Mobile Geeks wünscht Frohe Weihnachten 2018

Das Jahr ist fast vorbei, wir haben Weihnachten. Zeit zum entschleunigen und auch Zeit, sich bei euch zu bedanken und euch schöne Feiertage zu wünschen. 
von Carsten Drees am 25. Dezember 2018

In einer knappen Woche ist das Jahr vorbei. Es ist der erste Weihnachtstag zur Mittagszeit — wenn ihr diese Zeilen lest, seid Ihr also vermutlich gerade vom Festtagsessen Richtung Rechner gerollt, um mal zu checken, was das Internet heute so hergibt.

Eigentlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Nicole ausgerechnet mich gebeten hat, hier ein paar besinnliche Worte an unsere Leserschaft zu richten: Mein Facebook-Profilbild ist seit Wochen eine Grinch-Version von mir und das nicht zufällig, oder weil mir die Farbe Grün so gefällt. Ich entziehe mich weitestgehend diesem Weihnachtstrubel, habe auch keine Familie, mit der ich diese Tage verbringe.

Das ist allerdings für mich kein Drama, weil ich a) daran gewöhnt bin und b) ich diese Tage, in denen sich so fabelhaft entschleunigen lässt, eben auch dafür nutze, mal ein bisschen runter zu kommen, das Jahr zu reflektieren und mir auch Gedanken über das nächste Jahr zu machen. Ich mach also im Grunde das selbe wie die meisten von euch — nur eben ohne Familie und Geschenke ;-)

Auch, wenn heute Weihnachten ist, muss man doch zugeben, dass das Jahr 2018 — medial betrachtet — wenig Besinnliches gebracht hat. Das ist zumindest mein Eindruck, wenn ich auf die Schnelle Revue passieren lasse, was Schlagzeilen gemacht hat, was intensiv besprochen wurde, worüber gestritten wurde.

Wieder einmal haben Populisten viel zu häufig in der Politik Themen vorgegeben, wobei der Plural hier sogar falsch ist. Es war eigentlich wieder nur das Thema “Flüchtlinge”, welches ganz oben auf der Agenda vieler Politiker stand und das, obwohl wir aktuell weder einen Strom an Geflüchteten haben oder befürchten müssen. Viele andere Themen müss(t)en angepackt werden: Bezahlbare Wohnungen, Renten, unser ganzes soziales Netz gehört eigentlich auf den Prüfstand, wir brauchen ein modernes und bundesweit einheitliches Schulsystem, die Infrastruktur (sowohl Straße als auch Schiene) muss optimiert werden und und und.

Neben wirklich einer Masse dieser Baustellen muss das komplexe Themenfeld “Digitalisierung” natürlich ebenfalls erwähnt werden. Auch hier auf dem Blog sehen wir hin und wieder schwarz, weil wir befürchten müssen, dass die Bundespolitik gerade  eben nicht an den richtigen Rädchen und Stellschrauben dreht, die dazu beitragen, dass wir Deutschland auch künftig als eine der führenden Industrienationen verorten können.

Das Thema Politik strahlt auch dieses Jahr wieder auf die sozialen Medien ab, wobei ich die Art und Weise anprangere, in der oft miteinander (oder besser: gegeneinander?) kommuniziert wird. Dummerweise ist das nicht auf Politik begrenzt: Auch bei Diskussionen über Musik, Ernährung, Technik oder sogar irgendwelchen Gossip eskalieren die Kommentatoren in schöner Regelmäßigkeit und verhindern so, dass man sich wirklich ergebnisoffen über ein Thema unterhalten kann. Das ist nichts wirklich Neues, hat sich über dieses Jahr meiner Meinung nach aber weiter verschlimmert.

… aber es ist eben nicht alles schlecht

Wo will man also am Ende eines solchen Jahres ansetzen, wenn man etwas positives sehen möchte und frohen Mutes ins Jahr 2019 blicken möchte? Eigentlich ist es gar nicht so schwer, wenn man sich stets in der Welt umschaut und erkennt, wo wir gerade wirklich stehen. Gerade hier im Herzen Europas geht es uns doch verdammt gut!

Jetzt könnte ich vermutlich wortreich erklären, wieso wir es in Deutschland, aber auch in den umliegenden Ländern so viel besser haben als die Menschen, die ihre Heimat wegen eines Kriegs und/oder wirtschaftlicher Ausweglosigkeit verlassen mussten. Besser als die Menschen, die nicht bestes Trinkwasser zuhause aus dem Wasserhahn genießen können, sondern viele Kilometer zu einer Wasserstelle pilgern. Besser, weil wir im Krankheitsfall eine Versorgung genießen wie sonst nur an wenigen Orten auf diesem Planeten.

