Milliarden-Spende: Mark Zuckerberg will jede Krankheit besiegen

Mark Zuckerberg und seine Frau werden drei Milliarden Dollar über ihre Chan Zuckerberg Initiative zur Verfügung stellen, um mittelfristig jede denkbare Krankheit besiegen zu können. Das verkündeten die beiden nun bei einer Veranstaltung in San Francisco.
von Carsten Drees am 22. September 2016

Was wäre, wenn ich reich wäre? Diese Frage hat doch sicher jeder von uns mal durchgespielt, oder? Und ich mein jetzt nicht so ein bisschen wohlhabend, sondern eher so “ich könnte mir jeden Tag ein Auto kaufen und würde dennoch nie mein ganzes Geld ausgeben können”-reich. Ungefähr so reich ist nämlich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dem sein Social Network bislang ein Vermögen von geschätzten 56 Milliarden US-Dollar eingebracht hat.

Zurück also zur Frage: Was würde man machen, wenn man so wie er 56 Milliarden auf der hohen Kante hätte. Um die Welt reisen? Binge Watching bis zum jüngsten Tag? Jedes produzierte iPhone 7 aufkaufen, um erzählen zu können, dass man der Einzige ist, der so eins in der Tasche hat? Vermutlich gibt es auf diese Frage so viele Antworten, wie es Menschen gibt. Mark Zuckerberg selbst jedenfalls hat wohl ziemlich präzise Vorstellungen davon, was er mit seinem Reichtum anstellen kann und wird.

Bereits im letzten Jahr berichteten wir ja darüber, dass er und seine Frau 99 Prozent ihres Vermögens spenden wollen. Ich kann mich noch lebhaft an die Reaktionen erinnern. Klar, so mancher war begeistert von der Ansage, es gab aber auch viel Kritik: Wenn man so reich ist, habe man ja gut reden und könne mit Leichtigkeit auch große Summen spenden, sagten die einen – die anderen spekulierten, dass er das steuerlich so pfiffig einfädeln wird, dass der Berg Geld, auf dem er sitzt, dadurch nur noch größer wird.

Mittlerweile wissen wir, dass er ernst macht und das erste riesige Aktien-Paket im Wert von etwa 95 Millionen Dollar veräußert hat. Von Anfang an war dabei die Rede davon, dass der Löwenanteil des Geldes in gemeinnützige Projekte gesteckt wird. Eigens dafür haben Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan – eine gelernte Kinderärztin – die Chan Zuckerberg Initiative aus der Taufe gehoben.

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Die grobe Richtung ist klar: Ermöglichen, dass alle Menschen auf diesem Planeten ein besseres Leben führen können und überall möglichst gleich gute Chancen erhalten. Klingt – vorsichtig gesagt – ambitioniert und das ist es selbstverständlich auch. Aber die beiden Zuckerbergs und ihre Initiative wollen eben dazu beitragen, dieses hohe Ziel zu erreichen und wissen natürlich auch, dass es da nicht mit einem großen Investment getan ist und dass viele ihrer Ziele möglicherweise erst in vielen Jahrzehnten erreicht werden können.

We want every child to grow up in a better world. Our hopes for the future center on two ideas: advancing human potential and promoting equality. We’ll focus first on personalized learning, curing disease, connecting people and building strong communities. We will make long-term investments over 25, 50 or even 100 years because our greatest challenges require time to solve.

Wir können jede Krankheit besiegen – bis zum Ende dieses Jahrhunderts

Wieso erzähle ich euch heute von diesen Plänen der Zuckerbergs? Weil Priscilla und Mark In San Francisco auf einer Veranstaltung für Journalisten ihre Pläne konkretisiert haben. Genauer gesagt geht es um eine Summe von drei Milliarden Dollar, die die beiden in den nächsten Jahren investieren wollen mit dem einen Ziel: Sie möchten, dass die Menschheit bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Krankheiten besiegen kann!

