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Ontario killt die Förderung für Elektromobilität

Gerade wo es langsam mit dem Absatz von BEVs und Hybriden steil ging, führte der Regierungswechsel zu einem totalen Stop der bis zu 14.000 CAN-Dollar hohen Subventionen.

von Robert Basic am 20. August 2018

Fiese Sache. Die neu gewählte, rechtskonservative Regierung Ontarios (Progressive Conservative Party) streicht nach einem Monat an der Macht das Green Cap Programm (ein umfassendes, generelles Programm zur Reduktion von CO2 und weiteren, nachhaltigen Ansätze / u.a. den geplanten Ausbau der Öffentlichen in Ontario mit einem geplanten Gesamtbudget von 75 Mrd. Dollar => die neue Regierung will das auf 5 Mrd. einschrumpfen) sowie das für uns entscheidende Electric and Hydrogen Vehicle Incentive Programm.

Und das bot unfassbar hohe, staatliche Fördersummen in Abhängigkeit der Akkugröße, der Finanzierungsdauer und der Anzahl der Sitze an. Die Maximalförderung belief sich auf 14.000 Kanadische Dollar (CAD), was ungefähr 11.000 US-Dollar ausmacht. Man kann sich vorstellen, was das für den Käufer eines 50.000 USD teuren Tesla 3 bedeuten würde: Einen Preisnachlass von rund 20%.Hätte das Förderprogramm bis 2019 gehalten, wäre dann auch eventuell der „Billig-Tesla 3“ für 35.000 USD zu haben gewesen (den Tesla zu dem „Billig-Preis“ auf keinen Fall momentan anbieten will, aber der Tesla-Chef versprach, es zu ermöglichen  / übersetzt = irgendwann und es wird dauern), was unterm Strich nur 24.000 USD gewesen wären. Soviel Nachlass gab und gibt es nicht einmal im Grünland Kalifornien.

Klar klagt nun Tesla gegen die Provinz Ontario. Da das Absetzen der Programme quasi ab sofort gilt! Gerade jetzt, wo ausgerechnet die Produktionsprobleme allmählich bereinigt werden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, so isset.

Prinzipiell galt: Reine E-Autos mit einem Akku ab 16kWh und 5 Sitzen durften bereits das Maximum von 14.000 CAD abgreifen. Also auch ein Chevy Bolt (hier der Opel Ampera) oder ein Nissan Leaf. Aber auch Plugin-Hybide wurden gefördert.

Anbei die Traumtabelle im Auszug

Fördertabelle

Fördertabelle

Fördertabelle

Ich hatte gestern bereits die Time-Lag (etwas passiert mit Zeitverzögerung) Chart der Norweger gezeigt:

Norwegen: Zunahme der E-Autos

Die zeigt sehr deutlich den Zusammenhang zwischen Staatssubventionen für E-Mobilität und den Absatz von E-Autos auf. 20 Jahre hat es gedauert. Norwegen marschiert heute fröhlich auf einen 50% Zulassungsanteil alternativer Fahrzeuge zu. Was aber auch generell nicht verwundert, denn die Einkommen der Norweger sind exzellent und damit ist auch die alles entscheidende Preissensitivität für per se trotz Förderung immer noch teurer E-Fahrzeuge niedrig ausgeprägt. Norwegen blieb am Ball und war geduldig, angesichts der natürlichen, langsamen Gruppenreaktionen von Menschen, speziell hier bei extrem teuren Investitionsobjekten (Haus ist Nr. 1, Küche ist Nr. 3, was Normalmenschen angeht).

Und, wie sieht die Reaktions-Chart der Menschen in Canada bzw. Ontario aus? Erinnert stark an Norwegen. Die Maßnahmen in Ontario waren ja nicht die einzigen landesweit. Auch Quebec und andere Provinzen bieten schon lange alle etwas. Im Falle von Ontario ist das o.g. Programm 2010 aufgesetzt worden.

Absatzentwicklung Canada
Quelle: Matthew Klippenstein’s Canadian EV sales

Ohne Mathematiker zu sein: die rote Linie (Marktanteil) zeigt erst deutlicheres Zuckungsvergnügen ab 2017 und geht dann 2018 steil. Bis ganz nach „links“ blickend (2012) sind nur erste, zarte Kundenversuche abzulesen. Die sogenannte Gruppe der „Innovators“ mit Geld zum Ausprobieren und großer Technik-Neugier zeigt sich da. Noch vor der berühmteren Gruppe der „Early Adopter“.

Natürlich gab es auch Skeptiker, die den Zielen der ehemals umweltbewussten Landesregierung nichts abgewinnen konnten noch wollten und ebenso wie hier in Deutschland viele betonen, man würde es nie schaffen, auf 5% zu kommen (/dort ausgerufene Zielmarke an Neuzulassungen). Zumal die Kanadier ebenso wie die Amerikaner auf die Monster-Trucks stehen, bei uns übliche PKWs sind dort eine Minderheit. Zulassungsverhältnis neuer Kisten 2017: 646.960 PKWs zu 1.389.687 Light Trucks.

Mit dem Ausstieg der Provinzregierung aus dem Förderprogramm war es das: und ist bereits in der Chart oben deutlich in Erwartung der Käufer zu sehen, die ja im Wahlkampf bereits mitbekamen, wer was wollte oder nicht. Wer mehr in mehr Daten wühlen möchte, wie die BEVs/Hybride gehen, da lang.

War denn das Programm eigentlich so teuer für die Provinz? Das ist relativ, 2017 wurden 75 Mio. CAD im Haushalt dafür ausgegeben. Was jetzt für Ontario nicht die Welt ist. Denn die Provinz ist als sehr wohlhabend anzusehen (Toronto, …).

Und Ontario war weltweit im ökologischen Handeln führend:

„Um das politische Ziel einer Energiewende zu regenerativen Energien zu fördern, führte Ontario 2009 das Green Energy Act ein, eine direkte Kopie des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit Einspeisevergütungen. Im Jahre 2014 vollzog Ontario den Ausstieg aus der Kohleverstromung, als das letzte Kohlekraftwerk in der Thunder Bay auf Biomasse umgerüstet wurde. 2003 waren noch Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleitung von 7500 Megawatt am Netz, was einem Viertel der gesamten Kapazitäten zur Stromerzeugung in Ontario entsprach. 2003 wurde auch der Prozess zum Ausstieg aus der Kohle eingeleitet. Ontario ist die erste größere Verwaltungseinheit weltweit, welche einen solchen Plan erfolgreich in die Tat umsetzte. Potenziale zur Einsparung von Energie werden nicht in größerem Maße genutzt, der Pro-Kopf-Verbrauch an Energie ist in Ontario deutlich höher als im benachbarten New York State.“

Da nebenbei auch nun die 1.000 CAD für den Ausbau der heimischen Anschlussmöglichkeiten wegfallen, könnte sich die Entwicklung der E-Mobilität in Ontario etwas verzögern. Zumal die rechtskonservative Regierung das Benzin fürs Wahlvolk verbilligen will und den CO2-Ausstoß erhöhen möchte (über die Attraktion von Industrien, die weniger strengen Umweltregelungen unterliegen). Ich bin immer der Meinung, das Wahlvolk verdient genau das, was es gewählt hat. Das muss nicht unbedingt das Smarteste und Beste sein, auch nicht für nachfolgende Generation.