Messenger-Woche
Liebe SMS: Happy Birthday, alles Gute und auf Wiedersehen

Gestern vor 25 Jahren wurde die erste SMS versendet. Wir gratulieren zum Geburtstag, stimmen aber auch "schon" mal den Abgesang auf einen antiquierten Dienst an. 

“Merry Christmas” — das war der Inhalt der allerersten SMS (Short Message Service), die jemals versendet wurde. Das geschah am 03. Dezember 1992, was bedeutet, dass gestern der 25. Geburtstag dieses Dienstes war. An diesem Tag war es der Software-Developer Neil Papworth, der die knappe Nachricht “Merry Christmas” ein klitzekleines bisschen zu früh in die Tastatur seines Computers kloppte  und auf ein Handy eines Vodafone-Managers schickte.

Auf dessen Orbitel TPU 901 kam seinerzeit also die allererste SMS an und sollte einen beachtlichen Siegeszug um die ganze Welt einleiten. Dass man anfangs überhaupt keine Handys hatte, von denen man aus diese Textnachrichten verschicken konnte, änderte sich natürlich recht flott, 1994 wurde der Service für Textnachrichten auch in Deutschland eingeführt.

Anfangs konnten die 160 Zeichen langen Messages sogar noch kostenlos versendet werden, aber die Mobilfunkanbieter peilten sehr schnell, dass sich mit diesem Service so richtig Asche verdienen lassen müsste. Der Riecher war übrigens der richtige, denn bereits 1996 wurden allein in Deutschland über 100 Millionen SMS versandt. Ein Jahr später waren es schon 400 Millionen, im Jahr 2000 bereits 11,4 Milliarden Short-Messages und der Höhepunkt war 2012 erreicht, als es knapp 60 Milliarden SMS in Deutschland waren.

Damit ging es dann aber auch langsam bergab, weshalb wir es hier eher mit einer traurigen Geburtstagsfeier zu tun haben. 2016 waren es gerade einmal noch 12,7 Milliarden versendete SMS — also nur noch ein Bruchteil dessen, was fünf Jahre vorher erreicht wurde. Der Grund liegt auf der Hand und ist natürlich auch euch allen bekannt: Während im Schnitt knapp 20 Cent pro SMS verlangt wurden, kamen gleichzeitig mit dem Smartphone-Boom unzählige Messenger auf wie der 2009 gegründete Messaging-Dienst WhatsApp.

Bei diesen standen euch nicht nur deutlich mehr Funktionen zur Verfügung, es gab zudem kein Zeichen-Limit und das Beste: Es war absolut kostenlos. Klar, damit war dann also der schrittweise Abstieg der guten, alten SMS vorprogrammiert. Aktuell werden weltweit allein via WhatsApp etwa 55 Milliarden Nachrichten verschickt — am Tag! Daran könnt ihr also schon ablesen, dass die klassische SMS zum Nischenprodukt verkommen ist.

Heute feiern wir 25 Jahre SMS! Wann und wo die Party steigt, steht in der WhatsApp-Gruppe…

Posted by SWR Aktuell on Sonntag, 3. Dezember 2017

Klar, es gibt immer noch Fälle, in denen selbst ich noch SMS nutze. Entweder, wenn mich einer der oben im Bild erwähnten WhatsApp-Verweigerer anschreibt und auf selbem Weg Antwort erwartet, oder wenn mir mein Mobilfunkanbieter zum Beispiel die Tarife im Ausland erklärt, oder mir die schlechte Nachricht überbringt, dass ich schon bald nur noch mit gedrosseltem Speed mobil unterwegs sein werde.

Heutzutage werden via SMS auch TANs oder Bordkarten für Flüge verschickt, also können wir davon ausgehen, dass die SMS auch durch solche Services noch eine Weile am Leben gehalten wird. Das sieht man auch beim Verband Bitkom so:

Die SMS hat ihre Hochzeiten hinter sich, völlig verschwinden wird sie aber in absehbarer Zukunft nicht. Dr. Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer

Immer wieder wurde in den letzten Jahren mit verschiedenen Projekten probiert, einen Nachfolger für die SMS bzw. irgendein Gegengewicht gegen die großen Messenger zu etablieren, viel ist daraus bislang nicht geworden. Während immerhin noch 58 Prozent der Handy-Nutzer wenigstens gelegentlich nochmal eine SMS versenden bzw. empfangen, setzen die Provider auf Dienste, die auf den RCS-Standard (Rich Communication Services) aufbauen.

Wie viel Glück diesem Bestreben vergönnt ist — ich weiß es nicht, ernsthaft. Trotzdem ändert es nichts daran, dass die fetten Jahre der SMS definitiv vorbei sind und den Anbietern damit eine große Einnahmequelle nahezu ersatzlos weggebrochen ist. Bedeutet also, dass dieses 25-jährige Jubiläum der SMS einen wirklich ziemlich traurigen Geburtstag darstellt.

Die SMS brachte uns erst die T9-Texteingabe, später dann die ersten SMS-Daumen, das Wort “simsen” wurde in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen und miese Zeitgenossen missbrauchten die SMS als einen wirklich fiesen Weg, um mit dem Partner bzw. der Partnerin Schluss zu machen. Ändert alles aber nichts — die Lichter gehen langsam aus für diesen 25 Jahre alten Service, der es sich in den nächsten Jahren vermutlich in seiner kleinen Nische gemütlich machen wird.

via FAZ