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Online bestellen, im Laden abholen – ist Click & Collect die Zukunft des Shoppings?

Im Internet shoppen und die Ware im Laden abholen. Das ist längst schon mehr als ein Trend. Click & Collect könnte in Zukunft eine sehr wichtige Säule des Einzelhandels sein.

von Carsten Drees am 21. August 2019

Es ist dieses Szenario, bei dem jedem Angestellten im Einzelhandel Angst und Bange wird: Da kommt dieses Pärchen in den Laden, schaut sich das hochpreisige Produkt an, lässt sich verwandte Produkte zeigen und jedes Feature erklären und verlässt dann mit einem unverbindlichen “Wir müssen uns das nochmal in Ruhe überlegen” das Geschäft.

Der Mensch, der da gerade sein Know-How preisgab in der Hoffnung, Umsatz zu machen, ist sich jetzt ziemlich sicher, was passiert: Die beiden gehen nach Hause und bestellen dank dieser eben gewonnenen Infos das gewünschte Produkt — im Internet, weil es da günstiger zu haben ist. Der Internet-Handel eilt von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord und dem Einzelhandel steht oftmals das Wasser deswegen bis zum Hals.

Ich möchte jetzt aber hier nicht diskutieren, wieso das so ist. Die Gründe wären vermutlich auch zu mannigfaltig. Bequemlichkeit ist ein Argument, der Preis oftmals ebenso. Vielleicht ist es in verschiedenen Fällen auch die Arroganz der Shops, sich für unverzichtbar zu halten und sich deswegen auf veränderte Märkte einzustellen. Wie gesagt: Das ist eine Diskussion für ein anderes mal.

Heute möchte ich lieber davon reden, dass es auch genau umgekehrt geht: Also Waren im Internet bestellen, und sie sich dann im Einzelhandel abholen. Als Argument für das Internet habe ich oben Bequemlichkeit genannt. Ist ja auch wirklich sensationell für uns Verbraucher: Vor fünf Minuten klingelte hier zum Beispiel der Kollege von Flaschenpost.de und brachte mir meine Getränke an die Wohnungstür. Aber es geht eben auch anders: So habe ich neulich Testgeräte verpasst, die dann an eine Postfiliale geliefert wurden. Die Menschen in der Dortmunder Innenstadt lachen heute noch über den fetten Kerl, der schwitzend mit seinem klobigen 15-Kilo-Paket von der Filiale nach Hause marschiert ist.

Als Beispiel sei jetzt mal Saturn genannt: Der Laden ist von meiner Haustür keine fünf Minuten zu Fuß entfernt. Bevor ich jetzt riskiere, dass mal wieder ein Speditions-Mensch nicht bei mir klingelt, oder irgendwas hochpreisiges einfach so in den Hausflur ballert und dort liegen lässt in der Hoffnung, dass ich der erste bin, der das Paket sieht, würde ich mir also eine Saturn-Bestellung auch nicht nach Hause liefern, sondern in die Filiale. Das Prinzip nennt sich Click & Collect und dürfte jedem bekannt sein, der schon mal bei Saturn oder Media Markt bestellt hat.

Dieses System hätte also für mich den Vorteil, dass ich zeitlich sehr flexibel sein — ich kann mir die Brocken ja abholen, so wie es mir passt und muss nicht auf einen Postboten warten. Darüber hinaus spare ich Versandkosten. In der Regel ist es nämlich so, dass dieser Kostenblock komplett wegfällt, wenn eine Bestellung in den Shop statt zu mir geliefert wird. Spannend ist dieser Punkt auch bei Retouren, falls man mal wieder was zurücksenden muss.

Das sind auch genau die Punkte, die bei einer Studie zu Click & Collect von den Befragten genannt wurden. Zusätzlich gaben sie bei der Umfrage vom Creditreform Boniversum und dem  E-Commerce-Verband BEVH an, dass man die Abholung mit einem Einkauf verbinden könnte, wegen dem man sowieso das Haus verlässt. Auf dem folgenden Bild seht ihr die häufigsten Antworten der Befragten in dieser Studie:

In der gleichen Studie wurde übrigens ermittelt, dass diese Art des Einkaufens schon lange keine exotische mehr ist: 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bereits per Click & Collect geshoppt hätten. Immerhin 51 Prozent sagten sogar, dass sie 2-5 mal auf diese Weise innerhalb der letzten 12 Monate eingekauft hätten.

Von denjenigen, die laut Umfrage noch nie auf diese Weise bestellt haben, kann sich mehr als die Hälfte vorstellen, in der Zukunft aber ebenfalls im Internet zu bestellen und die Ware dann im stationären Handel abzuholen. Vor allem bei Schuhen und Bekleidung ist dieses Szenario für die meisten vorstellbar.

Apropos Schuhe: Laut einer DPA-Meldung wird Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann Click & Collect noch in diesem Jahr flächendeckend in allen 1200 Filialen in Deutschland einführen. “Wir sehen, dass der Bedarf für diesen Service zunimmt”, wird dazu Unternehmenssprecher Ulrich Effing zitiert.

Beispiele gibt es aber unzählige mehr. IKEA ist da eines der Unternehmen, bei dem diese Möglichkeit des Shoppings den meisten bekannt sein dürfte, auch REWE legt in diesem Bereich zu. Ende letzten Jahres gab es 200 Filialen, in denen man sich seine Waren abholen konnte, in der ersten Jahreshälfte 2019 konnte man das auf 250 Filialen ausbauen. Hier können wir den Punkt Bequemlichkeit nochmal anführen: Wenn ich nicht mehr selbst durch die Gänge hechten muss, sondern mir im REWE meine Waren sofort fertig gepackt abholen muss, dann ist auch das für mich natürlich entspannender.

Damit haben wir jetzt hauptsächlich die Sicht des Käufers betrachtet. Click & Collect mag nicht für jeden der sinnigste Weg des Einkaufens sein, für viele jedoch eben schon. Aber natürlich ist es auch für den Händler vorteilhaft. Immerhin kann man Waren gebündelt in eine Filiale bringen, um die “Last Mile” kümmert sich der Käufer selbst. Damit ist die Geschichte dann sogar nicht nur für den Versender von Vorteil, sondern entlastet auch vollgestopfte Städte und damit dann auch die Umwelt.

Klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation und dürfte damit auch definitiv ein zukunftstaugliches Modell für den Einzelhandel sein. Nach wie vor denke ich, dass wir immer öfter in den Einkaufsstraßen unserer Städte Läden sehen werden, die mehr einem Show Room entsprechen, indem man sich Waren anschaut und kauft — und sie sich dann nach Hause senden lässt. Aber mit Blick auf meine Ausgangsfrage in der Überschrift, ob Click & Collect die Zukunft des Shoppings ist, kann ich folgendes sagen: Dieses System dürfte ebenso ein wichtiger Baustein werden, der für alle Seiten gut funktioniert und damit beweist, dass der Handel im Internet nicht zwangsläufig der Feind des Einzelhandels in den Städten sein muss. Definitiv ist Click & Collect damit eine der Varianten, die für die Zukunft des Einkaufens steht. Dennoch abschließend meine Frage an euch: Seht ihr das ebenso? Kauft ihr via Click & Collect oder ist das etwas, was für euch absolut nicht in Frage kommt?

via t3n

Artikelbild: athree23 auf Pixabay