Intelligent Aerodynamic Automobile

Mercedes-Benz Concept IAA Aerodynamik-Studie vorgestellt

Mercedes-Benz hat vor wenigen Minuten auf der Internationalen Automobil Ausstellung eine neue Konzept-Studie namens "Concept IAA" präsentiert. Es handelt sich um den Prototypen eines viertürigen Coupé, bei dem besonders viel Wert auf die Aerodynamik gelegt wurde. So schaltet das Fahrzeug entweder ab einer Geschwindigkeit von achtzig Stundenkilometern automatisch oder manuell per Knopfdruck vom Design-Modus in den Aerodynamik-Modus, verändert also während der Fahrt seine Form und Gestalt.

von Bernd Rubel am 14. September 2015

Im Aerodynamik-Modus fahren am Heck des Concept IAA acht Segmente aus und verlängern das Heck um bis zu 390 Millimeter. Das Fahrzeug misst dann von der vorderen Haifisch-Nase bis zum Heck circa 5,43 Meter. Am vorderen Stoßfänger bewegen sich Frontlaps 25 Millimeter nach aussen und 20 Millimeter nach hinten und sollen auf diese Weise die Luft-Umströmung des Bugs und der vorderen Radkästen verbessern. Eine weitere Lamelle fährt 60 Millimeter nach hinten und verbessert die Strömung am Unterboden, die Felgen verändern ihre Schlüsselung von 55 auf 0 Millimeter.

Derart auf Aerodynamik und Effizienz getunt soll das Fahrzeug einen cw-Wert von 0,19 erreichen, das wäre nach aktuellem Stand der Dinge Weltrekord.

Mercedes-Benz Concept IAA 05

Motorisierung und Spezifikationen

Bei der Motorisierung setzt man auf einen benzin-elektrischen Plug-In Hybridantrieb mit 205 kW bzw. 279 PS. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern wird elektronisch abgeriegelt. Die besonders aerodynamische Form soll sich tatsächlich sowohl beim CO2-Ausstoss als auch bei der effektiven elektrischen Reichweite bemerkbar machen, Mercedes-Benz nennt hier konkrete Zahlen. So bringt es der Concept IAA im “normalen” design-Modus auf eine rein elektrische Distanz von 62 Kilometern, im Aerodynamik-Modus steigt dieser Wert auf 66 Kilometer. Gleichzeitig sinkt die CO2-Emmission von zuvor 31 Gramm auf 28 Gramm CO2 pro Kilometer. Bei diesen Werten sollte man allerdings beachten, dass hier gemäss des NEFZ-Zyklus eine städtische Nutzung von zwei Dritteln vorausgesetzt wird, der Aerodynamik-Modus also nur eingeschränkt berücksichtigt wird. Auf längeren, schnelleren Atobahnfahrten käme dieser mehr zum Tragen.

Mercedes-Benz Concept IAA 04

Digitalisierte Entwicklung

Das Unternehmen macht im Rahmen der Vorstellung detaillierte Angaben zum Entwicklungsprozess der Studie und hebt dabei besonders die digitalisierten Prozesse hervor, die hier genutzt wurden. Während das Buzzword “Industrie 4.0” des öfteren erst im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Produktions- und Logistik-Prozess genannt wird, erstrecken sich damit einhergehende Möglichkeiten in der Automobil-Branche mittlerweile längst auf die Bereiche Forschung und Entwicklung.

So sei im vorliegenden Fall eine speziell angepasste Software zum Einsatz gekommen, die den Designern der Concept IAA eine dynamische Modellierung der Studie im dreidimensionalen Raum und im Zuge dessen die simultane Anzeige und Gestaltung verschiedener Zustände ermöglicht habe. Basierend auf den sich verändernden Konstruktionsdaten habe man dann via Rapid Prototyping das jeweilige Modell in die Realität umgesetzt.

Parallel zum Design-Prozess waren die Aerodynamik-Ingenieure in diesem Stadium mit der Strömungssimulation involviert und rechneten, so Mercedes-Benz, rund dreihundert verschiedene numerische Varianten durch. Das entspräche in puncto Aufwand und den währenddessen 1 Million geleisteten CPU-Stunden ungefähr dem Prozedere, das sonst bei der Entwicklung eines Serienmodells durchlaufen werde.

Das Hauptaugenmerk bei Konzept-Studien dieser Art gilt selbstverständlich immer dem Design, der Form und der – hier dann also besonders aerodynamischen, tropfenförmigen – Bauweise. Eben dieses Aussehen kann man mögen oder nicht, es bleibt eine Geschmacks- und vielleicht auch ein wenig Kopfsache. Doch neben diesem kurzen Blick in die visuelle Zukunft kommender Fahrzeug-Generationen verbergen sich einige sehr interessante Technologien unter der sichtbaren Karosserie.

Smart-Car: Vernetzte Kommunikation

So ist der Mercedes-Benz Concept IAA mit der sogenannten Car-to-X Technologie ausgestattet, die dem Fahrzeug die Kommunikation mit anderen Fahrzeugen im Strassenverkehr ermöglichen soll. In der Praxis bedeutet das z.B., dass sich Autos (Motorräder, LKW, …) ab einer gewissen relevanten Distanz gegenseitig Informationen über ihren Standort, ihre Fahrtrichtung und ihre Geschwindigkeit senden können, auch wenn die Fahrer die jeweils anderen Fahrzeuge noch gar nicht sehen können. Dieses vorausschauende Fahren der besonderen Art könnte ein ganz wesentlicher Schritt zur Unfallvermeidung sein, fällt aber selbstverständlich auch in den Bereich “selbstfahrende Autos”.

Die von Mercedes-Benz Car-to-X getaufte Technologie funktioniert dabei prinzipiell auch mit anderen Informationsquellen, z.B. mit entsprechend ausgestatteten Ampelanlagen oder Verkehrsleitsystemen. Wichtig wäre, dass man sich hier schnellstmöglich herstellerübergreifend auf einen Standard, also de facto auf eine gemeinsame “Sprache” einigt, damit diese Features gerade im Bereich Car-to-Car Kommunikation von möglichst vielen Verkehrsteilnehmern auch sinnvoll genutzt werden können.

“Drop Shape” als aerodynamische Grundform, “Shark Nose” als markante Front

Innenraum und Touch-Bedienelemente

Im Innenraum setzen sich die technischen Neuerungen weiter fort. Während Mercedes-Benz beim Concept IAA prinzipiell auf das Business-Car Konzept der S-Klasse (Coupé) setzt und viel mit geschwungenen Formen und Linien sowie hochwertigen Materialien arbeitet, gilt unser Augenmerk natürlich speziell den Bedienelementen. Diese sind – wie nicht anders zu erwarten – weitestgehend touchbasiert. Über eine “optische Finger-Navigation (OFN)” soll sich die vom Touchpad der Mittelkonsole gewohnte Bedienung bis zur Lenkradsteuerung fortsetzen. Das mag Menschen, die gerne mal während der Fahrt im Handschuhfach kramen vernachlässigbar sein, doch auch hinter diesem Konzept steht neben allen technischen Features ein simpler Grundgedanke: “Die Hände gehören ans Lenkrad”.

Update: Jens Stratmann merkt noch an, dass der Innenraum eine Weiterentwicklung des Interieurs der S-Klasse bzw. des S-Klasse Coupé und ein Ausblick auf die Mercedes-Benz E-Klasse bzw. auf den neuen Mercedes-Benz CLS sei.

Quelle und mehr: mercedes-benz.com

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