Ihr gemeinsames Kind und alle Menschen der gleichen Generation sollen es noch erleben können, dass wir an diesen Punkt kommen und zu diesem Zweck sollen mit dem Geld verschiedene Wissenschaftsprojekte angeschoben werden. Ein großer Teil des Geldes wird zum Beispiel in den Biohub gehen, der jetzt aus der Taufe gehoben wurde. Hier kommen Wissenschaftler und Ingenieure der Universitäten San Francisco, Berkeley und Stanford zusammen, um biomedizinische Technologien voranzutreiben und entsprechende Durchbrüche in der Medizin zu erarbeiten. Mark Zuckerberg hat sich – natürlich auf Facebook – nochmal sehr ausführlich zu seinen Ideen und Plänen geäußert:

Er lässt das vergangene Jahrhundert nochmal gedanklich Revue passieren und ruft uns ins Gedächtnis, dass die moderne Medizin noch gar nicht viel länger als dieses Jahrhundert existiert. Tausende Jahre lang hat die Menschheit nur sehr spärliche Fortschritte machen können – eben bis zu dem Zeitpunkt, an dem damit begonnen wurde, Krankheiten und den menschlichen Körper wissenschaftlich zu untersuchen.

chan-zuckerberg-initiative-logoHeute verpflanzen wir Herzen, können uns gegen Krankheiten impfen lassen, haben Antibiotika und vieles mehr – eine Menge Errungenschaften für diesen doch recht überschaubaren Zeitraum. Zuckerberg erklärt in seinem Beitrag, dass die Lebenserwartung durchschnittlich jedes Jahr um ein Vierteljahr steigt und er will dazu beitragen, dass jeder Mensch bis zum Ende des Jahrhunderts 100 Jahre oder älter werden kann.

Er weiß auch, dass er mit dieser Schätzung eher defensiv ausgerichtet ist, gerade weil die Forschung derzeit so immense Fortschritte macht und davon auszugehen ist, dass die durchschnittliche Lebenserwartung zum Endes dieses Jahrhunderts schon deutlich darüber liegt. Dabei geht es auch nicht um Wunderdinge, die die moderne Medizin vollbringen soll in absehbarer Zeit: Er spricht also nicht davon, dass niemand mehr krank wird – aber er glaubt, dass wir viel seltener krank werden in Zukunft und wenn es eben doch passiert, dass wir deutlich bessere Möglichkeiten haben werden, diese Krankheiten auszukurieren.

Priscilla and I have spent the last few years talking to dozens of top scientists and experts who believe it’s possible to cure, prevent or manage all diseases by the end of this century. That doesn’t mean no one will ever get sick, but it does that mean that we’ll get sick a lot less, and that when we do, we’ll always be able to identify and treat the problem, or at least manage it as a non-harmful condition. Mark Zuckerberg

Dabei verfolgt er einen Ansatz, den wir auch schon von Google kennen: Das Ziel muss sein, eine Krankheit zu besiegen, bevor sie ausbricht. Wo fängt man da an? Dafür hat sich Zuckerberg zunächst einmal angeschaut, woran die Menschen am häufigsten sterben. Auf Platz 1 stehen da mit 19,2 Prozent Herzerkrankungen, gefolgt von Krebs (14,6 Prozent), Infektionskrankheiten (15,1 Prozent) und neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfälle (12,1 Prozent).

Auf diese vier Bereiche werden sich die Forschungsprojekte also zunächst konzentrieren und Mark Zuckerberg nennt auch schon erste Ansätze für diese Schwerpunkte:

  • Mit künstlicher Intelligenz sollen die Bildgebung im Gehirn oder Datensätze von Krebsgenomen interpretiert werden
  • Chips diagnostizieren jede Infektionskrankheit
  • frühzeitiges Erkennen von Krankheiten durch ständiges Monitoring des Blutkreislaufs

Zuckerberg glaubt, dass man alles auf der Welt verbessern kann: Programmiercode, Hardware, Bildungssysteme und auch Regierungen – mit Forschungseinrichtungen wie Biohub wollen er und seine Frau dazu beitragen, dass Wissenschaftlern das auch in der Medizin möglich gemacht wird. Die Neurobiologin Cori Bargmann übernimmt dabei die Leitung des Projekts und unter den Wissenschaftlern, die ihren siebenköpfigen Beraterstab bilden, befindet sich auch ein deutscher: Tobias Bonhoeffer ist Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München und ist in dieser Riege der Experten der einzige Europäer. Diese sieben Menschen gehören dem Gremium an:

