Ein Hyundai Ioniq Elektro lädt an einer öffentlichen Wechselstrom-AC-Ladesäule (Quelle: Eigenes Bild).
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Laden wie Tanken – wie nun abgerechnet wird

Seit 1. April 2019 ist ein neues Abrechnungssystem nach Kilowattstunde beim Laden an Ladesäulen gültig. Wir erklären, was es damit aufsich hat und warum es sich langfristig durchsetzen und den bisherigen Zeittarif ablösen wird.

von Claus Ludewig am 15. April 2019

Das Laden ist aktuell ein unübersichtlicher Dschungel. Je nach Standort gibt es eine Vielzahl verschiedener Anbieter. Alle mit Ihrem eigenen Abrechnungssystem. Bisher war die Abrechnung pro Minute üblich. Dabei gab es Anbieter, die beispielsweise pro 15 Minuten eine Pauschale von 0,39 Cent verlangt haben. Unabhängig davon, wie viel Strom tatsächlich geladen wird. Andere Ladesäulen-Betreiber hatten andere Preise, die alle 10 Minuten abgerechnet haben. Und wieder andere Betreiber verlangen einen Betrag pro Ladevorgang. All das ist wenig transparent.

Schuld daran ist das “Eichrecht”. In diesem ist gesetzlich geregelt, dass z.B. eine Ladesäule die exakt abgegebene Strommenge dem Kunden anzeigen muss. Damit diese Messung korrekt ist, muss die jeweilige Ladeeinheit geeicht sein. Nach Jahren, in denen es keine geeichten Ladesäulen gab, ist es nun endlich soweit.

So ist die Tür offen, für die Abrechnung nach tatsächlich geladener Kilowattstunde.

Unterschiedliche Preise – je nach Kilowattleistung der Ladesäule

 

  • Der Preis pro kWh ist unterschiedlich und hängt vom Stromanbieter als auch vom Typ – Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC) – ab.
  • Generell gilt: Bei einer mit Wechselstrom (auch “AC-Ladesäule” genannt) betriebenen Ladesäule ist der Strom pro kWh günstiger als bei einer Schnellladesäule (auch “DC-Ladesäule” genannt). Dafür dauert der Ladevorgang mit AC-Strom länger.
  • Gleichstrom (DC)-Schnellladesäulen bieten mehr Leistung sind dafür aber teurer.

 

Die ersten in Deutschland nach der geladenen Kilowattstunde abrechnenden Anbieter sind Get Charge der Deutschen Telekom, sowie EnBW mobility+. Was bedeutet das konkret für den Elektroauto-Besitzer?

  • An einer Wechselstrom-Ladesäule kostet es bei beiden Anbietern 0,29 Cent pro angefangener, geladener kWh.
  • An einer Schnellladesäule (immer DC-Wechselstrom) kostet die Kilowattstunde 0,39 Cent.

Soweit die neue Preisstruktur. Zu beachten ist, dass bei jedem Elektroauto beim Laden sogenannte Ladeverluste entstehen. Das bedeutet, dass die Steckdose bzw. die Ladesäule mehr Strom liefern muss, als das Akkupaket im Auto aufnehmen kann. Die Ursache sind Leitungsquerschnitte vom Hauptverteiler (z.B. im Haus), Leitungslängen und der Akkutemperatur. Legt man die ersten Erfahrungen zugrunde, so liegen die Ladeverluste bei um die 10% der maximalen Akkukapazität. So können es bei einem 64 kWh-großen Akku schon knapp 70 kWh sein, die geladen werden müssen.

Um das besser greifbar zu machen, ein kleines Rechenbeispiel. Dazu werden pro kWh an einer AC-Ladesäule 0,29 Cent fällig und an einer DC-Ladesäule 0,39 Cent.

