Finanzen
Mobile Payment: Portemonnaie mit begrenzter Akkulaufzeit

Mobile Payment ist ja das nächste große Ding. Wirklich. Das hört und liest man doch überall. Die Idee ist auch echt gut. Aber die Realität sieht leider oft etwas anders aus. So ein Mist.

Schon verrückt, was sich gerade in der Finanzbranche tut. Im Grunde genommen wird sie komplett auf den Kopf gestellt. Die 180-Grad-Drehung ist aber noch längst nicht vollendet. Allerdings befinden wir uns erst am Anfang dieser hoch spannenden Entwicklung, die – natürlich – eines ins Zentrum stellt: Mobile.

Die Tage des Bargelds sind gezählt, sagen die einen. Mobile Payment ist was für Nerds und wird sich in der breiten Masse nie durchsetzen, behaupten die anderen. Da ich mein Geld nicht mit dem unglaubwürdigen Blick in die Glaskugel verdiene, kann ich euch die richtige Antwort nicht sicher verraten. Aber eine Vermutung, die habe ich sehr wohl: Digitale und mobile Bezahltechnologien werden sich durchsetzen und mindestens in der Form neben dem Bargeld existieren, wie es die EC-Karte heute schon tut.

Dass das Finanzwesen sozusagen durchdigitalisiert wird, zeigt sich am Boom der Fintech-Branche. Startups zu dem Thema werden quasi am laufenden Band gegründet und so langsam kapieren auch die Commerzbanken, Sparkassen und Co., dass sie nicht einfach weiterhin so freundlich in ihren Filialen rumstehen und den Kunden das Bargeld auszahlen können.

Schaut man sich mal, wie das Interesse am Begriff “Fintech” in Form von Google-Suchanfragen gestiegen ist, stellt man fest: Huiuiui, in Deutschland geht Fintech gerade steil erlebt Fintech hierzulande gerade einen heftigen Aufschwung. Spät, aber nicht zu spät. Klar: Neben den üblichen Startup-Städten zeigt sich die Finanzmetropole Frankfurt am Main als Fintech-Standort. Gar nicht mal verkehrt, dass die Startup-Szene auch außerhalb der Hauptstadt, Hamburg, München und Köln einen Platz findet.

Das große Thema im Fintech-Bereich sind die mobilen Bezahltechnologien. Unzählige Startups beschäftigen sich mit Mobile-Payment-Lösungen – und sie suchen dafür Partner aus der noch wenig digitalisierten Unternehmerwelt. In der Regel bieten Startups nämlich eine technische Lösung an, die nur in Kooperation mit einem Partner “vor Ort” dann auch tatsächlich eine praktische Anwendung findet. Beispiel gefällig? Das Payment-Startup Yapital und die Supermarkt-Kette REWE. Seit Ende 2013 arbeiten die Beiden zusammen, um den Geeks unter den Einkäufern eine entsprechend geekige Bezahlmethode anbieten zu können.

Das Prinzip ist ziemlich einfach: Nutzer laden sich die Yapital-App herunter, registrieren sich, lassen sich das Smartphone (also die Mobilnummer) und das Bankkonto verifizieren, packen sich ein beliebig hohes Guthaben auf das Yapital-Konto und los gehts. Steht man dann bei REWE an der Kasse, läuft das im Idealfall so ab: Am Kartenterminal wählt man Yapital als Bezahloption aus, öffnet währenddessen die App und gibt sein Passwort ein. Dann zeigt das Terminal einen QR-Code an, der mit dem Smartphone bzw. der App eingescannt wird. In der App dann noch bestätigen und zack – der Bezahlvorgang ist abgeschlossen. Easy going. Funktioniert einfach, schnell und total digital.

Trotzdem möchte ich drei mehr oder weniger große Probleme nicht verschweigen:

  • Eine wirkliche Zeitersparnis konnte ich nicht erkennen. Es ist schlichtweg eine weitere Bezahlmöglichkeit.
  • Hoffentlich habt ihr im Markt auch ein gutes mobiles Netz. Ist das nicht der Fall, dauert das Ganze etwas länger oder – der Katastrophenfall – es funktioniert gar nicht. Wie alle netzabhängigen Anwendungen.
  • Die REWE-Mitarbeiter an der Kasse sollten natürlich wissen, was Yapital ist und wie der Bezahlvorgang funktioniert. Nein, das ist keine Selbstverständlichkeit, wie ich erfahren musste.

Zum Community- oder Krisenmanagement von Yapital und REWE sei gesagt, dass beide rasend schnell auf meine öffentliche Kritik reagiert haben. Das Resultat: Mehrere Entschuldigungen, ein anstehendes Interview und ein Informationsschreiben an die Märkte, wie mir REWE per E-Mail mitteilte.

Mobile Payment ist also definitiv eine schöne Idee. Und, so mein Eindruck, die Verbreitung nimmt auch zu: Von REWE über Douglas bis hin zu Starbucks und vielen mehr. Bis das Smartphone unser Portemonnaie mit Bargeld und Kredit-/Debitkarten vollständig ersetzt, dürfte es jedoch noch einige Zeit lang dauern. Vielleicht braucht es die All-in-One-Lösung, also die eine App, mit der alles und überall bezahl werden kann. Vielleicht ist das Portemonnaie mit begrenzter Akkulaufzeit aber auch nicht für jeden das Mittel der Wahl. Ich werde die Fintech-Branche auf jeden Fall weiter beobachten, testen und berichten. Auch hier bei euch.


Das Titelbild stammt von Yapital.