Der ultimative Jahresrückblick – 2015 aus der Sicht der Geeks

von Klaus Milczewsky am 30. Dezember 2015

Connected Living: Gesellschaft & Technologie

Die Verschmelzung der sozialen Medien mit unserem Alltag wird immer deutlicher. Eine Art “Aha-Effekt” hatte ich, als in der Tagesschau die Reaktionen auf das Edathy-Urteil durch Einblendung von Twitter-Kommentaren quasi direkt integriert wurden. Es gab mehrfach die Einblendung von Nutzermeinungen aus Twitterfeeds im Verlauf der Reportage bzw. des Beitrags. Direkte Meinungsäußerungen als Beitrag. Wow, wer hätte das gedacht, wie “modern” die Öffentlich-Rechtlichen mittlerweile geworden sind?

Social Media-Nutzung im Sport nimmt zu: Beim Tod von Jules Bianchi, dem F1-Fahrer, äußerten sich viele seiner Kollegen aber auch Teams direkt per Twitter. So entstehen einfach etwas persönlichere Statements und Bilder, als bei offiziellen Pressemeldungen und Berichten der Agenturen. Im Bereich Sport mit regelmäßigen Events stellt Twitter einen zunehmend wichtigeren Kanal für direkte Meinungsäußerungen der aktiven Sportler da. In der Formel 1, beim Fußball, Tennis und vielen Sportarten, bei denen die Sportler sehr direkt im Fokus der Öffentlichkeit stehen, nutzen die Aktiven mittlerweile Twitter und Facebook, um den Fans näher zu sein. Die Musikindustrie hat es ihnen zwar mehr oder weniger “vorgemacht”.  Die Stars dort verwenden die Medien jedoch meist weniger persönlich, sondern mehr für allgemeine Publicity. Ausnahmen bestätigen mal wieder die Regel. Klatsch und Tratsch im Netz ist mittlerweile schneller als jede Yellow Press.

Social Behaviour bei Tisch: Smartphones kommen in den Fokus. Selbst IKEA bietet Tisch-Sets an, die das Smartphone während dem Essen “verschwinden” lassen. Das ist praktisch ein “Platzdeckchen” mit Handytasche. “Sittning Place Mat” heißt das bei IKEA UK.

Quelle: Ikea
Quelle: Ikea

Mal was ganz Anderes: Sichere Identifikation Online

Darüber bin ich dieses Jahr so ganz nebenbei “gestolpert”, als ich mich für ein neues Bankkonto anmelden wollte. Da gibt es doch tatsächlich die Möglichkeit, die notwendige sichere Identifikation einfach online abzuwickeln. Nix mehr PostIdent mit Gang zur nächsten Postfiliale… Einfach per Webid Solutions Online identifiziert werden. Mit Ausweis. Per Videochat, per Skype oder WebRTC, was einem im Vorlauf auf der Webseite sauber angezeigt wird. Ich hab dann doch lieber Skype benutzt und los ging’s.

Quelle: webId Solutions
Quelle: webId Solutions

Interessant, ein seriös (mit weißem Hemd und Krawatte) wirkender Call Center Mitarbeiter und eine ca. 3 Minuten dauernde Prozedur, bei der das Konterfei und der Ausweis abgelichtet, d.h. festgehalten wird und danach nochmal alle Nummern der ID durchgegangen werden. Dann muß man den Ausweis noch etwas im Licht bewegen, damit die Sicherheitsmerkmale erkennbar werden und dann ist schon bald Schluß. Per eMail kommt ein TAN-Code, den man dann auf der Start-Webseite eingeben muß. Und schon ist man wer im wirklichen Leben ;-)  Ich fand das eine zwar etwas ungewohnte, fast eigenartige, aber doch effiziente Geschichte. Das war irgendwie Fun!

Hacked Identities

Einer der größten Hacks in 2015 war der der Kontakt- oder besser Seitensprungbörse Ashley Madison. Der Anbieter wurde komplett gehackt und etwa 37 Millionen User-Accounts mit Klarnamen, Adressen, eMails und Kreditkartendaten waren genauso Teil der Beute wie spezielle sexuelle Interessen. Was dabei neben dem immensen Datenklau noch so alles herauskam, war interessant und hat das Startup innerhalb weniger Tage fast komplett aus dem Geschäft katapultiert, obwohl die Seite wohl immer noch online ist.

