Kalt erwischt – Heizungssteuerung mit Smart Home

Neben den Leitthemen Sicherheit und Komfort spielt vor allem “Energiesparen” im Smart Home eine der größten Rollen. Die besten Einsparpotentiale versprechen sich bei der Heizungssteuerung mit dem tollen Nebeneffekt, das man ganz nebenbei auch noch einen Funken Komfort erhält. Kein Wunder das sich die verschiedensten Systeme daher einer immer größeren Beliebtheit erfreuen.

Zu Beginn diesen Jahres war Smart Home auf einmal in aller Munde, als Google in einem Milliarden schweren Deal die intelligente Heizungssteuerung “Nest” gekauft hatte. Neben einem ansprechenden schicken Design, verfügt das Thermostat über einen intelligenten Algorithmus, welcher in der Lage ist aus den Gewohnheiten der Bewohner zu lernen. So ergibt sich mit der Zeit vollautomatisch ein individuelles Heizprofil, welches die Temperatur nach den Bedürfnissen des Bewohners anhebt- oder absenkt.

Google nest Thermostat
Google nest Thermostat

 

Dabei ist Nest mit der Zentralheizung direkt verbunden und steuert dessen Brenner. Eine Lösung welche vorrangig für Eigenheimbesitzer in Frage kommt. Hierzulande ist das Nest Thermostat noch nicht erhältlich, aber es gibt Alternativen. Das deutsche Startup tado, welches auch gern als das deutsche Google Nest bezeichnet wird, arbeitet sehr ähnlich wie dieses. Mithilfe einer Smartphone App, weiß das tado Connector Kit, welches ebenso mit dem Heizkessel verbunden ist, wann der oder die Bewohner zu Hause sind und kann somit zielgerichtet die Heizung hoch- oder herunterfahren. Durch die GPS Funktion des Smartphones weiß tado sogar wann sich der erste Bewohner auf dem Heimweg befindet und kann so die Heizung wieder hochfahren.

tado Heizungsthermostat
tado Heizungsthermostat

Seit kurzem gibt es auch einen Dritten in diesem Bunde. Der französische Hersteller netatmo, welcher vor allem durch seine intelligente App gestützte Wetterstation bekannt geworden ist, versucht sich nun auch mit einer Heizungssteuerung. Nach dem gleichen Prinzip wie auch Nest und tado – steuert netatmo die Heizung direkt. Der Algorithmus von netatmo berücksichtigt dabei auch die Aussentemperatur um die eingestellte Temperatur zur gewünschten Zeit zu erreichen.

netatmo Heizungssteuerung
netatmo Heizungssteuerung

Mit diesen Lösungen lassen sich zwar die Heizkessel individuell steuern und so viel Energie sparen indem die Heizung heruntergefahren wird wenn niemand zuhause ist, doch für Mietwohnungen ist dies keine Lösung.

Hier sind es vor allem elektronisch Heizkörperthermostate, welche problemlos nachgerüstet werden können und eine individuelle Einzelraum-Temperaturregelung erlauben. Da diese Lösungen sich einer immer größeren Beliebtheit beim Kunden erfreuen, schmeißen die Hersteller förmlich mit Angeboten um sich sobald das Thermometer Draußen den Gefrierpunkt erreicht.

Heizkörperthermostate welche nach einem sturen Heizplan die Raumtemperatur auf einen bestimmten Wert bringen oder absenken gibt es schon ab 10 Euro. Ausgestattet mit einer Temperatursturz Erkennung, können diese günstigen Thermostate, das zum Lüften geöffnete Fenster erkennen und schließen unverzüglich das Heizungsventil. Durch verschiedene Profile kann an Wochenenden eine andere Temperatur als an Werktagen gefahren werden, so das die Temperatur tagsüber während man auf der Arbeit ist abgesenkt und pünktlich zum Feierabend das Zimmer auf mollige Temperaturen aufgeheizt wird.

