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Microsoft Surface Duo: Sind zwei Displays besser als ein faltbares?

Dieses Jahr starten die Smartphones mit den faltbaren Displays durch - okay, noch nicht so richtig. Verfolgt Microsoft mit dem Surface Duo und zwei Displays den besseren Ansatz? Ich glaube schon.

von Carsten Drees am 5. Oktober 2019

Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit hatte Microsoft seinen Feiertag, besser gesagt sein Surface-Event. Es gab ein paar neue Gadgets, die wir auf dem Schirm hatten und zu denen im Vorfeld auch bereits die meisten relevanten Infos durchgesickert sind. Es gab aber auch Hardware, die niemand vorher auf dem Zettel hatte: Die neuen Dual-Screen-Devices, die das Surface-Portfolio ab Ende 2020 erweitern sollen.

Spannend fand ich beide, sowohl das Surface Neo als auch das Surface Duo, aber die größere Überraschung stellt für mich das letztere dar. Viele Jahre haben wir hier spekuliert, ob und wann ein Surface Phone erscheinen wird. Jetzt ist es da — also okay, es ist nicht da, aber fürs Weihnachtsgeschäft 2020 angekündigt.

Microsoft selbst vermeidet es, das Gerät ein Smartphone zu nennen. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Jungs und Mädels aus Redmond mit diesen beiden neuen Surface-Geräten eine ganz neue Produktklasse etablieren wollen. Das Surface Duo ist somit halt ein kleines Surface-Device mit zwei miteinander verbundenen Displays — und nebenbei kann man eben auch damit telefonieren.

Wir haben euch beide Produkte schon kurz vorstellen können in diesem Beitrag und auch Hands-ons machen bereits die Runde.

Was erkennen wir im Clip? Unter anderem, dass man die Software noch nicht nutzen darf. Es handelt sich hier um ein angepasstes Android, auf dem sich aber neben den Google-Apps natürlich auch die einschlägigen Microsoft-Anwendungen vorinstalliert finden. Wie gut diese Software funktioniert, können wir also jetzt noch nicht beurteilen, können nur nach dem gehen, was uns Microsoft vor drei Tagen auf der Bühne in New York präsentiert hat.

Aber wenn wir dem Unternehmen jetzt mal unterstellen, dass sie die Software so ans Rennen bekommen, wie es angedacht ist, können wir erahnen, was uns da in gut einem Jahr erwartet: Ein Device, bei dem man zwar die nutzbare Fläche des Displays durch das zweite Panel verdoppelt, welches aber dennoch ganz anders angelegt ist als beispielsweise die Galaxy Fold-Devices von Samsung oder das Huawei Mate X.

Es erinnert eher an das, was sich LG mit seinem G8X ThinQ überlegt hat. Die Koreaner packen das identisch große zweite Display praktisch in eine Hülle, während bei Microsoft die beiden Panels direkt fest mit schlanken Scharnieren verbunden sind. Es geht also weniger darum, ein größeres, nahtloses Display zu erhalten, sondern schlicht darum, mehr Display-Fläche nutzen zu können.

Ehrlich gesagt brauche ich auch kein Display von der Größe des aufgeklappten Galaxy Fold, um Videos angenehm mobil betrachten zu können. Halte ich mein Smartphone in adäquatem Abstand vor meine Augen, erscheint das Display dort genau so groß vor mir, als wenn ich auf den drei Meter entfernten 55-Zoll-Fernseher glotze.

Viel spannender sind für mich bei diesen Dual-Screnn-Devices eher die Möglichkeiten, die über die bloße Verdoppelung der Fläche hinausgehen. Wie schon beim LG-Handset können wir auch auf dem Surface Duo bequemer zocken, indem wir das eigentliche Spiel auf dem einen Screen sehen, die Controller hingegen auf dem anderen. Ähnlich verhält es sich beim Schreiben von Texten, wo das zweite Display das Keyboard beherbergt.

Natürlich könnt ihr dennoch eine Anwendung über die volle Breite nutzen, selbstverständlich aber auch verschiedene Apps. Praktisch wird das dann, wenn wir beispielsweise auf dem Screen Dateien von einer in die andere App verschieben können. All das wird bestens funktionieren, auch wenn wir es mit zwei separaten statt einem großen Display zu tun haben.

Worauf ich hinaus will: Die Vorteile, die so ein großes, faltbares Display hat, sind für die meisten Anwendungsfälle kaum bis gar nicht vorhanden, wenn man es mit dem Surface Duo vergleicht. Wir reden hier zwar noch über ungelegte Eier, aber ich gehe stark davon aus, dass sich dieses Device preislich doch deutlich unter dem befinden sollte, was Samsung oder Huawei für ihre Gerätschaften aufrufen.

Vergleichen wir also die Technologie der faltbaren Displays mit dem, was Microsoft hier anbietet, fühle ich mich beim Surface Duo deutlich besser aufgehoben. Es macht für seine Verhältnisse sogar einen recht kompakten Eindruck, zudem hoffe ich darauf, dass sich an der herausragenden Verarbeitung, die wir mittlerweile von den Surface-Devices kennen, auch bei den Dual-Screen-Geräten nichts ändern wird.

Damit haben wir unterm Strich ein Android-Smartphone, welches nur marginal weniger Möglichkeiten bietet als ein Handset mit faltbarem Display, wenn überhaupt. Es dürfte zudem deutlich robuster als das sein, was zumindest Samsung bislang zustande bringt, außerdem sind die Panels wesentlich günstiger und auch problemloser zu produzieren. Letzteres mündet dann hoffentlich in einen faireren Preis, als die 2 000+, die bei der Konkurrenz fällig werden. Sollte Microsoft hier einen fairen Preis aufrufen, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass gerade anspruchsvolle Smartphone-Nutzer im Business-Bereich sich Gedanken machen, ob man anstelle eines Galaxy Note vielleicht mal auf eine neue Alternative aus Redmond setzen sollte.

All das müssen wir natürlich noch mit Fragezeichen versehen. Man muss erst sehen, was Microsoft tatsächlich bis nächstes Jahr auf die Beine stellt, wie gut die Software arbeitet, wie man sich preislich orientieren will und ob man überhaupt den Zeitplan einhalten kann. Haut all das hin, könnte ich mir vorstellen, dass Microsoft hier einen großen Wurf landet.

Was sagt ihr? Setze ich da zu  viel Hoffnung in die Prototypen, die Microsoft in New York aus dem Hut zauberte? Oder könnt ihr euch vorstellen, dass das Unternehmen aus Redmond genau das Gezeigte in genau dem angesagten Zeitfenster in die Läden bringt?

PS: Ich möchte beileibe nicht Foldables generell oder das Samsung Galaxy Fold generell schlecht reden. Aber ich glaube, dass die Zeit dafür noch nicht so ganz reif ist, zumindest sehe ich den Massenmarkt hier noch nicht und befürchte, dass sich das auch innerhalb eines Jahres nicht grundlegend verändern wird.