Aber das möchte ich gar nicht, ehrlich gesagt. In einer global zusammenwachsenden Welt sind nämlich “deren” Probleme — egal, ob wir nach Jemen, nach Venezuela oder einen beliebigen Staat in Afrika blicken — auch unsere Probleme. Deswegen sollten wir uns immer mal wieder und vielleicht besonders an Weihnachten vergegenwärtigen, dass wir auch global betrachtet in einer Welt leben, die immer besser wird. Egal, was der orangene Hampel im Weißen Haus anstellt, was die wiedererstarkten Taliban in Afghanistan anstellen, wie die IS-Nummer und der Krieg im Jemen ausgehen und welche Naturkatastrophen uns heimgesucht haben in diesem Jahr: Es ändert nichts daran, dass gerade auf lange Sicht diese Welt eine immer bessere wird.

Dank immenser Fortschritte im medizinischen Bereich leben wir immer länger, außerdem gehen die Gewalttaten weiter zurück, es gibt immer weniger Gefallene an Kriegsschauplätzen. Klar — das hilft den Toten in Syrien kein Stück weiter und ist vermutlich auch grausam, wenn man aus diesem Leiden eine kalte Statistik macht. Es ändert aber nichts daran, dass die Entwicklung ist, wie sie ist. Im Mittelalter war die Wahrscheinlichkeit, erschlagen zu werden, fünfzig mal größer als sie heute ist. Seit 1945 nimmt die Zahl der an allen Kriegsschauplätzen der Welt Gefallenen stetig ab, es gibt seit 1981 kein Land mehr, in dem Sklaven gehalten werden dürfen und in immer weniger Ländern wird die Todesstrafe verhängt.

Wir sind so fixiert auf die (zumeist negativen) Breaking News und das ist auch nachvollziehbar: Wenn Hunderte Menschen einem Tsunami in Indonesien zum Opfer fallen, nehmen wir das deutlich bewusster war, als wenn sich die Zahl derer, die in extremer Armut leben, weltweit wieder einmal um mehr als 100.000 Menschen pro Tag (!) verringert hat. Wenn ein Verrückter mit einem LKW in eine Menschenmasse fährt, ist das für uns entschieden sichtbarer als ein medizinischer Durchbruch, der uns das Ausrotten einer Krankheit verspricht.

Wir — auch hier auf dem Blog — reden so viel darüber, was Google und Facebook mit unseren Daten anstellen, welche Gefahren durch künstliche Intelligenz drohen, wie sich eine verpennte Digitalisierung negativ auf unseren Arbeitsmarkt auswirken kann. Aber wir sollten uns auch die Zeit nehmen, uns wirklich intensiv mit den positiven Aspekten der aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die dann ebenso laut zu kommunizieren, wie wir es mit den Dingen tun, die unseren Unmut hervorrufen.

Experten peilen an, dass die extreme Armut weltweit bis 2030 beseitigt werden kann. Trotz Klimawandel hat sich die Zahl der Opfer von Naturkatastrophen in den letzten 100 Jahren halbiert. Immer mehr Menschen weltweit können lesen, werden geimpft, leben deutlich länger als früher. All das wird möglich, weil wir unglaubliche Fortschritte auf so unendlich vielen Gebieten machen.

Allein die Möglichkeit der Teilhabe behinderter Menschen wird sich durch künstliche Intelligenz so signifikant verbessern, wir werden Krankheiten künftig nicht nur besser behandeln, sondern sie sogar schon im Vorfeld vor ihrem Ausbruch feststellen können. Wir haben derzeit ein so viel größeres Umweltbewusstsein, was nicht nur in einer kleinen grünen Filterblase wirkt, sondern dafür sorgt, dass wir weniger Fleisch essen, immer öfter Plastik vermeiden und auch bei der Fortbewegung (besonders beim Auto) die Karte der Nachhaltigkeit ausspielen.

Das wird dazu führen, dass wir über kurz oder lang in Innenstädten flanieren können, in denen kaum noch Autos die Luft verpesten, in denen kein Plastik für “Coffee-to-go”-Becher verschwendet wird und immer mehr Restaurants Gerichte präsentieren, für die kein Tier leiden musste. Klingt euch zu naiv und zu optimistisch? Möglich, aber ich bin mittlerweile 47 Jahre alt und kann mich noch gut daran erinnern, wie die Welt in den Achtzigern, den Neunzigern und auch noch vor zehn oder fünfzehn Jahren aussah. Über diese Zeiträume machten wir enorme Fortschritte und wir machen sie natürlich weiterhin.