So richtig smart sind diese Lösungen nicht, erfüllen aber erstmal ihren Zweck. Preis-Leistung stimmt und die Anschaffung ist in der Regel innerhalb von ein bis zwei Heizperioden amortisiert.

Wer allerdings auf mehr Flexibilität angewiesen ist, beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten, Überstunden oder einfach etwas mehr Komfort haben möchte, dem werden die günstigen “Baumarkt Heizkörperthermostate” nicht lange Freude bereiten.

Smarte Heizkörperthermostate – welche sich per App steuern lassen, ermöglichen meist auch den Zugriff von unterwegs. Vor der Anschaffung sollte man sich eine wichtige Frage stellen: “Möchte ich eventuell mehr Gewerke als nur die Heizung steuern? ”

Dies ist insofern wichtig, da es zwar sehr viele App basierte Heizungssteuerungen gibt, welche sich jedoch nicht mit anderen Komponenten erweitern lassen, wie zum Beispiel Komponenten für die Lichtsteuerung.

Max! Heizungssteuerung
Max! Heizungssteuerung

Zu solchen System zählt in etwa das Heizungssteuerungssystem MAX!. Das aus dem ostfriesischen Hause eQ-3 stammende System, aus welchem übrigens auch Homematic und RWE SmartHome kommen (nicht untereinander kompatibel) erfreut sich vor allem durch den relativ günstigen Preis einer hohen Beliebtheit. Bestehend aus einer Zentrale, dem Cube (etwa 40 Euro) welcher mit dem heimischen Netzwerk verbunden wird, funkt dieser mit den Heizkörperthermostaten (ca. 29 Euro).

Wie auch den günstigen “Baumarkt Thermostaten” liegt dem System zunächst einmal ein definierter Zeitplan zugrunde. Vorteil, dieser lässt sich per PC oder Smartphone definieren und muss nicht unbedingt mühsam am Heizkörperthermostat direkt per Tasten eingetippt werden. Auf individuelle Bedürfnisse kann man schnell mit der Smartphone App reagieren und die Temperatur auf Wunsch erhöhen oder absenken.

Auch die Bekannte Marke Honeywell hat eine smarte Heizungssteuerung vorgestellt. Das System mit dem Namen evohome lässt sich per Display Einheit steuern und bei Bedarf mit Komponenten wie einem Kesselrückgriff oder einer Warmwasseranforderung erweitern. Damit die Temperatur auch von unterwegs per Smartphone variiert werden kann, bedarf es hier einem zusätzlichen Gateway der extra erworben werden muss.

Honeywell-evohome-heizkoerperthermostat-montage

Möchtest du dein Smart Home System nach der Heizungssteuerung auch auf andere Gewerke ausbauen, so solltest du auf Systeme wie Homematic, RWE SmartHome, Homewizard oder Fibaro schauen. Diese Systeme sind nur eine kleine Auswahl an Smart Home Systemen welche verschiedene Gewerke automatisieren können. Der Aufbau ist allerdings meist gleich. Eine Zentrale welche die Schnittstelle in das heimische Netzwerk bildet und per Funksystem mit den Smart Home Komponenten kommuniziert.

Homematic darf hier wohl als Pioneer der Hausautomatisierung bezeichnet werden. Das System ist zwar proprietär, also nur mit Komponenten des eigenen Systems erweiterbar- jedoch hat Homematic davon eine recht große Auswahl. Einziges Manko ist wohl die meiner Meinung nach recht unübersichtliche, altbackene Konfigurationsoberfläche.

Wer mit Homematic in die Heizungssteuerung einsteigen möchte, der kann sich mit deren Heizkörper- und Wandthermosthermostaten versuchen. Auch Fensterkontakte können direkt an die Thermostate angelernt werden.

 

homematic-thermostat

Hat man dann Gefallen an der Geschichte gefunden, lässt sich das System um die ca. 100 Euro teure CCU, also der Zentrale von Homematic erweitern. Mithilfe dieser lassen sich dann die Thermostate auch per Smartphone steuern. Wer nicht so firm in Portfreigaben, DynDNS oder VPN ist, der muss bei Homematic auf einen Drittanbieterdienst zurückgreifen. Die ersten 12 Monate sind zwar kostenlos, dennoch eine unschöne Sache wie ich finde – so ein Service gehört einfach kostenlos und vom Hersteller direkt angeboten.

