Nintendo Labo – diese Idee ist nicht aus Pappe (bzw. doch)

Nintendo hat für die Switch-Konsole überraschend Nintendo Labo vorgestellt - einen Hybriden, der Spielzeug aus Pappkarton mit der Konsole verschmelzen lässt. Ab April ist dieser Spaß auch in Deutschland zu haben.

Nintendo hatte angekündigt, dass man etwas Neues zu zeigen hat. Ich hätte jetzt auf ein neues Game für die Switch getippt, hab mir da also nichts sonderlich Umwerfendes erwartet. Aber wieder einmal wurden wir von Nintendo überrascht und davon überzeugt, dass die Japaner einfach unkonventioneller denken als der Rest der Branche.

Vorgestellt wurde nämlich Nintendo Labo: Es handelt sich dabei kurz gesagt um “Toy-Con”-Pappmodelle. Es wird also für Kinder Papp-Vorlagen zu kaufen geben, die erst zusammengebastelt werden müssen und dann in Kombination mit der Switch und deren Joy-Con-Controllern ein ganz neues Spielerlebnis darstellt. Die Idee ist ebenso abgedreht wie simpel und nach einem ersten kurzen “WTF?”-Moment bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass das eine unfassbar coole Nummer sein könnte.

Ihr könnt euch noch nicht so richtig vorstellen, wie das funktionieren soll bzw. welche Möglichkeiten euch Nintendo Labo bietet? Dann werft am besten einen Blick auf dieses kurze Video, welches ziemlich exakt umreißt, was da auf uns — bzw. auf den Nachwuchs — zukommt:

Bauen – Spielen – Entdecken

Nintendo bricht es auf der Produktseite auf drei Vokabeln herunter: Bauen, Spielen, Entdecken! Und das sagt ziemlich genau aus, in welche Richtung Nintendo hier überlegt hat. In Zeiten, in denen immer mehr Gamer in virtuelle Räume abtauchen, kleine Kinder wie selbstverständlich mit Touch-Displays aufwachsen und generell einfach immer mehr Technik Einzug in unseren Alltag hält, scheint Nintendo das Rad einfach mal ganz gechillt zurück zu drehen.

Genauer gesagt soll das heißen, dass ihr hier die moderne Technik und das interessante Konzept der Joy-Con-Controller nutzen könnt, um eure Kinder dazu zu bekommen, selbst mal Hand anzulegen und darüber dann auch Haptik-Erfahrungen zu sammeln.

Baue sogenannte Toy-Con-Modelle aus Pappbögen, kombiniere sie mit Nintendo Switch und schon kannst du sie zum Leben erwecken

Persönlich war ich erst der Meinung, dass das zumindest in der Theorie zwar eine gute Idee sein könnte, die Ausführung schlimmstenfalls aber eine Katastrophe. Ihr könnt nämlich aus der Pappe u.a. eine Angel bauen, einen Motorrad-Lenker oder ein Mini-Piano und da steht zu befürchten, dass diese Dinge nicht so blendend funktionieren, wenn die Pappvorlagen da nicht äußerst exakt gearbeitet sind.

Diesen Zahn konnte mir glücklicherweise eine erste Hands-on-Einschätzung bei Eurogamer ziehen. Martin Woger schreibt dort:

Ihr seht, welche der Pappbögen ihr braucht und welche Teile ihr zuerst herausdrücken sollt. Diese sind extrem sauber gestanzt und die Pappe ist stabil und hochwertig, es bleibt also frustfrei und ohne ungewollte Risse in wichtigen Teilen. Martin Woger, Eurogamer.de

Logischerweise kommt Labo nicht ohne passende Software aus und die zeigt euch dann auf der Konsole u.a. in Video-Filmchen Schritt für Schritt und gut verständlich, wie ihr vorzugehen habt. Wenn ich an dieser Stelle immer “ihr” sage, dann seid damit ihr persönlich inklusive eurer Kids gemeint, versteht sich ja von selbst. Denn Labo ist ganz explizit eine Idee, die sich an den ganz kleinen Gamer-Nachwuchs richtet.

