Netflix
Brandneue Netflix Empfehlungen im Juni 2016

Mit "Umweg nach Hause" ist just ein Film fürs Herz auf Netflix erschienen, das nicht zuletzt mit seinem Humor punkten kann. "Lie to me" hingegen ist etwas für all jene, die gerne Sherlock vor dem Fernseher spielen.
von Jessica Mancuso am 25. Juni 2016

Umweg nach Hause

Im Januar erst Premiere auf dem Sundance Festival gefeiert und am 24.6. schon auf Netflix verfügbar, so mag ich das! Dieser Film basiert auf den gleichnamigen Roman (im Original: The Fundamentals of Caring) von Jonathan Evison. In den Hauptrollen: Paul Rudd, Craig Roberts und Selena Gomez.

Ben Benjamin kann nach einem Schicksalsschlag nicht mehr als Schriftsteller arbeiten und entschließt sich daher, einen 6-wöchigen Kurs über Pflege und Seelsorge zu besuchen. Kaum hat er diese Ausbildung abgeschlossen, bekommt er seinen ersten Fall zugeteilt, bei dem es sich um den jungen Trevor handelt, der an Muskeldystrophie Duchenne leidet. Diese Krankheit zwingt ihn dazu, sein Leben seit dem Kindesalter im Rollstuhl zu verbringen, was seinen Lebensradius um einiges einschränkt. Als Ben ihn kennenlernt, ist Trevor bereits dem Alltagstrott verfallen: das immergleiche Essen gepaart mit den immer selben Lokalnachrichten. Ein Leben im Wohnzimmer.

Es beginnt eine wunderbare Freundschaft zwischen diesen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Männer, doch ein recht eigensinniger Humor verbindet sie. Und so kommt es, dass Trevor seine Ängste über Bord wirft und mit Ben einen Roadtrip unternimmt, den er sich vorher nie zu unternehmen gewagt hätte. Dabei lernen die Zwei auf dem Weg durchs Land einige Leute kennen, die ihre Reise bereichern. Unter anderem die abenteuerlustige Dot, von der Trevor nicht die Augen lassen kann.

Ein Film, der sehr ans Herz geht und einmal mehr darauf aufmerksam macht, wie wichtig Inklusion ist und dass jeder Mensch ein Recht auf das Leben hat, das er führen möchte. Ganz egal, wie viele Handicaps ihn offensichtlich daran hindern wollen. Es geht ums Loslassen müssen und um die Kraft, etwas zu wagen. Es geht um tiefe Gefühle und um die Liebe für das Leben. Und vor allem geht es darum, dass jeder Mensch einen anderen braucht, der ihn rettet, um sich letztendlich auch selbst zu retten.

Für jeden, der »Vincent will Meer« schon toll fand und »Hangover« besser gefunden hätte, wenn ein Rollstuhlfahrer mit von der Partie gewesen wäre. Aber auch für jeden, der seine Filme so liebt, wie das Leben selbst: Bunt und voller Herausforderungen.

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Lie to me

Diese Serie aus 2009, bestehend aus 3 Staffeln, ist komplett auf Netflix verfügbar und verspricht ab der 4. Folge gute Unterhaltung. Im Zentrum der Geschichte steht der Wissenschaftler Dr. Cal Lightman und seine Firma die Lightman Group, die auf Auftrag Dritter Lügner entlarvt. Bei den meisten Fällen geht es darum, dem FBI zur Seite zu stehen oder an anderer Stelle Strafverfolgungsbehörden zu beraten.

Die ersten paar Folgen waren mir persönlich zu laff und zu schnell durchschaubar. Doch man soll einer Serie ja die nötige Zeit lassen, um sich überzeugen zu lassen und so kam es dann auch. Zurzeit schaue ich abends (nach den EM-Spielen) gerne noch ein oder zwei Folgen Lie to me. Denn die Thematik an sich ist schon sehr spannend!

Die Lightman Group stützt sich bei seinen Fällen auf den realen, wissenschaftlichen Forschungen von Paul Ekman, die sich mit der Analyse der Körpersprache beschäftigt. Anhand dieser sogenannten Mikroexpressionen können Lügen enttarnt und die Wahrheit aufgedeckt werden.

Eine wiederkehrende Darstellungsform dieser sogenannten Mikroausdrücken sind immer Aufnahmen der jeweiligen Emotion gepaart mit Fotos von Prominenten, die als Vergleich dienen sollen. Bei den Promis handelt es sich meist um Politiker, die gelogen haben, wie z. B. George W. Bush bei der Begründung des Irakkriegs oder Bill Clinton bei der Lewinsky-Affäre. Aber auch Lindsey Lohan und Paris Hilton werden nicht ausgelassen, genau wie Serienkiller und Lügner, deren Gesichter von Gericht Bände sprachen.

Cal Lightman, der Kopf der Firma und geschiedener Vater mit Erziehungsambitionen, ist ein kleiner, hektischer, großmauliger Zeitgenosse mit einem Hang zur Besserwisserei. Auf den ersten Blick erinnerte mich diese Figur an Doktor House; auf den Zweiten an The Mentalist. Wie er in den Gesichtern seiner Mitmenschen liest und manchmal doch nur eine Ahnung, ein Bauchgefühl überwiegt, wo stattdessen Wissenschaft handeln sollte: Russisches Roulette mit der Wahrheit. Sympathisch und vor allem menschlich macht ihn aber die Tatsache, dass er gerade die Menschen, die ihm nahe stehen, oft vergrämt oder nicht näher an sich heranlassen kann. Ein klassischer Fall von Vertrauensproblemen und Kontrollsucht, wie ich als Laie direkt erkennen konnte, weswegen ich jetzt auf meinen Doktortitel warte – meinetwegen auch a la Kanye West; aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Serie, die ab der 4. Folge mit spannenden Fällen und komplizierten Zusammenhängen überzeugen kann. Außerdem zeigt sich hier noch mal mehr, dass man weder in seinen 20ern sein, noch mit dem Aussehen eines Schönlings punkten muss, um Frauen den Kopf zu verdrehen.