Livescribe Smartpen im Test: Kaufempfehlung für Studenten

„Never miss a word.“ – Mit diesem Claim tritt Livescribe mit seinen Smartpens dazu an, Vorlesungsmitschriebe und Notizen grundlegend zu verändern und handschriftliche Notizen mit digitaler Archivierung zu verknüpfen. Da ich selbst langjähriger Nutzer verschiedener Smartpens bin, nehme ich sie heute aus studentischer Sicht unter die Lupe und versuche, eine Antwort auf die viel gestellte Frage zu geben: Sind die Livescribe Smartpens eine echte Kaufempfehlung für Studenten?

Zuvor jedoch eine kurze Anmerkung: Das Unternehmen Livescribe hat mit diesem Test absolut nichts zu tun, sponsort ihn nicht, hat dafür kein Testgerät zur Verfügung gestellt – die beiden im Folgenden abgebildeten Smartpens habe ich privat gekauft – und weiß nichts von diesem Test. Der Hinweis ist mir wichtig, da der Test weitgehend positiv ausfallen wird.

Livescribe 3 Smartpen (rechts) und Wifi Smartpen (links)
Livescribe 3 Smartpen (rechts) und Wifi Smartpen (links)

Der Grund ist einfach: Ich bin seit Jahren Fan der Livescribe Smartpens und nutze sie intensiv. Doch gerade weil ich die Gadgets sehr gut kenne und schätze, kann ich sie nicht uneingeschränkt empfehlen. Vor allem nicht für Studenten.

Doch ich greife vor, zunächst einige Worte zum Prinzip: Die Livescribe Smartpens sind Stifte, die eine kleine Kamera und die dazugehörige Elektronik an Bord haben. Die Kamera erkennt das feine Punktmuster, dass auf dem für die Livescribe Smartpens notwendigen Spezialpapier aufgedruckt ist. Dadurch sind die verschiedenen Smartpens dazu in der Lage, das Geschriebene aufzuzeichnen und auf verschiedenen Wegen an Computer, Tablets oder Cloud-Dienste weiterzugeben.

Je nach Modell können die Notizen dort als Bild oder PDF gespeichert oder direkt in Word-Dokumente umgewandelt werden. Die Livescribe Smartpens bieten zudem die Möglichkeit, während dem Schreiben Audio aufzuzeichnen. Damit könnt ihr beispielsweise eine Vorlesung mitschreiben und aufzeichnen. Später kann diese Aufzeichnung in Form eines so genannten Pencasts abgespielt werden. Praktisch, wenn ihr aus Euren Notizen nicht mehr ganz so schlau werdet und noch mal den Original-Vortrag nach hören wollt.

Livescribe Smartpens: Modelle im Vergleich

Livescribe vertreibt aktuell drei verschiedene Smartpen Modelle über Gravis respektive Amazon. Im Lauf der Zeit habe ich alle drei – und das ursprüngliche Modell, das nicht mehr vertrieben wird – genutzt. Bevor ich auf meine Praxiserfahrung – und die einiger Studenten – damit eingehe, erstmal ein Überblick der verschiedenen Modelle.

BezeichnungFeatureEinstiegspreis
Livescribe Echo SmartpenDateiübertragung per USB-Kabel, Audio-Aufzeichnung direkt im Smartpen149,90 Euro
Livescribe Wifi SmartpenDateiübertragung via Wifi, Audioaufzeichnung direkt im Smartpen189,90 Euro
Livescribe 3 SmartpenDateiübertragung wie Bluetooth an iOS Geräte, Audioaufzeichnung via iOS Gerät199,90 Euro

Die wichtigsten Unterschiede sind offensichtlich: Während der Echo und der Wifi Smartpen als eigenständige Geräte funktionieren und Aufzeichnungen direkt an einen Computer oder in die Cloud – genauer gesagt, an Evernote – übertragen, benötigt der Livescribe 3 Smartpen ein iOS Gerät für den Einsatz. Audio wird hier auch nicht im Smartpen selbst, sondern über das iOS Gerät aufgezeichnet.

Eine Android-Version der Software ist angekündigt und soll im Januar 2015 als Beta vorgestellt werden, bis zu einer finalen Software dürfte es jedoch noch eine Weile dauern. Den Livescribe 3 Smartpen habe ich in einem Video vor einiger Zeit schon einmal – damals für einen Gastbeitrag in einem anderen Blog – vorgestellt.

Wer ein iPhone, einen iPod Touch oder ein iPad sein Eigen nennt, kann mit dem Livescribe 3 hervorragend arbeiten. Die getrennte Audioaufzeichnung kann sogar ein Vorteil sein, da es für iOS Geräte recht gute Zusatz-Mikrofone gibt, mit denen sich die Qualität der Audioaufzeichnung deutlich verbessern lässt.

