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Nur keine Veränderung – Kunden wollen am Verbrenner festhalten

“Der Bauer isst nur das, was er kennt”. Ein Sprichwort, das auch auf das Ergebnis einer Studie passt. Denn Kunden wollen keine E-Autos kaufen, behauptet Continental.

von Claus Ludewig am 17. Dezember 2018
  • 83 Prozent der Deutschen Autofahrer, die derzeit einen Verbrenner fahren, möchten auch beim nächsten Auto wieder ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb.
  • Immerhin wollen 17 Prozent der Deutschen auf alternative Antriebe wechseln oder können es sich vorstellen.
  • In China sind 76% der E-Fahrzeughalter zufrieden mit Ihrem Antrieb. Jedoch spaltet der Antrieb, so dass 24% enttäuscht sind und sich einen Wechsel zu einem anderen Motorentyp vornehmen.
  • In Japan ist der Hybrid am Beliebtesten.

In Deutschland, USA, China und Japan hat Continental eine repräsentative Umfrage unter aktuellen Autofahrern und Nicht-Autofahrern durchgeführt. Dabei wurden nur Personen befragt, die mindestens 16 Jahre alt waren. Sowohl aktive Autofahrer, die mindestens einmal im letzten Monat Auto gefahren sind, als auch Nicht-Autofahrer wurden befragt. Es ging dabei um Fragen rund um die Zukunft des Automobils. Eine Kernfrage war, ob man beim nächsten Autokauf wieder auf denselben Motorentyp setzen würde.

Umfrage zum gewünschten Motorentyp beim kommenden Autokauf (Continental Mobility Study 2018).

  • Für 39% der befragten Fahrer eines Benziner-PKW in Deutschland kommt “ganz sicher” auch wieder bei Ihrem nächsten Kauf ein Verbrenner vor die Haustür.
  • Immerhin 44% der befragten Benziner-Fahrer sehen es als “wahrscheinlich” an, wieder einen Ottomotor zu fahren. Hier könnten entsprechend überzeugende Argumente, einen Wechsel ermöglichen.

Damit stehen die Deutschen nicht alleine da, denn auch die Chinesen möchten Ihrem Antrieb gerne treu bleiben. 85 Prozent der Fahrer von Verbrenner-PKW möchten auch zukünftig wieder ein Auto mit konventionellem Motor haben. Allerdings sind immerhin 60% davon offen, auch einem alternativem Antrieb eine Chance zu geben. In Japan schwören 87% der Befragten auf Ihren Hybrid und möchten auch gerne wieder einen solchen kaufen. Knapp ein Drittel aller Japaner, die einen Verbrenner fahren, möchten gerne auf einen alternativen Antrieb umsteigen.

Konventionelle Bundesbürger auch beim automatisierten Fahren

  • 52 Prozent der Deutschen stehen dem Thema autonomes Fahren offen gegenüber.
  • In China dagegen sind 89 Prozent der Autofahrer für autonomes Fahren.
  • 62% der Deutschen fürchten sich vor dem autonomen Fahren.

In China glauben 75% aller aktiven Autofahrer und 73% der Nicht-Autofahrer, dass sich in 5 bis 10 Jahren automatisiertes Fahren durchgesetzt hat und zum Alltag gehört.

Die Deutschen dagegen haben Ihre Vorurteile. Die häufigsten Gründe, die gegen das automatisierte Fahren sprechen:

  • 73% der befragten Deutschen sehen Ihren Spaß gefährdet durch automatisiertes Fahren. In den USA sind 62% der Fahrer der gleichen Meinung.
  • 64% der Deutschen haben Angst, dass das Auto die Kontrolle an den Insassen abgeben könnte, wenn es gerade eine sehr stressige Situation ist. Diese Befürchtung teilen mit 86% die Chinesen am stärksten.
  • 57% der Deutschen befürchten, dass automatisierte Fahrzeuge nicht zuverlässig funktionieren.
  • 45% der Deutschen glauben nicht, dass automatisierte Fahrzeuge einige Unfälle verhindern können. In den USA teilen sogar 49% der Befragten diese Sorge.

 

Vernetzung setzt sich noch nicht überall durch

  • 65% der Deutschen halten vernetzte Systeme für nützlich, um den Verkehr zu managen. Im Jahr 2014 waren noch 72% dafür, vernetzte Systeme einzusetzen.
  • Zudem wollen 58% der befragten Deutsche keine persönlichen Daten an einen Dritten – wie zum Beispiel ihre Versicherung – weitergeben.

Die regionalen Unterschiede treten hier mal wieder sehr stark zu Tage. In den USA ist der Anteil der Befürworter für Vernetzung im Straßenverkehr in den letzten vier Jahren von 59% auf 65% gestiegen. In China ist es ganz normal, seine persönlichen Daten weiterzugeben, um die Connectivity zu verbessern. 71% der Chinesen geben Ihre Daten an Versicherungen weiter.

Bloß keine Veränderung – aber…

  • Der Kunde muss langsam mitgenommen werden. Bei vielen Themen herrschen Wissenslücken vor.
  • Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.

Meiner Meinung nach, zeigt die Studie, die von Continental in Auftrag gegeben wurde, dass bei vielen Kunden Wissenslücken vorhanden sind. Behutsam und ohne allzu viel Geschrei sollte eine Aufklärung stattfinden. Es wird niemals so sein, dass ein Automobil 100% umweltfreundlich ist. Das geht einfach nicht, da immer irgendwo irgendwas anfällt. Gleichwohl müsste auch nicht jeder einen 10-Liter schluckenden Verbrenner fahren, der theoretisch 700 Kilometer weit kommt, nur um die 60 Kilometer am Tag zurücklegen zu können.

Doch dazu müssen sich bestimmte Wertevorstellungen ändern. Das braucht aber Zeit. Nicht jeder wird ein eigenes Auto benötigen. Carsharing und Co. werden zukünftig an Bedeutung gewinnen. Aber nicht überall gleich stark. Je nach Situation vor Ort, kann es eine sehr gute Option sein, muss es aber nicht sein. Vielmehr wird sich die zukünftige Landschaft der individuellen Mobilität mehr und mehr ausdifferenzieren. Klar ersichtlich ist aber auch, dass die Erwartungen mancher E-Autokunden nicht erfüllt werden konnten. Hier sind die Hersteller in der Pflicht, bessere E-Autos anzubieten. Und dann sei noch nicht unerwähnt, das schöne Sprichwort: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast ;-)

Quelle: Continental