Am 27. April geht der Spaß in Deutschland los, nachdem Labo in den USA zum Beispiel schon am 20. April durchstartet. Dann habt ihr grundsätzlich erst einmal die Wahl zwischen zwei verschiedenen Sets: Einem sogenannten “Multi-Set” und einem “Robo-Set”. Das Multi-Set ist bereits ab 0 Jahren geeignet, beim Roboter geht es bei Sechsjährigen los.

Das erste Set lässt euch ein RC-Auto, eine Angel, ein Haus, ein Motorrad und ein Klavier bauen, das zweite Set lässt euren Nachwuchs zum Roboter mutieren bzw. einen Roboter steuern. Deutsche Preise hat Nintendo noch nicht kommuniziert, aber das Multi-Set wird in den Staaten $69,99 kosten, das Robo-Set mit $79,99 noch zehn US-Dollar mehr. Gut möglich, dass sich diese Preise auch so ähnlich in Euro übersetzen lassen, aber das lassen wir euch gegebenenfalls noch wissen.

Anhand des Multi-Sets wollen wir euch jetzt mal den Umfang einer solchen Toy-Con-Packung zeigen. Im Set enthalten sind nämlich:

  • Eine Nintendo Switch-Softwarekarte mit kompatibler Software für das Multi-Set
  • Pappbogen x 28 (inklusive einem zusätzlichen Bogen zur eigenen Gestaltung)
  • Reflektorbogen x 3
  • Schwammbogen x 3
  • Schnur (orange) x 1
  • Schnur (blau) x 1
  • Ösenpaar (grau) x 1
  • Ösenpaar (blau) x 4
  • Elastikband** (groß) x 2 (+ Ersatzbänder)

Und so sieht das dann aus:

Nintendo Lago Multi-Set - alle Bauteile im Überblick

Wie ihr sehen könnt, sind im Set diverse Pappkarton-Vorlagen enthalten, zudem verschiedene Ösen, Gummibänder und sogenannte Reflektorbögen. Auch hier müssen wir wieder die Konzeption loben: Nintendo erklärt ausdrücklich, dass ihr beim Basteln weder auf eine Schere oder auf Kleber zurückgreifen müsst. Ihr könnt direkt out of the Box loslegen, alles was ihr sonst benötigt, ist logischerweise die Nintendo Switch.

Zusätzlich zu diesen beiden Sets wird es anfangs auch noch ein Design-Paket geben. Darin befinden sich dann die Dinge, die die Kids brauchen, um ihre Basteleien ein wenig aufzumotzen, also Schablonen für Buchstaben und Zahlen, viele verschiedene Sticker und zwei Klebebandrollen.

Ich kann das alles bislang zwar nur aus der Ferne beurteilen, aber den ersten Berichten zufolge scheint hier einfach die Mischung zu passen: Zunächst einmal wird drauflos gebastelt und während dieses Vorgangs erschließt sich einem erst, wie klug hier alles ineinander greift und was für ein feines Stück Spielzeug aus einem Pappkarton-Bogen werden kann, wenn man ihn so intelligent mit einer Spielkonsole kombiniert, wie es Nintendo hier mit der Switch vormacht.

Dank der Technik wie beispielsweise den in den Controllern verbauten IR-Sensoren folgt auf das Basteln eben dann kein halbgarer Spielspaß, der flott in Spielfrust umschlagen könnte. Viel mehr ist man erstaunt darüber, wie filigran mit einem Stück Pappe einen Fisch aus einem virtuellen Meer angeln oder einem eine volle Oktave umfassenden Papp-Piano Töne entlocken kann. Auch an dieser Stelle möchte ich euch nochmal die erste Einschätzung bei Eurogamer.de ans Herz legen, die einen sehr schönen Eindruck dessen bietet, was sich Nintendo da ausgedacht hat.

Nintendo Labo – kommerziell top oder Flop?