  • Als Besitzer eines Elektroautos mit 64 kWh großem Akku, wollt Ihr nun das Batteriepaket wieder voll aufladen. Mit einer vollgeladenen Batterie kommt man im realen Fahrbetrieb (mit eingeschalteter Klimaanlage, Radio, Licht) mehr als 400 Kilometer weit. In der Stadt kommt so ein Elektroauto sogar noch weiter, auf der Autobahn bei 140 km/h sind es etwas weniger Kilometer Reichweite. Ein Beispiel für ein derartig ausgestattetes Fahrzeug ist der Kompaktklasse-SUV Kia e-Niro, den Mark hier fahren durfte. Unter Einbeziehung der Ladeverluste werden 70 kWh geladen.
  • An einer “normalen” Wechselstrom-Ladesäule (eng.: AC genannt) kostet eine Vollladung knapp 20,30 Euro. Dafür muss der Wagen aber mehrere Stunden an diesem Ladepunkt angeschlossen sein.
  • Bei einer Schnellladesäule mit Gleichstrom (eng.: DC genannt) kostet einmal voll machen, mit 27,30 Euro etwas mehr. Dafür wird über die fest an der Ladesäule verbauten Ladekabel mehr Strom bereitgestellt. Das Elektroauto ist in ein paar Minuten wieder voll.

 

Wie schnell geht das Laden?

  • Tempo beim Laden hängt im wesentlichen von vier Faktoren ab: Akkugröße, Akkustand des E-Fahrzeugs, der verbaute Bordlader im E-Auto und dem Typ der Ladesäule.
  • Merke: An einer Wallbox oder Ladesäule wird immer mit Wechselstrom (AC) geladen. Das geht schneller, als an einer Haushaltssteckdose. Dauert aber trotzdem mehrere Stunden. Zumindest, wenn der Akku komplett leer ist. Mit Wechselstrom zu laden ist ein vergleichsweise schonendes Laden, da unter anderem niedrige Temperaturen herrschen.
  • Merke: Schnellladesäulen arbeiten immer mit Gleichstrom (DC) und bieten die höchste Ladeleistung. Das sorgt für schnelles Aufladen. Typischerweise in 30 bis 45 Minuten ist der Akku wieder voll. Es werden derzeit noch schnellere Gleichstrom-Schnellladesäulen – kurz HPC oder auch Ultra-Schnellladesäule genannt – in Betrieb genommen. Damit dauert der Ladevorgang nur noch wenige Minuten. Durch die hohen Temperaturen müssen die Ladekabel aktiv gekühlt werden und auch das Batteriepaket im Elektroauto erwärmt sich sehr stark, daher sollte Laden an Schnellladesäulen nur gelegentlich gemacht werden, damit sich das Akkupaket abkühlen kann und möglichst lange hält.
  • Merke: Schon die erste Generation von Traktionsbatterien in Elektroautos hält durchaus acht Jahre Betrieb aus – auch mit Laden an Schnellladesäulen. Je nach Pflege des Akkus kann das Batteriepaket noch länger halten. Entscheidend ist der sogenannte State-of-Health-Wert, der mindestens 80% der originalen Akkukapazität (nach einer Vollladung) aufweisen sollte. Dann gilt der Akkumulator noch als gesund und leistungsfähig für den Einsatz im Elektroauto. Fällt das Akkupaket unter diesen SoH-Wert, dann sollte es ausgetauscht werden. Zukünftige Iterationen von Akkupaketen werden sehr wahrscheinlich mindestens genauso lange durchhalten.
Eine mit Gleichstrom (DC) betriebene Schnellladesäule. Typisch sind die integrierten Ladekabeln. Für Elektroautos ohne Schnelllade-Anschluss kann mit Wechselstrom (AC) mit 43 kW geladen werden (Quelle: Eigenes Bild).
Eine mit Gleichstrom (DC) betriebene Schnellladesäule. Typisch sind die integrierten Ladekabeln. Für Elektroautos ohne Schnelllade-Anschluss kann mit Wechselstrom (AC) mit 43 kW geladen werden (Quelle: Eigenes Bild).

Generell gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein Elektroauto aufzuladen. Eine Übersicht, über die verfügbaren Stecker-Typen habe ich hier für Euch zusammengestellt.