Quelle: Ashley Madison
Quelle: Ashley Madison

So hatte der Anbieter spezielle Löschgebühren erhoben, wenn Kunden ihren Account löschen wollten, aber die Daten trotz der Bezahlung von Kunden keineswegs gelöscht. Die angeblich ausgeglichene Beteiligung von männlichen und weiblichen Nutzern war komplett gelogen und viele weibliche Accounts stellten sich als komplette Fakes heraus, die mit Software-Robots regelmäßig die überwiegend männlichen Kunden bei Laune halten sollten.

Aber auch das gesellschaftliche Umfeld in der Auseinandersetzung mit dem Vorfall war mal wieder ein sehr spezielles Thema in der doch immer noch stark puritanisch geprägten US-Gesellschaft. Da stellten sich die Hacker als Vertreter der Wahrheit hin, die der Sache der Gerechtigkeit dienen. Mit Sätzen wie “Ärgerlich für die Kunden, dass sie betrügerische Dreckssäcke sind und keine Diskretion verdienen.” setzten sie sich selbst ins Recht, obwohl sie in ein kommerzielles System unbefugt eingedrungen waren, den Betreiber zunächst zu erpressen versucht und schließlich doch viele Daten öffentlich gemacht hatten. Aber auch die öffentliche Reaktion ging teilweise mehr gegen die Betroffenen als unmoralische Zeitgenossen anstatt gegen die kriminellen Machenschaften der Hacker. Da ging mal wieder viel bunt durcheinander im Online-Blätterwald. Einen recht guten Artikel zum Thema habe ich in der Süddeutschen Zeitung gefunden, den ich als Lektüre gern empfehle.

Head Down Generation

Ein eigentlich sehr nett und lustig gemachter Clip des Hessischen Fernsehens lässt einen zwar zunächst lachen. Das Dumme ist nur, dass da eigentlich mehr Wahres dran ist, als einem lieb ist.

Studien, auch in den USA, weisen auf zunehmende Unfallrisiken durch Handynutzung insbesondere im Straßenvekehr und beim Autofahren hin. Die Unfall-Statistiken zeigen nichts Gutes, auch wenn andere Effekte – beispielsweise der günstige Ölpreis – die Menge der Autofahrten sicher nicht verringern. Die amerikanischen Behörden nehmen das Thema ernst und nennen das “distracted driving“. Es werden Unfallstatistiken gesammelt und auch mit Europa verglichen, wo immerhin in den meisten Ländern das Benutzen von Mobiltelefonen während der Fahrt verboten ist. Das ist in den USA nicht in jedem Bundesstaat der Fall, und somit ist die Unfallrate höher und auch der Umgang mit dem Risiko nicht wirklich jedem bewusst.

Beim Eintauchen in das Thema Social Impacts von Social Media und Smartphones fällt einem auf, dass so hin und wieder schon in den vergangenen Jahren eine Auseinandersetzung mit den Folgen der sozialen Medien begonnen hat, die weit über den ersten Begeisterungs-Hype hinausgeht.

Auf Youtube gibt’s mittlerweile den 50-Millionen-Hits-Clip “Look Up” und unvermeidlich natürlich auch die Parodie “Look Down” dazu.

Ich kann beide empfehlen. Und bitte nicht zu ernst nehmen. Wer nicht genug bekommen kann vom Thema, dem wird sicher der 15 minütige Kurzfilm “The Anti-Social Network” auch gefallen.

Adblocker und Internet-Kommerz

Eigentlich ist das nicht unbedingt ein direktes Social-Thema. Da es aber durchaus einige Auswirkungen auf das virtuelle Leben im Internet hat und besonders in diesem Jahr mehrfach plakativ auf der Agenda war, möchte ich es hier mit bearbeiten.

Adblocker gibt es schon seit vielen Jahren. In Zeiten der PC-Dominanz und der Nutzung der Browser auf diesen Geräten war es trotzdem kein so wirklich großes Thema. Viele haben sie benutzt, diese Ad-Blocker Tools. Aber PC-Browser sind so leistungsfähig und haben so viele Features, dass Werbung trotzdem immer wieder seinen Weg zum User findet. Dann hat jedoch Apple bei iOS 9, der neusten OS-Version ihres mobilen Betriebssystems, seine Softwareschnittstellen (APIs) so verändert, dass App-Developer auch für mobile Browser Ad-Blocker entwickeln und zum Download bereitstellen können. Da aber die mobilen Browser etwas weniger Features bieten und die Screen-Fläche auf dem Handy doch in der Regel ein ganzes Stück kleiner ist, kommt mittels der Ad-Blocker fast gar keine Werbung mehr beim Nutzer an. Vereinfacht kann man sagen, dass Werbung im mobilen Browser einfach simpler aufgebaut sein muss und so vom Ad-Blocker praktisch immer erfasst wird.

