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Who Wants to Be a Self-Driving Car

moovel lab: Seht die Welt durch die Augen eines selbstfahrenden Autos

Die moovel Group, eine Tochter der Daimler AG, hat das Projekt "Who Wants to Be a Self-Driving Car" vorgestellt - und lässt damit quasi Menschen in die Rolle selbstfahrender Autos schlüpfen. Dank VR-Brille bekommen wir auf diese Weise vermittelt, welche Informationen ein autonomes Fahrzeug aufnehmen muss.

von Carsten Drees am 11. Oktober 2017

Egal, ob man sich gerade durch eine Diesel-Krise schleppt, oder nicht: Die Damoklesschwerter namens “Elektrifizierung” und “selbstfahrende Autos” schweben über der kompletten Autoindustrie und verunsichert nicht nur die Unternehmen. Selbstverständlich erfasst diese Verunsicherung nämlich auch die Konsumenten.

Die stellen sich die Frage, welches Auto man sich als nächstes zulegen soll, welchen Antrieb es haben soll – vielleicht stellen sich gerade in den Städten Menschen auch die Frage, ob ein Autokauf überhaupt noch in Frage kommt. Aber gedanklich befassen sich immer mehr Menschen auch — oder gerade — im Auto-verrückten Deutschland mit dem nächsten Schritt: Eben mit den Autos, bei denen eine künstliche Intelligenz nicht nur eine Fahrhilfe darstellt, sondern die Fahrzeuge komplett autonom unterwegs sein werden.

Wir haben es hier nicht einfach nur mit einer neuen Technologie zu tun, sondern mit einem fundamentalen Paradigmenwechsel, den es so in der Branche noch nie gegeben hat. Es werden beispielsweise Fragen nach der Ethik gestellt: Im Falle eines drohenden Unfalls — weicht das autonome Fahrzeug dann aus, indem es in eine Menge Senioren reinbrettert oder doch lieber in das spielende Kind? Wie wird das gewichtet, kann ein Mensch mehr zählen als ein anderer usw.

Aber neben diesen Fragen zur Ethik geht es gerade jetzt auch darum, überhaupt erst einmal zu vermitteln, dass ein autonom fahrendes Auto tendenziell sicherer ist als eines, bei dem ein Mensch aus Fleisch und Blut die Kontrolle hat. Es muss Vertrauen entstehen: Vertrauen in die Technologie und nicht zuletzt Vertrauen in die Unternehmen, die für diese Fahrzeuge verantwortlich sind.

Selbstverständlich stellt man sich diese Fragen allesamt auch bei der Daimler AG, um sich bestmöglich für die nahe Zukunft aufzustellen. Mit der hundertprozentigen Tochter moovel Group verfügt Daimler hier über ein Unternehmen, welches sich mit der Zukunft des Autos beschäftigt und mit den vier verschiedenen Bereichen “Konnektivität”, “Shared & Services”, “Elektrifizierung” und “Autonomes Fahren” auseinandersetzt.

Heute stellt das moovel lab — eine dreiköpfige Gruppe innerhalb der moovel Group — sein jüngstes Projekt “Who Wants to Be a Self-Driving Car” vor, um ein bisschen Licht ins Dunkel zu werfen. Grob gesagt geht es darum, uns Menschen zu verdeutlichen, wie sich das autonome Fahrzeug im Verkehr orientieren kann, bzw. wie welche Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Konkret soll das Projekt vier Fragen beantworten:

  • Wie werden autonom fahrende Fahrzeuge unsere Mobilität verändern?
  • Wie nehmen autonome Fahrzeuge ihre Umwelt wahr?
  • Wie stellen sich andere Verkehrsteilnehmer in Form von Fahrzeugen, Fahrradfahrer und Fußgänger dar?
  • Anhand welcher Informationen bewegt sich das Fahrzeug im Verkehrsgeschehen?

Das Projekt soll als Plattform für all jene dienen, die ihre Eindrücke, Gefühle und Gedanken zu dem Zukunftsthema autonomes Fahren erleben und teilen möchten. Durch das eigene Erleben möchten wir die Komplexität dieser Thematik reduzieren, Empathie für die Technologie schaffen und zu einem Diskurs über die Zukunft der Mobilität anregen. Joey Lee, moovel lab

Wie ihr auf den Bildern und unten im Video erkennen könnt, haben wir es hier mit einem Gefährt mit etwas Golf-Cart-Charme zu tun, in dem eine Person liegend Platz nehmen kann. Diese Person trägt eine Virtual-Reality-Brille und kann über diese Brille dann die Informationen sehen, so wie sie auch einem autonomen System zur Verfügung stehen. Einfach gesagt: Ihr schlüpft in die Rolle des selbstfahrenden Autos und ersetzt das menschliche Sehen durch das, was die verschiedenen Sensoren euch liefern.

Das Fahrzeug selbst ist also nicht autonom, sondern wird von euch mittels eines Controllers gesteuert – aber eben basierend auf den Daten, die auch einem autonom fahrenden Fahrzeug vorliegen. Im Pressetext wird die Funktionsweise wie folgt erklärt:

Zwei Arten von Sensoren ermöglichen das VR-Erlebnis. In der Hauptansicht werden die Daten einer 3D-Tiefen-Kamera präsentiert, um die Landschaft in Echtzeit abzubilden. Die Bildinformation der 3D Kamera wird durch eine automatisierte Objekterkennung der Fahrzeugumgebung ergänzt. Dies gibt dem Fahrer Informationen darüber, welche Objekte vom Computer erkannt werden. Schließlich sorgt ein LIDAR-Sensor (Light Detection and Ranging) für eine zusätzliche Ebene der Abstandsmessung, indem der Sensor Lichtimpulse in Richtung nahe gelegener Objekte aussendet und daraus deren Distanz ermittelt. Diese Komponenten werden im VR-Headset zusammengeführt, und versorgen den Fahrer mit den nötigen Daten, um das Fahrzeug zu steuern.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Fahrt in dieser Karre nicht nur Spaß macht, sondern eben auch die Erkenntnisse über die Wahrnehmung eines selbstfahrenden Autos vermittelt. Solltet ihr jetzt das Gefühl haben, dass ihr euch da gerne persönlich ein Bild von machen möchtet: Zwei mal habt ihr im Oktober und November die Möglichkeit dazu!

Zum Einen wird sich moovel lab mit seinem Projekt im Rahmen der “Push UX”-Konferenz am 20. und 21. Oktober in München präsentieren, alternativ gibt es die Möglichkeit auch noch auf dem “KiKK” Festival, Europas renommiertem Festival für digitale und kreative Kultur, welches vom 2. bis 4. November im belgischen Namur stattfindet.

Generell möchte die Daimler-Tochter eine Brücke bauen zwischen Mensch und Technologie und uns u.a. beim Thema “selfdriving Car” sensibilisieren und vielleicht bestehende Ängste und Unsicherheiten abbauen, indem man den Dialog sucht und Diskussionen anstößt. Mit diesem Projekt des moovel lab-Teams bekommt ihr eine etwas andere Sicht auf die Dinge, was ich für einen richtigen und wichtigen Ansatz halte.

Braucht ihr noch weitere Infos? Dann schaut auf der Seite moovel lab vorbei — oder ihr werft einfach einen Blick auf dieses Video: