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Akku-Packs für die Solaranlage von Daimler

Mercedes-Benz stellt Stromspeichersystem für Industriekunden und Privathaushalte vor

Das Einspeisen von überschüssigem Solarstrom in das Stromnetz ist heute gängige Praxis - auch, weil immer noch ausreichend leistungsstarke, erschwingliche und kompakte Speichersysteme für Unternehmen und Privathaushalte fehlen. Mercedes-Benz will nun mit der Tochterfirma Accumotive auch in diesem Bereich den Markt aufrollen und stellt zwei unterschiedlich dimensionierte Lösungen vor.

von Bernd Rubel am 11. Juni 2015

Erinnert ihr euch an die kürzlich vorgestellten Tesla Powerwalls und Powerpacks, mit denen der amerikanische Elektrofahrzeug-Hersteller den Markt für stationäre Stromspeichersysteme aufrollen will? Nun, die Konkurrenz war offenbar in diesem Bereich ebenfalls nicht untätig und so präsentieren nun Daimler (Mercedes-Benz) bzw. die hundertprozentige Tochter Accumotive ein ähnliches System.

Der Grundgedanke ist, dass wie auch immer gewonnener Strom – im Idealfall aus regenerativen Energien wie z.B. einer Solaranlage auf dem Dach – dezentral vor Ort gespeichert wird. Das stellt per se erst einmal die heutzutage bzw. hierzulande übliche Praxis auf den Kopf, das Ökostrom in das öffentliche Stromnetz eingespeist und man dafür mit einem festgelegten Betrag entlohnt wird. Klingt verwegen und scheitert momentan tatsächlich noch an ausgereiften, funktionierenden und vor allem erschwinglichen Stromspeicherlösungen.

Adressaten für Lösungen dieser Art sind in erster Linie kleinere und mittlere Betriebe, das hat schon die Vorstellung der o.e. Powerwalls und Powerpacks gezeigt. Supermärkte, Gewerbehallen oder landwirtschaftliche Betriebe mit z.T. richtig grossen Dachflächen (und der Möglichkeit, die Kosten für eine Photovoltaikanlage vermutlich voll steuerlich abzusetzen). Aber beide, sowohl Mercedes-Benz als auch Tesla haben zumindest mittelfristig auch Privatkunden im Visier, mit jeweils “kleineren” Dimensionen bei z.B. der Speicherkapazität.

Mercedes-Benz Daimler Energiespeicher Home

Die im Privatbereich eingesetzten Speichermodule “Home” (siehe Abbildung oben) lassen sich koppeln und so sukzessive erweitern. Bis zu acht Module mit je 2,5 kWh Speicherkapazität stehen so je nach verfügbarem Bedarf, Platz und Investitionsvolumen zur Verfügung, maximal bzw. rechnerisch ergäbe das also satte 20 kWh. Die Speicherung selbst soll “nahezu verlustfrei” erfolgen, der Wirkungsgrad der Module liege bei 97%. Mercedes selbst macht eine Rechnung auf, in der bei einem jährlichen Stromverbrauch von circa 4650 kWh zwei Module für einen Privathaushalt empfehlenswert seien. Auch für den gewerblichen Bereich gibt es eine Beispielkonfiguration sowie ausführliche Angaben zur eingesetzten Technologie, entsprechenden Zertifizierungen und Kompatibilitäten.

Datenblatt “Home” (PDF) | Datenblatt “Business” (PDF)

Die Beispiele zeigen, dass die Speichermodule nicht für eine Vollversorgung eines Hauses oder einer Betriebsstätte gedacht sind, dazu ist die Kapazität sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich natürlich viel zu gering. Vielmehr soll “überschüssiger” Strom, der im Laufe eines Tages von z.B. den Solarpanels eingefangen und im leeren Haus einer berufstätigen Familie nicht verbraucht wird zwischengespeichert werden, um dann bei Bedarf in den Abendstunden verbraucht zu werden. Im gewerblichen Bereich sind Speicherlösungen dieser Art eher zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen gedacht, wenn z.B. an sehr heissen Tagen die Klimaanlagen im Innenraum eines Gebäudes auf Vollast laufen.

Mit der Tochterfirma Accumotive ist kein Neuling in der Batteriefertigung am Werk. Das Unternehmen baut bereits seit 2009 die Antriebsbatterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge von Mercedes-Benz und Smart auf der auch hier eingesetzten Lithium-Ionen Basis. Für das Privatkundengeschäft holt man sich mit EnBW einen ersten klassischen Energieversorger ins Boot, der dann (so verstehen wir die bisherigen Angaben) z.B. die Installation vor Ort u.ä. Bereiche übernehmen oder zumindest organisatorisch abwickeln soll.

Mercedes-Benz Daimler Energiespeicher Business

Ein erstes (nicht genanntes) Pilotprojekt im industriellen Maßstab soll bereits im Einsatz ein, zudem kann man sich die Energiespeicher in den kommenden Tagen auf der Intersolar in München ansehen – Dirk Baranek war vor Ort, siehe unten). Sprich: wir reden hier nicht von Zukunftsmusik, diese Lösungen sind marktreif und können – mit der entsprechenden Planung – ab sofort die eventuell bereits vorhandene eigene Photovoltaikanlage ergänzen.

Es gibt, das soll nicht unerwähnt bleiben, einige wichtige Punkte zu beachten. Zu kurze Garantiezeiträume werden immer wieder genannt, wenn es um Bedenken geht, auch die voraussichtliche Zahl der sogenannten Vollzyklen und der eventuell eintretende – vom Smartphone bekannte – “Memory Effekt” eines Lithium-Ionen Akkus ist trotz der wesentlich grösseren Dimensionen ein Punkt, den man bei einem Vergleich der Systeme im Auge behalten sollte.

Ich persönlich bin niemand, der zu Beratungsstellen zu einem unabhängigen Energieberater rennt, aber vielleicht wäre das in diesem Fall tatsächlich angebracht, auch angesichts der eventuell in Anspruch genommenen Finanzierungsoptionen über die KfW und den daraus resultierenden Vorschriften.

Insgesamt betrachtet kann man aber festhalten: es tut sich endlich etwas in dem Bereich, ausgerechnet die Fahrzeughersteller legen hier vor und vielleicht ist das alles ja auch der letzte benötigte Schub nicht nur für die Energiewende, sondern auch für die immer noch nicht richtig in Fahrt kommende Elektromobilität. So eine “Tankstelle” zu Hause, die sich im Laufe des Tages via Sonnenenergie aufgeladen hat – das könnte bei einigen grundsätzlich Interessierten schon der letzte noch fehlende Faktor sein.

Quelle: schlauerspeichern.de