Da sich viele, insbesondere kleinere Anbieter, fast ausschließlich über Werbeklicks auf ihren Seiten refinanzieren ist das natürlich ein Schlag ins Kontor für diese Klientel. Als mit Einführung von iOS9 schlagartig viele Ad-Blocker Apps im Apple Store auftauchten gab es auch einen darunter – es war einer der populärsten, der innerhalb weniger Tage Unmengen von Downloads erzielt hatte – der kurz nach der Veröffentlichung seiner App diese wieder zurückzog. Er hatte Skrupel, dass sein Ad-Blocker die vielen kleinen Webseitenbetreiber stark schädigen könnte. Und er wollte einfach nicht mit Schuld sein am kommerziellen Bankrott der vielen kleinen Anbieter. Offiziell sagte er einfach, es “fühle sich für ihn nicht gut an”, so einen Ad-Blocker anzubieten. Er wachte wohl auch auf, als mit seinem Ad-Blocker “Peace” auch auf seiner Seite keinerlei Werbung mehr zu sehen war. Mehr Details dazu hat auch Heise.de. Letztlich ist das Geschäftmodell der Ad-Blocker nicht ganz unproblematisch. Fast alle bedienen sich einer Datenbank ABP der Firma Eyeo, die gegen Gebühr sogenannte “acceptable ads” wieder durch die Werbefilter durchlässt..

Aber mit der Einführung der mobilen Ad-Blocker haben sich auch einige große Websites angefangen, gegen die Werbeblocker zur Wehr zu setzen und sperrten einfach den Zugriff auf ihre Inhalte bei aktivem Ad-Blocker.

BildAdBlock

Die Bild machte dies als Erste und entfachte damit die Diskussion auch in Deutschland. Und setzte kräftig nach, als Entwickler Tipps veröffentlichten, wie man die Sperre trotz aktivem Ad-Blocker umgehen kann.  Per einstweiliger Verfügung wurde der Entwickler dazu gezwungen, die Tipps in Youtube online zu löschen. Nun versucht sich der Entwickler zu wehren und hat mithilfe einer Crowdsourcing-Kampagne in nur einem Tag die Gelder eingesammelt, die er voraussichtlich für ein Gerichtsverfahren gegen Bild braucht.

Es ist schon kurios, wie sich hier die Mechanismen der “alten Welt” mit denen der “neuen digitalen Welt” begegnen und aufeinandertreffen.

Aber nicht alle Anbieter gehen so rabiat vor, wie Bild. Die FAZ schickt z.B. einen viel sympathischeren Hinweis in der Headline, den Blocker doch auszuschalten. Wie der ganze Rechtsstreit zum Thema ausgeht, bleibt zunächst mal offen. Die Gerichte werden sich sicher noch so einige Zeit damit beschäftigen müssen.

Share Economy: Startups gegen alle Regeln

Zu meiner Story des Digital Living für dieses Jahr gehört auch das Thema Share Economy und damit Uber und AirBnB als deren größte kommerzielle Ausprägungen. Was mich dabei bewegt, ist die Tatsache, dass diese Startups bewusst versuchen, alle geltenden Regeln in den Ländern weltweit zu ignorieren, um damit selber ein Geschäft zu machen. Und dass das Ganze letztlich durchaus auf dem Rücken der Fahrer von den verschiedensten Transportbetrieben und den Mitarbeitern der Hotels und Pensionsbetrieben ausgetragen wird.

Doch vorab noch ein paar Sätze zum Gesamtphänomen der Share Economy. Da wird vielerorts die Illusion geschürt, man brauche weniger Eigenes und könne doch so viel einfach gemeinsam nutzen. Was aus Umweltgesichtspunkten beim Thema Auto schlüssig ist, weil man z.B. kein eigenes Fahrzeug mehr braucht und nur noch dann eins mietet, wenn man es wirklich braucht – was ich durchaus für einen sinnvollen Trend halte – läuft aber in letzter Konsequenz eher auf ein Kommerzialisieren selbst der kleinsten Gefälligkeiten hinaus, die man sich vorstellen kann. Es gibt bereits ein Schweizer Startup, das sich Swisscom Friends nennt, das quasi Nachbarschaftshilfe beim Installieren und Betreiben von Handies, TV-Sets und PCs anbietet.

