Kaum noch Innovationen: der Smartphone-Boom ist vorbei

Der Markt für Mobile Geräte wird in den kommenden 5 Jahren kaum noch wachsen. Apple, Samsung oder Huawei könnten als Gewinner aus dieser Phase hervorgehen, die wohl gerade kleineren Herstellern das Genick brechen wird. In den Industrieländern halten sich die Käufer zurück, weil es an Innovationen mangelt.

Das war es dann wohl mit der Theorie vom unendlichen Wachstum. Die Marktforscher von CCS insight haben die Verkaufszahlen und Prognosen verschiedener Hersteller und Auftragsfertiger zusammengefasst und analysiert und gehen von einer vorerst vollständigen Sättigung des Marktes für mobile Geräte aus. Innerhalb der kommenden fünf Jahre wird sich das Niveau bei rund 2 Milliarden Geräten pro Jahr einpendeln.

Die Weltbevölkerung wächst stetig, die großen Smartphone-Hersteller hoffen auf immer neue Käufer in den Wachstumsmärkten Indien, Afrika und (immer noch) China. Auch Plattformen wie Facebook und Google suchen permanent nach neuen Wegen, die einen noch größeren Teil der Menschen ins Netz und somit mehr oder weniger zwangsläufig in den Besitz eines Smartphones bringen könnten. Doch die Realität sieht anders aus, wie CCS insight nun feststellt, und liefert auch gleich eine plausible Erklärung.

Smartphones? Kaum noch Innovationen

Ein Mangel an Innovationen sei einer der Gründe, warum sich gerade Käufer in den Industriestaaten zunehmend in Zurückhaltung üben und ihr eventuell bereits vorhandenes Smartphone immer seltener durch ein neues Modell ersetzen. Diese Zurückhaltung wirkt sich offenbar so stark auf den weltweiten Markt aus, dass kaum ein Hersteller dies in den kommenden Jahren durch ein eventuell realisiertes Wachstum in anderen Regionen kompensieren kann.

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Dementsprechend werde der prozentuale Anteil von Smartphones am Markt für Mobilfunkgeräte zwar weiterhin wachsen, das klassische “Handy” ist schließlich auf dem Rückzug. Momentan beträgt der Anteil von Smartphones circa 75%, im Jahr 2020 dürfte er bei circa 90% liegen. Das führt zwar auf den ersten Blick zu einer Steigerungsrate beim Absatz von Smartphones von 4,1% gegenüber dem Vorjahr, doch mit absoluten Steigerungen des Marktes sei nicht mehr zu rechnen. Das jahrzehntelange Wachstum im Mobilfunkbereich ist insgesamt beendet.

Schon im laufenden Jahr 2016 soll die Industrie im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von rund 1,3 Prozent verzeichnen. China treibt den Markt zwar weiterhin an, doch auch dort pendelt sich das Niveau auf absehbare Zeit bei circa 450 Millionen Einheiten pro Jahr ein.

“After years of analysts and commentators talking about mobile phone market peaking within the visible horizon, it has now reached that point”. Marina Koytcheva, Director of Forecasting CCS Insight

Ein wichtiger Faktor für den Boom der vergangenen Jahre war lt. CCS insights die schnell zunehmende Adaption von LTE. Im laufenden jahr werden rund 1,11 Milliarden LTE-Smartphones verkauft, bis zum Jahr 2020 sollen es rund 1,65 Milliarden Smartphones sein. Dies unterstreicht, wie wichtig eine funktionierende Netz-Infrastruktur und erschwingliche Mobilfunk- bzw. Datentarife für die Hersteller sind. Mit 5G stehen ein weiterer Zuwachs der Geschwindigkeit und neue Anwendungsmöglichkeiten bereits an, aber frühestens 2020 wird es hier zu einer signifikanten Auswirkung auf den Markt kommen.

Kleinere Hersteller werden verschwinden

In der momentanen Phase wird sich herausstellen, wer in diesem gesättigten Markt weiter bestehen kann. Während Apple, Samsung oder Huawei weitestgehend ohne Probleme ihre Produktion skalieren, selbst produzieren oder Druck auf die Zulieferer von Komponenten ausüben können, werden es gerade kleinere Hersteller in Zukunft weitaus schwerer haben. Die Margen werden hier unweigerlich sinken, was wiederum zu geringeren Investitionen bei Forschung und Entwicklung führt.

Ein weiteres Indiz für eine anstehende Bereinigung des Marktes sehen die Forscher in den erstmals seit Jahren wieder steigenden Preisen für einzelne Komponenten. Sowohl Bildschirme als auch Speicher- und Kamera-Module seien knapper und somit teurer geworden, während sich die Preise für Smartphones in den unterschiedlichen Preis- und Leistungskategorien weitestgehend einpendeln.

Kritiker werfen gerade den Big Playern seit geraumer Zeit vor, nicht genügend in die Forschung und Entwicklung neuer Komponenten und Technologien zu investieren und so unmittelbar für das ausbleibende Wachstum verantwortlich zu sein. Das erneut kaum überarbeitete iPhone 7 zeugt nicht unbedingt von Mut zur Innovation und die brennenden Akkus des Galaxy Note7 lassen die Begehrlichkeiten der Verbraucher sicherlich ebenfalls nicht wachsen. Mit anderen Worten: eine vorübergehende Stagnation könnte durchaus im Sinne von Apple, Samsung oder Huawei sein, wenn kleinere Hersteller diese Phase nicht überleben.

Auf der anderen Seite darf man sicherlich festhalten, dass diese Theorie vom unendlichen Wachstum ebenfalls genügend Ansätze zur Kritik bietet. Die Industrie schiebt drängende Herausforderungen wie eine problematische Rohstoffförderung oder das spätere Recycling entgegen aller Beteuerungen vor sich her. Der ein oder andere Verbraucher könnte tatsächlich langsam auf den Gedanken kommen, dass das Ende eines Mobilfunkvertrags auch deshalb nicht zwingend zu einem neuen Smartphone führen muss.

via ccsinsight.com