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Es schwebt!

Lexus Hoverboard mit Permanentmagneten (Update: hier ist es, und es schwebt!)

"Bitte, bitte, lass' es echt sein!" - das dürfte wohl so manchem durch den Kopf schiessen, der sich das momentan durchs Netz schwebende Video des Lexus Hoverboards anschaut. Und tatsächlich: Werbefilmchen und PR-Gag beiseite, so ein Hoverboard könnte tatsächlich funktionieren. Endlich ergeben all' die langweiligen Physik-Stunden einen Sinn!

von Bernd Rubel am 5. August 2015

Update 05. August 2015 (Bernd)

So, nach fünf langen Wochen des Wartens können wir euch das Lexus Hoverboard nun auch in voller Aktion zeigen. Ross McGouran, seines Zeichens Profi-Skater, durfte das Teil auf der speziell vorbereiten Fläche ausprobieren. Diese Fläche besteht wie erwartet aus einem metallischen Untergrund – das wird die Begeisterung für das Lexus Hoverboard ein wenig dämpfen, denn für die normale Straße eignet sich das Ding selbstverständlich nicht. Zudem scheint es ziemlich schwer und somit auch etwas behäbig zu sein …

Dennoch, ein netter Ansatz, auch wenn es bisher nur ein Marketing-Gag ist. Nichts spräche theoretisch dagegen, einen metallisch präparierten Skater-Parcour zu bauen, den man dann mit geliehenen Hoverboards “beschweben” könnte, oder?

In der Zwischenzeit wurde übrigens ein neuer Hoverboard-Weltrekord aufgestellt, für den weitesten bisher gemessenen “echten” Flug mit so einem Ding.

Wer sich für die Entstehung und genaue Funktionsweise des Boards interessiert, kann sich gerne noch das ebenfalls veröffentliche Story-Video von Lexus ansehen, das – siehe unten – ebenfalls immer wieder an die Magnetschwebe-Technologie erinnert.

Original-Artikel vom 27. Juni 2015

Der japanische Autohersteller Lexus – die Luxusmarke von Toyota – hat in einem vor drei Tagen veröffentlichten Video ein Hoverboard vorgestellt. Ja – “Zurück in die Zukunft, Teil 2”, war auch mein erster Gedanke. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: das Ding gibt es, es ist nicht nur ein Werbe-Stunt, und wir werden noch in diesem Jahr sehen wie eine Person darauf gleitet.

Denn während einige Skeptiker bereits einen reinen PR-Gag vermuten, trudeln langsam tatsächlich weitere Details zu dem Hoverboard bzw. den Projekt mit dem Codenamen “Slide” ein, die allesamt durchaus einen Sinn ergeben. Demnach soll das futuristische Gefährt mittels Magnetschwebetechnik funktionieren. Eine ähnliche Technik wird bereits bei Magnetschwebebahnen benutzt – ihr wisst schon, das sind diese Verkehrsmittel, in denen in den letzten Jahrzehnten unzählige Steuermilliarden versenkt wurden ;-).

Während wir hierzulande mit der Magnetschwebe-Technologie meistens Misserfolge verbinden, konnten man in Japan – ausgerechnet der Heimat von Toyota – unlängst mit dem dort getesteten JR-Maglev MLX01 sogar einen neuen Weltrekord aufstellen. Der Zug erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 603 km/h.

Für den Betrieb eines solchen Magnetgefährts benötigt man allerdings – anders als Marty McFly vor 26 Jahren – einen speziellen Untergrund. Dies ist auch der stärkste Kritikpunkt an dem Hoverboard-Video von Lexus, das eigentlich erst dadurch so unglaubwürdig wirkt. Setzt man jedoch einfach voraus, dass es sich bei dem Untergrund nicht um normalen Asphalt oder Beton, sondern um eine mehr oder weniger stark magnetische Fläche handelt, wird das Ganze wieder durchaus real. Das könnte dann später, wenn dieses Hoverboard tatsächlich erscheint, eine entsprechend präparierte Skate-Bahn sein.

Lexus Hoverboard Skatepark

Könnte? Ist! Die spanische Website elpatin.com hat in der Zwischenzeit den Skatepark ausfindig gemacht, in dem der Spot für das Lexus Hoverboard gedreht wurde, siehe oben. Man sieht auf den Fotos ganz deutlich die Einlassungen im Boden, und irgendwie sieht das auch nach einem Schienensystem aus, oder?

Die Magneten im Lexus Hoverboard sollen ebenfalls sehr “stark” sein und werden durch stickstoffgekühlte Supraleiter mit Energie versorgt. Das erklärt auch die kleinen “Rauchschwaden, die aus dem Hoverboard austreten. Auch die Dicke des Fluggefährts erscheint vor diesem Hintergrund durchaus logisch.

Lexus Hoverboard

Lexus Hoverboard

Ein Problem, das sogar die o.e. Magnetschwebebahnen haben, ist die mangelnde Fähigkeit, hohe Lasten tragen zu können. Deshalb werden die meisten weltweit betriebenen Bahnen auch nur zum Personenverkehr, nicht aber im Güterverkehr eingesetzt. Auch das Lexus Hoverboard scheint hier noch nicht völlig entwickelt zu sein, denn an der entscheidenden Stelle stoppt der Clip. Die Frage wird sein: reichen die Dimensionen und vor allem die Stärke der Magneten aus, um eine Person von z.B. 75 Kilogramm “tragen” zu können, im schwebenden Zustand? Nach meinem physikalischen Verständnis hängt das auch entscheidend vom Abstand zwischen Hoverboard und Untergrund ab, auch bei einer höheren Last. Und wie sieht das Ganze aus, wenn das Ding dann tatsächlich fliegt? Wie fliegt es überhaupt, was sorgt für den Schub, sind da hinten Raketen befestigt, muss der “Pilot” wie bei einem normalen Skateboard mit einem Fuss antreten? Das Ding befindet sich ja nicht wie eine Magnetschwebebahn in einer – ja, genau, “Bahn”? Fragen nach der Akku-Laufzeit stell’ ich erst gar nicht, oder?

Wired.com hat sich in der Zwischenzeit ebenfalls mit dem Hoverboard beschäftigt und konnte sich fachmännischen Rat holen und die Statements der dort zu Wort kommenden Experten klingen insgesamt nicht so pessimistisch, wie Skeptiker vielleicht vermuten (oder erhoffen) würden.

Ganz ehrlich: ich will, dass dieses Ding echt ist! Und ich will keine Zweifel hören! Diese ganze Hoverboard-Nummer ist seit 26 Jahren sozusagen ein kinderkompatibles Synonym für den technischen Fortschritt und für den Gedanken, dass (technisch) alles möglich und machbar ist, wenn man nur lange genug daran tüftelt. Und ob Lexus so ein Teil tatsächlich selbst produzieren und auf den Markt bringen würde ist mir auch egal – wenn es erst einmal existiert findet sich auch sicher irgendjemand, der das irgendwann in Serie nachbaut.

Und dann, endlich …