Quelle: mila.com
Quelle: mila.com

Und das zu recht eindrucksvolle Preisen von 50 bis 100 Euro pro Job. So wird jede Möglichkeit genutzt, über Internet-Portale Dinge verkaufbar zu machen, die man bislang unter Freunden und Bekannten nicht bezahlen musste, wenn man sozial gut vernetzt war. Einen recht guten Artikel zum Thema, der schon 2013 die Situation recht ausführlich beleuchtet, findet man im Feuilleton der FAZ unter dem Titel “Der Terror der Teilens“.

Uber versucht nun, die aufkommende Share Economy-Idee für sich zu nutzen und Smartphone-affine Nutzer in ihren Bann zu ziehen. Selbst wenn es klare Regelungen zum Transportwesen – z.B. für Taxis und gewerblichen Personentransport – gibt und dafür spezielle Lizenzen für Fahrer und Betreiber in den meisten Ländern erforderlich sind, werden diese Vorschriften zunächst einfach ignoriert, um ein neues Geschäftsmodell aufzubauen. Das bringt dann echten Profit wohl eher nur für Uber, die Fahrer jedoch haben außer dem Erlös aus ihren Fahrten keinerlei Absicherung . Das fängt bei den Versicherungskonditionen für Auto und Insassenschutz an und endet bei fehlender Unternehmenseinbindung bei Krankheit und Kündigungsschutz, da die Fahrer aus Sicht von Uber alle “selbstständig” sind. Durch die enorm günstigen Preise geraten die etablierten Unternehmen bereits so massiv unter Druck, dass sich in einigen US-Großstädten bereits ein Rückgang bei den Taxibetrieben feststellen läßt. Gerade im Kernstandort New York hat das bereits konkrete Auswirkungen.

Wobei selbst im New Economy-begeisterten Land der USA mittlerweile erste Verfahren gegen das Kernmodell der sebstständigen Fahrer bei Uber laufen, die für die Fahrer ein klassisches Angestelltenverhälnis für gegeben halten.

Trotz Allem gibt es nach wie vor Meinungen, die Bewunderung und Begeisterung über Uber ausdrücken, wie z.B. hier und den unternehmerischen Erfolg bestaunen, der ja durchaus vorhanden ist, wenn eine Inverstitionsrunde in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar ansteht. Etwas kritischer aber durchaus positiv äußert sich Bettina Hammer in einem Artikel, der insbesondere auf die beiden Großen, Uber und AirBnB eingeht. Dieses setzt sie dann in einem weiteren Beitrag unter dem Titel “Die armen ausgebeuteten Arbeitenden” weiter fort und schlägt dann doch kritischere Töne an und zitiert hin und wieder Sascha Lobo, der sich zum Thema unter der Titel “Die Mensch-Maschine: Auf dem Weg in die Dumpinghölle” recht eindeutig äußert und vom Plattform-Kapitalismus redet.

Ich fand alle hier von mir zitierten Beiträge recht lesenswert und wichtig. Ich glaube, wir alle beschäftigen uns viel zu wenig mit den massiven Umwälzungen, die die Digitalisierung der Arbeitswelt und speziell das Thema Share Economy so mit sich bringt. Also bitte mal etwas Innehalten und mal den einen oder anderen Link klicken.

Streaming für Alle!

Ja, die Streaming-Angebote wachsen stetig und werden immer besser. Seit die “Großen”, wie Netflix und Amazon Video in Deutschland voll dabei sind, geht es ziemlich ab im Streaming-Bereich. Selbst Apple hat nun nach langer Wartezeit endlich seine Apple TV-Box generalüberholt und das ganze Ecosystem auf eine neue Basis gestellt.

Wir wollen einen Oscar gewinnen. Unser gegenwärtiges Ziel ist es, 16 eigene Filme pro Jahr zu produzieren. Jeff Bezos, Amazon-Chef

Aber mal alles der Reihe nach:

Der Wettbewerb um die beste Streaming-Box geht in die nächste Runde. Es begann mit der Ankündigung des neuen Apple TV, dann kam unmittelbar danach eine Amazon-Ankündigung der überarbeiteten Fire TV-Box und auch Google wartet nicht lange und bringt einen neuen Chromecast Dongle, nachdem es zu Jahresbeginn schon den von Asus gebauten Google Nexus Player seitens Google für die Android TV-Plattform gab. Alle Boxen zumindest optional mit in der Fernbedienung eingebautem Mikrofon, wenn man die Handy-Apps mal mitrechnet.

