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Concept Cars

Mercedes-Benz Vision Tokyo 2015 – Die Automobile Zukunft?

Das Vision Tokyo Concept von Mercedes-Benz soll einen Ausblick auf die Mobilität der Generation Z geben. Fahren schon unsere Kinder so oder so ähnlich in der Zukunft, elektrisch und mit Brennstoffzellen? Vielmehr: werden sie gefahren, denn selbstverständlich basiert das Concept Car auf einer rundum sensorgestützten Fahrerunterstützung?

von Jens Stratmann am 28. Oktober 2015

Der Vision Tokyo ist die aktuellste richtungsweisende Raumerfahrung von Mercedes-Benz: Mit seinem monolithischen (fugenlosen) Körper, der frischen Designsprache und der “einzigartigen Lounge-Landschaft” im Innenraum soll der Vision Tokyo luxuriös, jung und progressiv sein. Derart visionäre Design-Studien sind inzwischen eine gelebte Tradition bei Mercedes-Benz, und so reiht sich der Mercedes-Benz Vision Tokyo in die Ahnenreihe der Vision Modelle ein.

Los ging es 2012 mit dem Vision Ener-G-Force, 2013 sahen wir das AMG Vision Gran Turismo. Im Jahr 2014 dominierte dann der Vision G-Code in Peking. Eine SUC-Studie aus Asien für Asien.

Den Mercedes-Benz Vision Tokyo kann man nun auf der Tokyo Motor Show betrachten, welche vom 30. Oktober bis zum 07. November stattfindet.

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Warum gerade in Tokyo?

“In Japans Hauptstadt Tokyo leben rund 14 Millionen Menschen auf 622 Quadratkilometern – eine Fläche kleiner als Paris, aber mit mehr als 5-mal so vielen Menschen. Die Megacity kombiniert auf eine faszinierende Weise Tradition mit Hightech-Moderne und erfindet dabei ständig neue Trends – damit bildet sie den idealen Premierenort für den Mercedes-Benz Vision Tokyo.”

Mercedes-Benz Vision Tokyo concept car unveiled #cars #carporn

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Was sind Megacities? Megacities weisen, nach der Definition der UN – mindestens 10 Millionen Einwohner auf, damit gehört -wenn man der UN glauben schenken mag, Tokyo auch dazu, denn der Grossraum hat unglaubliche 35 Millionen Einwohner. Dafür ist Tokyo aber das ökonomische und politisches Zentrum, in Fixpunkt der Informationsströmungen und vor allem mit dem Verkehrsnetz total überlastet, aber auch daran arbeitet man in Tokyo bereits seit Jahren.

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Der Mercedes-Benz Vision Tokyo soll das Konzept einer automobilen Lounge für eine zukünftige Generation von Megacities verkörpern, damit passt er natürlich auch gut auf die Tokyo Motor Show. Hört man Gordon Wagener (Chef-Designer von Mercedes-Benz) über die Studie schwärmen, dann erwähnt dieser natürlich das klare, sinnliche Design des Vision Tokyo, welches erneut eine neue Ausprägung des modernen Luxus von Mercedes-Benz definieren soll. Moderner Luxus – Sinnliche Klarheit – auch in der Zukunft werden wir diese Begriffe noch häufiger lesen. Dazu gesellen sich dann aber auch noch Konnektivität und Autonomes Fahren!

Mit seiner konzeptionellen Botschaft soll das Concept-Car die Verjüngung der Marke Mercedes-Benz und die Wahrnehmung als stilprägende Designmarke zeigen. Entworfen haben den Vision Tokyo übrigens die Designer des globalen Advanced Design Studio-Netzwerks von Mercedes-Benz, die hat Mercedes nämlich auf der ganzen Welt verstreut.

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Nach dem Forschungsfahrzeug Mercedes-Benz F 015 Luxury in Motion als autonom fahrender Luxuslimousine zeigt Mercedes-Benz jetzt mit dem Mercedes Vision Tokyo, wie das Auto der Zukunft zu einem hippen Lebensraum werden soll. Das Fahrzeug als eigene Chill-Out-Zone im quirligen Straßenverkehr von sogenannten Megacities.

