Maxdome stellt sich Queer
Maxdome verbannt die Rubrik Queer *Update*

Anfang April hat Maxdome ohne das Wissen seiner Kunden ein ganzes Genre gelöscht. Bald wird es die Rubrik Queer dann gar nicht mehr geben. Begründung: Wegen der Familienfreundlichkeit.
von Jessica Mancuso am 4. Mai 2016

Es bröckelt in der schönen Welt der Streamingdienste, auf denen bisher alles möglich schien. Noch nie war der User so frei, sich die für ihn interessanten Inhalte so rauszusuchen, dass sie perfekt zu seinen Wünschen passten. Doch Maxdome, dessen bisheriges Alleinstellungsmerkmal die Rubrik Queer war, hat sich nun von dieser Sparte getrennt, »um familienfreundlicher zu werden«. Absolut lächerlich, wie wir finden.

UPDATE

Bereits gestern äußerte sich Maxdome im hauseigenen Blog zu den Vorwürfen, sie hätten das Queer-Angebot aus familienfreundlichen Gründen gelöscht. Dabei stapeln sie nicht gerade tief, wenn der Titel schon lautet „Maxdome bleibt bunt wie ein Regenbogen“ – mir persönlich kam es da schon hoch. Doch damit nicht genug. Liest man sich den Text durch, fällt aufgrund der Ausrufezeichen und dem Gebrauch von Capslock auf, dass da jemand ganz schön sauer ob der negativen Meldungen ist, die sie selbst überhaupt ins Rollen gebracht haben. Richtig interessant wird es, als die Rede von ausgelaufenen Lizenzen ist, die das Unternehmen angeblich dazu zwangen, sich von dieser Rubrik zu trennen. 

„Trotz allem unterliegen alle Content-Entscheidungen wirtschaftlichen Gesichtspunkten und so ist auch der Wegfall einiger Queer-Inhalte auf kommerzielle Beweggründe zurückzuführen, die auf einer vergleichsweise geringen Nachfrage der entsprechenden Inhalte basieren. So wurden im Zuge unseres regulären Portfolio-Managements im Monat März Verträge mit einer Reihe von Lizenzgebern gekündigt, darunter auch „Pro-Fun Media“ und „Salzgeber“, die in erster Linie für queer-Inhalte stehen.“ blog.maxdome.de

Wie heise.de allerdings berichtet, möchte einer dieser namentlich erwähnten Lizenzgeber nun Klage gegen Maxdome einreichen, da dieser vorzeitig Verträge gekündigt habe und keinesfalls die Lizenzen abgelaufen seien, wie der Streamingdienstanbieter in seiner Erklärung zum Besten gab.

Fazit: Wir dürfen auch weiterhin gespannt bleiben, wie diese Schlammschlacht ausgehen wird. Davon abgesehen droht Maxdome auf seinem Blog ebenfalls mit rechtlichen Schritten:

„Vorwürfe Content-Entscheidungen zugunsten der Ausgrenzung von Minderheiten zu treffen möchten wir hiermit ausdrücklich zurückweisen. In diesem Zuge behalten wir uns rechtliche Schritte gegen ehemalige Geschäftspartner vor, die uns aus offensichtlichen Gründen in ein völlig falsches Licht rücken.“ blog.maxdome.de

Erst die Werbetrommel rühren und jetzt das

Maxdome warb bis vor kurzem sogar noch explizit damit, dass die Rubrik Queer über 400 Titel aufwies, womit Netflix und Amazon Prime nicht mithalten konnten. Zwar finden sich bei den anderen beiden Anbietern auch entsprechende Streifen, wie z. B. Orange is the new black oder auch Transparent, doch haben diese weder ihre eigene Rubrik, noch weisen sie viele Titel auf. Umso überraschender kam es, dass Maxdome bereits Anfang April ohne Wissen seiner Kunden das Angebot vom Server nahm und bis auf wenige Ausnahmen das gesamte Repertoire der schwul-lesbischen Filme löschte.