Apple TV 4Gen Preise

Das neue Apple TV kommt mit einer neuen Remote und erstmalig mit der Unterstützung eines App Stores für Apple TV. Zudem hat die Fernbedienung jetzt ein Touchpad und ein Mikrofon integriert. Somit sind Games einfach spielbar und Siri ist für’s TV “getunt”, um mit den dort üblichen Begriffen, wie Schauspielern, Filmtiteln etc. besser umgehen zu können.

Amazon kontert das neue Apple TV auch mit einer neuen Fire TV Box mit stark verbesserter Hardware, die nun auch intensiveres Gaming und sogar 4k-Streaming erlaubt – wenn auch nur recht simple 4k-Modi.

Einen speziellen Gamecontroller kann man auch gleich mit im Set kaufen und bekommt dann auch noch eine 32 GB große microSD-Karte mit Spielen drauf mitgeliefert.

FireTVStick-Remote-mit-App-Logos

Selbst der Fire TV Stick wurde überarbeitet und kommt nun wahlweise mit einer Remote, die auch ein Mikrofon enthält. In den USA wurde bereits Amazons Alexa als erweiterte Voice Control integriert, so dass man nun erheblich smartere Fragen stellen kann und auch Smart Home Funktionen, wie auch beim neuen Apple TV mit seinem integrierten Homekit-Support, damit grundsätzlich integrierbar sind. “Fernsehlicht an” wäre doch ein passendes Kommando, oder?

Nvidia Shield Fernbedienung Controller

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier natürlich auch noch die Nvidia Shield Konsole erwähnen, die fürs Gaming als Highlight auch den Nvidia Geforce Now Service – ein Game-Streaming Dienst von Nvidia – direkt mit unterstüzt.

Und nicht zuletzt natürlich die neuen Google Chromecast-Dongles, die es jetzt erstmals auch in einer Audio-Version gibt. Aber dazu später mehr.

Chromecast Dongles in gelb, schwarz und rot

Wie man sieht, kommen die TV-Hersteller immer mehr unter Druck, auch in den TV-Sets extrem leistungsfähige Streaming-HW einzubauen. Zudem wird der Abstand der UI-Qualität zwischen den Boxen und den TV-Sets durch Voice-Controls und erweiterter Sensorik immer größer. Es gibt bislang keine allgemein verfügbare Smart-Voice Plattform, wie Siri, Alexa, Google Now oder Cortana für die TVs. Vielleicht aber tun sich ja mal die TV-Hersteller zusammen und gehen gemeinsam vor und finden eine Lösung. Bislang sind die etablierten Smartphone OS oder die Amazon-Boxen hier klar im Vorteil. Ob sich aber Android TV mit der Google Sprachsuche erweitern lässt und das Mikrofon fester Bestandteil einer TV-Fernbedienung wird, bleibt abzuwarten. Mit den passenden Handy-Apps geht das zumindest bei Philips mittlerweile schon. Teilweise leisten auch universelle Smartphone-Apps bereits Einiges in diesem Umfeld.

Um die Plattformen der Smart TVs attraktiver für Entwickler zu machen sind aus dem mobile Bereich kommende Betriebssysteme im TV ein neuer Big Trend: Android TV (eingesetzt von Sony und Philips), Tizen – in Samsung TVs – , WebOS – die Plattform in LG TVs – , Firefox OS – Panasonic versucht es mit dieser OS-Plattform . Immer mehr Hersteller realisieren, dass sie allein mit einem proprietären Ansatz nicht länger zum Ziel kommen und die Unterstützung proprietärer Ökosysteme zu teuer wird. Ein klarer Gewinner unter den TV-Plattformen ist aber bislang nicht zu erkennen. Und ein Gerücht realisiert sich einfach nicht: Apple baut keine 4k-TVs. Jahrelange Spekulationen verlaufen im Nichts.

Ein Hype des letzten Jahres relativiert sich wohl durch mangelnde Kundenakzeptanz. Nicht alle technischen Neuerungen setzen sich durch. Die in der Presse und seitens der Hersteller stark propagierten Curved TVs kommen anscheinend nicht an. Sony wird keine Curved TVs mehr entwickeln. Details dazu im Artikel von Business 2 Community.