Was ist die Generation Z?

Der Mercedes-Benz Vision Tokyo ist eine Hommage an die urbane Generation Z. Nach 1995 geboren und mit den neuen Medien groß geworden ist. Mist! Damit bin ich definitiv zu alt für die Generation Z, aber man ist sich ziemlich sicher, dass für diese globale Generation das Fahrzeug einen neuen Stellenwert bekommen wird.

Das Auto ist in der Zukunft nicht nur das Fortbewegungsmittel, sondern vielmehr ein digitaler, automobiler Begleiter. Und der Vision Tokyo geht noch einen Schritt weiter: Dank innovativer Algorithmen entwickelt das Concept Fahrzeug sich ständig weiter, bei jeder Fahrt lernt er dank “Deep Machine Learning” und einer intelligenten “Predictive Engine” seine Passagiere und deren Wünsche und sogar die Vorlieben besser kennen. Damit ist der Vision Tokyo ein perfekter Gefährte für die Generation Z.

Mit seinem großen Fahrzeugvolumen ist der Mercedes-Benz Vision Tokyo ein neues Konzept für zukünftige Mercedes-Benz Cars. Betont werden diese Proportionen durch die monochrome Lackierung in “Alubeam” und die im Siebdruck-Verfahren bedruckten Seitenscheiben. Diese sorgen für eine private Atmosphäre, lassen gleichzeitig aber genügend Licht in den Innenraum und gewähren so einen freien Blick nach draußen.

Beleuchtete Flächen und Linien in Blau, 26″ große Felgen im Radkasten und der emissionsfreien Elektroantrieb sind die optischen Highlights der Studie. Einen Hinweis auf den möglichen autonomen Betrieb und die dazu nötige umfangreiche Umfeldsensorik, unter anderem mit einer 360-Grad-Kamera, gibt die Finne auf dem Dach des Fahrzeuges.

Statt einer klassischen Frontscheibe besitzt der Vision Tokyo eine durchgehende Glasfläche. Wie beim AMG Vision Gran Turismo sind die Scheinwerfer weit nach außen gerückt und schräg gestellt. Auf dem Feld an der Front des Fahrzeugs können unterschiedliche Leuchtfunktionen dargestellt werden. Läuft Musik im Fahrzeug, visualisiert das Display beispielsweise wie ein Sound-Analyzer das Klangbild. Die Heckscheibe ist mit roten LED-Kuben ringförmig umrandet, was für eine optische Tiefe sorgt. Auch hier lässt sich das LED-Feld – zur Anzeige des Blinkers oder der Analyzer-Funktion – nutzen.

Spielerei? Mitnichten! Aktuell verfügen die Mercedes-Benz LED Scheinwerfer über 24 LEDs, in der Zukunft werden es 84 LEDs sein und danach sprechen wir bereits über 1024 einzelne Sektoren die angesteuert werden können. Durch die Technik wird in Zukunft einiges Möglich sein und ohne die Weiterentwicklung in Sachen Lichttechnik wären solche Design-Studien heutzutage auch noch gar nicht möglich.

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Die Abmessungen des Mercedes Vision Tokyo (Länge/Breite/Höhe: 4.803 mm /2.100 mm /1.600 mm) entsprechen denen eines Mittelklasse-Fahrzeugs. Das widerspricht sich eigentlich, denn eigentlich will man doch für Megacities kleinere Fahrzeuge haben, oder? Aber wir reden hier ja über eine eigene Luxus-Lounge auf Räder für die Generation Z.

