Don Dahlmann
LG L90 – Es muss nicht immer teuer sein

Alle halbe Jahre überbieten sich die Hersteller von Smartphones mit neuen Höchstleistungen. Acht Prozessorkerne! 4K Auflösung! Abgerundetes Display! Noch mehr Speicher! Geht es auch eine oder gar zwei Nummern kleiner? Ein Selbstversuch.

Seit dem es Smartphones gibt, habe ich immer eines der neusten Generation in meinem Besitz. Angefangen vom ersten iPhone, dann der frühe Wechsel zu Android auf das G1, etliche Geräte von Motorola und HTC. Dann irgendwann ein erneuter Wechsel zu Windows Phone mit Lumia 920 und dann dem Lumia 1020, das jetzt nicht mehr ganz so tauffrisch ist, aber halt immer noch die beste Kamera hat. Und außerdem veralten die Smartphones bei Microsoft wegen den strikten Hardwareanforderungen nicht ganz so schnell, wie bei bei Android. Weil die Microsoft Plattform in Sachen Apps immer noch meilenweit hinterher hinkt, hatte ich das Bedürfnis nebenbei noch ein aktuelles Android in meinem Besitz zu haben, mit dem ich neue Apps ausprobieren kann.

Meine Lust für ein Zweitgerät, dass vermutlich sowieso bald zu Hause Staub ansetzen würde, 300 oder mehr Euro auszugeben, hielt sich allerdings in sehr engen Grenzen. Daran schloss sich schnell die Frage an, wie gut eigentlich so ein Billig-Android im Vergleich mit den teuren Geräten ist. Also habe ich mir den „Low-Cost“ Bereich von Android angeschaut. Folgende Voraussetzungen hatte ich dabei:

  • Um die 5 Zoll Display
  • Android 5.x
  • Speicher per MicroSD erweiterbar
  • 4-Kern-CPU

IMG_9532Meine Wahl fiel am Ende auf ein LG L90, das im Moment für um die 130 Euro angeboten wird. Es hat einen Qualcomm Snapdragon 400 mit 4x 1.2 MHz, 1GB RAM, 4.7 Zoll Display mit 960 x 540 Pixel Auflösung (234 ppi). Die Kamera hat 8 MP und macht Videos in HD bei 30fps. Dazu ein recht großer Akku der 2540 mAh leistet. Das sind insgesamt keine schlechten Werte, sieht man mal von der niedrigen Displayauflösung ab. Ein Manko: LTE gibt es nicht, allerdings fehlte mir das tatsächlich fast nie. Die UMTS Verbindungen in der Stadt reichen eh meist aus. Auf dem Land mag das anders aussehen.

Auspacken

Bei 130 Euro darf man in Sachen Verpackung nun wirklich nichts erwarten. Und so kommt das LG L90 schlicht verpackt mit allem nötigen zu einem nach Hause. Immerhin ist alles dabei, was man so benötigt, auch Kopfhörer. Dafür ist die Verpackung klein und handlich und nimmt nicht viel Platz weg, wenn man sie denn behalten möchte. Bei der ersten Inbetriebnahme überraschte mich LG dann gleich mal. Android 5 sei für das L90 verfügbar, hieß es nach wenigen Minuten. Das sind doch immer so Überraschungen, die man gerne hat, wenn man ein neues Handy auspackt.

Haptik

WP_20150622_14_34_44_ProDas L90 wiegt 124 Gramm. Nun bin ich die etwas gröberen Lumia gewöhnt, also quasi Ziegelsteine. Im ersten Moment wirkte das LG deswegen federleicht. Mir persönlich fast etwas zu leicht, aber man gewöhnt sich natürlich daran. Die Rückseite des LG ist aus dünnem Plastik, mit einer leichten Riffelung. Die ist wirklich praktisch, weil man das leichte Telefon so besser in der Hand halten kann. Gorilla Glas 2 sorgt für den Schutz des Displays. Die Schalter sind alle gut verbaut und wackeln nicht, dafür sind sie etwas klein und flach geraten und sind deswegen etwas fummelig zu bedienen. Ansonsten fühlt es sich ok an. Nicht sehr hochwertig, aber das habe ich in der Preisklasse auch nicht erwartet.

