Liebe Autofahrer – ich möchte euch nicht (mehr) in den Innenstädten

Immer öfter hört man von Modellen, in denen Autos in Innenstädten keine oder nur eine geringe Rolle spielen. Und immer öfter wünsche ich mir, wir wären schon an dem Punkt. 

Ich mache mir derzeit viele Gedanken dazu, wie die Innenstädte in fünf, zehn oder vielleicht 20 Jahren aussehen könnten bzw. aussehen sollten. Es gibt viele Städte, die ihre Stadtplanung komplett auf links krempeln und tatsächlich vieles ändern und besser machen wollen. Zumeist hab ich aber das Gefühl, dass gerade in deutschen Städten viel zu oft einfach alles so bleibt, wie es ist.

Dieser Beitrag soll ganz sicher auch keine Abrechnung eines Fußgängers mit den Autofahrern werden, auch keine Abrechnung mit einer ganzen Industrie. Vielmehr probiere ich sowas wie eine Bestandsaufnahme — und mit „Bestand“ meine ich ehrlich gesagt euch: Die Leser! Ich überlege nämlich, mich in der nächsten Zeit mal öfter mit Stadtplanung, Smart Cities und allem, was damit zusammenhängt, auseinanderzusetzen und mal eine Woche lang jeden Tag einen Artikel zum Thema zu veröffentlichen.

Deswegen erzähle ich euch heute erst einmal grob, welche Vision ich mir für deutsche Großstädte wünsche und möchte mir anschließend nicht nur eure Meinungen und Ideen abholen, sondern gleichzeitig auch abchecken, in wie weit ihr euch mit solchen Ideen überhaupt selbst auseinandersetzt und wie viel Interesse eurerseits daran besteht, dass man vielleicht mal über mehrere Artikel hinweg schaut, was in anderen Ländern schon unternommen wird und welche Ideen Städteplaner generell so in den Schubladen haben.

Vorbild Helsinki?

Eine Stadt, der ich mich sicher in einem eigenen Beitrag widmen werde, ist Helsinki. Den Skandinaviern unterstellen wir ja sowieso gerne, dass sie uns anderen Europäern sowohl gesellschaftlich als auch technologisch meistens einen Schritt voraus sind. Für Finnland bzw. in diesem konkreten Fall Helsinki scheint das definitiv zu stimmen.

Hier wird nämlich schon seit vielen Jahren an dem Plan geschmiedet, Autos aus der Innenstadt weitestgehend zu verbannen. Das geht mittlerweile sogar so weit, dass die Autobahnen, die direkt in die Stadt hineinführen, in der Innenstadt wieder zurückgebaut werden. Gleichzeitig steckt man viel Arbeit und Geld in den öffentlichen Nahverkehr.

Man schafft dort aber nicht nur vernünftige Infrastruktur, sondern ist auch offen für neue Ideen. Eine dieser Ideen für Helsinki heißt Whim. Whim ist eine App, mit dessen Hilfe man denkbar unkompliziert in Helsinki von A nach B kommen kann — unabhängig vom Fortbewegungsmittel. Mit der App könnt ihr die öffentlichen Verkehrsmittel ebenso bezahlen wie Taxis, Leihwagen oder -fahrräder. Es gibt auch Abomodelle: So könnt ihr 49 Euro monatlich zahlen und dafür unbegrenzt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und bis zu 30 Minuten lang die Leihfahrräder. Außerdem werden Taxifahrten pauschal mit 10 Euro berechnet (in einem 5-km-Radius) und Autos mit 49 Euro pro Tag. Wer sogar 499 Euro im Monat zahlt, kann alles kostenlos und ohne Limit nutzen. Das können also U-Bahn oder Leihfahrrad sein, ebenso kann man sich aber jederzeit unentgeltlich ein Taxi rufen oder einen Leihwagen. Das letzte Modell wird sich nicht für jedermann rechnen, aber wer besonders flexibel sein muss und generell viel Sprit verfährt, könnte mit dem „Whim Unlimited“-Tarif durchaus glücklich werden. 

Hinter dieser App steckt die Idee, dass man die Menschen davon abhält, ihr eigenes Auto nutzen zu wollen. Und das deckt sich ziemlich exakt mit dem, was Helsinki anstrebt: Die autofreie Innenstadt! Aus den zurückgebauten Autobahnen sollen Boulevards werden: Zusätzlicher Wohnraum, dazu breite Bürgersteige, auf denen die Gäste von Cafés und Bars draußen sitzen können.

Genau da nähern wir uns der Vision, die ich mir für deutsche Innenstädte wünsche. Ehrlich gesagt glaube ich auch, dass wir da zwangsläufig hinkommen werden. Auf der einen Seite ist die immer größer werdende Nachfrage nach Wohnraum in den Metropolen, auf der anderen Seite ein längst überholtes Konzept mit Menschen, die jeweils ein Fahrzeug durch die Innenstadt bewegen.

Da erscheint es mir logisch, dass man irgendwann auf die Idee kommen muss, dass man den Platz, den man für Straßen, Parkplätze und Parkhäuser verschwendet, künftig sinnvoller nutzen kann. Taxis, Car-Sharing-Modelle und sonstige Autos mit Ausnahmeregelungen (Paketzustellung, Polizei, Krankenwagen, etc) werden in meiner Vision dafür sorgen, dass Kraftfahrzeuge auch mittelfristig nicht komplett aus dem Stadtbild verschwinden, die Masse der Menschen wird sich aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen — oder zu Fuß/per Rad.

Mit mittlerweile stolzen 47 Jahren auf dem Buckel mache ich mir berechtigte Hoffnung, dass ich das noch erleben werde: Innenstädte, in denen nur noch ein Bruchteil des Verkehrs herrscht, den wir heute gewohnt sind und wo wir stattdessen Parks und Boulevards bevölkern, die vermehrt entstehen können. Ich setze da auch darauf, dass verschiedene Dinge ineinander greifen bei der Städteplanung. So werden wir beispielsweise in Häusern wohnen, die sich selbst mit Energie versorgen.

Ich werde mich wie gesagt da weiter reinfuchsen ins Thema und hätte dazu gerne Feedback von euch. Vorweg will ich natürlich vorsichtig abklopfen, ob ihr überhaupt Interesse am Thema habt (wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass ich so oder so drüber schreiben werde ;) ). Dann wüsste ich aber gerne auch, wie eure Visionen aussehen bezüglich der Innenstädte in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Zuletzt hätte ich gern eure Infos, wenn ihr schon über beeindruckende Entwicklungen und spannende Ideen für Smart Cities gestolpert seid. Und ja, wenn ihr das Gefühl habt, dass ich kompletten Mist rede und die Straßen der Innenstädte in den nächsten Jahren noch weiter mit privaten PKWs gefüllt sind als das heute schon der Fall ist, dann bin ich natürlich auch offen für eure Kritik. Was glaubt ihr, wohin die Reise geht? Eher Utopie oder eher Dystopie?