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Jaguar I-Pace: Diese Katze schnurrt elektrisch

Mit dem Jaguar I-Pace kündigen die Briten ihr erstes Elektroauto an. Während man sich optisch zwischen Kompakt-SUV und Sport-Coupé platziert, setzt man technisch auf eine komplett neue Plattform, einen 400 PS starken Allradantrieb und 90kWh-Akkus. Im Innenraum gibt es neben ungewöhnlich viel Platz für die Insassen viel, viel Technik.

von Bernd Rubel am 29. November 2016

Mit dem I-Pace kündigt nun auch Jaguar den Einstieg in die Elektromobilität an. Der erstmals auf der Los Angeles Autoshow präsentierte SUV kommt spätestens 2018 in den Handel und soll den Briten ihren Anteil am langsam aber stetig wachsenden Segment der Elektrofahrzeuge sichern.

Die Jaguar-Designer und -Ingenieure, immerhin verantwortlich für Schönheiten wie den legendären E-Type, durften sich beim I-Pace mit ganz neuen Herausforderungen beschäftigen. Durch den Wegfall von Verbrennungsmotor und Kardanwellentunnel und die Unterbringung der Batteriezellen ändern sich nicht nur die Gewichtsverteilung und die Straßenlage eines Fahrzeugs.

Konsequent umgesetzt eröffnen die neuen Proportionen und Dimensionen vielmehr auch die Möglichkeit, die Sitzposition der Insassen oder den Innenraum neu zu überdenken. Gleichzeitig sollen die typischen Erkennungsmerkmale eines Fahrzeugs nicht zu sehr von anderen Fahrzeugen der bereits etablierten “Brand” abweichen.

Jaguar hat einen wesentlichen Teil der nun möglichen Änderungen deshalb tatsächlich in den Innenraum verlagert. Die neue Raumaufteilung sorgt für ein Fahrzeug, das die äußeren Abmessungen eines Mittelklasse-SUV besitzt, im Innern aber die Proportionen eines Fullsize-SUV aufweist. Mehr Platz bedeutet mehr Komfort im Fünfsitzer – und beim I-Pace auch mehr Platz für britischen Luxus, spezielle Schalter, Touchscreens, eine Reihe von Ablagen und Fächern und mehr.

Im Mittelpunkt steht das sogenannte “Flightdeck”, das im wesentlichen aus einem Display mit 12” und einem zweiten Bildschirm mit 5,5” Bildschirmdiagonale besteht. Die Bedienung kann z.T. über kapazitive Multifunktionstasten am Lenkrad erfolgen, die erst bei einer Berührung sichtbar werden. Das Enter- bzw. Infotainment-System ist kompatibel mit iOS- und Android-Smartphones und ermöglicht z.B. Musikstreaming via Spotify oder den Zugriff auf weitere kompatible Apps.

Der Kofferraum bringt es auf ein Fassungsvolumen von 530 Litern, unter der ehemaligen Motorhaube kommen nochmals 36 Liter Stauraum hinzu.

„Die Elektromotoren sprechen ohne Verzögerung, Gangwechsel und Unterbrechungen an. Das im Vergleich zu Verbrennungsmotoren unmittelbar abrufbare volle Drehmoment sorgt für ein neuartiges Fahrerlebnis. Dank 700 Nm und Allrad-Traktion beschleunigt das I-PACE Concept in rund vier Sekunden von 0 auf 100 km/h.” Ian Hoban, Jaguar Land Rover

Technische Daten Jaguar I-Pace

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Jaguar I-Pace
MotorPermanentmagnet-Synchronmotoren; epizyklisches Eingang-Getriebe, konzentrisch mit dem Motor eingebaut
Leistung294 kW (400 PS)
Drehmoment700 Nm
AntriebMotoren und Antrieb in Vorder- und Hinterachse integriert; elektrischer Allradantrieb
Akku36 Module, 90kWh Lithium-Ionen; flüssigkeitsgekühlt, Folienzellen
Abmessungen (L x B x H)4680 x 1890 x 1560 mm
Radstand2990 mm
Kofferraumvolumen530 Liter, plus 38 Liter
Cw-Wert0,29
Beschleunigung 0-100 km/h4 Sekunden
Reichweite (NEFZ)ca. 500 Kilometer