Der Kampf um die Eyeballs wird immer intensiver. TV Broadcast und Internet VoD konkurrieren um die Nutzungszeiten und Reichweiten gerade bei der jüngeren Kundschaft. HÖRZU hat den Artikel dazu.

Quelle: emnid HörZu
Quelle: emnid HörZu

Bei den Inhalteanbietern in Deutschland gibt es auch einen ganz klaren Trend: Sky Go, Unitymedia mit Horizon Go, Telekom Entertain to Go, also praktisch alle TV Netzwerkanbieter versuchen, Live TV auch auf mobile Devices zu bringen. Auch bei den Smartphone-Apps stellt sich eine immer größere Schwemme der klassischen Programmanbieter ein, egal ob Live TV- oder VoD-Angebote: Tagesschau-App, heute-App, N24-App, n-tv-App, ARD- und ZDF-Mediathek, 7TV und RTL, alle wollen in unserer Hosentasche ihren Platz finden. Dabei haben auch fast alle eine komplett verschiedene UI und man ist schon etwas gefordert, bis es auf dem Smartphone TV-streamt.

Lesenswert: Mit IPTV & Android TV über 400 Sender mit EPG empfangen

Meine Erfahrung im Connected Home Entertainment

Es ist schon erstaunlich, auf wie vielen verschiedenen Wegen man mittlerweile Inhalte auf den TV bringen kann. Ich wollte mir die recht skurrile Debatte bei FOX mit den republikanischen Präsidentschaftskandidaten (Donald Trump etc.) mal komplett ansehen und mir das Ganze statt auf meinem Chromebook auf dem TV anschauen. Da ich den Chromecast Dongle grade nicht angeschlossen hatte, legte ich den Clip unter “Später ansehen” ab und startete den Youtube-Client auf meinem iPhone. Aber anstatt – wie von mir geplant – auf das angeschlossene Apple TV zu gehen bot mir die App auch das Streaming auf meiner TechniSat STB oder direkt auf meinem Philips TV an. Ich habe mich dann für meine TechniSat-Box entschieden, weil ich dann meine normale STB-Fernbedienung benutzen kann. Hat prima geklappt. Grade Youtube ist extrem gut in fast allen Plattformen unterstützt. Die Navigation zum Clip habe ich aber in der Youtube iOS-App gemacht und den Clip dort in der “Später ansehen”-Liste angeklickt. Erst als der Clip dann wieder lief, habe ich den Stream an meine TechniSat Box übergeben und dann dort komplett angesehen.

Ich habe mir danach überlegt, welche Wege denn nun möglich gewesen wären:

  • Youtube auf Apple TV: Ging bei mir leider nicht mehr, da mein AppleTV aus der zweiten und nicht aus der dritten Generation ist / war
  • Youtube auf dem Philips TV: Das Philips TV hat eine eigene YouTube-App, die mir aber etwas zu umständlich in der Handhabung ist.
  • Youtube-App auf meiner TechniSat-STB: Da gilt fast das Gleiche, wie bei der TV-App: Ist mir etwas zu hakelig für die Navigation.
  • Youtube im Browser auf meinem Chromebook: Bei angeschlossenem Chromecast-Dongle eine ganz einfache Sache.
  • Youtube-App auf meinem iPhone oder iPad: Aus der App gibt es die bereits benannten Auswahlmöglichkeiten auf die von der App im Netzwerk erkannten Geräte und Apps. Aber auch der Weg über Airplay und das Apple TV ist eine gute Alternative.

Ich lasse jetzt mal bewusst die Optionen auf meinem MacBook weg, das wird einfach zuviel ;-)

Also, was das Streaming aus Apps heraus angeht, sind wir mittlerweile wirklich im Connected Home angekommen. Und da geht mittlerweile wirklich ne Menge an Content auf den verschiedenen Geräten hin und her und eigentlich fast ohne Probleme. Das ist doch endlich mal ein echter Fortschritt.

TechniSat TechniCorder ISIO STC
TechniSat TechniCorder ISIO STC

Übrigens: Meine TechniSat Box ist die ISIO STC, das neueste Modell, das grundsätzlich schon Twin-Tuner eingebaut hat und sich um weitere 2 Tuner erweitern lässt. Dann hat man 4 Tuner, mit denen man parallel arbeiten kann. Z.B. zwei parallel laufende Aufnahmen auf die interne oder externe Disk und zwei Streams zu Tablets oder Smartphones bzw. PCs. Ich habe mir die Box besorgt, sie aufgerüstet mit Disk und dem Zusatztuner und es ausprobiert. Die  Box schafft das wirklich ohne größere Probleme, 4 Streams abzuspielen. Hatte einen auf dem TV-Screen und drei auf Handies und einem Tablet und alles lief ruckelfrei. Natürlich braucht man dafür auch eine gute WiFi-Verbindung zu den Clients. Aber es ist schon beachtlich, was aktuelle Set-Top-Boxen so leisten können.

