Smart Cars? Smart Factory! Industrie 4.0!

Mercedes-Benz zeigt die Smart Factory – Industrie 4.0

So sieht das Autowerk der Zukunft aus - Mercedes-Benz gibt einen kleinen Einblick in die Smart Factory der Industrie 4.0! Roboter und Mensch als Partner!

von Jens Stratmann am 20. Oktober 2015

Mercedes-Benz zeigt die Smart Factory – Industrie 4.0! Die Automobilbranche steht vor großen Veränderungen. Da stehen die Themen “autonomes Fahren” genauso ins Haus wie die “Elektrofizierung”. Unter dem Schlagwort “Industrie 4.0” vernetzt der Hersteller Mercedes-Benz die digitalen und analogen Welten und das liest sich verdammt spannend, was da in den nächsten Jahren alles passieren wird. Bevor nun die ersten Aufschreihe kommen: Der Mensch soll bei Daimler als Kunde, aber auch als Mitarbeiter, weiterhin im Mittelpunkt stehen:

Dr. Dieter Zetsche (Vorsitzender des Vorstands Daimler AG, Leiter Mercedes-Benz Cars): “Alle großen Trends in der Automobilindustrie werden heute schon durch Digitalisierung getrieben oder treiben sie selbst voran. Unser Ziel ist es, auch bei digitalen Technologien der führende und innovativste Automobilhersteller der Welt zu sein.”

In der TecFabrik Sindelfingen werden neue Produktionskonzepte und -ideen getestet. Viele Applikationen haben bereits den Weg von der Idee über das Versuchsstadium in die Serienproduktion geschafft.

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Was versteht Daimler nun unter dem Begriff “Industrie 4.0”? Markus Schäfer (Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain Management, Daimler AG) hat hier die passende Antwort: “Unter dem Begriff “Industrie 4.0″ verstehen wir bei Mercedes-Benz die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette von der Konstruktion und Entwicklung über die Produktion, wo der Begriff seinen Ursprung hat, bis hin zu Vertrieb und Service. Für uns bei Daimler steht außer Frage, dass der digitale Wandel unsere Branche grundlegend verändern wird. Das gilt für die Methoden, nach denen wir unsere Fahrzeuge entwickeln, planen und bauen. Das betrifft die Art, wie wir mit unseren Kunden in Kontakt treten. Und nicht zuletzt wird der digitale Wandel an unseren Produkten selbst erfahrbar.”

Das Grundproblem ist klar: Weltweit wächst derzeitig die Nachfrage nach Pkw, Nutzfahrzeugen und auch nach anderen Mobilitätskonzepten. Zugleich werden die Anforderungen der Kunden rund um den Globus immer vielfältiger, individueller und somit für den Automobilhersteller komplexer. Das gilt nicht nur für die verschiedenen Fahrzeuge, sondern natürlich auch für die unterschiedlichen Antriebskonzepte. Es gibt aber noch ein weiteres Problem welches die Automobilbranche komplett betrifft: Die Innovationszyklen werden immer kürzer.

Doch wie sieht die Arbeitswelt in der Vision aus? Durch den digitalen Wandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird sich Arbeitswelt und somit auch die Produktionsprozesse rasant verändern. Roboter und Menschen werden in der Zukunft “Hand in Hand” arbeiten.

Markus Schäfer nimmt nun die ersten Ängste der Arbeitnehmer: “Bei allen Veränderungen steht der Mensch als Kunde und Mitarbeiter immer im Mittelpunkt. Erfahrung, Kreativität und Flexibilität der Menschen bleiben in vielen Bereichen der Automobilproduktion unersetzlich. Die Fabrik der Zukunft wird keineswegs menschenleer sein.” – Michael Brecht (Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats) ergänzt: „Die technischen Veränderungen kommen. Zu ihrer Gestaltung ist eine neue Humanisierungspolitik erforderlich. Entscheidend ist, wie das Verhältnis von Autonomie und Kontrolle in Mensch-Maschine-Interaktionen gestaltet wird. Entweder: Die Menschen sagen den Maschinen, was sie tun sollen. Oder: Die Menschen bekommen von den Maschinen gesagt, was sie tun sollen. Der Schlüssel ist, dass wir die Menschen durch Qualifizierung gut darauf vorbereiten.”

Doch wie könnte die Smart Factory in der Industrie 4.0 nun aussehen?  “Bei der Digitalisierung des ganzen Unternehmens bildet die Smart Factory den Kern. In der Smart Factory sind Produkte, Maschinen und die gesamte Umgebung untereinander und mit dem Internet vernetzt. Durch die Integration der realen Welt in eine funktionale, digitale Welt kann ein so genannter „Digitaler Zwilling“ erzeugt werden, der in Echtzeit eine Abbildung von Prozessen, Systemen und ganzen Fabrikhallen ermöglicht.”

Die Ziele sind klar? Es soll eine größere Flexibilität hergestellt werden, die Effizienz muss erhöht werden, die Geschwindigkeit muss ebenfalls erhöht werden und das Arbeitsumfeld soll natürlich auch attraktiv bleiben. Die Logistik wird smart, von der Konfiguration bis zur Ausliefung wird der technologische Fortschritt ein noch wichtigerer Bestandteil in der Kette. Blicken wir in die Zukunft, dann könnte es sein, dass das bestellte Fahrzeug sich zukünftig im Werk seine Bauteile und Aggregate selber sucht.

Was geht heute schon? Mercedes-Benz ist bereits heute in der Lage den kompletten Fertigungsprozess zu simulieren. Mercedes-Benz verfügt auch heute bereits über globale Komponentenstandards, standardisierte Systemarchitektur und standardisierte Automatisierungs-, Regelungs- und Steuerungstechnik. In den nächsten Schritten werden nun abgestimmte Anlagenmodule verwendet und noch in diesem Jahrzehnt, soll eine Referenzfabrik entstehen.

Jetzt mal Butter bei die Fische, was für Technologien sehen wir dann zukünftig in so einem Werk? Den Einsatz von 3D-Druck, Human Augmentation bei der Produktion, z.B. für die Kalibierung der Head-up Display, Tablet gesteuerte Roboter die zur Hilfe eilen können, Roboter die Arbeitsschritte von den Menschen lernen und durch die Data Cloud, sind diese Produktionsdaten dann auf der ganzen Welt verfügbar. So könnten die Bandmitarbeiter in Deutschland – visionär betrachtet – auch die Roboter im Ausland anlernen.

Hier auf diesen Foto sehen wir übrigens Lissy Brückner (Verfahrensentwicklung Montagetechnik und Modularisierung) die gerade eine Batterie in einen Hybridfahrzeug einbaut. Durch die Mensch-Roboter-Kooperation (MRK) und den Einsatz eines Fahrerlosen Transportfahrzeugs (FTF) wird die Montage flexibler und machen wir uns nichts vor, für die Batterie brauchen wir Hilfe von Robotern.

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Ich glaube, dass wir über die Roboter noch viel hören werden, denn das was sich nun anhört wie Science Fiction, wird in ein paar Jahren “normal” sein, nur eines wird vermutlich mit dem Roboter nie funktionieren: Mit ihm wird man nie ein Feierabend-Bier trinken gehen können und zwischendurch mal über Fussball sprechen, das geht wohl auch nicht.

Quelle / © Fotos: Mercedes-Benz / Daimler 2015