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Die bis zu 5 Passagiere gelangen über die nach oben schwingende Türe auf der linken Seite in den Innenraum – ideal für den Linksverkehr in Japans Megacity. Denn dort steigt man von der linken Seite ein. Hier in Deutschland, bzw. in Ländern mit Rechtsverkehr wäre das zu gefährlich. Die klassische Sitzordnung in Reihen ist somit aufgehoben, auch ein „vorne“ und „hinten“ gibt es nicht mehr: Platz genommen wird stattdessen auf einer großen oval geformten Couch.

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In dieser einzigartigen Lounge-Landschaft können alle mitfahrenden Personen die Vorteile der autonomen Automobilität genießen. Denn auch wenn die „Generation Z“ häufig sich in der Social Media Welt bewegt, bevorzugt sie (so zumindest die Vision) wenn möglich, auch den persönlichen Kontakt mit den anderen Mitmenschen. Und für diese Face-to-Face-Kommunikation wurde die Sitzanordnung optimiert. Als aktuelle Club-Lounge soll der Vision Tokyo Menschen zusammenbringen, eine ganz andere Form von Mitfahrgesellschaft?. Im autonomen Fahrmodus können die Mitreisenden entspannen, sich unterhalten oder z.B. doch in der virtuellen Welt chatten, ohne sich um die Fahrt durch den Stau kümmern zu müssen.

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Hinter den Passagieren befinden sich große LED-Bildschirme im sogenannten “Wrap-around-Design”. Die perforierten Sitze bekommen eine Art Ambilight. Das soll ein High-Tech-Ambiente erzeugen und ist ein gewollter Kontrast zur ansonsten weichen Oberfläche des hellen Leders. Apps, Landkarten und Anzeigen des Entertainment-Systems werden mit einem Projektor als dreidimensionale Hologramme im Raum dargestellt. Back 2 the Future?

Soll der Mercedes Vision Tokyo nicht autonom fahren, sondern herkömmlich gesteuert werden, lässt sich in Fahrtrichtung vorne mittig ein Sitz aus der Couch herauslösen. Vielflieger kennen das z.B. aus dem Flugzeug, dort gibt es den sogenannten “Jump Seat”. Auch das Lenkrad wird erst dann aus der Standy-Position geweckt und dem Fahrer an die Hand gereicht.

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Doch wie fährt die Generation Z? Elektrisch! Die Karosserie des Mercedes-Benz Vision Tokyo wurde so konzipiert, dass ein Elektroantrieb mit Brennstoffzelle aufprallgeschützt eingebaut werden kann. Dieser basiert auf dem wegweisenden F-CELL PLUG-IN HYBRID des Mercedes-Benz F 015 Luxury in Motion Concept Cars und kombiniert die Stromerzeugung an Bord mit einer besonders leistungsfähigen und kompakten Hochvoltbatterie. Werte sind hier nicht bekannt. Der Akku soll aber per Induktion aufgeladen werden können. Zur Wasserstoffspeicherung sieht das Konzept Drucktanks aus CFK vor. Das macht Sinn, der flüchtige Stoff muss ja irgendwie gespeichert werden, CFK bietet sich dafür als idealer Werkstoff an, wenngleich er auch nicht ganz günstig in der Herstellung ist, aber die Generation Z wird das schon richten.

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Die Reichweite dieses Elektro-Hybridsystems soll 980 km betragen, davon könnten rund 190 Kilometer mit dem Akku gefahren werden und ca. 790 Kilometer mit dem on-board generierten Strom aus der Brennstoffzelle. Das Mercedes Vision Tokyo setzt wie erwähnt die Reihe der innovativen Design-Showcars wie Vision EnerG-Force (Los Angeles, November 2012), AMG Vision Gran Turismo (Sunnyvale, 2013) und G-Code (Peking, November 2014) fort. Dank des weltweit aufgestellten Mercedes-Benz Designs greifen diese Studien lokale Design-, Kultur- und Mobilitätstrends auf und stellen sie in den Fokus der Mobilitätskonzepte. Diese Arbeiten sind übrigens mehr als nur eine Fingerübung, ich denke, dass wir spätestens im Jahre 2020 schon Teile der Studien in der Realität sehen werden.

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