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Bargeldloses Bezahlen mit dem Smartphone

Mobile Payment: Aldi-Nord startet Bezahlen per Smartphone und Wallet Apps

Ausgerechnet beim so konservativen Discounter Aldi-Nord dürfen Kunden ab sofort ihre Einkäufe via Mobile Payment bezahlen, vorausgesetzt sie besitzen eine entsprechende NFC-kompatible Karte oder ein Smartphone mit der entsprechenden App. Wir stellen euch die passenden Wallet Apps verschiedener Mobilfunkanbieter vor und erklären, wie das ganze ablaufen soll.

von Bernd Rubel am 10. Juni 2015

Mit dem Mobile Payment ist das in Deutschland so eine Sache. “Nur Bares ist Wahres” ist immer noch ein geflügeltes Sprichwort, wir sind ein Land mit einem unglaublich dichten Netz an Bankfilialen und Geldautomaten und irgendwie haben wir uns doch gerade erst an EC-Karten gewöhnt, oder? Paypal und Kreditkarten sind für einen erheblichen Teil der Menschen immer noch völlig unnötige Dinge, die im Zweifel Gebühren kosten oder viel zu unsicher sind – so die gängigen Vorbehalte.

Der erhoffte Erfolg des Mobile Payment hängt massgeblich von den Unternehmen und Partnern ab, die eine solche Zahlungsart akzeptieren. Ausgerechnet des Deutschen liebstes Kind … nein, nicht das Auto, nicht der Hund, sondern Aldi prescht nun in diesem Bereich vor. Es ist sogar Aldi-Nord ist, die im Gegensatz zu Aldi-Süd immer als ein wenig konservativer galten.

Das Ganze wird so ablaufen: bereits seit einigen Jahren kann man bei Aldi mit EC-Karte bezahlen, Kreditkarten von Visa, American Express oder Mastercard wurden aber m.W. dort nie akzeptiert. Die also bereits in den Filialen vorhandenen Kartenlesegeräte bzw. Terminals beherrschen aber wesentlich mehr als das Lesen einer Bankkarte und die Verifizierung einer eingegebenen PIN-Nummer, sie können auch Funksignale empfangen.

Diese Funksignale können theoretisch von jedem “Gerät” stammen, dass die sogenannte NFC-Technologie (Near Field Communication) unterstützt. Dabei werden Daten aller Art – hier: Kontodaten und Geldbeträge – über eine sehr kurze Distanz zwischen einem Sender und Empfänger ausgetauscht. Der ein oder andere Sparkassen-Kunde kennt das, wenn er oder sie schon eine girogo-Karte einsetzt, auch die Deutsche Bahn offeriert das im Rahmen ihres Touch & Travel Programms.

Skeptikern sei direkt gesagt, dass die Technik grundsätzlich als “sicher” gilt, abhängig von den involvierten Geräten, Anbietern, Verfügungsrahmen, Haftungsregelungen und (kombinierten) Authentifizierungsmethoden. Das Funksignal zwischen zwei Geräten kann zwar das Ziel einer Attacke sein, allerdings nur mit einem vergleichsweise hohen Aufwand. Grundsätzlich gilt, dass jedes technische Gerät – auch Smartphones – natürlich von einem Virus, Trojaner oder Keylogger befallen sein könnten, welche Möglichkeiten das dann auch immer eröffnen würde.

Aldi-Nord akzeptiert in seinen rund 2400 Filialen zukünftig NFC-fähige Karten Maestro-Karten oder sogenannte V-Pay-Debitcards, die diese Technologie beherrschen. Daneben werden aber auch NFC-Smartphones unterstützt, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Dazu gehört selbstverständlich in erster Linie, dass das eigene Smartphone NFC-fähig ist, gerade bei älteren oder (älteren) billigeren Modellen ist das nicht immer der Fall. Wenn ihr das vorab überprüfen wollt, findet ihr den entsprechenden Punkt in den Einstellungen eures Smartphones, wo NFC u.U. auch erstmalig aktiviert werden muss.

