Volkswagen Sport Coupé Concept GTE!

Ist das wirklich DAS Auto? Sieht so die Zukunft von VW aus?

Ein paar Fragen zur automobilen Zukunft, werden wir 2020 alle Plug-In Hybride in der Garage stehen haben und welche technischen Möglichkeiten gibt es noch? Wir haben uns das VW Sport Coupe Concept einmal angesehen.

von Jens Stratmann am 21. März 2015

Im Rahmen des diesjährigen Genfer Automobilsalons zeigte Volkswagen in einer Weltpremiere eine neue Studie, eine neue Vision, einen Ausblick auf die Zukunft – was das Design, aber auch die Technik betrifft. Das hier ist das Volkswagen Sport Coupé Concept GTE.

Sieht so die Zukunft von Volkswagen aus?

Das Sport Coupé Concept GTE ist in der Außenfarbe „Citrin Yellow“ lackiert. Die Lackierung enthält sogenannte Xirallic-Pigmente, die besonders funkeln, wenn sie angestrahlt werden. Nach außen hin wird die Kühlergrillmaske durch die tief in die Frontpartie integrierten LED-Doppelscheinwerfer begrenzt. Sie werden jeweils von einer aus Aluminium gefertigten Kühlergrillquerspange eingerahmt, deren Enden nach oben auslaufen. Rund um die unteren Lufteinlässe sind C-förmig angeordnete LED-Module, was ein Erkennungszeichen der Elektro- und Plug-In-Hybridmodelle von Volkswagen ist.

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Das Sport Coupé Concept GTE ist ein Coupé mit vier Türen und einer Heckklappe. Hinter der besonders langen Motorhaube spannt sich das Dach in einem flachen Bogen von der A-Säule bis in das Heck hinein. Die Fensterbrüstung wird als scharfe Kante bis in den Kotflügel fortgeführt, die Seitenlinie erstreckt sich über den komplett versenkten Türgriffen bis in den vorderen Radlauf und entwickelt sich zur Begrenzung der großen Motorhaube. Seitlich geht die untere Kante des Heckspoilers oberhalb der Rückleuchten direkt in die Seitenlinie und damit auch in die Schulterpartie über, die durch sie nach hinten verjüngte Dachpartie sehr muskulös wirkt. Die trapezförmigen LED-Rückleuchten sind analog zu den Scheinwerfern in einer 3D-Optik ausgeführt. Ich bespreche dieses Design nun so ausführlich, da man davon ausgehen darf, dass diese Studie einen Ausblick gibt auf das zukünftige Design, auf die Designsprache, vom Hersteller.

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Die konstruktive Basis für das Design des Sport Coupé Concept GTE liefert einmal mehr der Modulare Querbaukasten (MQB) von Volkswagen. Mit 1,41 m Höhe und 1,87 m Breite ist das Coupé sehr flach und breit. 4,87 m ist die Studie lang, der Radstand liegt bei 2,84 m. Das Ganze hat zur Folge, dass der Innenraum eine komfortable Länge hat und die Karosserieüberhänge sehr kurz sind. Das Kofferraumvolumen beträgt 480 Liter. Die Studie rollt, wie es sich für vernünftige Studien gehört, auf großen 21-Zoll-Rädern und ist mit einem Panoramaschiebedach ausgestattet. Große Felgen lassen selbst die längsten Geschosse irgendwie noch kompakt wirken. Durch die Kombination der Holz- und Carbon-Elemente mit der Interieurfarbe „Zermatt Grey“ soll die progressive Atmosphäre des Innenraumes nochmals verstärkt werden.

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Doch werfen wir nun einen Blick auf die Technik:

Eines der neuen Interface-Module des Sport Coupé Concept GTE ist beispielsweise ein Prototyp eines neu konzipierten Active Info Displays mit einer 3D-Visualität und einer Diagonale von 12,3 Zoll. Das Digitalinstrument stellt in der Grundkonfiguration zwei Rundinstrumente dar mit links dem Powermeter, rechts dem Tacho und in der Mitte einem mit unterschiedlichsten Informationen bespielbaren Feld.

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Foto: © Volkswagen 2015

Seitlich vom 10,1″-Touchscreen des Infotainmentsystems befinden sich sogenannte Slider für die Vier-Zonen-Klimaanlage. Im Fond befindet sich zwischen den beiden Einzelsitzen ein 12,3″-Touchdisplay zur Bedienung von Mediathek, Telefon oder Navigation, daneben ebenso Slider für die Klimatisierung. Über das hintere Touchdisplay werden noch die zwei in den Lehnen der Vordersitze verankerten 10,1″-Screens bedient.

