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LiFi von Signify: Beim Internet ist der HSV längst erstklassig

Der Fußballclub Hamburger SV ist der erste im deutschen Profifußball, bei dem Internet per Licht eingerichtet wurde. Dank dem LiFi von Signify surfen Journalisten beim HSV schneller und stabiler.

von Carsten Drees am 25. Oktober 2019

Diese Woche war ich auf Einladung von Signify in Hamburg beim dort ansässigen Fußballverein HSV. Vormals war das Unternehmen eine Sparte des Elektronikherstellers Philips, wurde als “Philips Lighting” ausgegliedert, später dann in Signify umbenannt. Signify ist Weltmarktführer für Beleuchtung und in dieser Eigenschaft nun Partner des Sportclubs, der im zweiten Jahr in der 2. Bundesliga im Einsatz ist.

In Sachen Internet konnte sich der HSV nun dank Signify aber wieder an die Spitze der allerersten Liga setzen. Im Pressebereich hat man nämlich eine LiFi-Installation im Einsatz, die die anwesenden Journalisten dort mit stabilem, sicherem und sehr schnellem Internet versorgt.

Mein Speedtest vor Ort

In der Pressemitteilung erklärt Signify:

„Hier bietet die LiFi-Technologie von Signify eine schnelle und stabile Alternative. Für Reporter, die ihre Berichte unter Zeitdruck schreiben, bearbeiten und hochladen müssen, ist dies von hoher Bedeutung“, erläutert Karsten Vierke. Entsprechend hat Signify den Pressekonferenzraum des Volksparkstadions mit 84 Philips PowerBalance gen2-LED-Einbauleuchten ausgestattet. Diese bieten eine exzellente LED-Lichtqualität und sind gleichzeitig äußerst energieeffizient. Insgesamt verfügen acht der Leuchten über einen integrierten Trulifi 6002 Transceiver. Über diesen stellen sie eine verschlüsselte Internetverbindung von bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbps) bereit. Die Reporter erhalten einen USB Access Key, den sie an ihren Laptop anschließen können, um so über die Beleuchtung einen stabilen Internetzugang mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten zu bekommen.

Im Bild seht ihr ja das Ergebnis meines Speedtests. Wie ihr seht, ist bei der drahtlosen Zwei-Wege-Verbindung auch der Upload äußerst schnell. Aktuell befindet sich mit dem “USB Access Key” eine Art Dongle auf den Tischen des Pressekonferenzraums, den ihr einfach einstöpselt und binnen weniger Sekunden seid ihr verbunden — ein aktuelles Windows auf eurem Notebook vorausgesetzt. Bei Macs muss man zumindest derzeit noch einen Schritt mehr machen und sich einen entsprechenden Treiber installieren, damit es läuft.

USB Access Key von Signify

 

Was ist LiFi?

Wir haben schon vor Jahren über diese Technologie berichtet, dank Signify könnte Internet per Licht jetzt mehr und mehr zu einer echten Alternative werden. LiFi, also “Light Fidelity” setzt auf Lichtwellen statt auf Funkwellen. Das sorgt dafür, dass es einige Vorteile, aber auch einige Nachteile gegenüber WLAN gibt.

Einer der Nachteile ist der Preis, der aktuell ein Fünffaches dessen beträgt ,was eine Verbindung per WLAN kostet. Hier ist man aber auf dem Weg und mit weiterer Verbreitung wird logischerweise auch der Preis dafür weiter sinken. Noch ein Nachteil ist aktuell die Größe der Access Keys. Ihr seid im Moment eben auf diese Dongles angewiesen, aber auch hier ist man dabei, diese Technologie kleiner und kleiner bauen zu können, so dass diese Empfänger künftig in Notebooks Platz finden werden, in einigen Jahren dann sogar in Smartphones.

Eine Sache, die bei manchen Szenarios als Nachteil wirken kann, ist im realen Einsatz ein Vorteil: Da wir es hier mit Lichtwellen zu tun haben, diese aber nicht durch  Wände dringen können, funktioniert LiFi nur innerhalb eines Raums. Ihr könnt also damit nicht mehrere Räume in eurer Wohnung bedienen, wenn es nur eine entsprechende Leuchte gibt. Aber könnt ihr den Vorteil daraus ableiten? Genau — es erhöht die Sicherheit signifikant, da man sich im Gegensatz zum WLAN nicht von außerhalb Zugriff verschaffen kann.