Um etwas Licht hinein zu bringen, nachfolgend eine grobe Unterteilung, wie schnell man mit den unterschiedlichen Lademöglichkeiten sein E-Vehikel geladen bekommt:

  • An einer Schuko-Haushaltssteckdose dauert es am Längsten. Daher wird es auch als Ladung mittels “Notlader” bezeichnet. Eine typische Haushaltssteckdose hat eine Ladeleistung von maximal 3,4 kW. Jedoch sollte – gerade bei Altbauten – unbedingt ein Elektriker überprüfen, wie viel die Steckdose tatsächlich aushält.
  • An einer Wechselstrom-Ladesäule – wie auch an einer sogenannten Wallbox zuhause – wird schneller geladen. Die schwächsten Wechselstrom-Ladesäulen und Wallboxen schaffen 7,2 kW. Aktuelle Modelle können dagegen bis zu 22 kW an Ladeleistung bereitstellen. An einer Ladesäulen können übrigens zwei E-Autos zeitgleich laden. Für eine Vollladung benötigt ein Batterie-E-Auto hier mehrere Stunden. Hat der Akku hingegen noch etwas Kapazität übrig, geht auch hier das Laden schneller.
  • Die mit Gleichstrom betriebenen Schnellladesäulen liefern nochmal mehr Ladeleistung. Mindestens 50 kW leisten diese Säulen, die charakteristisch über fest integrierte Ladekabel verfügen. So beträgt die Ladedauer um die 30 Minuten bis knapp unter einer Stunde. Es werden sogar immer neue noch schnellere DC-Wechselstrom-Ladesäulen entwickelt und gebaut. So gibt es – aktuell – auch 350 kW-Schnellladesäulen, die unter anderem von Ionity gebaut werden. Damit sinkt die Ladezeit nochmal deutlich. Je nach Akkugröße und Bordlader können dann auch etwa 15 Minuten ausreichen, um wieder vollen Saft zu haben.

 

Damit die Elektroautos mit der Ladeleistung auch zurechtkommen, ist in jedem Elektroauto und Plug-In-Hybriden ein Bordlader (oder auch “On-Bord-Ladegerät” genannt) verbaut. Gemeinsam mit weiteren Elektrofahrzeug-spezifischen Bauteilen kümmert er sich darum zu koordinieren, mit wie viel Ladeleistung geladen werden soll. Wer sich genauer für das Wirken des Bordladers und weiterer Komponenten eines Elektrofahrzeugs, interessiert, dem habe ich hier einen Beitrag gewidmet. Als Ergänzung könnt Ihr auch mal im Bookazine “SFT MOBIL 01/18 “Der große Elektroauto-Ratgeber (Nr. 1)” schmökern, für das ich ebenfalls Artikel verfasst habe.

 

CO2-Steuer – (K)eine gute Idee

 

  • Klimarat und einige Teilnehmer von #fridaysforfuture fordern eine CO2-Steuer. Also auch eine zusätzliche Besteuerung des Kraftstoffs.
  • Der Kraftstoffpreis wird dadurch steigen. Und das spüren wir alle jeden Tag.

 

Wir haben uns schon mehrfach zur Protestaktion #fridaysforfuture geäußert und prinzipiell sollte uns allen klar sein, dass wir so, wie wir aktuell mit dem Thema Klimaschutz umgehen, nicht weitermachen können. Die Erderwärmung ist real und die Umweltbelastung viel zu hoch.

Die neueste Idee – eine “CO2-Steuer” – sehe ich jedoch zwiegespalten. Im Kern steckt dahinter, dass Unternehmen auf jede Tonne emittiertes CO2 einen Betrag x als Steuerabgabe an den Staat zahlen müssen. Das wird sich aber unter anderem auch auf den Kraftstoffpreis auswirken, da dort ja schließlich auch CO2 in der Herstellung etc. entsteht. Diese zusätzlichen Kosten werden Unternehmen umlegen auf den Kunden. Damit die Preise steigen und es soll ein Bewusstsein geschaffen werden, bewusster mit unseren begrenzten Ressourcen umzugehen.

