E-Autos: Niederlande, Norwegen und Indien preschen vor

Elektrische Zukunft: Niederlande ab 2025 ohne Diesel- und Benzinmotoren

Die Niederlande, Norwegen und Indien preschen vor und setzen voll auf die Karte Elektromobilität. Vor allem die Holländer drücken aufs Tempo, wollen einem Gesetzentwurf zufolge bereits 2025 komplett ohne Verbrennungsmotoren auskommen. 

von Carsten Drees am 19. April 2016

Stichwort Elektromobilität: Wenn nicht gerade ein neues Tesla-Modell vorgestellt wird, sind Elektroautos auch heute noch oft nicht mehr als ein Nischen-Thema. In Deutschland sollen bis 2020 über eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen rollen, aber nicht wenige halten diese Zahl für zu optimistisch. Drei Nationen – Norwegen, Indien und die Niederlande – gehen nun noch viel offensiver vor und haben sich klare Ziele gesetzt, bis wann vor allem elektrisch angetriebene Autos die Verbrennungsmotoren ablösen sollen. Wir schauen auf die Pläne dieser drei Länder:

Tesla Model S

Niederlande: Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2025 geplant

Indien und Norwegen haben ihre Pläne schon etwas früher öffentlich gemacht, nun steigt auch die Niederlande mit einem sehr ambitionierten Plan ein, der bereits als Gesetzentwurf vorliegt: Die Regierungspartei PvdA plant darin, dass bereits ab dem Jahr 2025 – also in gerade einmal neun Jahren – überhaupt keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden! Profitieren sollen davon Autos mit Wasserstoff- oder Brennstoffzellen-Antrieb, vor allem aber natürlich Elektroautos.

electric-car-734573_1920Der Koalitionspartner der PvdA hält das zwar für zu optimistisch, davon abgesehen gibt es für diesen Gesetzentwurf im niederländischen Unterhaus eine breite Unterstützung über die verschiedenen Parteien hinweg. Damit könnte unser Nachbar in weniger als zehn Jahren zu einer Nation voller Elektrofahrzeuge avancieren. Bereits zugelassene Autos, die mit fossilen Treibstoffen angetrieben werden, würden zwar Bestandsschutz genießen, aber selbst Hybriden würden nicht mehr zugelassen.

Das ist ein wirklich ambitionierter Plan, wenngleich das Land im Vergleich zu fast allen anderen Nationen in Europa schon jetzt schwer aufs Tempo drücken: Im letzten Jahr wurden in Holland 43.000 neue Elektrofahrzeuge verkauft, was gemessen an insgesamt  449.347 Neuzulassungen im Land immerhin einen Marktanteil von 9,6 Prozent ausmacht. Zum Vergleich: Vor etwa einem Jahr schrieb Don Dahlmann bei uns, dass im deutlich größeren Deutschland im Jahr 2014 gerade einmal 8.000 Elektrofahrzeuge abgesetzt werden konnten. Im letzten Jahr lag die Zahl der Neuzulassungen bei E-Autos auch im Bereich von unter einem Prozent.

GRAFIK Elektroautos

Norwegen: Europas Vorzeige-Nation der Elektromobilität

Erstaunt uns schon, dass jedes zehnte neu zugelassene Fahrzeug in den Niederlanden elektrisch fährt, legen die Norweger nochmal einen drauf: Dort liegt der Anteil bei den Neuzulassungen schon jetzt bei 22,5 Prozent – fast jedes vierte neue Auto fährt dort also elektrisch! Möglich wird das dadurch, dass die Regierung in Norwegen das Thema sehr offensiv vorantreibt. Es gibt massive Steuererleichterungen für Elektroautos, außerdem dürfen diese Fahrzeuge die Busspuren des Landes nutzen und sogar kostenlos parken.

Aber auch hier will man die Benziner und Diesel komplett von den Straßen verbannen! Der norwegische Entwurf (PDF) sieht nämlich ebenfalls vor, dass ab 2025 keine Autos mehr zugelassen werden, die auf fossile Brennstoffe setzen. Diese Nullemissions-Linie soll für private Fahrzeuge, aber auch für leichte Nutzfahrzeuge und Busse gelten. Neben Elektroantrieben setzt Norwegen auch auf Wasserstoff.

Stand heute ist Norwegen die europäische E-Nation und diesen Plänen zufolge ist man ganz augenscheinlich bestrebt, sich auch mittelfristig diese Spitzenposition zu bewahren. Bis 2030 möchte Norwegen mit seinem Entwurf die Emissionen im Straßenverkehr halbieren, bis 2050 sogar in diesem Sektor nahezu emissionsfrei sein. Auch Fähren und andere Schiffe sollen verstärkt mit Strom betrieben werden, entsprechende Ladestationen in den größeren Häfen sind in Planung.

