Mail-Client Spark für macOS: Gelungene Alternative zu Apple Mail?

Die Sache mit dem richtigen Mail-Client ist nicht leicht, egal ob auf dem Smartphone oder am Rechner, zumindest ich habe noch kein Mail-Programm gefunden, dass wirklich alle Wünsche erfüllt. Readdle möchte mit Spark immerhin einen Client liefern, der nicht weniger verspricht als der beste Mail-Client zu sein, der dazu führt, dass man seine Mails lieben würde - und jetzt eben auch auf dem Mac. 

Spark für iOS ist seit einiger Zeit mein Standard-Client auf dem iPhone und dem iPad. Trotz starker Konkurrenz und einer längeren Testphase mit Airmail, bin ich doch immer wieder wieder zu Spark zurückgekommen. Hauptvorteil ist die Ansicht der Posteingänge in Form der „Smart Inbox“. Hier werden Mails nach persönlichen Nachrichten, Mitteilungen und Newslettern gruppiert dargestellt, was – nach gewisser Trainingszeit – einen schnellen Überblick ermöglicht. Ebenso lassen sich die Mails damit schnell weg sortieren. Den Vergleich zu Boxer – dem Client meiner Wahl unter Android – hatten ich vor einiger Zeit schon mal aufgeschrieben:

Mail Apps für iOS im Vergleich: Boxer vs. Spark

Im Test kann man auch sehen, dass Spark für mich zum Zeitpunkt des Artikels genau drei Nachteile hatte (abgesehen von der in leider allen iOS Mail-Apps fehlenden PGP-Unterstützung):

  • kein Desktop-Pendant
  • kein Querformat auf dem iPhone
  • noch keine Unterstützung für das iPad

Schon seit längerem sind zwei der Nachteile weg: Sowohl das Querformat auf dem iPhone X plus wird zwischenzeitlich unterstützt, wie auch iPads. Und seit letzter Woche gibt es auch ein Desktop-Pendant für macOS von Spark, das ich mir direkt mal angeschaut habe – denn immerhin ist auch dieses kostenlos.

Spark von Readdle
Spark von Readdle
Entwickler: Readdle Inc.
Preis: Kostenlos

Welcher Mail-Client darf es denn sein?

Die Wahl des richtigen Mail-Programms auf dem Desktop ist wirklich nicht einfach, egal auf welcher Plattform. So richtig überzeugen kann mich eigentlich keins. Die von Apple mitgelieferte Mail.app ist zwar schon mal ganz gut, muss aber auch erst mit Erweiterungen tauglich gemacht werden für den Dauereinsatz. Konkret sind das bei mir MailButler, Mail Act-On und wenn es gerade in einer passenden Version verfügbar ist natürlich die GnuPG-Erweiterung. Damit werden dann so Kleinigkeiten wie die Wiedervorlage von Mails, Verknüpfungen mit anderen Diensten und vor allem die Möglichkeit zum Wegsortieren von Mails rein mit der Tastatur nachgerüstet.

Als Alternative hatte ich eine ganze Zeit Airmail versucht. Großer Vorteil schien mir hier, dass es sowohl für macOS als auch iOS verfügbar ist, eine schlanke Oberfläche hat, komplett mit der Tastatur zu bedienen ist und es Erweiterungen für S/MIME und PGP gibt. Dummerweise hat AirMail auf dem Mac aber regelmäßig Probleme mit großen Postfächern (natürlich kann man darüber diskutieren, ob ich wirklich mein gesamtes Mailarchiv der letzten 17 Jahre in meinem Mailprogramm vorrätig halten muss – aber Mail.app hat damit zumindest keine Probleme) und – was dann das KO-Kriterium war – es hat manchmal einfach angefangen Mails verschlüsselt zu schicken, obwohl der Empfänger kein PGP verwendet. Die Mails waren dann eben nur mit meinem Public-Key verschlüsselt und der Empfänger konnte nichts damit anfangen.

Auch Outlook habe ich mal einen Testlauf gegönnt, aber so richtig glücklich wird man damit nur, wenn man eben auch Exchange verwendet und von PGP brauchen wir mal gar nicht anfangen. Aber dann ist es tatsächlich inzwischen eine wirklich feine Lösung. Für alle Fälle – wenn die Entwickler des GnuPG-PlugIns wieder mal der Entwicklung von Apple hinterher hinken, habe ich dann noch Postbox auf dem Rechner. Ein kostenpflichtiger Thunderbird-Abkömmling, der einige interessante Features hat, mich aber bislang nicht 100%ig überzeugen konnte – die aktuelle Version habe ich aber noch nicht ausführlich getestet, angesichts der Unmenge an Funktionen muss so ein Test aber ausführlich sein.

Zurück zu Spark

Bei Spark geht so ein Test recht schnell, die Funktionalität ist auf das beschränkt, was man mindestens von einem Mailprogramme erwartet: Es gibt keine PlugIns, keine exotischen Features und auch keine neuen Idee, den Workflow umzukrempeln. Es handelt sich – im besten Sinne – um eine Umsetzung der bekannten iOS App auf macOS. Das beginnt schon mit den Einstellungen, die auf Wunsch via iCloud zwischen allen Geräten synchronisiert werden. Wer die Zugangsdaten zu seinen Mailaccounts Apples Servern anvertrauen möchte, der kann sich hier viel Zeit beim Einrichten sparen. Unterstützt werden die bekannten Dienste und Protokolle: Google, Exchange, iCloud, Outlook.com, Yahoo und IMAP. Zusätzlich kann Spark für iOS auch mit verschiedenen anderen Diensten verknüpft werden: Dropbox, OneDrive, Google Drive, Evernote, OneNote, Pocket u.a. – diese Verknüpfungen sind für die macOS Version ebenfalls angekündigt, im Programm aber noch nicht zu finden.