Akku

Die 2540 mAh reichen gut über einen Tag. Selbst wenn man viel in Netzwerken unterwegs ist, hat man am Abend noch genug Akku-Leistung übrig. Stromfresser sind Apps wie „Periscope“. 15 Minuten Streaming kosten dann schnell mal mindestens 20% Akku, aber das ist bei anderen Geräten auch nicht viel anders.

Genug für den Alltag?

Die große Frage: reicht so ein Billig-Android? Wie schlägt es sich gegenüber den neusten Geräten, wie dem LG4? Die Antwort: zu 80% reicht es, wobei natürlich das persönliche Nutzungsprofil entscheidend ist. Wer sehr viel spielt, wird bei der Displayauflösung schon abwinken. Vom Prozessor reden wir da nicht mal. Im Alltag sind die 960 x 540 Pixel allerdings völlig ausreichend.

Die Helligkeit des Displays ist bei direkter Sonneneinstrahlung ok, aber nicht berauschend. Man muss dann schon mal das Smartphone in den Schatten drehen, wenn man zum Beispiel Fotos bearbeiten möchte.

Womit ich dann auch schon beim zweiten Manko des LG wäre: die Kamera. Wie bei fast allen günstigen Smartphones (mal abgesehen von den billigen Lumia wie dem Lumia 640) ist die Kamera im L90 nur bei gutem Licht brauchbar. Dann macht sie auf den ersten Blick recht gute Fotos. Allerdings trickst LG ein wenig, in dem man die Schärfe überzeichnet. Auf dem Display sehen die Fotos gut aus, zoomt rein, erkennt man man im Hintergrund dann halt nur noch Pixelmatsch. Das Problem verschärft sich bei schlechtem Licht, da hilft auch der einfache LED-Blitz nicht viel.

Auf der anderen Seite: für Schnappschüsse am Tag reicht die Kamera, wenn man denn keine Poster aus den Fotos machen will. Bei dem Preis kann man vermutlich auch nicht mehr erwarten, zu dem muss LG gewisse Qualitätsabstufungen bei den Geräten haben.

Aber im Alltag schlägt sich das LG L90 dann doch deutlich besser, als ich erwartet habe. Es macht halt all das, was man von einem modernen Smartphone erwartet. Die Apps laufen flüssig, nur sehr selten legt das Gerät mal eine „Gedenksekunde“ ein, in dem es sich sortieren muss, wenn man eine neue App startet. Der Wechsel zwischen den Apps läuft flüssig, auch wenn etliche Apps im Hintergrund laufen. Und obwohl das LG eher fragil wirkt, ist es hart im nehmen. Ich hatte es meist in der Hosentasche, dazu kam ein kleiner Sturz (ohne Hülle). Bisher hat das Gerät nicht mal einen Kratzer.

Tatsächlich hat sich das LG bei mir vom reinen Zweitgerät zum Alltags-Handy gemausert. Eben weil es so leicht ist und im Grunde alles macht, was ich erwarte, habe ich es öfter in der Hand, als mein Lumia.

Fazit

Das LG L90 macht fast alles sehr gut, was man von einem modernen Smartphone erwartet. Es ist schnell, der Akku hält lange durch. Man kann es so konfigurieren, wie man es gern hätte, LG überlädt das Gerät auch nicht mit „Bloatware“. Die LG Oberfläche ist sehr gut zu bedienen und nicht weit weg vom Original Android. Wer einfach nur ein funktionierendes Smartphone mit einer aktuellen Android-Version haben will, kann mit dem LG L90 nichts falsch machen. Es ist weitaus mehr, als nur ein Zweitgerät.

Sicher muss man Abstriche machen. Die Kamera. Die Auflösung des Displays. Und LTE hat es leider auch nicht. Wie immer kommt es aber darauf an, was man damit machen will. Wer nur ein Smartphone sucht mit dem man Facebook, Twitter, Instagram & Co bedienen möchte, dazu etwas Musikstreaming, ein wenig Lesen und ein paar einfache Fotos, der ist mit dem LG L90 gut bedient. Und bei 130 Euro kann man nun wirklich nicht meckern.

Disclosure: Das LG L90 wurde mir von myhandy.de zur Verfügung gestellt.