Crowdfunding
Kunstwerke in 3D: So sollen auch blinde Menschen Kunst ’sehen‘ können

Eine Kickstarter-Kampagne sammelt gerade Geld für ein ambitioniertes Projekt: 3DPhotoWorks will Kunstwerke wie die Mona Lisa für Menschen mit Sehbehinderung erfahrbar machen. Gelingen soll das durch eine Kombination aus 3D-Druck und Audio-Guide.

Weltweit gibt es über 285 Millionen blinde oder sehbehinderte Menschen und allein in den USA erblindet alle elf Minuten ein Mensch. Das sind ein paar Hausnummern, über die uns 3DPhotoWorks auf seiner Projektseite bei Kickstarter informiert. Damit weist man drauf hin, was eh jedem klar sein sollte: Blindheit oder auch starke Einschränkungen beim Sehen sind keine Probleme, die nur eine Handvoll Menschen betreffen.

3d gemälde

Mit diesem Handicap muss man sich als Betroffener mit massig Einschränkungen in allen Bereichen des Lebens abfinden, aber glücklicherweise machen nicht nur Technik und Medizin immer wieder Fortschritte, die fast Unglaubliches bewirken können, darüber hinaus sind auch immer wieder engagierte Menschen damit beschäftigt, die Situation für Sehbehinderte zu verbessern.

Ein konkretes Beispiel dafür liefert uns die Kickstarter-Kampagne von 3DPhotoWorks, in deren Rahmen man gerne 500.000 Dollar einsammeln möchte bis zum 9. Dezember. Dabei geht es darum, Blinde in die Lage zu versetzen, erstmals Meisterwerke wie beispielsweise die Mona Lisa sehen zu können. Dabei stützt sich das Unternehmen auf die Arbeiten zur Neuroplastizität vom bereits verstorbenen Dr. Paul Bach-y-Rita.

Er fand heraus, dass Informationen, die man über die Fingerspitzen sammelt, im Gehirn ebenso visualisiert werden können, wie das der Fall ist, wenn wir ein Bild ganz normal mit den Augen betrachten. Unsere Augen und Ohren sind ebenso wie die Haut nur die Rezeptoren, die Informationen aufnehmen. Das, was wir dann tatsächlich sehen ist das Bild, welches erst im Gehirn zu einem solchen gemacht und aufgrund dieses Ansatzes kann man Bilder auch mittels der richtigen Technologie durch Berührungen erfahrbar machen.

Gelingen soll das durch „3D Tactile Fine Art Printing“ – bekannte Werke werden in 3D-Gemälde verwandelt und senden bei Berührung taktiles Feedback an die Fingerspitzen der Person, die das Gemälde anfasst. Auf diese Weise soll im Gehirn ein „mentales Bild“ entstehen und unterstützend sorgen Sensoren im Kunstwerk dafür, dass passend zur berührten Stelle die richtigen Audio-Files gestartet werden mit Informationen zum Bild.

Our goal is to make the world’s greatest art and greatest photography available to Blind people at every museum, every science center and every cultural institution, first in this country and then beyond. John Olson, Co-Founder, 3DPhotoWorks

Mona Lisa 3DJohn Olson möchte diese Art der Kunst zunächst in den USA etablieren, sowohl in Museen, wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen aller Art, später dann auch außerhalb der USA. Schon ab fünf Dollar kann man sich daran beteiligen, dass dieses Projekt umgesetzt wird, wer tiefer in die Tasche greift, kann beispielsweise eine Braille-Uhr oder auch Kaffeetassen mit 3D-Prints von berühmten Gemälden erhalten.

Das Ziel von 500.000 Dollar ist wirklich ambitioniert, aber kommt das Projekt zustande, an welchem die Verantwortlichen bereits seit sieben Jahren arbeiten, werden Millionen Menschen weltweit erstmals in der Lage sein, berühmte Kunstwerke zu erfahren und zu sehen. Das ist die Mühe meiner Meinung nach allemal wert und macht diese Crowdfunding-Nummer zu einer besonders unterstützenswerten.

Quelle: Kickstarter via Wired