Kommentar
Nintendo vs YouTuber – Wenn das Super Mario wüsste…

Was das Konsolen-Rennen angeht, ist Nintendo gegenüber Sony und Microsoft schwer ins Hintertreffen geraten. Dennoch werden die Games nach wie vor von Millionen Fans weltweit gezockt und finden so natürlich auch ihren Weg in Let's Play-Videos auf YouTube. Mit seinem Creators Program will Nintendo gerne an diesen Clips mitverdienen und hat sich damit nun wahrlich keine Freunde gemacht.

Irgendwann nach der Atari-Ära begann der Aufstieg von Nintendo und Protagonisten wie Super Mario, Donkey Kong und Zelda prägten ganze Heerscharen von Kindern und Jugendlichen seinerzeit. PlayStation und Xbox waren noch nirgends zu sehen, dafür lieferte man sich harte Fights mit Sega, die sich bekanntlich auch schon vor vielen Jahren komplett aus dem Konsolen-Business zurückgezogen haben. Heute hat man immer noch eine Vielzahl von Fans, die sich weltweit an den Spielen erfreuen, auf Augenhöhe mit den Konsolen von Sony oder Microsoft ist man aber schon lange nicht mehr.

Nichtsdestotrotz reicht ein Blick auf YouTube, um sich einen Eindruck zu verschaffen, auf wie viel Liebe die Nintendo-Titel stoßen, denn unzählige YouTuber stellen ihre Let’s Play-Videos dort online. Okay, wer in diesen Tagen bei YouTube nach Nintendo Let’s Plays sucht, wird auch auf sehr viele Beiträge stoßen, in denen sich Nintendo-Fans ziemlich kritisch über das japanische Unternehmen äußern. Der Grund dafür: Das Nintendo Creators Program!

Nintendo ist es nämlich auch nicht entgangen, dass sich da haufenweise Videos mit Nintendo-Spielen befinden und so hat man sich überlegt, dass hier doch für das Unternehmen Kohle abfallen sollte, denn schließlich haben viele dieser YouTuber auch Einnahmen durch Werbung – Einnahmen, die sie den Nintendo-Titeln verdanken.

Nintendo Lets Play 01

Bereits an dieser Stelle bin ich schon ein wenig verunsichert, was daran liegt, dass ich nicht all zu bewandert bin, was das Urheberrecht angeht in diesem Fall. Ich habe die leise Befürchtung, dass das alles rechtlich wasserdicht ist, wenn Nintendo da eine Beteiligung einfordert. Wenn dem so ist, dann bedeutet das für meinen Geschmack jedoch nicht, dass Nintendo hier richtig handelt, sondern eher, dass das Urheberrecht reformiert gehört.

Vielleicht seid ihr da ja anderer Meinung als ich, aber für mich ist ein solches Let’s Play nicht vergleichbar beispielsweise mit einem hoch geladenen Musik-Video. Beim Musik-Video bekomme ich als Zuschauer den kompletten Song geboten – für Viele vielleicht ein Grund, dass man die CD nicht kauft bzw. auf den Download bei iTunes, Amazon und Co verzichtet. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass sich irgendjemand ein Spiel, an welchem er wirklich interessiert ist, nicht kaufen würde, weil er stattdessen lieber den YouTubern beim Zocken zusieht. Wie gesagt: Rechtlich ist das vermutlich in Ordnung, dass man bei den Let’s Playern nun die Hand auffällt, aus moralischer Sicht  finde ich es schlicht erbärmlich.

Das Nintendo Creators Program

Was genau ist aber dieses Creators Progamm eigentlich, welches am 27. Mai offiziell starten wird? Klar – zunächst einmal geht es darum, dass jemand, der einen Nintendo-Titel im Video anspielt, einen Teil seiner Werbeeinnahmen abdrücken soll an die Japaner. Wollt ihr also in eurem Video ein Nintendo-Spiel zeigen, müsst ihr euch zunächst für dieses Programm anmelden. Der Deal sieht vor, dass die kompletten Einnahmen erst mal an Nintendo gehen – so weit so schlecht. back_mario

Nintendo behält seinen Anteil ein, der bei Videos von einem reinen Nintendo-Channel 30 Prozent beträgt, bei allen anderen sind es sogar 40 Prozent. 40 Prozent dafür, dass ein YouTuber – gerne auch mal mit einer Millionen-Reichweite – massivst die Werbetrommel rührt für den gespielten Titel. Der muss dann auch erst auf sein Geld warten, denn Nintendo lässt durchblicken, dass es zwei Monate dauern kann, bis der Anteil den YouTuber erreicht.

Wer einen reinen Nintendo-Kanal betreibt, kann ihn auch als solchen im Creators Program anmelden. Wer jedoch auch die Games anderer Hersteller zockt, wird von Nintendo angehalten, bitte jeden Clip einzeln einzureichen. Die sollen dann innerhalb von drei Tagen freigeschaltet werden. Wieso das so lange dauert? Weil sich Nintendo vorbehält, die Videos haarklein unter die Lupe zu nehmen. Gibt es im Clip Beleidigungen, anstößige Äußerungen, etc., wird das Let’s Play eben nicht freigegeben. Das ist alles ziemlich schwammig formuliert und nicht wenige vermuten da jetzt, dass Nintendo diese Kontrolle dazu nutzen wird, die Videos auszusortieren, die zu harsche Kritik am Spiel  oder am Unternehmen äußern.

Selbst, wenn man sich jetzt auf das Procedere eingelassen hat und Partner von Nintendo ist, darf man noch lange nicht beliebig Nintendo-Games in seinen Videos zocken. Erlaubt ist nur, was sich auf Nintendos Whitelist befindet, alle anderen Spiele – beispielsweise Super Smash Bros. – sind tabu! Übrigens hat sich bereits herausgestellt, dass die Registrierungen deutlich länger brauchen, als es angedacht war. Das sorgt natürlich unter den Gamern/YouTubern für neuen Unmut, hängt aber auch damit zusammen, dass sich scheinbar sehr viele Menschen bereits jetzt für das Creators Program angemeldet haben.

Und nun?

Ist das dann die YouTube-Zukunft für Spiele-Entwickler? Ein Programm auflegen und hoffen, dass viele YouTuber drauf anspringen und für eine zusätzliche Einnahmequelle sorgen? Nee, Leute – das mag ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Klar – Fakt ist, dass die Kameraden auf YouTube kein Geld verdienen würden, gäbe es die Spiele nicht, die sie in ihren Clips zeigen. Dennoch ist hier ein komplett neues Produkt, eine komplett neue Kunstform entstanden mit dem Genre des Let’s Play. Viele Menschen werden vielleicht erst durch die Videos aufmerksam gemacht, dass es ein Spiel überhaupt gibt und ich kann mir wie gesagt nicht denken, dass das Zuschauen schon reicht, wenn man Bock auf das Game hat. Ich bin ja auch nicht satt, wenn ich in der Werbung sehe, wie sich jemand ein Glas Würstchen reinhaut!

Daher denke ich, dass Nintendo sich hier auf mächtig dünnem Eis bewegt und gut beraten wäre, die Bedingungen für sein Programm noch einmal zu überdenken. Eine kleine Abgabe fände bestimmt auch kein YouTuber unangemessen aber bis zu 40 Prozent sind unverschämt. Noch schlimmer wird es, wenn sich herausstellen sollte, dass bei der Kontrolle zu kritische Videos auf der Strecke bleiben. Spätestens dann würden sich die Protagonisten der Videos nämlich den Games anderer Hersteller zuwenden. Ich hab keinen Schimmer, was man sich in der Chefetage Nintendos erwartet, aber ich bin ziemlich sicher, dass dieser kleine, freundliche Handwerker aus Italien so gar nicht begeistert ist von diesen Machenschaften. Abschließend die obligatorische Frage in die Runde: Wie steht ihr dieser Nummer gegenüber? Könnt ihr eher Nintendo oder eher den Zorn der YouTuber verstehen?