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Don Dahlmann

Kommt das Apple Auto?

Will Apple ein eigenes Auto bauen? Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht, doch bis wir wirklich ein "Apple-Car" sehen werden, vergehen noch ein paar Jahre.

von Don Dahlmann am 17. Februar 2015

Gerüchte in Sache Apple werden ja immer gerne gehandelt. Kaum ist das neue iPhone draußen, gibt es schon Hinweise auf den Nachfolger. Auch neue Produkte, wie ein Fernseher von Apple wurden immer wieder hoch gehandelt, um dann nie auf den Markt zu kommen. Das aktuellste Gerücht aus den USA besagt, dass Apple an einem eigenen Auto arbeitet. Aber wie realistisch ist das?

Die Sache wäre in der Tat sensationell. Apple bringt ein eigenes Auto auf den Markt. Millionen von Apple-Fans stehen dann tagelang vor den Flagshipstores und wedeln mit der Kreditkarte. Nachdem die Firma eigenhändig den Smartphone-, Tablet- und Laptop Markt revolutioniert hat, kann man sich ja jetzt dem immer noch sehr lukrativen Automarkt zuwenden. Warum auch nicht – um ein Fahrzeug zu entwickeln benötigt man so grob über den Daumen gepeilt 1 Milliarde Euro. Bei mehr als 150 Milliarden Dollar Barreserve, zahlt Apple das mehr oder weniger aus der Portokasse.

Aber langsam, denn Apple wird wohl eher kein Auto bauen, das jeder kaufen kann. Statt dessen dürfte es sich, wenn überhaupt, um ein mietbares autonomes Fahrzeug handeln. Tatsächlich sprechen ein paar Dinge dafür, dass Apple sich zumindest ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen könnte.

1. Autonome Fahrzeuge sind ein riesiger Markt. Multimodale Verkehrskonzepte, die darauf beruhen, dass man in Metropolregionen kein eigenes Auto mehr hat, sondern auf eine Mischung aus ÖPNV, Carsharing und Fahrrad setzt, sind schon jetzt ein nicht zu verkennender Trend. Insgesamt wird der Markt auf knapp 25 Milliarden Euro eingeschätzt. Und dies nur zum Start.

2. Apple ist nicht alleine, auch Google arbeitet an einem eigenen Auto. Das kleine, autonom fahrende Google-Car wird von US-Zulieferer Roush gerade in einer Auflage von 150 Stück produziert und soll in Kalifornien eingesetzt werden.

Google Car 2Die Idee hinter dem Google Car ist, dass man einen fahrerlosen Wagen wie ein Taxi per App bestellt. Per Smartphone sieht man, wo das nächste freie Auto ist, per Klick wird es angefordert, rollt vor die Tür und chauffiert einen dann zum gewünschten Ziel innerhalb der Stadt. Als Apple-Car Kunde könnte man theoretisch weltweit überall ein Auto nutzen. Ohne Autovermieter, mit einer einmaligen Anmeldung. Ein Markt auf dem man Milliarden verdienen kann und der auch noch die unter dem Verkehr ächzenden Städte entlastet. Dazu kommen die Daten, die man dabei nebenbei auch noch sammeln kann.

Es macht also Sinn an einem eigenen Micro-Car zu bauen. Kein Tesla, kein 3er BMW, eher eine Art Smart forfour für den schnellen Einsatz auf Kurzstrecken in der Stadt.

Die Herstellung eines eigenen Apple-Car ist weniger kompliziert, als man denkt. E-Motor, Akkus, Aufhängungen, Sicherheitssysteme wie ESP, Airbag usw. bekommt man leicht auf dem Markt. Auch große Hersteller bedienen sich da bei Bosch, Continental, ZF und anderen. Bei der Innenausstattung, den Blechen usw. sieht es genau so aus. Was es braucht ist noch eine Fertigungslinie, aber auch die sollte sich beschaffen lassen. Zu Beginn kann man hier ebenfalls auf externe Anbieter zurückgreifen, wenn das Experiment erfolgreich ist, dürfte die Überlegung entstehen, eine eigene Fabrik zu bauen. Elon Musk hat es mit Tesla ja schon vorgemacht.

Audi_RS7_Concept_02Werden wir also in zwei Jahren mit glänzenden Auge “Hier, Apple, nimm mein Geld” rufen? Eher nicht. Denn die Technologie ist nicht noch nicht so weit. Zwar ist es schon jetzt imposant, was zum Beispiel Audi mit dem A7 Concept gezeigt hat, aber im Grunde ist man immer noch unter Laborbedingungen unterwegs. Zehn Jahre wird es schon noch dauern, bis fahrerlose Autos unterwegs sein können, denn die Liste der Hindernisse ist noch sehr lang. Das fängt bei dem Problem an, dass sich Ampeln mit den bisherigen Sensoren nicht immer zweifelsfrei erkennen lassen und hört bei einer Vielzahl von rechtlichen Problemen auf. Allein die Schuldfrage bei einem Unfall beschäftigt im Moment noch ganze Armeen von Rechtsexperten. So lange dies alles nicht geklärt ist, wird sich auch nichts tun. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass Tim Cook auf der nächsten Keynote mit einem “Ah, one more thing…” ein fahrerloses Auto auf die Bühne rollen lässt.

Unverkennbar ist allerdings, dass Apple ein gesteigertes Interesse an Automobilität hat. Die Verpflichtung von Johann Jungwirth, bis 2014 CEO des Research & Development Centers von Daimler im Silicon Valley ist ein Zeichen dafür, dass Apple sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzt. Allerdings – Jungwirth war bei Daimler nicht für den Bau oder Vertrieb von Fahrzeugen zuständig, sondern für die Entwicklung neuer Technologien im IT-Bereich. Sein Team entwickelte neue Technologien, aber auch Apps für Google Glass, Smartwatches und so weiter.

EMercedes-Benz CarPlays ist wahrscheinlicher, dass Apple zunächst die Integration der eigenen Apple CarPlay Plattform weiter voran treiben möchte. Vor allem für kleine Hersteller ist die Entwicklung eigener komplexer Entertainmentsysteme inklusive Smartphone Integration einfach zu teuer. Apple könnte hier in Zukunft einspringen und Herstellern diese Kosten abnehmen. Natürlich gegen Lizenzgebühren und bei voller Kontrolle der entstehenden Daten. Quasi ein “iOS” für Autos, das so tief eingebettet ist, dass es die Überwachung der Steuersysteme gleich mit erledigt.

Das Gerücht alleine reicht allerdings schon dafür aus, dass bei einigen Automobilherstellern die Alarmglocken angehen. Wenn Google und Apple auf den Markt drängen sollten, dann dürften vor allem jene Hersteller Probleme bekommen, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Kleinwagen machen. Denn wenn Apple und Google Stadtbewohner, die einen Großteil der Kleinwagen kaufen, davon überzeugen, dass man dank ihrer Angebote auch ganz gut ohne eigenes Auto leben kann, wird das den Umsätzen und den eh schmalen Gewinnen nicht helfen. Vor allem im unteren Preissegment könnte Apple den Markt komplett auf den Kopf stellen.