Nokia 1100 von vorn und von der Seite
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Nokia 1100 – das meistverkaufte Handy der Welt

Auch, wenn es schräg klingt: Das Nokia 1100 ist das Handy, welches öfter verkauft wurde als jedes andere auf diesem Planeten - über 250 Millionen mal. Kein iPhone und erst recht kein anderes Gerät kommt an die Zahlen des finnischen Herstellers heran, der das Nokia 1100 bereits 2003 veröffentlichte. 

von Carsten Drees am 23. Oktober 2015

Ich behaupte mal ganz frech: Auf die Frage, welches Handy sich weltweit am besten verkauft habe, würden die meisten Leute auf ein Smartphone aus Cupertino tippen. Damit würden diese Menschen aber daneben liegen, denn das mobile Device, welches sich noch öfters verkauft hat als das iPhone 6S oder seine Vorgänger ist – das Nokia 1100! Über 250 Millionen mal ging das Gerät über die Ladentheken und ist damit nicht nur das meistverkaufte Handy der Welt, sondern auch das meistverkaufte technische Gerät überhaupt.

Wem der Name Nokia 1100 nur wenig bekannt vorkommt, der ist vermutlich einfach ein paar Jahre jünger als der Autor dieser Zeilen, denn das Nokia 1100 kam bereits 2003 in den Handel. Wie ihr euch denken könnt, handelt es sich dabei nicht um ein Smartphone, sondern um ein Feature Phone, welches technisch schon damals beim Release nicht wirklich auf der Höhe der Zeit war.

Nokia-1100

Was kann das Nokia 1100?

Wollt ihr Spezifikationen hören? Klar, kommt sofort: Das monochrome Display löst mit 96 x 65 Pixeln auf – natürlich ist es kein Touch-Panel. Insgesamt misst es 106 x 46 x 20 mm und wiegt 93 Gramm. Der 900 mAh Akku verspricht eine Standby-Zeit von 400 Stunden, im Schnitt kam man bei normaler Nutzung über vier Tage mit dem Teil, bis man es wieder aufladen musste.

“Normale Nutzung” war damals natürlich auch noch was anderes als heute, denn wie ihr euch denken könnt, gab es keinen Browser, mit dem man im Netz surft, keine Kameras und auch als Media-Player taugte das Nokia 1100 noch nicht. Aber SMS konnte man immerhin schicken und empfangen – und insgesamt 50 Stück davon im Speicher haben. Auch Kontakte konnte man damals lediglich 50 Stück speichern auf dem Handy, welches mit dem Betriebssystem Series 30 ausgestattet war.

Auf der anderen Seite wollen wir aber auch die lobenswerten Features nicht unterschlagen: Es kommt immerhin mit einer Taschenlampen-Funktion und noch viel wichtiger: Man kann Snake drauf zocken – damals der Handy-Game-Klassiker schlechthin. Zudem hattet ihr 35 verschiedene Klingeltöne – MIDI, ist klar – und davon konntet ihr einige auch frei programmieren.

Nokia 1100 von der Seite
Das Nokia 1100 war ein ziemlich dicker Klopper, wie ihr seht.

Außerdem kam es – auch logisch – mit einer Tastatur. Über dem normalen Tastenfeld befindet sich links der Ein/Aus-Button und ein “Beenden”-Button, Rechts gibt es Pfeiltasten zum Blättern und in der Mitte dann noch die Navi-Taste. Wie es heißt, war die Tastatur sehr schwergängig – mitunter musste man schon mit einer Menge Druck arbeiten, um eine Eingabe zu tätigen.

Für wen war das Nokia 1100 gedacht?

Ein Handy, welches sehr günstig war – etwa 50 Euro – und technisch hinter den damals angesagten Geräten hinterherhinkte – wem wollte man das anbieten? Ihr könnt es euch denken: Nokia wollte damit die Schwellenländer erobern, hatte damals bereits China auf dem Schirm und hat mit dieser Strategie einen absolut richtigen Riecher bewiesen. Dort, in Indien und in vielen Ländern mehr wurde das Gerät ein absoluter Renner mit über 250 Millionen verkauften Einheiten.

