Onleihe.net im Test: Bibliothek für eBooks

Wann wart ihr zum letzten Mal in einer Bibliothek? Wenn ihr zum Kreis der Studenten oder Schüler gehört, dürfte Euer letzter Besuch noch nicht allzu lange her sein. Arbeitet ihr dagegen schon seit einiger Zeit, ist seit Eurem letzten Bibliotheksbesuch vermutlich schon eine etwas längere Zeitspanne vergangen. Damit befindet ihr Euch in guter Gesellschaft, denn laut dem deutschen Bibliotheksverband nutzen nur etwa 30 Prozent der über 14-Jährigen noch die lokalen Bibliotheken. Wenn ihr den Gang in die Bibliothek meiden, Euch allerdings dennoch Bücher – genauer gesagt: eBooks – ausleihen wollt, gibt es eine Alternative: Onleihe.net, eine Plattform, die Euch Zugriff auf die elektronischen Bücher und Medien Eurer Stadtbibliothek bietet. Wir haben das Angebot für Euch getestet.

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Das Konzept ist denkbar einfach: Aktuell stellen 2.132 Stadtbibliotheken ihre Kataloge über Onleihe.net zur Verfügung. Wer sich mit seinem Benutzerkonto – der jeweiligen Stadtbibliothek – anmeldet, hat Zugriff auf die gesammelten Kataloge und kann sich dort elektronische Medien – eBooks und ePaper, Musik und mehr – ausleihen. Wichtig: Das Konto bei einer teilnehmenden Stadtbibliothek muss bereits vorhanden sein, anmelden könnt ihr Euch auf Onleihe.net sonst nicht.

Für die Recherche im Katalog stehen Euch sowohl die Webseite als auch die Onleihe App – für Android und iOS – zur Verfügung. In der iOS App habt ihr zusätzlich Zugriff auf eBooks, eAudios und eMusic, ePaper und ähnliche Inhalte sind über die Webseite erreichbar.

Als Lese-App wird der Bluefire Reader für iOS und Android empfohlen, ich persönlich nutze unter Android auch Aldiko Book Reader. Wer lieber auf einem eReader liest, findet auf der Seite umfangreiche Informationen zu den kompatiblen Modellen. Wichtig ist, dass Apps und eReader das Adobe DRM unterstützen, mit dem die Medien versehen sind.

Onleihe.net im Studien- und Lernalltag

Auf dem Papier respektive im Netz klingt das alles gut, doch wie schlägt sich Onleihe.net in der Praxis? Um diese Frage zu beantworten nutze ich das Portal selbst seit mehr als sechs Monaten, drei Studenten haben sich mir in den letzten drei Monaten angeschlossen. Unsere gesammelte Erfahrung: Heiter bis wolkig mit Hang zu Sonne.

Etwas ernsthafter: Nach der ersten Anmeldung funktioniert die Suche nach eBooks problemlos und auch der Ausleihprozess gestaltet sich erstaunlich komfortabel. Die Leihfristen variieren zwischen zwei und sechs Wochen – Verlängerungen werden je nach Stadtbibliothek unterschiedlich gehandhabt – und die gesamte Nutzung klappt weitgehend reibungslos.

Weitgehend, da wir hin und wieder auf eBooks gestoßen sind, die völlig verquer angezeigt wurden und bei denen das Layout – sowohl in Apps als auch auf eReadern – komplett zerschossen war. Bei einigen reichte das Löschen und erneute Herunterladen, andere blieben hoffnungslos. Insgesamt machten diese kaputten eBooks etwas fünf Prozent unserer Versuche aus. Nicht nichts, aber im Alltag doch zu verschmerzen. Grundsätzlich fällt allerdings auf: Viele eBooks sind lieblos gelayoutet und umgesetzt. Unregelmäßige Zeilen-, Wort- und Zeichenabständen, seltsame Seitensprünge und ähnliche Phänomene treten häufiger auf.

Doch die beste Nutzung bringt nichts, wenn die relevanten Bücher nicht verfügbar sind. Dieses Problem hatten vor allem die beiden Studenten aus dem BWL und Maschinenbau-Bereich. Sie fanden zwar Fachbücher als eBooks, die verfügbaren Versionen waren oft jedoch veraltet. Im sozialwissenschaftlichen und Kommunikationsbereich – meine Ecke – sah das besser aus, hier gibt es recht viel aktuelle Fachliteratur in elektronischer Form. Im juristischen Bereich sieht es – laut dem testenden Student – jedoch ganz düster aus, er wurde fast gar nicht fündig. Wer aktuelle Fachbücher sucht, muss oft doch den Gang in die Bibliothek und/oder den Lesesaal antreten.

Onleihe.net: Das Fazit

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Das Fazit fällt ins unserer Testgruppe gemischt aus. Als Bibliothek für die autodidaktische Weiterbildung und zur Einarbeitung in verschiedene Themenbereich eignet sich Onleihe.net hervorragend. Auch wer einfach nur interessante Bücher sucht, viel liest und dafür kein Vermögen an Amazon und Co. verschleudern will, ist hier richtig.

Studenten, die für ihr Studium aktuelle Fachliteratur suchen, stoßen jedoch schnell an die Grenzen der Plattform. Aktuelle Fachliteratur ist oft nur vor Ort und dann meist auch nur im Lesesaal erhältlich. Das ist bei den Preisen für die entsprechenden Bücher zwar kein Wunder, reduziert der Nutzen von Onleihe.net für Studenten jedoch spürbar.

Wer die Literatur jedoch nicht für wissenschaftliche Arbeiten und als zitierfähige Quelle, sondern primär zum Nachlesen und Vertiefen braucht, kommt auch mit den etwas älteren Ausgaben der Fachbücher – die auf Onleihe.net verfügbar sind – zurecht. Unser Tipp: Meldet Euch bei Eurer lokalen Stadtbibliothek – wenn sie bei Onleihe.net mitmacht – an und werft einen Blick auf das Angebot. Wenn ihr gerne und viel lest, werdet ihr dort bestimmt fündig und könnt ein wenig Geld sparen.

Bildnachweis: Markus Bormann by fotolia.com, Screenshots von Onleihe.net