Wie gesagt: Ab dem 27. April 2018 kann Nintendo Labo gekauft werden und bis dahin können wir uns darüber Gedanken machen, ob Nintendo hier einen komplett unerwarteten Verkaufserfolg hinlegen wird, oder ob diese Maker-Idee doch ein wenig zu sehr für ein Nischen-Publikum geeignet ist.

Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Ansätzen verzichtet Nintendo komplett darauf, irgendwelche Programmier-Skills einzufordern bzw. den Kindern nahe bringen zu wollen, sondern kombiniert einfach die Spielkonsole mit dem Bastelspaß. Auch so gibt es genug zu entdecken, sowohl bei den vorgefertigten Ideen in den Sets als auch bei allem darauf aufbauenden, denn die Kleinen können auf Basis dieses Prinzips auch eigene Ideen umsetzen.

Eigentlich sehe ich derzeit nur eine einzige Hürde: Den Preis! Wer beide Sets erwirbt, legt in den USA 150 Dollar auf den Tisch — im Grunde nur für Pappe und ein paar Schnüre. Ich denke jetzt speziell daran, dass sich ein Bauteil aus Pappe verschleißt oder beim Basteln versehentlich zerstört wird. Die wenigsten Eltern werden da dann wohl ein weiteres Set kaufen. Ich könnte mir vorstellen bzw. ich würde es mir wünschen, dass aus dieser Idee eine neue Nintendo-Community erwächst. Nintendo selbst könnte den Käufern entsprechende Schablonen zum Download anbieten, damit man für ein zweites Haus oder eine weitere Angel eben nicht nochmal das Set kaufen muss. Passiert das nicht, wird es sicher auch funktionieren, wenn man den Papprahmen, aus dem man die Bauteile herausdrückt, selbst zur Schablone umfunktioniert.

Von dritter Seite könnte ich mir dann denken, dass viele weitere Spielideen online geteilt werden in Form von Schablonen, Tutorials oder was auch immer — vielleicht ja sogar mit Ideen, wie man zum Beispiel das Papp-Piano mithilfe eines 3D-Druckers in ein Kunststoff-Piano verwandelt. Es ist unterm Strich eine sehr schräge Idee und ganz sicher nicht, was ich jetzt von Nintendo als nächsten Schachzug im Sinn habe. Aber ich finde die Idee spannend, weil es sehr clever das traditionelle Basteln und Spielen mit der Technik kombiniert und die Kids somit sehr sanft und durchdacht an die Materie heranführt.

PS: Wenn ihr ein Kind habt, welches an dieser Geschichte Spaß haben könnte und ihr zudem in der Nähe von Hamburg wohnt, könntet ihr mit ein wenig Glück am Nintendo-Labo-Workshop teilnehmen, der in Hamburg zwischen dem 5. und 18. März veranstaltet wird.

Der Nintendo Labo Workshop ist ein spezielles Event, bei denen Kinder, Eltern, Medienangehörige und Influencer zusammen mit Nintendo Labo bauen, spielen und entdecken können. Die Teilnahme ist begrenzt, daher nutze bitte das Anmeldeformular, um die Chance auf die Teilnahme an einem der Events in Hamburg zu erhalten. Der Workshop wird ca. 3-4 Stunden dauern.

Zum Alter der Kinder steht zwar auf der deutschen Seite nichts, auf der US-Seite lässt sich allerdings nachlesen, dass man hier Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren sucht.

Was glaubt ihr? Landet Nintendo damit einen Hit oder ist die Idee dann doch ein bisschen zu krude und verspielt? Schreibt es uns in die Kommentare! Ich persönlich bin nach einer ersten Überraschung echt begeistert von dieser Idee, hinter der alles steckt, für was Nintendo seit jeher steht. Wieder einmal haben die Japaner etwas komplett Unerwartetes aus dem Hut gezaubert und ich drücke fest die Daumen, dass dieser Plan aufgeht und Labo viele Freunde findet.

Quelle: Nintendo