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4×4 in Schools Technology Challenge: So fördert Land Rover den Nachwuchs

Kurz vor dem großen Finale in England haben wir das Deutsche Team All4One der Land Rover 4x4 Schools in Technology Challenge besucht und haben einen Blick auf den fast fertigen Prototypen geworfen. Was wir über das Team und den Wettbewerb gelernt haben, hat uns sehr beeindruckt. Warum, schildern wir euch gerne ausführlich.

von Mobile Geeks am 12. April 2019

Die Automobilbranche befindet sich im technologischen Wandel – Fahrzeuge werden von Jahr zu Jahr ausgereifter, und Dinge wie Assistenzsysteme und Selbstfahrfeatures gehören mittlerweile fast zum Alltag. Als Folge besteht bei den Herstellern ein großer Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Weil Ingenieure bekanntlich nicht auf Bäumen wachsen, sondern aus technikbegeisterten Schülern entstehen, engagiert sich Land Rover seit dem Jahr 2000 sehr intensiv für die Nachwuchsförderung. Aber anstatt einfach nur Geld in eine Marketingkampagne zu stecken, möchte Land Rover junge Menschen früh und langfristig für technische Berufe begeistern.

Mit der „Schools Technology Challenge“ wurde im Jahr 2006 ein Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem Schüler ferngesteuerte Mini-SUVs entwickeln, die dann gegeneinander antreten. Die ferngesteuerten Miniaturgeländewagen müssen außerdem nach genauen Regeln entwickelt, getestet und gefertigt werden. Am Wettbewerbstag müssen diese dann über eine Offroad-Strecke mit den unterschiedlichsten Hindernissen manövriert werden.

Ziel ist es natürlich, Schüler für technische Berufe zu begeistern und damit den Nachwuchs in diesem Bereich zu fördern. Seit 2015 ist die „Schools Technology Challenge“ ein internationaler Wettbewerb und mittlerweile nehmen Teams aus 20 Ländern daran teil.

Das Team „All4One“ vom Hamburger Grootmoor Gymnasium hat sich für das internationale Finale qualifiziert, das Ende April in England stattfinden wird. Ich habe die Gelegenheit bekommen, nach Hamburg zu fahren und dort fünf der sechs Schülerinnen und Schülern bei einem Ihrer Team-Meetings zu besuchen und ihnen einige Fragen zu stellen.

Ein ferngesteuertes MINI-SUV – Wie schwer kann das schon sein?

Auf meiner Bahnfahrt nach Hamburg habe ich die Zeit genutzt, um mich genauer mit dem Wettbewerb und dessen Regeln vertraut zu machen. Um ganz ehrlich zu sein, da ich noch nie von dem Wettbewerb gehört hatte und es sich dabei um einen Schülerwettbewerb handelt, waren meine Erwartungen an die Komplexität des Wettbewerbs und die daran teilnehmenden Autos eher gering. Ich meine, ein kleines ferngesteuertes Auto zu bauen und ein wenig durch die Gegend zu fahren, wie schwer kann das schon sein?

Dass ich mich verkalkuliert hatte, wurde mir sehr schnell beim Studium der 16 Seiten umfassenden technischen Regularien klar. In diesen wird sehr klar geregelt, welche technischen Parameter das Fahrzeug zu erfüllen hat. Dabei werden nicht nur die Rahmenbedingungen für die Abmessungen, das Gewicht und den minimalen Böschungswinkel vorgegeben, sondern auch bereits Vorgaben an den Antrieb und die Steuerung gestellt.

Allein diese technischen Regularien stellen bereits ein anspruchsvolles Lastenheft dar. Als Ingenieur kann ich sagen, dass es schon sehr nah an das heranreicht, womit man später im Arbeitsleben konfrontiert wird.

Nach der Lektüre der technischen Regularien begann ich damit, die 40 Seiten starken Wettbewerbsregularien durchzulesen. Mit jeder Seite wurde mir klarer, dass es sich bei diesem Wettbewerb nicht um einen Schönheitsschaulauf handelt, bei dem Kinder lächelnd und unbeschwert mit ihren ferngesteuerten Autos durch die Gegend fahren. Bevor hier überhaupt gefahren werden kann, steht einiges an Arbeit an.

