Microsoft Teams – Ist dies der ultimative Slack & E-Mail Killer?

Microsoft Teams ist der wichtigste Service fuer die Zukunft der Redmonder. Eine Brueckentechnologie, die wie Pattex die verschiedenen Plattformen zusammenhaelt. Analyse einer Anwendung, die ich als Ideen-Kantine sehe.

Steigen wir gleich voll ein: Microsoft Teams ist der wichtigste Service, den die Redmonder jemals auf den Weg gebracht haben. Hold it… jetzt bitte nicht gleich durch den Rest des Artikels scrollen und direkt das Kommentarfeld mit einem „Pallenberg, du hast se doch nich alle“ fluten. Gebt mir mal ein wenig Zeit und dann bin ich mir sicher, dass ihr meine Argumentation zumindest teilweise nachvollziehen koennt.

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Ist denn schon Weihnachten?

Die Uhr fuer die Analysten und Kaffeesatzleser tickt unausweichlich auf das, fuer dieses Gattung, wohl wichtigste Werk des Jahres zu. Die grosse Abschlussanalyse und der Blick in die Glaskugel. Seht her, 2017 werden diese Veraenderungen auf euch zukommen und wenn wir dies nur oft genug wiederholen, dann stimmen unsere Prognosen auch irgendwann. Das haben wir zumindest ansatzweise mit HTML5 erlebt, mit dem Durchbruch fuer NFC eher weniger. Aber das Dreigestirn der ultimativen Vorhersagen waere nicht komplett, wenn man denn nicht das Ende der Email beschwoert. Die Zauberer bei Mashable und Techcrunch prophezeien dies bereits seit einer halben Dekade, sicherlich nicht ohne ihren Chefredakteuren dann per Mail zu bestaetigen, dass sie sich nach dieser „Analyse“ in den Weihnachtsurlaub verabschieden werden.

Irgendwie kommt da gerade so ein kleines bischen IRC-Gefuehl bei mir auf

Nur, so langsam aber sicher werden diese Prognosen greif- und erfahrbar. Als kleines Beispiel moechte ich da mal unser Team Mobile Geeks anbringen. Wir nutzen seit 3 Jahren Hip Chat um uns zu koordinieren und haben damit interne Mails komplett ueberfluessig gemacht. Diese fallen nur noch an, wenn wir mit einer externen Quelle kommunizieren oder deren Nachrichten weiterleiten. Alles weitere wird im Chat geregelt. Files, Links, Koordinationen von Events. Dies geht schnell und vor allen Dingen viel direkter mit derartigen Diskussions-Plattformen. Und glaubt mir, wir haben zuvor wirklich alles ausprobiert. Yammer war ehrlich gesagt ein „pain in the ass“ fuer unser Team und schliesslich hingen wir dann auf Skype rum. Funktionierte, aber alles andere als komfortabel.

Den naechsten Schritt haben wir dann diese Woche mit dem Mobile Geeks Slack Chat gewagt, in dem sich innerhalb kuerzester Zeit 200 Leser einfanden um sich auszutauschen und zu experimentieren. Unkompliziert und direkt… ach irgendwie kommt da gerade so ein kleines bischen IRC-Gefuehl bei mir auf und die Erkenntnis, dass dieser Urvater auch heute noch weltweit Services und Entwickler inspiriert.

irc_chat

Von IRC nach Microsoft Teams

Ich muss zugeben, dass ich ein IRC-Spaetzuender war. Im Sommer 1997 hatte ich mich zum ersten mal in den Internet Relay Chat eingeloggt. Da war der ganze Spass, der uebrigens aus Finnland stammt, schon gut 9 Jahre alt. Mein damaliger Client war mIRC, was ich nur erwaehne um eine emotionale Verbindung zu den ganzen alten Geeks hier aufzubauen und diese damit unterschwellig zu Kommentaren und Sharings dieses Artikels zu animieren. Ich weiss, ihr habt die Kiste auch ausprobiert oder zumindest einen der unendlichen Forks der Plattform. Mein Favorit war uebrigens Weisseradler. Was ein bescheuerter Name!

Sorry, ich weiche ab… IRC ist nicht nur der Urvater von Slack, Hip Chat und Co., er bedient natuerlich auch die Fantasien der Microsoft-Entwickler, die aber einen riesigen Vorteil haben: ein komplettes Oekosystem. Klar, Bots kannte IRC schon bevor ein Mark Zuckerberg oder Sundar Pichai sich anfingen zu rasieren und die damalige Szene versuchte sich in einer Tour mit neuen Erweiterungen zu uebertreffen… jetzt aber erleben wir eine kleine Revolution.

