Ist Facebook so schädlich wie Rauchen und Alkohol?

Ist die Sucht nach Social Media ebenso gefährlich wie Alkohol- oder Zigaretten-Sucht? Ja, findet zum Beispiel der Salesforce-Chef Mark Benioff.

Vor ein paar Tagen berichtete ich darüber, dass WhatsApp erstmals populärer ist als Facebook. In dem Zusammenhang ließ ich euch auch wissen, dass ich mich gerade wieder sehr viel mit dem Thema “Facebook” beschäftige. Ich näher mich dem blauen Riesen thematisch von verschiedenen Seiten. Dabei geht es einmal um den Nutzer-Schwund vor allem bei den jüngeren Usern, um die offensichtliche Ohnmacht bei Hassrede und Fake-News, aber auch darum, wie abhängig wir von dem sozialen Netzwerk sind.

Diesem letzten Aspekt will ich mich heute zuwenden, weil ich gerade über einen Beitrag beim Business Insider gestolpert bin. Dort wird die These aufgestellt, dass Facebook ebenso schädlich für unsere Gesundheit ist, wie es bei Zigaretten und Alkohol der Fall ist. Der Business Insider bezieht sich da ganz konkret auf Aussagen von Milliardär und Salesforce-CEO Mark Benioff. Der hat entsprechende Aussagen bereits vor einem Jahr getätigt und seitdem auch mehrfach wiederholt mit nahezu missionarischem Eifer.

Facebook is the new cigarettes. It’s addictive, it’s not good for you, there’s people trying to get you to use it that even you don’t understand what’s going on. Mark Benioff, Salesforce-CEO

Die Frage ist, ob er damit richtig liegt, oder ober da eventuell doch ein bisschen zu hoch ins Regal greift. Unumstritten dürfte jedoch sein, dass es genügend Menschen gibt, die ein Suchtverhalten an den Tag legen, egal ob es sich spezifisch um Facebook handelt oder um die Smartphone-Nutzung generell.

Persönlich glaube ich, dass Facebook tatsächlich eine solche Wirkung auf uns entfachen kann, damit allerdings nicht alleine ist. Ich sehe diese Suchtgefahr ebenso bei Apps wie Instagram oder auch bei der Messenger-Nutzung von Anwendungen wie WhatsApp oder dem Facebook Messenger. Ob das ein Zufall ist, dass all diese Plattformen zu Facebook gehören, können wir anderer Stelle mal diskutieren.

“Wir glauben, dass es große Probleme mit Sucht, Aufmerksamkeit und Ablenkung durch Social-Media-Plattformen gibt”, haut auch Jim Steyer, der Gründer von Common Sense Media, in die gleiche Kerbe. 2018 war definitiv ein ganz schwieriges Jahr für Facebook. Das liegt an den Datenskandalen und auch daran, dass immer mehr Menschen glauben, dass das soziale Netzwerk unschöne Auswirkungen auf unsere Demokratie hat. Daraus resultiert, dass mehr und mehr Menschen ihre Social-Media-Gewohnheiten hinterfragen und gegebenenfalls einschränken.

Dummerweise — und auch das haben wir hier auf dem Blog schon mehrfach besprochen —  handelt es sich bei den Leuten, die sich partiell oder komplett von Facebook abwenden oftmals um die gemäßigten, reflektierten Menschen, während die lauten, populistischen sich ungebremst dort tummeln.

Unabhängig davon hat Facebook jedoch selbst längst festgestellt, dass man deutlich umdenken und die Plattform umbauen muss, um eben Dinge wie Face-News und -Profile, aber auch Hate Speech in den Griff zu bekommen. Die Frage ist aber, ob Facebook bereit wäre, uns zu einer gemäßigteren Facebook-Nutzung aufzufordern. Google, Apple und andere große Unternehmen bemühen sich bereits um Lösungen, die unserer Gesundheit zuträglich sein sollen, indem sie die Zeit limitieren, die wir mit unserem Smartphone verbringen. Auch Facebook hat für sowohl die Facebook-App als auch Instagram eine solche Einstellung parat, hat sie aber ziemlich weit unten in den Einstellungen vergraben.