Damit sind wir bei den Vorteilen dieser Technologie: Das Lichtspektrum ist 1000 mal größer als das Spektrum der Radiowellen, die u.a. für WLAN genutzt werden, Netzüberlastungsprobleme gibt es also bei LiFi nicht, auch wenn viele Menschen gleichzeitig die Verbindung nutzen. In Zeiten, in denen wir mehr und mehr Geräte kabellos verbinden und schon nächstes Jahr etwa bei einer Gesamtmenge von 50 Milliarden verbundenen Devices weltweit ankommen werden, wird es eng im Netz. LiFi ist hier also eine clevere Alternative mit sehr viel Spielraum, zudem benötigt man für die Lichtwellen im Gegensatz zu Radiowellen keine Lizenz.

Die Verbindung ist zudem stabiler als die via WLAN und äußerst schnell. In Umgebungen, bei denen man darauf angewiesen ist, dass die Internetverbindung schnell, sicher und stabil ist — beispielsweise im Health-Care-Bereich, bei Banken oder bei Regierungen, drängt sich LiFi als Alternative förmlich auf. Trulifi, so der Name der Produktreihe von Signify, bietet neben Stabilität sowohl Speed (bis zu 150 Megabits pro Sekunde) als auch Sicherheit ((128-Bit-AES-Verschlüsselung).

Philips-Kunden können also bereits Leuchten mit LiFi-Technologie erwerben, oder aber vorhandene Leuchten nachrüsten. Dabei wird — je nach Produkt — das normale, sichtbare Lichtspektrum genutzt, oder aber infrarotes Licht. Beim konkreten Beispiel des HSV hat man den Raum für die Pressekonferenzen komplett mit Licht ausgestattet und in acht der Leuchten den Trulifi 6002 Transceiver integriert.

Der Trulifi 6002 Transceiver

 

… und nochmal von der anderen Seite

Beim HSV gab es für die anwesende Presse nicht nur die Erklärung der LiFi-Installation, sondern auch noch eine Führung durchs Stadion. Neben allerlei Wissenswertem über die Geschichte des Clubs und seines Stadions konnten wir uns dort schon potenzielle weitere Einsatzoptionen der Licht-Technologie erklären lassen.

v.l.n.r.: Stefan Zander, Pressespecher bei Signify, Ed Huibers, Head of Business Development bei Signify, Daniel Nolte, Bereichsleiter Organisation & Infrastruktur der HSV Fußball AG

So besteht beispielsweise die Möglichkeit, Fotografen auch am Spielfeldrand mit schnellem Internet per Licht zu versorgen. Per Mast könnte hier ein “Trulifi 6013”-System installiert werden, welches dann punktgenau sogar bis zu 250 Mbps Download bieten würde. Möglich wird das durch einen anderen Transceiver, der die Wellen stark gebündelt ausstrahlt. Das senkt die Größe des Bereichs, in dem die Verbindung erfolgen kann, erhöht aber eben den Speed.

Trulifi 6013 bietet sogar bis zu 250 Mbps

Gerade in einem Fußballstadion kann dank der Trulifi-Produkte sichergestellt werden, dass unsere Journalistenkollegen zuverlässig arbeiten können. Wer von euch selbst im Stadion während eines Spiels versucht, stabil über das mobile Netz oder über WLAN das Internet zu nutzen, wird wissen, was ich meine.

LiFi ist meines Erachtens dazu auch eine perfekte Möglichkeit für Presse-Events. Oft genug sitzt man bei den Messen nämlich in den Pressezentren und jammert über lahmes oder gar nicht existentes WLAN. Dann stürzen sich die Anwesenden auf die zu knapp bemessene Zahl an LAN-Kabeln — hier wäre also eine Internet-per-Licht-Alternative Gold wert.

Übrigens sieht Signify die Technologie genau als das: Eine Alternative zu den anderen Verbindungen. Man will also nicht gegen WLAN oder LTE bzw. 5G anstinken, sondern wird einfach eine weitere Möglichkeit bieten, wie man verbunden sein kann. Im Idealfall wird es in der Zukunft so sein, dass wir gar nicht darüber nachdenken, über welche Technologie wir mit dem Internet verbunden sind. Wichtig ist lediglich, dass wir online sind und LiFi kann hier ein wichtiger Baustein werden.

Der HSV weiß LiFi jedenfalls jetzt schon zu schätzen. Ich drück dem Club die Daumen, dass er in der nächsten Saison wieder erstklassig ist — technologisch ist der Verein zweifellos schon in der Champions League angekommen.