Kommentar: Lumia ist tot – es lebe Windows 10 Mobile

Stempel Drauf - Die Marke Lumia ist tot. Microsoft zieht sich vom Smartphonemarkt - als Hardwarehersteller - zurück. Dies bedeutet aber nicht, dass Windows 10 Mobile mit stirbt.
von Marco Wilde am 14. September 2016

Wer in den letzten Wochen die News bzgl. Microsofts mobilem Betriebssystem Windows 10 mobile verfolgt hat, den erschlägt die Tatsache, dass Microsoft die Marke Lumia in die ewigen Jagdgründe schickt. In den Medien schwingt dabei immer auch der Tod von Windows 10 mobile mit. Doch dies ist nicht ganz korrekt.

Lumia und Windows 10 mobile sind doch sehr verwandt, dennoch heißt das Ableben eines Teils nicht, dass das Gesamtkonstrukt von dannen zieht. Denn man muss hier dringend zwischen Hard- und Software unterscheiden und bedenken, dass Windows 10 Mobile ein fester Bestandteil der „One Windows“-Strategie ist.

Microsoft hat jedoch die Entwicklung verschlafen und Windows Phone zu spät auf den Markt gebracht. Die Marktmacht von Google und Apple war und ist bis heute einfach zu stark. Man hätte sich zwar als guter Dritter hinten anstellen können, doch dafür war das System zu Beginn einfach nicht ausreichend. Windows Phone 7 beinhaltete gute Ansätze, es fühlte sich aber – und das auch aufgrund der fehlenden Apps – einfach nicht vollständig an.

Als dann der Sprung auf Windows Phone 8 erfolgte, wurde das System zunehmend besser. Doch eine Großzahl der Nutzer war zu diesem Zeitpunkt schon abgeschreckt. Nokia hat hier versucht mit einem großen Software-Angebot gegenzusteuern, doch die Bemühungen waren angesichts der heutigen Tatsachen vergebens.

Jetzt mit Windows 10 mobile ist das Betriebssystem in meinen Augen auf einem Stand, der dem der Konkurrenz sehr nahe kommt. Viele Dinge wurden nachgepflegt und Microsoft hat bei der Entwicklung immer ein offenes Ohr für die Nutzer. Dies freut die wenigen Fans, kümmert den Großteil der Smartphone-Nutzer aber nicht die Bohne – denn sie nutzen Windows 10 mobile schlichtweg nicht.

Dass Microsoft jetzt anfängt die Marke Lumia nach und nach einzustampfen ist aus unternehmerischer Sicht eine notwendige Maßnahme. Die ehemals von Nokia eingeführte Marke Lumia konnte nie richtig Fuß auf dem Smartphone-Markt fassen, da hat der Aufkauf durch Microsoft auch nichts dran geändert.

Daher scheint es nun so, als ob mit dem Fall der Lumias auch das Betriebssystem ad acta gelegt wird. Dies ist jedoch ganz klar falsch. Die Redmonder trennen sich schlichtweg von der Hardwaresparte, bzw. stampfen diese aus Kostengründen ein. Die Entwicklung von Windows 10 mobile wird aber weitergehen. Der Grund dafür? Nun zum einen erhofft sich Microsoft, den Businesskunden mit Windows 10 mobile und Continuum das perfekte System an die Hand zu geben, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Zum anderen ist Windows 10 mobile so gesehen ein Abfallprodukt von Windows 10 – es bedarf also kaum einer großen Entwicklungsarbeit, um das System weiterzupflegen.

Microsoft zieht dem Endkunden durch diesen Schritt nun den Stecker. Vorerst wird es keine neuen Smartphones von Microsoft mehr geben. Microsoft hat die Lumias bereits aus dem eigenen Store genommen und erste Berichte aus Großbritannien zeigen, dass die Produktion bereits seit längerer Zeit gestoppt wurde, denn Microsoft ist nicht mehr in der Lage, Ersatzgeräte für einen Defekt zu liefern.

Was das nun für die treuen Fans und Nutzer von Windows-Smartphones bedeutet, fragt ihr euch? Nun ja, zu erst einmal solltet ihr euer Gerät fortan behutsam behandeln. Denn wenn die restlichen Geräte, die bei den Händlern im Abverkauf liegen, weg sind, wird es erst einmal kein neues Windows Smartphone von Microsoft geben. Wie sich die OEMs hier positionieren und ob es von HP und Co. weitere Geräte mit Windows 10 mobile geben wird, steht aktuell in den Sternen.

Weiterhin werden Besitzer eines aktuellen Gerätes aus der x50-Reihe Updates für das System geliefert bekommen, denn wie bereits erwähnt geht die Entwicklung weiter. Microsoft schraubt kräftig an Windows 10 und wird uns auch im kommenden Jahr neue Features aufs Smartphone bringen.

Auch an der App-Situation wird sich so schnell nichts ändern. Klar ist das Zeichen, das Microsoft aussendet, für die Entwicklerszene schlecht. Doch dank Universal Apps wird es auch zukünftig weitere neue Apps und Updates im Store geben, die dann auch auf dem Phone – sowie auf der Xbox – laufen werden.

Microsoft hat zudem nun alle Zeit der Welt, da man nun nicht mehr dem Marktdruck ausgesetzt ist und Geräte verkaufen muss. Dies ist in meinen Augen ein Punkt, der Windows 10 Mobile zu Gute kommt. Denn nun kann man sich ausreichend Zeit nehmen, um neue Features zu implementieren – frei nach dem Motto: „Wenn niemand wartet, dann muss ich mich nicht beeilen“. Und wer weiß, was in zwei Jahren dann auf uns wartet. Die Gerüchte zum Surface Phone halten sich ja schon eine Weile im Netz…