwendungsmöglichkeiten sich beispielsweise für die Kniekehle oder andere obskure Körperstellen finden lassen, das dürft ihr euch gerne in der Kommentarspalte ausmalen…

Die Leute von Emdodied Interactions haben noch ein paar weitere Ideen als Videos auf Lager. Zum Beispiel A Cuttable Multi-touch Sensor. Schaut Euch einfach den Youtube-Channel oder die Website an. ;)