 

Die RWE Zentrale hat eine etwas hübschere Oberfläche als die Homematic, obwohl diese aus dem gleichen Hause kommt. Allerdings sind beide Systeme untereinander nicht kompatibel und auch die Komponenten sind unterschiedlich – zumindest in Punkto Design.

Preisbewusste Käufer sollten sich den Homewizard ansehen, dieses System arbeitet mit 433Mz Komponenten zusammen. Das sind zum Beispiel Steckdosen von Intertechno, welche man vielleicht sogar aus dem Baumarkt kennt. Auch dieses System unterstützt seit diesem Winter die Möglichkeit der Heizungssteuerung und dies via günstiger Heizkörperthermostate, welche vom Design gar nichtmal so schlecht aussehen.

Heizungsthermostat-homewizard

Apropos Design. Bei Technik hat zwar bislang meist der Mann entschieden und gekauft, im Smart Home ist dies etwas anders. Da viele Komponenten in der Wohnung im sichtbaren Bereich installiert werden, ist im Smart Home der WAF (Women Accepted Factor) äußerst wichtig. Daher entscheidet letztendlich nicht nur der Preis und die vielen technischen Specs darüber, welches System Einzug in den eigenen vier Wänden hält – sondern vor allem das Design.

In diesem Zusammenhang sollte auf jedenfall das System des polnischen Herstellers “Fibaro” genannt werden. Quasi als der Apple unter den Smart Home Herstellern setzt dieser Hersteller auf das Z-Wave Protokoll und ist damit mit vielen anderen Herstellen kompatibel. Die Designaffinität wird vor allem bei Komponenten wie dem “Motion Eye” deutlich, welches einem Katzenauge nachempfunden wurde. Das “Auge” kann nicht nur Bewegung erkennen, sondern misst auch die Helligkeit, Temperatur und erkennt Erschütterungen.

Product Catalogue (UK) - Press Pack

Praktisch vor allem für die Heizungssteuerung, denn so kann die Raumtemperatur im Raum selbst ermittelt werden und nicht, wie bei vielen anderen Thermostaten direkt am Heizkörperthermostat. Für Heizungsventilsteuerung kann das Danfoss Heizkörperthermostat an das Fibaro Home Center 2, bzw. die günstigere Alternative – das Home Center angelernt werden. Per Zeitsteuerung oder Smartphone App kann so auch mit der Fibaro die Raumtemperatur gesteuert werden.

Übrigens: auch der Powerline Spezialist Devolo und der Netzwerkhersteller D-Link, sowie TV Zubehör Hersteller “Schwaiger” werden auf das Z-Wave Funksystem setzen. Die Fibaro Komponenten sind somit zu all diesen Systemen kompatibel und andersherum.

Ein Touecozy thermostat_white wallch mehr Design könnten wir vielleicht in der kommenden Heizsaison erhalten, wenn “eCozy” vielleicht in Serienproduktion geht. Das Heizkörperthermostat verfügt nicht nur über ein Touchdisplay, sondern kommuniziert per Zigbee mit der Central Unit. Auch diese besitzt eine smarte Intelligenz und ist “lernfähig”. Sie weiß ganz genau wann und zu wie viel Prozent das Heizkörperventil geöffnet werden muss, um zur gewünschten Zeit die definierte Temperatur zu erreichen.

 

Das Angebot der smarten Thermostate ist in den letzten Jahren der Markt, stark gewachsen. Effektive Heizungssteuerungen sind teilweise für wenig Geld zu haben und ermöglichen neben der Energieeinsparung ein Hauch von Komfort und Luxus. Schluss mit den Zeiten als wir Morgens in das kalte Badezimmer kamen oder beim Lüften “das Geld aus dem Fenster geblasen haben”.