Lipola: Wenn Teamwork Krieg wird

Lipola ist ein iOS-Spiel, das auf Partnerschaftlichkeit, Teamwork und Miteinander ohne Konkurrenzdenken setzt. In unserem Test ging dieses Prinzip jedoch voll nach hinten los.

Die Idee für das iOS-Game Lipola stammt von einer Gruppe deutscher Studenten, begann als Projekt an der Filmakademie Baden-Württemberg und wurde später dann außerhalb der Uni zu Ende entwickelt. Ziel war es, ein echt kooperatives Spiel zu entwerfen, in dem es nicht um Wettkampf und Gegeneinander, sondern um Kooperation, Kommunikation und Teamwork geht. Weil die meisten Spiele, die wir mit Freunden spielen können, ja doch irgendwo meist eine Konkurrenzkomponente in Form von Highscores oder Bestzeiten bieten.

Knobeln im Duo

Als ich davon gehört habe, war ich definitiv interessiert. Innovatives von einem kleinen deutschen Entwicklerteam weckt bei mir außerdem grundsätzlich erstmal Neugierde. Das Spielprinzip ist denkbar simpel: Zwei Spieler spielen zusammen an einem iPad und müssen gleichzeitig ihre Spielfigur ins Ziel bringen.

Dabei kommt es aber wie gesagt nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Zusammenarbeit an. Lediglich in schwarz-weiß gehalten, haben die Knobellevels Hindernisse, Fallen und Mechanismen, die uns den Weg zum Zielpunkt erschweren. Um die zu überwinden, müssen wir mit unserem Partner zusammenspielen, der auf der anderen Seite des Felds mit anderen Hürden zu kämpfen hat.

Meist kann der eine einen Schalter betätigen, der den Weg für den anderen frei gibt – und umgekehrt. In den späteren Levels verlangt das dann nicht nur kleine Absprachen, sondern teils perfektes Timing und viel, viel Kommunikation. Denn auch wenn es in Lipola nicht, wie in vielen anderen Videospielen, um Krieg und Vernichtung geht, können wir unser Gegenüber doch mit einem unachtsamen Fingerwisch auslöschen.

Streit statt Harmonie

Und damit sind wir bei dem Punkt, an dem Lipola anfing, den Hass in mir und meinem Spielpartner zu schüren. Die ersten Levels sollen uns laut Entwickler langsam an die besondere Art von Teamplay heranführen, klappt auch irgendwie. Wir haben begonnen, uns gegenseitig zu sagen, was der Plan ist und so gemeinsam einen Weg durchs Level ausgearbeitet.

Lipola
Preis: Kostenlos+

Mit häufigeren Fehlversuchen an kniffligeren Stellen stieg dann aber auch das dringende Bedürfnis, unser Gegenüber abzumurksen – im Spiel versteht sich. Wenn ich einen Lösungsvorschlag hatte, aber der andere ihn nicht kapiert, wenn ich zum zehnten Mal sage, er muss warten, weil es mich sonst zerquetscht und er mich wieder umbringt oder ich voller Hass am liebsten einfach durchs Level rennen würde, ohne den Weg für mein Gegenüber frei zu räumen, weil er mich im Level davor schon wieder unzählige Male zerquetscht hat, dann wird aus simpler Kommunikation schleichend ein rasendes Streitgespräch.

Aus: »Hier musst du stehenbleiben, damit sich bei mir der Weg öffnet, und danach machen wir das Gleiche umgekehrt« wird da dann schon mal »Verdammter Mist, ich zähle jetzt bis drei und dann läufst du verdammt noch mal los, und wenn du mich dabei wieder zerquetscht, weil du nicht auf mich hörst, hau ich dir das iPad um die Ohren«

Versteht mich jetzt nicht falsch, Lipola fördert durchaus die Kommunikation und Zusammenarbeit, ohne sind vor allem die späteren Levels, bei denen es auf millimetergenaue Schrittabsprachen ankommt, gar nicht zu schaffen. Ganz so harmonisch, wie man sich es nach dem Trailer oder dem Beschreibungstext auf der Website vorstellt, lief das in unserem Fall jedoch nicht ab.

Rätseln für zwischendurch

Nachdem wir uns durch beinahe alle Levels gekämpft haben (ein paar mussten wir aufgrund von Frustfaktor und nervigen Bugs leider überspringen), hinterlässt Lipola aber ein tolles Gefühl der Erleichterung. Wir haben rund eineinhalb Stunden gespielt, uns gestritten, wieder vertragen und gemeinsam an einer Lösung gearbeitet. Nicht an einer Lösung für Beziehungsprobleme, sondern für die Levels natürlich.

Lipola ist super für Knobelfans, die ihr Gegenüber gerne mal an ihr Hobby heranführen möchten. Grade weil es stark auf Kommunikation ankommt, macht es nichts, wenn ein Spieler ungeübt ist. Außerdem funktioniert es sicher als Eisbrecher für neue Bekanntschaften. Wenn man eine Runde Lipola mit jemanden überstanden hat, dann weiß man auch, ob man sich in schwierigen Situationen immer noch versteht, zumindest, wenn man sich nicht vorher gegenseitig den Kopf abgerissen hat.

Alles in Allem macht das Rätselspiel als netter Zeitvertreib zwischendurch durchaus Spaß. Die ersten zehn Levels sind gratis, reinspielen lohnt sich also auf alle Fälle. Danach kostet eines der zwei Level-Pakete mit zehn weiteren Stages 99 Cent, was durchaus angemessen für den Spielumfang ist. Wer übrigens kein iPad hat, jedoch mit dem Gedanken spielt, sich eine Nintendo Switch zuzulegen, dem können wir dafür Snipperclips ans Herz legen. Die Grundidee von Lipola erinnert uns nämlich etwas an das Rätselspiel, das wir im Januar zusammen mit einigen anderen kommenden Spielen für die Switch ausprobieren durften.