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Lilium: Deutsches E-Flugzeug absolviert seinen Jungfernflug

Lilium heißt ein deutscher E-Flieger und ein gleichnamiges Start-Up. Jetzt absolvierte der Senkrechtstarter für zwei Personen erfolgreich seinen Jungfernflug in Bayern. 

von Carsten Drees am 21. April 2017

Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind derzeit in aller Munde, selbst wenn der Käufer – zumindest hierzulande – noch zaghaft auf den Hype-Train aufspringt. Das jedoch hat das deutsche Start-Up Lilium nicht davon abgehalten, diese Art des Antriebs auch für sein Kleinstflugzeug zu nutzen. Der ebenfalls Lilium getaufte Flieger wird also elektrisch betrieben, was aber beileibe nicht die einzige Besonderheit dieses Flugzeugs ist.

Wir haben es hier mit einem sehr kleinen Fluggerät zu tun, welches für zwei Personen ausgerichtet ist und in der Canard-Bauform konstruiert wurde, also als “Entenflügler” mit großen Tragflächen am hinteren Rumpf. Es ist laut Aussage des Münchner Unternehmens das erste ausschließlich elektrisch angetriebene Flugzeug mit Vertical Take-Off and Landing (VTOL), was bedeutet, dass das Teil senkrecht starten und landen kann.

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Der jetzt getestete Prototyp fliegt mit maximal 300 Stundenkilometern, verbraucht dabei 90 Prozent weniger Energie als drohnenähnliche Luftfahrzeuge und ist aufgrund seiner Bauweise und der Möglichkeit, auf engstem Raum zu starten gerade für den Stadtverkehr geeignet.

Zu sehen, wie der Lilium Jet abhebt und komplizierte Manöver mit einer solchen Leichtigkeit fliegt, ist phantastisch. Es spiegelt die herausragende Leistung und Ausdauer unseres großartigen Teams wider. Wir haben einige der kniffligsten Herausforderungen der Luftfahrt-Ingenieurwissenschaft gelöst, um an diesen Punkt zu gelangen. Lilium Co-Founder und CEO Daniel Wiegand

Der quirlige Flieger ist dabei nicht nur praktisch und effizient, sondern auch schneller als jedes Taxi, rechnet Liliums CEO Wiegand in der Pressemitteilung vor: So nennt er das Beispiel New York, wo ein Taxi aus Manhattan 55 Minuten benötigt, um den Flughafen JFK zu erreichen – der Lilium Jet wäre bereits nach fünf Minuten am Ziel. Dazu kommt dann noch, dass auch der Preis für so eine Reise deutlich günstiger wäre als die Taxifahrt.

Das ist insofern spannend, als Lilium jetzt auch ankündigte, basierend auf diesem Modell einen größeren Flieger zu konstruieren, bei dem fünf Insassen Platz finden. Hochspannendes Projekt aus deutschen Landen, bei dem auch die ESA (Europäische Raumfahrtagentur) als Förderer involviert ist.

So funktioniert der Lilium Jet

Auch zur Funktionsweise teilt uns der Hersteller in seiner Pressemitteilung anlässlich des Jungfernfluges eine Menge mit. So erfahren wir, dass das Leichtflugzeug durch “36 elektrische Jet-Turbinen angetrieben wird, die über 12 bewegliche Klappen direkt an den Flügeln angebracht sind”.

Beim Startvorgang werden diese Klappen nach unten gerichtet um den benötigten Auftrieb zu erzeugen, in der Luft hingeben sorgen die Klappen in horizontaler Position für Vorwärtsschub. Die Sicherheit ist laut eigener Aussage oberstes Gebot bei Lilium: Alle Motoren sind einzeln geschirmt – fällt also einer dieser Motoren aus, werden die nebenstehenden nicht dadurch beeinträchtigt.

Selbst im Falle eines solchen Teilausfalls soll noch genügend Leistung erzeugt werden, damit der Pilot die Kiste sicher landen kann. Zudem ist der Lilium Jet so konstruiert worden, dass technisch nur die Manöver möglich sind, die nicht über die aerodynamischen oder strukturellen Grenzen des Flugzeugs hinausgehen.

Der Jet besitzt eine Spannweite von zehn Metern und ist in der Lage, bis zu 300 Kilometer weit zu fliegen. Damit könnte ein Flugzeug wie der Lilium Jet das perfekte Fortbewegungsmittel für Pendler darstellen mit seiner Kombination aus Reichweite, Geschwindigkeit und Effizienz.

Klingt erst mal gut und sieht auch tatsächlich gut aus, wie ihr jetzt im Video selbst beurteilen könnt. Bleibt abzuwarten, wie sich diese Idee entwickelt und auch, ob die jeweiligen Hürden genommen werden können, um diesen kleinen Elektro-Vogel tatsächlich im Stadtbetrieb regulär in die Luft befördern zu dürfen.

Quelle: Lilium via heise.de