Die zweite Voraussetzung ist, dass auf dem Smartphone eine sogenannte “Wallet App” installiert sein muss, also eine virtuelle Geldbörse. Anbieter dieser Apps gibt es mittlerweile jede Menge, doch vor allem die Mobilfunknetzbetreiber sind mit eigenen Apps im Apple App Store bzw. Google Play Store vertreten. Prinzipiell hätte man die freie Wahl, denn die Systematik ist immer gleich: das virtuelle Portemonnaie muss “gefüllt” sein, in vielen Fällen wird die feste Verknüpfung der Wallet App mit einer “echten” Kreditkarte oder einem Bankkonto vorausgesetzt. Der Haken: das eingesetzte Karten-Terminal muss den Wallet-Dienst unterstützen – genau daran scheitern momentan Dienste wie Android Pay und Apple Pay in Europa bzw. in Deutschland.

Telekom MyWallet Bezahlvorgang

In der nachfolgenden Übersicht stellen wir euch einige der Wallet Apps vor, den Beschreibungen könnt ihr dann auch z.T. die Modalitäten des Einsatzes entnehmen. Eine Bemerkung am Rande: ich weiss nicht, ob dieser ganzen Branche damit geholfen ist, dass uns lustige Zeichentrick-Männchen in Video-Filmchen mehr schlecht als recht den Einsatz demonstrieren – die Namen der Werbeagenturen und Marketing-Abteilungen die sich sowas ausdenken wüsste ich gerne.

ePlus BASE Wallet

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

Die Wallet App von BASE setzt wie viele Anbieter auf das Maestro PayPass System. Voraussetzung ist ein Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter, eine NFC-SIM-Karte und ein (siehe oben) entsprechend ausgestattetes Smartphone.

T-Mobile MyWallet

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

Mit T-Mobile MyWallet kann überall dort kontaktlos per NFC bezahlen, wo kontaktlose MasterCard- oder Maestro-Terminals stehen – also auch bei Aldi-Nord.

Vodafone Wallet

Vodafone Wallet
Vodafone Wallet
Entwickler: Vodafone
Preis: Kostenlos

Der Dritte im Bunde der Mobilfunkanbieter ist Vodafone, die ihr Bezahlsystem “Smartpass” getauft haben. Relativ übersichtlich scheint hier allerdings die Zahl der unterstützten Smartphones zu sein – schaut einfach mal, ob eures in der Liste steht.

Vodafone ist übrigens der einzige Anbieter, bei dem wir bisher ein ziemlich gutes, aussagekräftiges und umfangreiches Tutorial-Video zu diesem ja nun doch “erklärungsbedürftigen” Thema finden konnten:

Google Wallet (bzw. Android Pay)

Google Pay
Google Pay
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Google Wallet sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt und funktioniert insofern nur eingeschränkt, als dass man zum Bezahlen bzw. Aufladen der mobilen Geldbörse (noch) ausschliesslich eine Kreditkarte hinterlegen kann, kein normales Bankkonto. Zudem sind die Modalitäten bisher nur für den Einsatz in den Vereinigten Staaten geklärt.

Aldi weist für das neue Bezahlen via Mobile Payment besonders darauf hin, dass bis zu einer Kaufsumme von 25 Euro sogar die Eingabe der ansonsten obligatorischen PIN-Nummer entfallen kann. Spätestens damit dürfte klar sein, dass sich der Discounter von dem System vor allem schnellere Bezahlvorgänge erhofft, vom Kundenservice einmal abgesehen. Ob das nun tatsächlich auf breiter Front akzeptiert wird und der Freitags- oder Samstag-Einkauf bei Aldi damit für alle Beteiligten etwas entspannter wird, bleibt abzuwarten – so richtig daran glauben will ich noch nicht, so sehr ich auch selbst selbst von der Technik überzeugt bin.

Quelle: Aldi-Nord