Vom Lastenheft zum fertigen Mini-Geländewagen

Das Projekt bildet also eine reale Arbeitssituation nach. Um überhaupt an dem Wettbewerb teilenehmen zu können, benötigt man ein interdisziplinäres Team. Denn neben dem Engineering und Coding spielen bei dem Projekt auch Aufgaben aus den Bereichen Design und Marketing eine große Rolle. Und genau wie im echten Leben dürfen auch die Finanzen nicht außer Acht gelassen werden. Das Team muss nämlich auch Sponsoren gewinnen und das Budget darf anders als beim Berliner Flughafen nicht überschritten werden.

In Hamburg angekommen ging es dann mit einem Carsharing-Dienst zum Grootmoor Gymnasium, wo ich die Gelegenheit bekam, das Team „All4One“ kennenzulernen.

Die Erlebnisse des ersten Tages haben wir für euch in einem Video zusammengefasst, in dem ihr nicht nur das Team kennenlernen, sondern auch einen ersten Blick auf den fast fertigen Wagen werfen könnt.

Das Team – viele Hände sind der Arbeit schnelles Ende

Bevor es an das eigentliche Projekt ging, lernte ich erst einmal das Team kennen. Von den sechs Mitgliedern waren fünf da. Gefehlt hat der Projektleiter, was ziemlich genau die Realität des Arbeitslebens widerspiegelt – auch dort begegnen einem die Projektleiter entweder gar nicht, oder erst dann, wenn das Projekt fertig ist. In diesem Fall glaube ich aber, dass vor allem der Abiturstress die Sache etwas schwierig gestaltet hat. Die Teammitglieder kommen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen und sind zwischen 15 und 19 Jahren alt.

Die Aufgabenstellungen im Team sind klar verteilt. Arno Leue (16) hatte die Rolle des Marketingmanagers. Das heißt, er kümmert sich darum, Sponsoren zu gewinnen und muss gleichzeitig die Kosten etwas im Auge behalten. Tom Reinecke (18) ist der Konstrukteur des Teams. In seinen Aufgabenbereich fällt also alles, was mit der Hardware des Autos zu tun hat. Außerdem konstruiert er mit dem CAD-Programm „Solid Edge“ den gesamten Wagen. Jakob Barkalaia (15) ist der Programmierer und für die elektronischen Komponenten zuständig. Julia Markus und Pauline Schütt teilen sich die Aufgaben in den Bereichen Grafikdesign und Media-Management.

Besonderheiten des Projekts

So kurz vor dem Finale ist es wohl in Ordnung, über die ein oder andere Besonderheit des Autos von „All4One“ zu sprechen.

Was mich sehr beeindruckt, ist die Fertigungstiefe, die das Team auf sich genommen hat. Anstatt auf Teile aus dem Modellbau zurückzugreifen, hat sich das Team die Mühe gemacht, die unterschiedlichsten Teile selbst zu entwickeln. Ein Beispiel: Das Team entschied sich gegen die Verwendung eines Fahrcontrollers, der bei großen Wettbewerben störanfällig sein kann, weil nicht auszuschließen ist, dass andere Teams in der Nähe dieselbe Frequenz für ihre Testfahrten verwenden (denn nicht alle Teams fahren gleichzeitig). Stattdessen entwickelten sie mithilfe eines Arduino ein eigenes Steuersystem, das ebenso präzise ist und ähnliche Latenzzeiten bietet, aber auf dem störsicheren TCP-Protokoll basiert.

Ein noch erstaunlicheres Beispiel ist wohl die Tatsache, dass das Team keine Reifen aus dem Katalog gekauft, sondern auch diese komplett selbst gefertigt hat. Dazu wurde zuerst ein Reifen am PC konstruiert, aus dem dann eine Gussform abgeleitet wurde, deren Einzelteile im 3D-Drucker gedruckt wurden. Als wäre das nicht schon unglaublich aufwendig, testete das Team anschließend unterschiedliche Materialien, um die optimale Griffigkeit zu erzielen.