Streaming Music

Ja, das war in diesem Jahr wirklich Top-Thema, weil es so richtig ab ging bei den Musik-Streaming-Diensten. Haupt-Auslöser war Apple mit seinem neuen Apple Music Service, der neben dem Single User Account für 9,99 Euro auch ein Familien-Abo für bis zu 6 Personen anbietet. Das hat die vorher etablierten Mitbewerber Spotify und Deezer kräftig unter Druck gesetzt und Deezer hat auch bereits einen fast identischen Family Tarif angekündigt, der bis zu 6 User für 15 Euro unterstützt. Spotify scheint noch zu zögern, da der Service wohl dringend seine Premium-User benötigt, um wenigstens einigermaßen rentabel zu werden. Auch Google und Amazon bieten in Deutschland Musik-Streaming an. Bei Amazon ist alles im Amazon Prime-Abo mit drin, bei Google sind wie bei Apple Music 9,99 Euro fällig. Bei Apple sind beim Start 3 Monate frei, bei Google sind es immerhin 30 Tage. Einen guten Vergleich der Music Streaming Services in Deutschland gibt es hier.

Beatles Streaming
TIDAL geht als Streaming Service unter neuem Besitzer weltweit an den Start. Mit Jay Z ist erstmals ein Künstler selbst auch Eigentümer eines Streaming Services. Er hat auch gleich einen ganzen Schwung bekannter Pop-Stars mit ins Boot geholt. Bekannte Namen, wie Coldplay, Rihanna, Daft Punk, Alicia Keys, Calvin Harris, Jack White, Madonna, Usher, Arcade Fire, Deadmau5, und Beyoncé folgten Jay Z und haben sich mit beteiligt. Tidal bietet dabei auch High Res-Audio und unkomprimierte CD-Formate zum Streaming an, ist also klanglich eine echte Perle unter den Streaming-Services. Es ist aber auch der mit Abstand teuerste Dienst, den man buchen kann.

Selbst Youtube hat in den USA mit YouTube Red einen Premium Video und Music Service gestartet, der allerdings noch nicht hier bei uns in Deutschland verfügbar ist. Mal sehen, was noch so kommt.

Ich habe nach der Testphase bei Apple Music aber nicht weiter mitgemacht, weil ja eben doch nicht alle Künstler ihre Titel zum Streaming anbieten und ich als Amazon Prime-Kunde ja nun auch einen – zwar etwas abgespeckten – Service mit Abo habe. Und auch mein Spotify Premium im Mobilfunk-Bundle habe ich wieder gekündigt. Ich nutze Music-Streaming einfach viel zu selten. War auch nie ein iPod oder Mp3 Player-User. Nicht zuletzt auch, weil ich einfach nicht gern dauernd mit Ohrstöpseln rumlaufen will. Ich höre Musik lieber über Lautsprecher, aber auch da tut sich ja mittlerweile ne Menge im Markt.

Bei der Musik gehe ich eher den “altmodischen Weg”. Ich habe mittlerweile einen Synology DS215j NAS bei mir zuhause laufen und schon die Hälfte meiner CD-Sammlung lossless im FLAC-Format gerippt. Die Software “dBpoweramp CD ripper” kann ich dabei nur wärmstens empfehlen. Kostet zwar etwas Geld, aber dafür erkennt die Software praktisch jede CD und holt die Alben-Cover genauso aus dem Netz, wie die durchschnittlichen User Ratings und – was beim Archivieren der CDs auf den NAS wirklich sehr wichtig ist – die Software ermittelt automatisch die Checksum der Audio-Datei und vergleicht sie mit den Werten, die andere User beim Rippen erzeugt haben und zeigt dann optisch an, wenn der Rip 100% ok ist und mit denen anderer User übereinstimmt. So kann man sich sicher sein, dass keinerlei Fehler auf der gerippten CD waren. Wirklich eine tolle Sache.

dbpowerampcdripperbig

Als Schmankerl ist die Software auch Multi-Drive fähig und so habe ich dann meine zwei DVD-Laufwerke gleichzeitig benutzt und da geht’s dann recht flott voran.