Nehmen wir mal Slack, die sich gerade als eher unprofessionell praesentieren oder, wie wir im IRC wohl gesagt haetten, butthurt:

Solltet ihr die NYT nicht im Abo haben, den kompletten Text findet ihr auf dem Slack Blog, wobei ich auch besonders auf die Kommentare darunter hinweisen moechte. Die Nummer fliegt Slack gerade ganz schwer um die Ohren. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Wachstumsraten nicht mehr ganz so durch die Decke schiessen.

Anyways, Slack weiss ganz genau, was da gerade fuer eine Lawine aus dem Norden Richtung San Francisco rollt. Microsoft Office 365 duerfte so um die 30 Millionen Subscriber haben und damit noch einmal mindestens doppelt so viele Nutzer. Slack hat etwa 4 Millionen DAUs (Daily Active Users).

Aber Microsoft hat mit Teams noch so viel mehr zu bieten…

It’s all about the ecosystem

Redmond faehrt eine Infrastruktur auf, wie kein (!) anderer Wettbewerber. Die Kombination aus dem erfolgreichsten Betriebssystem fuer Desktops und Notebooks, der populaersten Office Suite, einer globalen Cloudinfrastruktur (die inzwischen auch bei den KMUs immer besser ankommt), dem Synonym fuer IP- und Videotelefonie (Skype) und einem Brand, der ungleich besser aufgestellt ist als die Konkurrenz. Damit holst du die potenziellen Plattform-Wechsler hinterm Ofen hervor!

brueckentechnologie

Und jetzt kann ich auch endlich die Bruecke zu meinem einleitenden Satz schlagen. Teams ist das Pattex, das Microsoft benoetigte um auch dem letzten Office-Anwender klar zu machen, dass sich hier eine kleine Revolution der Arbeit vollzieht. Nein, wir kloeppeln keine Gebote mehr auf Steintafeln, sondern sind inzwischen weitaus zielorientierter und in einer Gruppe unterwegs. Und verdammt noch mal, das kann doch auch Spass machen, oder etwa nicht?

Teams als Kantine fuer Ideen, OneDrive als Paketservice und Office wird zum Schreibtisch!

Frage in die Runde: Wann habt ihr das letzte mal so richtig herzlich ueber eine Email gelacht oder wie ein Honigkuchenpferd ueber ein kleines Filmchen gegrinst? Bei mir muss es so vor 20 Jahren gewesen sein, als man Gifs und 320×200 Pixel Videos als Email Anhang verschickte. Dann kamen die Messenger und schliesslich die sozialen Netzwerke. Emails sind so unterhaltsam wie ein Hexenschuss auf nem Rage against the Machine Konzert.

Microsoft Teams ist die wichtigste Brueckentechnologie und die holt all die Angebote der Redmonder mit ins Boot. „Seamless Experience“ schiesst es mir dabei direkt durch den fuer Usability zustaendigen Teil meines Hirns. Das wollen wir doch alle, oder? Nicht mehr zwischen 5 Anwendungen hin- und herschalten, sondern diese integriert nutzen.

Und hier ist eine Kommunikationsplattform immer das wichtigste Fundament. Der Chat als Konferenzraum und Kaffeekueche. Teams als Kantine fuer Ideen, OneDrive als Paketservice und Office wird zum Schreibtisch. Da ist das darunter liegenden OS ehrlich gesagt gar nicht mehr so wichtig!

Microsoft muss Teams „open“ machen!

openUnd damit dies auch moeglichst viele User mitbekommen… Erde an Redmond, ich will euch da mal ganz schnell wieder von Wolke 7 holen. Oeffnet die Tore zu Teams. Macht es offen und gebt mir die Moeglichkeit Gaeste einzuladen. So wie es sich fuer mich im Moment darstellt, ist es doch ne sehr geschlossene Veranstaltung, dabei haben Bueros, zumindest das unsrige, auch Tueren.

Diese fehlen mir noch so ein wenig, dabei habt ihr in den letzten Jahren doch so wunderbar gezeigt, wie sehr ihr euch dem Wettbewerb geoeffnet und Standards der Konkurrenz integriert habt. Also, legt da mal hurtigst bei Teams nach!

Ja, MS Teams ist…

die Anwendung, die ihr euch eigentlich mit dem Kauf von Yammer und Skype erhofft habt. Jetzt, wo ihr $11 Milliarden aermer und um einige Jahre reifer seid, habt ihr ganz offensichtlich herausgefunden, wie sich die Arbeit im Team perfekt koordinieren laesst. Ganz einfach ueber unmittelbare Kommunikation.

Und genau deshalb hat Microsoft Team nicht nur das Potenzial Slack wieder in die New York Times zu bringen (in der Kategorie „Exit“), sondern auch eine ganze Menge Traffic auf den Email-Servern einzusparen.

Ich glaube das nennt man disruptiv, oder so….

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