  • David Haussler (Professor am Howard Hughes Medical Institute)
  • Art Levinson (Vorsitzender des Aufsichtsrats von Apple)
  • Shirley Tilghman (ehemalige Präsidentin der Princeton University)
  • Bob Tjian (ehemaliger Präsident des Howard Hughes Medical Institute)
  • Harold Varmus (Nobelpreisträger und ehemaliger Direktor der amerikanischen Gesundheitsbehörde, NIH)
  • Huda Zoghbi (Professorin am Baylor College of Medicine)
  • Tobias Bonhoeffer (Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie)

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Wir schaffen das

Darf man in diesen Zeiten die Phrase “Wir schaffen das” überhaupt noch bringen und dann auch noch in einem Nicht-Merkel-Kontext? Ja klar, denn auch in der Medizin steht am Anfang erst einmal der Glaube an die Machbarkeit. Ich kann mir schon wieder vorstellen, dass mir der ein oder andere Leser Naivität vorwirft, wenn ich allzu leicht darauf einsteige, wenn Mark Zuckerberg von einer besseren Welt spricht.

Ja, ich weiß, dass er in erster Linie nun mal auch Unternehmer ist und dass es im Endeffekt unser aller Daten sind, die ihm sein Bankkonto so angenehm voll gepackt haben. Das ändert aber nichts daran, dass er ein Visionär ist, ihm der Wunsch nach einer besseren und fairen Welt tatsächlich am Herzen liegt und er bereit ist, alles dafür in Bewegung zu setzen, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

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Er ist kein Träumer, der glaubt, dass man nur einen Batzen Geld investieren muss, damit das geschieht. Und er glaubt auch nicht, dass ein einziger Durchbruch genügt – er selbst schreibt, dass allein schon jede Art von Krebs eine komplett eigene Krankheit bedeutet: Das, was helfen kann, eine Krebsart zu heilen, hilft dementsprechend bei anderen Arten nicht weiter.

Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Weg der richtige ist: In Forschung investieren, die richtigen Experten an einen Tisch holen, weitere Menschen dazu motivieren, ebenfalls auf diese Art in unser aller Zukunft zu investieren. Bei der Veranstaltung in San Francisco war auch der Bürgermeister der Stadt zugegen und auch Bill Gates sprach bei dem Event.

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Für mein Empfinden kann es von Menschen wie Gates und Zuckerberg gar nicht genug geben, die sowohl Visionen als auch das nötige Kleingeld haben, um die Welt zumindest ein Stückchen zu verändern. Bei aller erlaubten und auch nötigen Kritik an Unternehmen wie Facebook oder Microsoft sollten wir das anerkennen.

Wir leben in hochspannenden Zeiten. Das gilt im Bereich der mobilen Technologien, mit denen wir uns hier auf dem Blog tagtäglich auseinandersetzen, gilt aber auch für vieles mehr: Egal, ob wir über Smart Cities reden, darüber, dass wir große Veränderungen in der Arbeitswelt erleben werden aufgrund der steigenden Automatisierung, über neue politische Modelle und Ausrichtungen oder eben über den Fortschritt in der Medizin: Die Welt hat sich noch nie so stark verändert, wie sie das derzeit tut und ich persönlich werde diese Entwicklungen mit großer Neugier und sogar mit Hoffnung beobachten. Lasst uns in den Kommentaren wissen, ob ihr das ähnlich seht, oder ob ihr all das vielleicht deutlich pessimistischer einordnet als ich. Als Rausschmeißer habe ich hier für euch jetzt noch das Video von der gestrigen Veranstaltung der Chan Zuckerberg Initiative – die gute Stunde solltet ihr euch ruhig Zeit nehmen, wenn euch das Thema interessiert.

Quelle: t3n

Fotos: Chan Zuckerberg Initiative