Und vom NAS aus kann ich dann die Musik über meinen Denon Media Streamer an meiner Stereo-Hifi-Anlage nutzen oder die Musik direkt auf meinem Smartphone abspielen. Die Synology Apps für Musik und Photos sind echt brauchbar. Das Ganze habe ich dann hinter ein VPN gepackt, das auch auf dem Synology läuft und jetzt kann ich von unterwegs aus auf alle meine CDs zugreifen. Mein eigener kleiner Streaming-Service mit all meinen Lieblings-CDs. Und wenn ich will auch in voller CD-Qualität zum Mitnehmen.

Smart Cars: Self Driving & Entertainment

Das Thema “Self Driving Car” war unvermindert präsent, aber letztlich ist das Thema schon noch ein wenig in der Zukunft zu sehen. Aber für den Öffentlichen Nahverkehr gibt es da schon konkretere Projekte in der Schweiz. Das sind Post-Autobusse ganz ohne Lenkrad, die allerdings auch nur recht langsam fahren dürfen. Details bei Heise. Sascha konnte sich hingegen schon den Freightliner Truck in Nevada ansehen – sehr beeindruckend, was sich da im Warentransportwesen tut.

Car Entertainment: Erste integrierte Lösungen für Android und iOS mit Spiegelung der wichtigsten Apps auf den eingebauten Screen im Auto sind mittlerweile in Serie. Da funktionieren dann ausgewählte Apps direkt im Screen des Autos. Bei der Nutzung kommen die Apps aber doch eher “Basic” rüber. Apple CarPlay heißt das bei Apple für iOS und Android Auto bei Google.

Oft sind in neuen Autos beide Systeme unterstützt. Ein anderes gerade stark beworbenes Feature ist WLAN im Auto. Die Werbeclips beim neuen Astra heben stark darauf ab. Genau wie auf das Satellitengestützte OnStar-Paket, das bei Unfall Hilfe rufen kann.

Der größte Coup im Bereich Autos war aber letztlich die Übernahme von Nokia Maps durch die drei Autoriesen Audi, BMW und Daimler. Hier haben die Entwicklungsleiter wohl begriffen, dass das Straßenmaterial und seine aktuelle Qualität zu einer wesentlichen Komponente im Auto geworden ist. Durch den Zugriff auf die gesamten Kartendaten und deren Pflege können die Hersteller nun beeinflussen, was an Inhalten zu den Karten dazugehört und haben ein Asset, dass bereits unter Nokias Führung weltweit lizensiert war unter anderem an Microsoft, Samsung, Amazon und viele Automobilhersteller.

Mobile E-Commerce: Weihnachtseinkäufe auf dem Handy

Mit der  Smartphone-Revolution ändert sich nun wohl auch zunehmend das Kaufverhalten der Nutzer. Online-Anbieter mit aktiver Untersützung der mobilen Kunden auch für das Online-Kaufen verzeichnen starke Zuwächse. Die Statistiker sagen, in den USA läuft schon über die Hälfte des Weihnachts-Online-Shoppings direkt über das Smartphone. Es scheint immer weniger wichtig zu sein, die Ware vor dem Kauf in Händen zu halten. Bei technischen Produkten ist das ja durchaus verständlich, es scheint aber doch, dass sich das Kaufverhalten auch für klassische Produkte, wie Kleidung und allgemeine Lifestyle-Produkte sehr zugunsten des Online-Schnäppchenshoppens verschiebt.

Onlineshopping mobil und desktop - Mobil wächst stärker
Quelle: marinsoftware.de

Die gerade schon im November laufenden Black Friday- und Cyber-Monday-Aktionen scheinen ein Indiz für dieses veränderte Kaufverhalten. Es mehren sich allerdings auch die kritischen Meinungen, die von aufgeblasenen Rabatten sprechen und dringend zum umfassenden Preisvergleich raten.

Einen auch durchaus kritischen Kommentar fand ich recht passend, der im Handelsblatt zu finden war.

handelsbl_schnaeppchentag

Online Shopping hat sicher seinen Platz beim Einkaufen. Aber ob man jeden Hype mitmachen muss und sich im Zweifelsfall unnötig unter Stress setzen lassen sollte, möchte ich doch stark bezweifeln. Wo bleiben dann die schönen Abende beim Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt nach dem Weihnachtsshopping in der Stadt ?

Weihnachtsmarkt mit Glühwein und ohne Smartphone