Die Frage, die ich mir stelle, ist dabei allerdings, ob ich tatsächlich weniger bei Instagram, Facebook usw. rumhänge, wenn mich beispielsweise eine App darauf hinweist, dass die angestrebten zwei Stunden Smartphone-Zeit um sind — oder ob ich einfach weiter durch die Feeds scrolle, nur mit schlechterem Gewissen.

Nicht wenige Menschen fordern mittlerweile, dass vor allem Facebook reguliert werden müsste — eben genau, weil die meisten von uns nicht in der Lage sind, von selbst und aus eigenem Antrieb bei der Social-Media-Nutzung vom Gas zu gehen. Generell sträube ich mich immer dagegen, wenn vorschnell solche regulierenden Maßnahmen vorgeschlagen werden. Andererseits wird die Hoffnung, dass Facebook den Karren aus eigener Kraft aus dem Dreck gezogen bekommt, fast täglich kleiner.

Facebook-COO Sheryl Sandberg war neulich in München zugegen und äußerte im Rahmen der DLD-Konferenz sowie im Interview mit der FAZ, dass Facebook Missbrauch schneller unterbinden und die Daten der Menschen besser schützen muss. Laut Sandberg hat Facebook seine Fehler erkannt, aber das klingt leider nach viel zu oft gehörten Plattitüden. Aber selbst, wenn diese Probleme für Facebook zu fixen wären, würde das Unternehmen wohl nicht aus Eigenantrieb dazu übergehen, seine Nutzer zu gemäßigtem Social-Media-Gebrauch aufzufordern.

Und ihr so?

Wenn man merkt, dass die eigenen Leute nicht primär Facebook nutzen, oder man sich auf der Plattform unwohl fühlt, dann fällt der Schritt weg von Facebook vermutlich nicht sonderlich schwer. Aber wie ist es denn, wenn dem nicht so ist? Vorausgesetzt, eure Freunde und Familien sind dort und ihr nutzt das Netzwerk täglich: Würde ihr euch dennoch abwenden, wenn ihr feststellt, dass eure Gesundheit tatsächlich darunter leidet. Weil ihr merkt, dass ihr nachts viel zu lange mit Smartphone im Bett wach liegt und dementsprechend morgens schlechter rauskommt. Oder weil ihr feststellt, dass ihr euch unbehaglich und unruhig fühlt, wenn ihr nicht bei jeder Benachrichtigung auf dem Smartphone sofort nachschaut, wer gerade was gepostet haben könnte?

Ich hab für mich ja immer schnell die Ausrede zur Hand, dass ich Facebook eh nutzen muss aus beruflicher Sicht. Dennoch fällt mir ja logischerweise auf, dass ich manches mal gelangweilt durch den Feed scrolle, durchaus jetzt also etwas Sinnvolleres tun könnte. Ob das für mich körperliche Auswirkungen haben könnte, die denen von exzessivem Alkohol- oder Zigaretten-Genuss entsprechen, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber definitiv sollte ich meine Social-Media-Gewohnheiten aufmerksamer im Blick behalten.

Abschließend würde mich interessieren, wie ihr euer eigenes Online-Verhalten einschätzt: Habt ihr das Gefühl, dass ihr Suchtsymptome entwickelt? Und damit verbunden drei Fragen:

  • Trifft das bei euch lediglich auf Facebook zu oder auch auf andere Plattformen wie Instagram oder gar Dating-Apps wie Tinder?
  • Denkt ihr, dass die Unternehmen selbst in der Lage sind, unsere Gesundheit mehr in den Fokus zu rücken oder brauchen wir regulierende Schritte von Behörden- bzw. Regierungs-Seite?
  • Was gedenkt ihr persönlich zu unternehmen, wenn ihr erkennt, dass ihr zu viel Zeit mit sozialen Medien verschenkt?

Schreibt mir eure Gedanken gern in die Kommentare und auch, welche Konsequenzen ihr gegebenenfalls zieht.