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Foto: © Volkswagen 2015

Für das Infotainment wurde also gesorgt, doch es gibt noch weitere Ideen für die Zukunft:

Das Volkswagen Sport Coupé Concept GTE checkt vor dem Start die Vitalität des Fahrers über eine Smartwatch oder ein Armband zur Messung der Vitalfunktionen, außerdem die Routen-Bedingungen und sich selbst. Anhand der biometrischen Daten des Fahrers schlägt es eine Route vor, die entweder über eine kurvenreiche Landstraße oder aber über eine ruhige Strecke zum Ziel führen soll. Im Infotainmentsystem kann sich der Fahrer vor dem Start die ausgewählte Strecke anschauen; gleichzeitig erhält er detaillierte Informationen zur Routenart und zu den Verkehrs-, Witterungs- und Streckenbedingungen. Eine interessante Idee, oder? Das Fahrzeug fährt also nicht selbstständig, sondern es wählt die vermutlich beste Route aus, passend zum Gemüt des Fahrers.

Der Wählhebel für das 6-Gang-DSG ist mit einer shift by wire gesteuerten Schaltlogik ausgestattet: Er befindet sich, wie ein Joystick, in der Mitte. Per kurzem Kick werden die Stufen „R“, „N“ und „D“ aktiviert; in die Stellung „P“ schaltet man mit einem separaten Taster, der in den Wählhebel integriert ist. Eine mechanische Verbindung gibt es also nicht mehr, das ermöglicht andere positionieren und gibt den Interior-Designern neue Möglichkeiten.

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Foto: © Volkswagen 2015

Das Volkswagen Sport Coupé Concept GTE wird von einem Plug-In-Hybridsystem angetrieben. Als Verbrennungsmotor setzt Volkswagen einen – stellt euch kurz mein Tim Taylor grunzen vor – aufgeladenen 3,0-Liter-Sechszylinder-Direkteinspritzer (TSI) mit einer Leistung von 220 kW / 299 PS und 500 Nm maximalem Drehmoment ein. Unter uns? Der würde mir persönlich schon für den Vortrieb reichen, aber es muss natürlich auch noch etwas Elektrogelumpe in die Studie rein, denn schließlich sprechen wir ja über die Zukunft.
Die Elektrokomponenten bestehen aus der Lithium-Ionen-Batterie im Mitteltunnel sowie zwei Elektromotoren. Der vordere E-Motor ist in das Gehäuse des 6-Gang-DSG integriert und leistet 40 kW, der hintere E-Motor entwickelt 85 kW. Als Systemleistung stehen 279 kW / 380 PS zur Verfügung. Sorgt allein der V6-Motor für den Vortrieb, ist die Studie ein reiner Fronttriebler. Dank des hinteren Elektromotors und einer „Elektrischen Kardanwelle“ kann die Antriebskraft des Systems bei Bedarf auf alle vier Räder verteilt werden.

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Das Coupé beschleunigt im sportlichen „GTE-Mode“ in nur 5,0 Sekunden auf 100 km/h und bis 250 km/h Spitzengeschwindigkeit. Der durchschnittliche Verbrauch soll nur bei 2,0 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer liegen, die CO2-Emissionen bei 46 Gramm pro Kilometer. Machen wir uns da nichts vor, das ist weiter von der Realität entfernt als ich vom Friedensnobelpreis.

Im „E-Mode“ kann das Sport Coupé Concept GTE im über eine Distanz von mindestens 50 km rein elektrisch und damit emissionsfrei gefahren werden, die Gesamtreichweite liegt bei mehr als 1.200 km.

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Standardmäßig startet die Studie im „Hybrid“-Modus, beim Verzögern lädt sie via Rekuperation die Batterie und je nach Antriebssituation nutzt sie automatisch den TSI und / oder die E-Motoren. Sobald der Fahrer vom Gas geht und die Batterie ausreichend geladen ist, werden alle Motoren abgeschaltet und vom Antriebsstrang entkoppelt, die Studie „segelt“.

Wird der „E-Mode“ via Tastendruck aktiviert, sorgt allein der 85 kW starke E-Motor der Hinterachse für den Vortrieb, der V6 TSI wird durch das Öffnen der Kupplung vom Antriebsstrang getrennt und abgeschaltet, bis er sich, zum Beispiel aufgrund des Ladezustands der Batterie, wieder binnen Sekundenbruchteilen erneut in den Antriebsstrang einkoppelt. Für die Energieversorgung der Elektromotoren ist die Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energiegehalt von 10,7 kWh zuständig, die entweder über externe Stromquellen oder während der Fahrt aufgeladen wird, was rein ökologisch gesehen natürlich keinen Sinn macht, es sei denn man nimmt nur die Energie die beim Bremsvorgang bzw. im Schubbetrieb entsteht. Wer den 3.0 Liter TFSI Motor nimmt für den Ladevorgang, der… ach lassen wir das.

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Über die GTE-Taste wechselt der Fahrer in den „GTE-Modus“, Gaspedal-, Getriebe- und Lenkungskennlinie sind nun noch sportlicher. Außerdem arbeiten der TSI und die E-Motoren im „GTE-Modus“ beim „Boosten“ zusammen, um die volle Systemleistung und das größte maximale Systemdrehmoment abzurufen.

Im Doppelmodus „Battery Hold“ beziehungsweise „Battery Charge“ wird der Energiegehalt entweder gehalten oder während der Fahrt der Akku geladen. Dies dient dazu, zum Beispiel am Zielort in einer Stadt bewusst rein elektrisch („E-Mode“) und damit ohne Emissionen zu fahren.

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Ist das wirklich die Zukunft?

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, ein paar Fragen gestellt und ich komme zum Entschluss, dass die Plug-In Hybrid Technologie zwar toll ist und ich auch die elektrische Fortbewegung sehr schätze, allerdings ist die Technik derzeitig noch viel zu teuer. Ich suche derzeitig noch einen Controller, der mir mit gutem Gewissen das Concept schön rechnet. Ich kann es derzeitig nicht. Während ich an der Tankstelle immer genau weiß was ich bezahlen muss, ist der Ladevorgang immer ein Preispoker. Mal zahle ich 26 Cent pro kw/h, mal sind es schon 29 Cent, hier und dort sogar 50 Cent und mehr und dann sind wir bei Kosten zwischen 4,20 und 10 Euro pro 100 km. Da sind herkömmliche Fahrzeuge mit fossilem Antrieb bereits günstiger und machen wir uns nichts vor, am Ende muss ja auch irgendeiner den technischen Fortschritt bezahlen.

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Wir sind vermutlich hier alle Early Adaptor, wir wissen, dass die ersten in der Regel immer drauf zahlen. Das würde ich auch gerne tun, habe sogar in der Garage einen Stromanschluss und die täglichen Fahrten meiner Liebsten passen genau zu einem Plug-In-Hybrid Fahrzeug, jedoch sind da noch ein paar Faktoren die mich persönlich zweifeln lassen: Wie sieht es aus mit der zukünftigen Besteuerung, wie langlebig sind die hybridischen Antriebe, denn schließlich wird der Benzinmotor, wenn man rein elektrisch anfährt irgendwann „geweckt“ und muss direkt mit voller Drehzahl ran. Aktuell haben die Hersteller dafür die Wartungsintervalle verkürzt aber dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl. Das habe ich ehrlich gesagt auch bei den Batterien, im Winter dürfte die Reichweite sinken und wer weiß wie es mit der Batterieleistung in ein paar Jahren aussieht? Die Hersteller geben in der Regel 8 Jahre Garantie auf die Batteriepacks, aber was ist danach? Was kostet der Austausch? Wie sieht es mit dem Wertverlust des Fahrzeuges aus? Bei den herkömmlichen Fahrzeugen hat man da inzwischen Richtwerte, bei den neuen Plug-In-Hybriden kann man das nur schwer einschätzen. Die Technik ist derzeitig noch zu teuer und meiner Meinung nach reicht es auch nicht aus, darüber nachzudenken die Busspuren zu öffnen. Erst einmal müsste die Lade-Infrastruktur verbessert werden, die Preise gedeckelt werden und es müssten meiner Meinung nach weitere Kaufanreize geschaffen werden.

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Auswahl gibt es ja inzwischen genug und es werden immer mehr. Die nächsten Jahre werden spannend, denn dann dürfte jeder größere Hersteller passende Plug-In-Hybride im Sortiment haben und die Range geht vom Kompaktwagen bis hin zum SUV, vom Sportwagen bis zur Luxuslimousine.

Was meint ihr?

Würdet ihr euch ein Plug-In-Hybrid in die Garage stellen? Wie viele Kilometer fahrt ihr pro Tag mit dem Auto? Wie sieht euer Anforderungsprofil aus? Sagt es uns doch mal in den Kommentare, es würde mich brennend interessieren ob die Automobil-Industrie derzeitig komplett an den Kundenwünschen vorbeischießt bzw. gemeinsam an dem Plan 2020 der Bundesregierung arbeitet, im Jahre 2020 eine Million Elektro- und Plug-in-Hybrid Fahrzeuge auf die Straße zu bekommen. Würde es nicht mehr Sinn machen mal wieder einen richtigen Volkswagen auf die Straße zu bringen, ein Auto das sich das „Volk“ auch leisten kann, ein Fahrzeug mit Platz für 4-5 Personen, etwas Gepäck und was dann gleichzeitig noch wenig verbraucht. Was wären eure Wünsche?