Damit das gelingt, hat Nokia seinerzeit intensiv geforscht, was in den jeweiligen Märkten gefragt sein könnte. Genau deshalb hat man dem Nokia 1100 ein staubsicheres Gehäuse und einen rutschfesten Griff verpasst und genau deshalb hat man dem Teil auch die Taschenlampe spendiert – eine Funktion, die seinerzeit auch alles andere als üblich war. Durch diese Features präsentierte sich das Nokia 1100 eben nicht nur als sehr preiswertes Device, sondern darüber hinaus auch als eines, welches den Gegebenheiten in den Schwellenländern bestens gewachsen war – es war eben sehr robust und unanfällig, versprach zudem auch in abgelegensten Gegenden Empfang.

Horrende Preise für ein gebrauchtes Nokia 1100

Das Nokia 1100 sorgte vor einigen Jahren nochmals für Schlagzeilen, als nämlich bekannt wurde, dass für bestimmte Versionen des Geräts horrende Summen auf dem Schwarzmarkt gezahlt wurden – von Beträgen bis zu 35.000 Dollar war seinerzeit die Rede. Wie kam es dazu? Einem Ring von Cyber-Kriminellen aus Osteuropa soll es gelungen sein, das Nokia 1100 so zu modifizieren, dass man damit SMS annehmen konnte, die für andere Empfänger gedacht waren und auf diese Weise TANs abfangen, die verschiedene Banken per SMS verschickten.

Möglich war das nur bei Einheiten, die im damaligen Nokia-Werk in Bochum produziert wurden, aber man darf dabei natürlich nicht vergessen, dass man nicht nur eine TAN, sondern auch noch den PIN des jeweiligen Nutzers benötigt, damit aus dem illegalen Geldsegen was wird. Scheint fast so, als hätten kriminelle Elemente öfters mal Nokia auf dem Schirm, denn wir berichteten ja auch bereits über das Nokia 8210 als besten Freund des Drogendealers.

Neuauflage in Sicht?

Bis 2009 wurde dieser Dauerbrenner verkauft und hat in dieser Zeit alle Verkaufsrekorde gebrochen und viele Menschen zu ihrem überhaupt ersten Handy gebracht. Damit ist aber Schluss – und was aus Nokias Mobil-Sparte geworden ist, haben wir ja über die letzten Jahre alle zusammen verfolgt. Microsoft hat sich den größten Teil der Finnen einverleibt und verkauft ja auch wirklich starke Smartphones.

Dennoch könnte es sein, dass Nokia – oder das, was davon übrig geblieben ist – über eine Neuauflage dieses Klassikers nachdenkt. Offizielle Ankündigungen dafür gibt es keine, aber bei Geekbench (via) ist vor einigen Monaten tatsächlich ein Smartphone dieses Namens aufgetaucht So schnell kann das aber nicht veröffentlicht werden, denn Nokia hat sich an die Vereinbarungen mit Microsoft zu halten, dass kein Nokia-Smartphone vor dem vierten Quartal des Jahres 2016 erscheint.

Daher lohnt sich ein Blick auf die Specs nur bedingt, da die sich in einem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit verändern werden. Spannend ist daher auch weniger der MT6582 Quad-Core-SoC von MediaTek oder die von ihm erzielte Punktzahl in den Benchmark-Tests, sondern eher das Betriebssystem Android 5.0, welches ebenfalls aufgeführt wird.

1100

Bis es also tatsächlich eine Neuauflage des Nokia 1100 geben könnte, müssen wir uns doch noch eine ziemliche Weile gedulden. Wobei “wir” ja auch relativ ist, denn ich könnte mir denken, dass Nokia auch beim zweiten Anlauf wieder das gleiche Klientel im Blick hat und das Gerät wieder mit spartanischer Ausstattung und zu kleinem Preis in den entsprechenden Regionen der Welt anbietet. Ob es das gute, alte Nokia als Handy-Hersteller in einem Jahr wieder geben wird, müssen wir erst noch sehen – am Erfolg des Ur-Nokia 1100 jedoch ändert das selbstverständlich nichts.

Quelle: Phonearena.com