Die Problematik die sich für mich jedoch ergibt ist, dass dadurch nicht nur der Sprit an Tankstellen teurer wird, nein, alles – ich betone ALLES – wird teurer werden! Denn, wenn man sich nur mal überlegt, wer morgens die Bäckerei mit unserem Frühstück beliefert…Natürlich braucht der Bäcker ein Fahrzeug, mit dem er Utensilien für die Arbeit transportieren kann. Und was ist das für ein Vehikel? Heutzutage sehr oft ein leichtes Nutzfahrzeug oder ein LKW. Beide angetrieben von einem Dieselmotor. Steigt nun an der Tankstelle der Spritpreis aufgrund einer künstlich erhobenen CO2-Steuer, muss der Bäcker mehr Geld für den eigenen Fuhrpark aufwenden. Und diese Ausgaben wird er sich vom Kunden wiederholen, der morgens sein Frühstück kaufen will. Kurz gesagt: Die Preise steigen. So wird das in unzähligen Branchen gehandhabt werden.

Na und? In Schweden ist das ja beispielsweise schon seit 1991 so, könnte richtigerweise argumentiert werden. Es scheint auch zu funktionieren. Nur muss bitte bedacht werden, dass in Skandinavien nahezu ausnahmslos Bargeldlos bezahlt wird und viele Einwohner eine oder mehrere Kreditkarten haben. Sprich: Sie leben “auf Pump”. Das kann gut gehen, aber es kann auch zu einer Überschuldung führen. In Deutschland dem “Land der Sparer und Bargeld-Liebhaber” ist die Verbreitung von Kreditkarten relativ gering. Ob sich also bei unserem aktuellen Finanzverhalten wirklich eine “CO2-Steuer” positiv auswirkt, wage ich kritisch zu hinterfragen. Es könnte eher dazu führen, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch mehr auseinander geht.

Daher halte ich die Einführung einer “CO2-Steuer” für den falschen Weg. Zumindest aktuell.

 

Anreize schaffen statt Strafen

  • Mein Vorschlag ist, lieber Anreize zu schaffen, um ökologischer zu leben, anstatt mit Strafen ala “CO2-Steuer” zu hantieren.
  • Im Verkehrssektor muss und wird eine Verkehrswende kommen. Wer beispielsweise die Ladeinfrastruktur fördert, tut etwas Gutes für den Standort und die Akzeptanz von Elektromobilität.
  • Mehr Ladesäulen bei Einzelhändlern können für mehr Kunden sorgen.

 

Statt Strafen wie die “CO2-Steuer” auszusprechen, die uns alle – unabhängig davon, ob wir Autofahrer sind oder nicht – negativ in Form von exorbitant höheren Preisen trifft, sollten lieber Anreize geschaffen werden. Mit der Förderung zum Ausbau der Ladeinfrastruktur könnte man einerseits der Elektromobilität zu mehr Akzeptanz verhelfen. Denn wenn es mehr Lademöglichkeiten gibt, dann sinkt auch die Angst, irgendwo liegen zu bleiben – Stichwort #Reichweitenangst. Andererseits könnte der Einzelhandel profitieren. Wenn man sowieso auf dem Kundenparkplatz steht und Strom laden kann, dann kann man in der Zwischenzeit bis das Auto wieder voll ist, auch etwas Einkaufen oder einen Kaffee trinken gehen, wie ich das selbst hier gemacht habe. So könnte man dem seit Jahren begegnenden Problem der aussterbenden Innenstädte und dem Tod des Einzelhandels etwas entgegen wirken. Denn nichts – ich wiederhole NICHTS – ist so angenehm, wie einen Großeinkauf mit dem Auto erledigen zu können. Dort hat man einfach am meisten Platz für das Gepäck im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmitteln.

 

Wie seht Ihr das? Ist die Abrechnung nach geladenen Kilowattstunden fairer und gerechtfertigt im Gegensatz zum Zeittarif an Ladesäulen? Würdet Ihr Preiserhöhungen durch eine CO2-Steuer akzeptieren oder hättet Ihr lieber Anreize, um ökologischer zu leben?

 

Quellen und weitere Informationen: