Neuere iPhones crashen doppelt so häufig wie Android-Smartphones

Ein großer Teil von Apples Geschäftsmodell basiert auf dem Ruf, sehr sichere und zuverlässige iPhones zu produzieren. Doch nicht nur bei der hardware bröckelt langsam der Putz, auch bei der Software beckleckert sich Cupertino nicht mehr mit Ruhm. Mit iOS 10 häufen sich die Abstürze. Viele Android-Smartphones sind mittlerweile stabiler als einige iPhones.

Vor einigen Wochen sorgte eine Studie der Blancco Technology Group für heftiges Grummeln in der iOS-Gemeinde. Die Diagnose-Experten hatten herausgefunden, dass erstmals seit der Aufzeichnung entsprechender Statistiken Smartphones mit dem Betriebssystem iOS häufiger als Smartphones mit dem Betriebssystem Android abstürzen.

Jahrelang galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass sich iPhones nicht durch ihre bessere Sicherheit, sondern auch durch ihre höhere Stabilität von den lästigen Konkurrenten unterscheiden. “It just works°” wurde zum geflügelten Wort. Doch während das Betriebssystem Android im Laufe des zweiten Quartals immer absurzsicherer wurde, kehrte bei Apple offenbar der Schlendrian ein.

Abstürzende Apps, die das ganze Betriebssystem in die Schockstarre versetzen, Unterbrechungen bei der WiFi-Verbindung und ärgerliche Performance-Einbrüche sorgten für einen enormen Anstieg der statistisch erfassten Fehlerrate in nur wenigen Monaten. Während iOS im ersten Quartal eine Fehlerrate von lediglich 25% aufwies, schoss der Wert auf über 58% im zweiten Quartal.

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Apple-Benutzer, die sich von den iOS-Updates der zurückliegenden Wochen und Monate eine signifikate Verbesserung erhofft haben, dürften nun enorm enttäuscht sein. Die neue Studie der Blancco Technology Group für das dritte Quartal 2016 nennt nun sogar eine Fehlerrate von 62%, ein weiterer Anstieg von 4%.

Doch auch bei Android ging es wieder bergauf mit der Fehlerquote. Während man sich im zweiten Quartal von zuvor 44% auf eine Fehlerrate von 35% verbessern konnte, legen die Smartphones mit dem Google-Betriebssystem nun eine Achterbahnfahrt hin und klettern auf unrühmliche 47%. Dennoch muss man festhalten, dass dies im direkten Vergleich zu iOS ein Wert ist, der viele Benutzer überraschen dürfte. Immerhin “muss” iOS nur auf einer überschaubaren Anzahl von Geräten funktionieren, während Android auch auf jedem billigen China-Smartphone einigermaßen zuverlässig funktionieren soll.

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Erkenntnisse der Studie

  • Neuere iPhones und iPads stürzen häufiger ab. Zu den besonders betroffenen Modellen gehören das iPhone 6, das iPhone 6S, das iPhone 5S und das AirPad Air 2
  • Apps crashen auf 65% aller untersuchten iPhones, während das nur bei 25% aller Android-Smartphones vorkommt
  • Zu den instabilsten Apps unter iOS zählt PokemonGo, während auf Android-Smartphones die Google Play Services den unrühmlichen ersten Platz einnehmen
  • Das LeEco Le 2 gehört zu den unzuverlässigsten Android-Smartphones, gefolgt vom Xiaomi Redmi 3S, dem Xiaomi Redmi Note 3, dem Samsung galaxy S7 edge und dem lenovo Vibe K5 Note

Wie Blancco weiter ausführt, hängt die Zahl der Systemabstürze und anderer Fehler sehr vom Modell ab. Am stärksten betroffen ist und somit am schlechtesten abgeschnitten hat das iPhone 6, das nun circa zwei Jahre alt ist. Damit setzen sich die Hiobs-Botschaften für dieses Modell weiter fort und stellen die ehemals teure Anschaffung als Ganzes in Frage. Erst vor einigen Tagen gab Apple zu, dass das Smartphone in der Plus-Variante von einem vollständigen Ausfall des Displays betroffen sein könnte. Beim in diesem Zusammenhang gestarteten Reparaturprogramm wälzt Apple die Schuld und die Kosten auf den Benutzer ab, von einem allgemein vermuteten Produktions- oder Konstruktionsfehler will man in Cupertino nichts wissen.

Mit einem weiteren Austauschprogramm reagiert Apple auf seltsame Abstürze des iPhone 6S. Das Smartphone schaltet sich trotz halbvollem Akku sporadisch ab und kann erst nach einem erneuten Ladevorgang wieder gestartet werden. Verschiedene Benutzer berichten, dass der Vorgänger iPhone 6 ein ähnliches Verhalten zeige, Apple erwähnt dieses Modell aber nicht.

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Das iPhone 5S und das iPhone 6S sollen ebenfalls zu den Smartphones gehören, die lt. der aktuellen Blancco-Studie besonders häufig die Grätsche machen. Dabei haben die Forscher insbesondere Hitzeprobleme als häufige Ursache ausgemacht. Schon das normale Aufladen der iPhones könne problematisch sein und zu Temperaturen führen, bei denen die Smartphones von Apple ihren Dienst versagen.

Das zweithäufigste Problem unter iOS seien weiterhin sporadische Abstürze von verschiedenen Apps, allen voran Instagram und Snapchat. Einige Apps sollen sich nach den Erkenntnissen der Forscher auf bis zu 65% aller untersuchten iPhones in regelmäßigen Abständen aufhängen. Damit liege die Absturzrate bei Apple weit über der Quote, die Android-Smartphones im Schnitt erreichen. Die verhalten sich mit 25% wesentlich gnädiger bzw. Robuster.

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Bei Google scheint man unterdessen die Lauerstellung eingenommen zu haben. Apple kann immer noch mit einer recht zügigen Reaktion auf gelegentlich auftauchende Sicherheitslücken punkten, die dann weltweit Over-The-Air geschlossen werden. Dies will man sich in Mountain View offenbar zum Vorbild nehmen, was eine weitreichende Änderung der Update-Prozedur erfordern würde. Die verbindlichen Vorgaben für die Hersteller liegen hierfür auf dem Tisch.

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via blancco.com