Bei der Leistung zeigt sich die Katze wie erwartet sportlich. Die an der Vorder- und Hinterachse integrierten Elektromotoren liefern eine Gesamtleistung von satten 400 Pferdestärken (294kW) bei einem Drehmoment von 700 Nm. Damit erreicht der elektrische I-Pace die Schubkraft, die man bei Jaguar momentan im F-Type SVR erhält und katapultiert den Fahrer per Allradantrieb in circa 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Lithium-Ionen Akkus mit 90kWh packt Jaguar im neuen Architektur-Konzept des Chassis in den Unterboden, zwischen die beiden Achsen. Bei einem Radstand von 2990 Millimetern sorgt dies für eine besonders gute Gewichtsverteilung, die zusammen mit dem niedrigen Schwerpunkt das typische Jaguar-Fahrgefühl ermöglichen soll. Das Gehäuse der Akkus besteht aus Aluminium und ist Teil der Karosseriestruktur, eine zweistufige Kühlung inklusive Wärmepumpe soll für die optimale temperatur der Akkus bei unterschiedlichen Temperaturverhältnissen sorgen.

Die NEFZ-Reichweite soll bei rund 500 Kilometern liegen, wobei den beiden von Jaguar selbst entwickelten Permanentmagnet-Synchronmotoren eine besondere Rolle zukommt. Per Rekuperation soll besonders im Stadtverkehr ein signifikanter Teil der Bremsenergie in Antriebsenergie umgewandelt werden. Mit Abmessungen von nur 500 x 234 Millimetern bleiben die Elektromotoren zudem sehr kompakt.

Laden lässt sich der Jaguar I-Pace nach den momentan vorliegenden Informationen z.B. mit einem Gleichstrom-Ladegerät mit 50 kW. Nach rund 90 Minuten sollen die Akkus wieder zu rund 80% gefüllt sein.

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Die vergleichsweise weit nach vorn gerückte Fahrgastzelle des I-Pace ist Teil des “Cab-forward-Profils”, wie Jaguar das neue Fahrzeugdesign tauft. In der Seitenansicht wirkt das 4,68 Meter lange und 1,56 Meter hohe Fahrzeug dadurch weniger wie ein bulliger SUV und mehr wie ein sportliches Coupé. Der gerade bei elektrischen Fahrzeugen wichtige Cw-Wert von 0,29 dürfte sich bei längeren Fahrten bzw. höheren Geschwindigkeiten positiv bemerkbar machen und wird u.a. durch den Abfallwinkel des Heckfensters sowie eine Lufteinlassöffnung am Grill erreicht.. Auffällig sind zudem die 23-Zoll-Leichtmetallfelgen (265/35 R23) in den ziemlich weit herausgestellten Radkästen.

Jaguar dürfte bei der Entwicklung des I-Pace auf eine Reihe von Erkenntnissen zurückgreifen, die man bereits mit anderen Modellen gewinnen konnte. Mit dem F-Pace haben die Briten aktuell einen durchaus erfolgreichen SUV auf der Straße, während der anlässlich des 75. Firmenjubiläums vorgestellte C-X75 Hybrid sicherlich einen erheblichen Einfluß auf die Entwicklung der Motoren gehabt haben dürfte.

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Die Vorderradaufhängung des I-Pace entspricht z.B. mit ihrem Doppelquerlenker-Layout exakt der Konstruktion im F-Type und F-Pace, während die Integral Link-Hinterradaufhängung bereits in den Limousinen XE und XF zum Einsatz kommt. In der Formel-E ist man ebenfalls unterwegs und testet die Elektroantriebe des I-Type unter den dortigen Extrembedingungen.

Mit der Vorstellung des Jaguar I-Pace als Serienfahrzeug ist in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu rechnen, ab 2018 steht die erste Elektro-Limousine der Briten dann beim Händler.

via jaguar.de