Natürlich hat das Team diesen Aufwand nicht umsonst unternommen. Arbeit gibt es schließlich auch so schon genug. Aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre weiß man, dass der Wagen möglicherweise bestimmte Offroad-Hindernis passieren muss. Beispielsweise eine Hängebrücke, die nur aus zwei Seilen besteht. Aus diesem Grund wurden die Laufflächen der Reifen mit Rillen versehen, um sich für genau diesen Fall einen Vorteil zu sichern. Denn so könnte der Wagen wie auf Schienen über die Brücke fahren.

Für Land Rover zählt aber nicht nur die technische Lösung, auch das Gesamtprojekt muss stimmen. Das bedeutet, die Teams müssen eine technische Dokumentation erstellen, die den gesamten Projektverlauf beschreibt. Ich konnte einen kurzen Blick auf das 20-seitige Projekt werfen. Auch hier war ich wieder erstaunt, wie viel Arbeit in das Projekt investiert wurde. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass ich weiß, wie schwer es ist, die (manchmal dröge wirkenden) technischen Informationen auf kurze, prägnante, korrekte und gleichzeitig optisch ansprechende Weise zu verpacken. Aber auch dieser Herausforderung hat sich das Team gestellt. Die schon in den Uniformen ersichtliche CI bzw. das CD (Corporate Identity bzw. Corporate Design) spiegelt sich auch in der Dokumentation wieder. Dasselbe gilt sicherlich auch für die Präsentation.

Meinung zur Schools Technology Challenge

Im Bereich der Geländewagen belegt Land Rover wohl unangefochten den ersten Platz. Daraus schließe ich, dass der Wettbewerb nicht ins Leben gerufen wurde, weil man sich einen Technologietransfer von den Projekten in die eigene Entwicklungsabteilung erhofft hat. Ich gebe aber zu, dass ich nur eines der 20 Teams getroffen habe, die es ins Finale geschafft haben. Vielleicht ist es also gar nicht so abwegig, dass Land Rover durch diesen Wettbewerb auf die ein oder andere Idee stoßen könnte, die sich auch in einem echten Auto gut machen würde.

Wie eingangs erwähnt, geht es bei diesem Wettbewerb aber viel mehr um Nachwuchsförderung. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms sollen vor allem nachhaltig Wissen und Know-how sowie echte Begeisterung für eine technische Laufbahn vermittelt werden.

Einzigartig an diesem Projekt ist vor allem, dass man höchstwahrscheinlich selbst an einer Uni keine erfolgreicheren Projekte bekommen würde. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass in einem Ingenieursstudium Kompetenzen in den Bereichen BWL, Marketing und Grafikdesign in der Regel eher selten sind. Vor ein paar Tagen hat das sechste Semester meines Maschinenbaustudiums begonnen, ich weiß also, wovon ich spreche.

Um bei der 4×4 in Schools Technology Challenge erfolgreich zu sein, werden jedoch Spezialisten aus allen Kompetenzbereichen benötigt. Genau wie später im echten Leben auch.

Am Land Rover Bildungsprogramm haben im Laufe der letzten Jahre rund 4 Millionen Schüler teilgenommen. Und „4×4 in Schools“ hat sicherlich viele tausend Schüler nachhaltig begeistert und dafür gesorgt, dass sie eine entsprechende Laufbahn eingeschlagen haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Schüler, die bei diesem Wettbewerb teilnehmen, bereits gewonnen haben. Ja, das klingt vielleicht ein wenig platt, aber das Level von Professionalität, das ich hier erlebt habe, hat mich wirklich beeindruckt. Ich bin gespannt, wie sich das Team „All4One“ beim Finale schlagen wird. Hoffentlich sehr gut, aber ich bin mir sicher, dass die Konkurrenz hart sein wird.

Am meisten würde es mich aber freuen, wenn die Konkurrenz beim Wettbewerb im nächsten Jahr noch härter wäre. Denn mein Aufruf an alle Leser dieses Artikels lautet: Egal ob ihr Eltern, Geschwister oder Schüler seid, teilt den Artikel mit anderen Leuten, Schulen und Schülern in eurer Umgebung.