Das soll jetzt keine rosa lackierte Alles-wird-gut-Wolke sein, denn die Probleme unserer Gesellschaft sind nach wie vor allgegenwärtig. Immer noch gibt es Kriege, gibt es soziale Ungerechtigkeiten, gibt es Hunger und Armut und immer öfter fällt es uns schwer, argumentativ gegen Menschen vorzugehen, die gar keine Argumente brauchen und blind Populisten folgen, die unsere Demokratien gefährden.

Aber ich glaube auch, dass wir das alles in den Griff bekommen können. Wir alle können dazu beitragen, dass die Welt stetig ein Stückchen besser wird. Indem wir an uns arbeiten, auch an der Art und Weise, wie wir kommunizieren. Ich schließe mich da ausdrücklich mit ein, weil ich mich selbst manchmal über die Töne ärgere, die ich online in Diskussionen anschlage. Wir müssen uns da zurücknehmen, dürfen nicht mehr über jedes Provokations-Stöckchen springen, dürfen gleichzeitig aber nicht vergessen, unsere Meinung ebenso laut kundzutun, wie es diejenigen tun, die alles schlecht reden.

Ich hab ein gewisses Grundvertrauen in die Wissenschaft und den technologischen Fortschritt und nach wie vor den Optimismus, dass auch die Industrie in zunehmendem Maße nachhaltiger, umweltschonender und zum Wohle der Menschheit agieren wird — einfach aus dem Grund, weil Unternehmen auf das reagieren, was die Leute wollen. Und solange wir weiter wollen, dass die Welt besser wird und das sowohl verbal als auch durch unsere Konsum- und Kaufgewohnheiten kommunizieren, ist mir nicht wirklich bange.

Jetzt habe ich wieder lange herumgeschwurbelt und appelliert und wollte dabei eigentlich nur das gleiche sagen, was ich so oft schon gesagt habe: Wir müssen einfach aufhören, uns wie Arschlöcher zu benehmen. Das gilt für die Kommunikation und das gilt für die Art und Weise, wir wir mit unserem Planeten umgehen. Dazu gehört auch, dass wir nicht die Menschen verteufeln, die sich gerade vom System abgehängt fühlen. Wir erreichen nicht mehr jeden Hetzer und Ewiggestrigen. Aber wir dürfen eben auch nie aufhören, mit möglichst allen Menschen reden zu wollen. Natürlich ist auch die Politik gefordert, diesen Menschen ihre teils sehr berechtigten Ängste zu nehmen, aber halt auch jeder einzelne von uns.

Apropos “jeder einzelne von uns”: Um jetzt endlich mal zum Schluss zu kommen und euch zu ermöglichen, euch weiter euren Familien, euren Geschenken und dem nächsten opulenten Mahl zu widmen, möchte ich abschließend noch Danke sagen. Danke im Namen des ganzen Mobile Geeks-Teams und danke an jeden einzelnen von euch! Mobile Geeks transformiert in den letzten Monaten mehr und mehr zu einem Blog, auf dem wir uns der Welt von morgen widmen und auf dem wir nicht mehr so gerne nackte Smartphone-Spezifikationen auflisten möchten.

Wir sind dankbar und froh, dass ihr diesen Weg mit uns mitgeht, dass ihr uns alteingesessenen Autoren, aber auch unsere Neuzugänge so toll unterstützt, indem ihr unsere Beiträge lest, kommentiert, kritisiert und teilt. Das bedeutet uns viel und ihr sollt wissen, dass das für uns nicht selbstverständlich ist, so einen Support von euch zu genießen.

Daher also nochmal ein fettes Dankeschön an euch alle, verbunden mit unseren Wünschen, dass ihr gerade eine frohe, besinnliche Zeit verbringt. Egal, ob unterm Weihnachtsbaum oder auf einer Ferieninsel, egal welcher Religion ihr angehört und an welchen Gott ihr glaubt (oder eben auch an keinen). Lasst es euch weiter gut gehen, nutzt diese Tage “zwischen den Jahren” zum Entschleunigen, zum Reflektieren und euch um eure Lieben zu kümmern — und kommt mir alle gesund ins neue Jahr, denn wir zählen natürlich auch 2019 wieder auf euch!

Liebe Grüße an euch alle, euer Casi — im Namen des kompletten Mobile Geeks-Teams

 

PS: Noch nicht genug gelesen und immer noch nicht überzeugt, dass die Welt gar nicht so übel ist? Dann lest ganz dringend diesen Artikel :)