Es werde Licht!
Li-Fi: 100x schneller als WLAN dank Lichtübertragung

Light Fidelity oder kurz: Li-Fi - das soll der Schlüssel zu wesentlich schnellerer Datenübertragung sein. 100 mal so schnell wie herkömmliche Funkübertragung via WLAN soll die Technologie sein, die nun vom Startup Velmenni erstmals in einer realen Testumgebung zum Einsatz kommt.
von Carsten Drees am 25. November 2015

Hadert ihr auch manchmal mit dem heimischen WLAN-Netz und wünscht euch eine schnellere Datenübertragung? Wenn dem so ist, dann habt ihr vielleicht auch schon mal von Li-Fi gehört, sprich: Light Fidelity. Während im WLAN die Daten per Funk übertragen werden, setzt diese Technologie des deutschen Informatikers Harald Haas auf optische Datenübertragung – Übertragung durch Licht.

Haas prägte 2001 auch den Begriff Li-Fi und im selben Jahr taten sich IBSENtelecom aus Norwegen, die israelisch-amerikanische Supreme Architecture, TriLumina aus den USA und das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme zum Li-Fi-Konsortium zusammen.

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Professor Harald Haas

Wie funktioniert Li-Fi? LEDs senden durch schnelles An- und Ausschalten Lichtsignale an Fotodioden – die wandeln die Lichtsignale dann in elektrische Impulse um. Das funktioniert wie beim WLAN nur auf kurze Distanz, ist aber um ein Vielfaches schneller: Bis zu 100 mal so schnell wie normales WLAN ist die Übertragung durch Licht – unter Laborbedingungen wurden bereits sogar 10 Gigabit pro Sekunde erzielt.

Dummerweise haben wir nicht viel davon, was unter Laborbedingungen funktioniert und nur da. Wie die International Business Times nun berichtet, funktioniert diese Technologie aber auch in einer realistischen Umgebung äußerst schnell: Das Startup Velmenni hat mit Jugnu neue LED-Lampen entworfen, die per Li-Fi Daten übertragen. Immerhin 1 Gigabit pro Sekunde ist damit möglich, was bedeutet, dass ihr per Velmenni-Leuchte einen HD-Film binnen Sekunden übertragen könnt. Damit ist die Datenübertragung wie oben erwähnt 100 mal schneller als WLAN und somit absolut spannend für eine denkbar große Zielgruppe.

Velmenni testet die ganze Geschichte gerade unter reellen Bedingungen, CEO Deepak Solanki spricht von mehreren Pilotprojekten gleichzeitig, in denen man die Technologie derzeit ausprobiert, beispielsweise in einer industriellen Umgebung. In drei bis vier Jahren möchte man diese Technologie dann Konsumenten zum Kauf anbieten können.

Ganz problemlos ist die Nummer aber nicht: Wie der CEO des Startups aus Estland erklärt, ist es nicht sonderlich einfach, alternativ zu Wi-Fi eine komplett neue Infrastruktur zu erschaffen.

It is very difficult to create a whole new infrastructure for Li-Fi so somehow we need integrate our system with the current system Deepak Solanki, Velmenni CEO

Komplett ersetzen kann man WLAN jedoch so oder so nicht, heißt es. Dazu muss man bedenken, dass die Lichtübertragung den Nachteil hat, dass sie beispielsweise nicht durch eine Wand dringt, somit wird eher angestrebt, dass Li-Fi-Technik unterstützend eingesetzt wird, um bestehende WLAN-Netze effizienter zu gestalten.

Der Informatiker Haas sieht das ein wenig anders und glaubt daran, dass die Infrastruktur durchaus dazu geeignet ist, künftig überall Li-Fi einsetzen zu können:

All we need to do is fit a small microchip to every potential illumination device and this would then combine two basic functionalities: illumination and wireless data transmission. In the future we will not only have 14 billion light bulbs, we may have 14 billion Li-Fis deployed worldwide for a cleaner, greener and even brighter future. Harald Haas, Uni Edinburgh

Sollte der Deutsche Recht behalten, reicht ein winziger Chip pro Glühlampe, um aus einem Leuchtmittel ein Device zu machen, welches eben gleichzeitig auch Daten übertragen kann. Komplett neu ist die ganze Technologie übrigens auch aus kommerziellem Blickwinkel nicht: Bereits 2014 zeigte Oledcomm ein Smartphone, welches auf Li-Fi-Technologie setzt.

Wieder einmal eine spannende Technologie, die wir aktuell zwar noch nicht nutzen können, die wir aber unbedingt im Auge behalten sollten. Im Rahmen der TED-Konferenz hat Harald Haas über die Li-Fi-Technologie und deren Möglichkeiten gesprochen – wenn euch das Thema interessiert, solltet ihr euch für folgenden Clip mit seinem Vortrag ein paar Minuten Zeit nehmen:

Quelle: International Business Times via Techradar.com