Für das Adressbuch und den Kalender werden keine eigenen Lösungen geliefert, sondern auf die entsprechenden Systemdienste zurückgegriffen, Signaturen werden auf Wunsch automatisch erkannt und können schnell per Klick in jeder Mail gewechselt werden. Auch die anderen Funktionen der iOS App sind dabei. Quick Replys, um eine Mail schnell mit einem Klick zu beantworten und die Snoozes, um Mails zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück in den Posteingang zu befördern. Und selbstverständlich auch die Smart Inbox.

spark-shortcuts

Was eine wirklich feine Sache ist: Die Tastaturbelegung lässt sich in den Einstellungen sehr schnell anpassen, neben der Standard-Belegung von Spark kann man sich auch für die von Mail.app oder Gmail entscheiden – und diese auch individuell anpassen. Also schnell die von Mail.app gewählt, das Kürzel für das Bewegen von Mails in einen anderen Ordner definiert und schon kann ich meine Mails schnell und rein per Tastatur weg sortieren, wie ich es bei Mail.app gewohnt bin. Als Extra gibt es hier die intelligenten Vorschläge: Wie auch schon bei der iOS Version lernt Spark, wohin bestimmte Mails kommen und stellt sich dabei gar nicht dumm an. Spark merkt also zum Beispiel, dass Facebook-Benachrichtigungen nicht alle in einem Ordner landen, sondern es für verschiedene Facebook-Seiten unterschiedliche Ordner gibt.

Features

Smart Inbox

Die Smart Inbox stellt Mails sortiert nach Typ der Nachrichten dar. Unterschieden wird zwischen Persönlicher Nachricht, Mitteilung und Newsletter. Spark macht diese Zuweisung automatisch, ist aber lernfähig und lässt sich durch das entsprechende Zuweisen von Mails auch trainieren.

Natürliche Suche

Die Suchfunktion beherrscht die Eingabe in natürlicher Sprache, derzeit aber nur in englischer Sprache.

Smart Notifications

Push-Benachrichtigungen gibt es in Spark nur für wichtige Mails, auch hier ist Spark lernfähig, so dass man im Idealfall nach einiger Zeit wirklich nur noch über wichtige Mails benachrichtigt wird.

Signaturen

Signaturen werden per Klick gewechselt, anhand gesendeter Mails kann Spark auch eigene Signaturen identifizieren und mit in die Sammlung aufnehmen.

Quick Replies

Schnelle Antworten über einen Klick auf ein Icon sind für den Absender sicher praktisch, ob der Empfänger von dieser Art der „Facebookisierung von Mails“ besonders begeistert sein werden, ist eine andere Frage.

spark-quick-replies

Snooze

Das Ziel „Inbox Zero“, also einen leeren Posteingang, kann man leichter erreichen, wenn man eine Funktion hat, Mails auf Wiedervorlage zu legen: Per Snooze kann man festlegen, dass eine Mail zu einem späteren Zeitpunkt zurück in den Posteingang wandert – aber früher oder später muss man die Mail dann doch abarbeiten ;)

Connected Services

Dropbox, Google Drive, Box, OneDrive, Readability, Pocket, Evernote, OneNote und Instapaper sollen auch in der macOS Version noch als mögliche Verknüpfungen folgen. Im Appstore ist das bereits angekündigt. In der iOS Version funktioniert die Zusammenarbeit mit den Diensten bereits gut. Schön wären hier weitere Dienste (WebDAV oder Todoist fallen mir da spontan ein) und die Nutzung des macOS Sharings, was die Sache deutlich flexibler machen würde.

Fazit und was fehlt

Spark ist flott, hat keine Probleme mit meinem übertrieben großen Mailarchiv und funktioniert auf dem Mac ganz genau so, wie man es anhand der iOS App erwartet. Das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man es etwas minimalistischer mag und wenn man einen schnellen Überblick über seinen Posteingang möchte.

Auf Erweiterungen per PlugIns muss man jedoch verzichten, wie auch auf Apple Script (nutzt das noch jemand?). Und es sind dann noch so ein paar Kleinigkeiten, die speziell meinen persönlichen Workflow etwas stören, zum Beispiel speichere ich manche Mail zu meinen Belegen für den Steuerberater, dazu „drucke“ ich die in ein PDF und während Mail.app hier als Dateinamen eben den Betreff der Mail vorschlägt, kommt bei Spark ein einfaches „Untitled.pdf“ als Vorschlag für den Dateinamen. Was mich nicht stört, aber für manche Grund für eine negative Bewertung im App Store darstellt: Spark gibt es bislang nur in englischer Sprache.

Für manche ein KO-Kriterium, für mich nicht wichtig: Spark beherrscht keine Filter bzw. Regeln für das automatische Sortieren von Mails. Effektiver ist meiner Meinung nach sowieso das Filtern und Sortieren von Mails bereits auf dem Server – soweit der das unterstützt.

Als Mac-Nutzer, der auch mit den anderen Apps von Readdle allgemein und Spark für iOS Freude hat, der sollte sich Spark für macOS auf jeden Fall mal anschauen, es kostet ja nichts, zumindest wenn man auf ein paar Dinge verzichten kann. Apropos Kosten: Für die Zukunft möchte Readdle wohl auf kostenpflichtige Zusatzfeatures setzen, um die weitere Entwicklung der Software zu finanzieren. Welche genau das werden und was diese kosten sollen ist aber noch offen.