Beschlossen ist all das natürlich noch nicht, aber es finden bereits intensive Gespräche statt, so dass das norwegische Parlament 2017 zu einer Entscheidung kommen könnte.

Indien: Mit kostenlosen E-Autos in die Zukunft

Nicht nur in Europa gibt man – im übertragenen Sinne – Gas. Auch Indien möchte eine Nation der Elektrofahrzeuge werden und ist dazu sogar bereits, die Fahrzeuge zu verschenken! Wie soll sowas realisiert und vor allem finanziert werden? So, wie es Indien schon erfolgreich mit der flächendeckenden Einführung der LED-Leuchtmittel gelungen ist: Wer sich ein neues, elektrisch betriebenes Auto anschafft, muss dafür keinen Kaufpreis entrichten. Stattdessen setzt die Regierung auf ein spezielles Raten-Modell, welches über einen sehr langen Zeitraum läuft und bei dem jeweils nur der Betrag fällig wird, den das Auto an nicht benötigten Spritkosten einsparen kann.

Verschiedene Mitglieder aus Umwelt-, Verkehrs- und Energieministerium sitzen bereits zusammen, um entsprechende Ideen in Gesetzform zu gießen. Etwas mehr Zeit lässt man sich in diesem großen Land, verglichen mit den Niederlanden und mit Norwegen: 2030 gibt die indische Regierung als Stichjahr an, allerdings will man es bis dahin schaffen, auf dem oben beschriebenen Weg sogar für 100 Prozent elektrisch betriebene Fahrzeuge auf Indiens Straßen zu sorgen. Soll bedeuten: Während die beiden europäischen Länder planen, 2025 nur noch Fahrzeuge ohne fossile Brennstoffe zuzulassen, sollen in Indien generell alle Autos mit diesem klassischen Antrieb verbannt werden. Umso erstaunlicher wäre es, wenn dieses ambitionierte Ziel tatsächlich nahezu selbstfinanzierend erreicht werden könnte, also ohne, dass sich die Regierung verschuldet, oder den Bürgern zu arg in die Tasche greift.

Und wir Deutschen so?

Ich schrieb es weiter oben bereits: Die neu zugelassenen E-Fahrzeuge krebsten im Jahr 2015 irgendwo zwischen einem halben und einem Prozent herum, dennoch glaubt die Regierung daran, dass bis 2020 über eine Million elektrisch angetriebene Autos über Deutschlands Straßen rollen. Das klingt für mein Empfinden allein schon deswegen sehr optimistisch, weil ich hauptsächlich die Absichtserklärung sehe, nicht die konstruktiven Ideen der Regierung, wie man dort hinkommen wird. Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass zu dieser Million auch Hybriden gezählt werden, die also auf eine Kombination von E- und Verbrennungsmotor setzen.

RWE-LadestationPersönlich glaube ich, dass wir besser beraten wären, nicht (allein) auf subventionierte Autos zu setzen, sondern lieber die Infrastruktur zu verbessern, vor allem durch ein sehr dichtes, flächendeckendes Netz an Ladestationen. Auf einen Mix – Entwicklung der Infrastruktur, Kaufprämien, Anreize für den innerstädtischen Bereich (Busse, Taxi, Nutzfahrzeuge) – setzen die Grünen, die in Deutschland das Thema Elektromobilität vorantreiben wollen. In einem Entwurf der Partei heißt es:

Wir Grüne wollen weg vom Öl im Straßenverkehr in den nächsten 20 Jahren. Wir wollen Städte, die Fahrradfahrern und Fußgängern ausreichend Raum geben und die frei sind von giftigen Abgasen Klima-Konzept der Grünen

Klingt schön, allerdings auch illusorisch, so lange nicht alle Parteien an einem Strang ziehen. Das Problem ist, dass es nun mal sehr viele Faktoren gibt, die diese Entwicklung unabhängig von politischen Entscheidungen unmittelbar beeinflussen:

  • Die Industrie muss nicht nur entsprechend attraktive Modelle anbieten, sondern die dann auch in großer Stückzahl produzieren können
  • Wir Verbraucher müssen uns diese Anschaffung leisten können
  • Es muss die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden
  • Die Stadtentwicklung muss neue Energiekonzepte mittragen und berücksichtigen

Ihr seht also, dass sich in manchen Ländern jetzt schon große Veränderungen andeuten, allerdings auch in Norwegen, den Niederlanden und Indien die Umsetzung erst noch ansteht. Unterschätzen wir aber auch nicht die Dynamik, die wir derzeit in der Auto-Industrie erkennen können. Ich bin überzeugt davon, dass die hiesigen Autohersteller die Zeichen der Zeit erkannt haben – wird Zeit, dass die Politik mitzieht.

Quellen: Manager-Magazin.de, The Guardian, science-alert.com, ecomento.tv