 

Maxdome stellt sich Queer

Wo Maxdome vorher noch in einschlägigen Szenemagazinen auf ihre queer-Sparte aufmerksam machte, herrscht jetzt Grillenzirpen. Innerhalb von 24 Stunden wurde das Genre einfach mal platt gemacht. Und wieso? Wegen der Familienfreundlichkeit, wie das Unternehmen selbst erklärt.
Doch ich verstehe das nicht: Alle Streaminganbieter haben einen integrierten Kinderschutz und ohne Pin oder Code kommt man selbst als Erwachsener nicht an Inhalte dran, die beispielsweise erst ab 16 sind. Was soll da also schief gehen? Außerdem wird durch eine solche Meldung der Eindruck erweckt, dass Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung die Kinder versauen würden, was meines Erachtens totaler Bullshit ist. Es liegt doch an den Eltern, dass sie die Nutzung ihrer Kinder am TV und Computer im Blick haben und entsprechende Inhalte erlauben oder nicht.

Was heißt familienfreundlich?

Streng genommen sind Filme und Serien mit erheblichem Einsatz von Gewalt, Drogen und Kriminalität nichts für Familien und deren Kinder. So gesehen müssten jetzt alle Eltern auf Erden ihren Computer und Fernseher aus dem Fenster werfen. So viel Gefahr! Was heißt das also, dieses familienfreundlich? Ist es am Ende nicht doch nur ein Euphemismus für »Wir wollen uns anderweitig positionieren und distanzieren uns daher von Inhalten, die unseren Großeltern sauer aufstoßen könnten.«?

Weiter noch: Im Jahre 2016 gibt es durchaus homosexuelle Familien mit Kindern. Mit einer solchen Aussage schneidet sich Maxdome also ins eigene Fleisch, wenn diese Info noch nicht bei ihnen angekommen ist. Sollte familienfreundlich heutzutage nicht viel mehr bedeuten, dass jede Art von Familie jedem zugänglich gemacht wird? Oder gelten Filme, die Patchworkfamilien abbilden auch nicht als familienfreundlich? Sind Serien über geschiedene Eltern familienfreundlich? Oder gelten nur intakte Familien mit Mutter, Vater, Kind und goldenem Retriever als gesellschaftsfreundlich? Was ist mit alleinerziehenden Müttern und Vätern? Bilden sie mit ihren Kindern etwa keine Familien? Und was ist mit den Eltern, die sich abends anschauen möchten, wonach ihnen der Sinn steht? Da wird die persönliche Freiheit schon etwas eingeschränkt.

Gibt es außerdem nicht so ziemlich überall eine eigene Familien-Sparte? Wo es ausschließlich Inhalte gibt, die für 6- und 12-Jährige empfohlen werden? Ist das nicht das Eigentliche familienfreundlich, dem man weiterhin nachgehen sollte? Also wenn Maxdome nicht vorhat, sein gesamtes Sortiment auf Susi und Strolch umzuändern, wird es schwierig, diese Entscheidung argumentativ zu stützen.

Randnotiz: Meine Oma war mit ihren 70+ eine super coole Frau, die trotz ihrer streng christlichen Erziehung einst zu mir sagte: »Ob schwul oder nicht; Hauptsache die Menschen lieben sich und das hat kein anderer Mensch zu unterbinden.« Meine Oma ist nun leider nicht mehr, aber falls Maxdome das mal ausdiskutieren möchte, so bin ich mir sicher, dass hier im Internet genug Leute anzutreffen sind, die es ähnlich sehen wie meine Oma. Und vielleicht rührt es auch daher, dass ich gerade ob dieser Meldung platzen könnte! Hört auf Menschen vorzuschreiben, in welcher Schublade sie Platz nehmen sollen und welche Inhalte sie konsumieren dürfen! Vor allem dann, wenn sie dafür bezahlen.

Wenn Du Maxdome-Kunde bist…

…und dir genau diese Sparte gefallen hat, kannst du noch einige ausgewählte Titel unter der Rubrik Queer finden, die es bald aber auch nicht mehr geben wird. Ok, es sind nur noch an die 10 von 400 Titel vorhanden, aber immerhin. Ansonsten werde ich mir diese Woche die Zeit nehmen und recherchieren, was Netflix und Prime in der Richtung anbieten und gebe euch bescheid. Natürlich nur, falls Bedarf besteht. Also bitte in den Kommentaren Laut geben.

Ansonsten verabschiede ich mich für den Moment und genieße die Sonne, die wenigstens nicht zwischen Geschlechtern, Geschmäckern und sexueller Orientierung unterscheidet und für uns alle scheint. Ganz ohne kostenpflichtiges Abo. Verrückt!