Livescribe Smartpen: Begleiter im Studium?

Die Livescribe Smartpens mache im Studium eine gute Figur.
Die Livescribe Smartpens machen im Studium eine gute Figur.

Im Studienalltag haben sich die Smartpens – sowohl für mich als Dozent als auch für einige meiner Studenten – durchaus bewährt. Notizen werden zuverlässig erfasst – zumindest seit 2014, davor gab es bei mir immer mal wieder Probleme – und auch die Übertragung funktioniert problemlos.

Wer mit Evernote arbeitet, sollte sich den Wifi Smartpen genauer anschauen. Er überträgt seine Daten drahtlos an ein verknüpftes Evernote Konto. Der Vorteil: Nach dem Sync steht die hervorragende Texterkennung von Evernote zur Verfügung, die Schlagworte in den handschriftlichen Notizen erkennt und durch die Suche auffindbar macht.

Der Echo Smartpen arbeitet dagegen mit Echo Desktop zusammen. Dieses Programm speichert die Notizen und Pencast – Aufzeichnung von Notizen und Audioaufzeichnungen – und stellt diese dar. Vorteil: Mit dem separat erhältlichen Programm MyScript können die Notizen direkt in Word-Dokumente umgewandelt werden. Mit etwas Training ist die Trefferquote erstaunlich gut, selbst bei meiner, äh, verbesserungsfähigen Handschrift.

Die Audioaufzeichnungen des Echo und Wifi Smartpens sind klingen nicht preisverdächtig gut, reichen für den Zweck der Dokumentation jedoch allemal aus. Insgesamt ein gutes Paket für Studenten, die ihre Vorlesungen handschriftlich mitschreiben und später digital archivieren wollen.

Livescribe Smartpens: Risiken und Nachteile

War mein Test bisher eine Lobeshymne, komme ich jetzt zu den Nachteilen des Systems. Der offensichtlichste ist der Einstiegspreis, denn mit mindestens 150 Euro sind die Smartpens nicht ganz günstig. Das Preisargument setzt jedoch noch fort, denn das notwendige Spezialpapier ist mit 25 Euro für einen 4er-Pack A4 Blöcke – jeweils 80 Seiten – ebenfalls nicht ganz günstig.

Das Spezialpapier lässt sich theoretisch zwar auch selbst drucken, dafür ist jedoch ein präziser Laserdrucker nötig. Mit meinem Tintenstrahldrucker und günstigen Laserdruckern ist es mir zumindest noch nie gelungen, brauchbares Papier zu drucken.

Ein letzter Nachteil könnten Haptik und Ergonomie der Smartpens sein. Persönlich habe ich mit den Smartpens zwar keine Probleme, Studenten mit kleineren Händen kommen mit den doch recht dicken und globigen Stiften – vor allem mit dem Livescribe 3 Smartpen – jedoch nicht gut zurecht und können damit nicht schnell oder länger schreiben.

Ein Hinweis ist mir noch wichtig: Die Audioaufzeichnung ist gerade in Vorlesungen extrem praktisch. Gleichzeitig kann sie dort jedoch auch zum Problem werden, denn theoretisch müsst ihr vor der Aufzeichnung bei Eurem Dozenten nachfragen, ob der mit der Aufzeichnung einverstanden ist. Ich habe da schon so manche Diskussion und Ablehnung erlebt, manche Kollegen verbannen Smartpens inzwischen regelrecht aus der Vorlesung – Laptops und Smartphones übrigens auch. Das kommentiere ich dann mal lieber nicht.

Livescribe Smartpen: Eine Kaufempfehlung für Studenten?

SkywifiSmartpen

Bleibt zum Schluss noch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Die fällt natürlich subjektiv aus und lautet für mich: Wenn ihr das Geld für einen Livescribe Smartpen – und die Blöcke – habt und ohnehin handschriftlich mitschreibt, lohnt sich der Kauf meiner Meinung nach.

Geht es jedoch rein darum, handschriftliche Notizen zu archivieren, reicht es völlig aus, diese abzufotografieren und dann in Evernote oder einem anderen System abzuspeichern. Die Livescrieb Smartpens sind eine bequeme und sehr mächtige Lösung, die die Lücke zwischen analogen und digitalen Notizen hervorragend schließen können.

Zwingend notwendig sind sie auch für Studenten, die handschriftlich arbeiten, jedoch nicht. Mit anderen elektronischen Stiften und Notizmethoden befasse ich mich in späteren Artikeln. Wenn ihr dazu Vorschläge, Erfahrung oder Tipps habt: Ab damit in die Kommentare. Ich freu mich drauf.

Bildnachweis: livescribe press kit, sozial-pr.net