Das größte Datenleck aller Zeiten
Panama Papers – Rohdaten veröffentlicht

Panama Papers nennt sich das größte Datenleck, welches die Menschheit bis dato kennt und das wir der Süddeutschen Zeitung verdanken: Über 2,6 Terabyte Daten wurden geleakt, die der Kanzlei Mossack Fonseca zugeordnet werden, welche allein für die Gründung von über 200.000 Briefkastenfirmen in Panama verantwortlich ist. Wir erklären euch, was es mit den Panama Papers auf sich hat.

Update vom 10. Mai:

Rohdaten veröffentlicht

Vor etwas mehr als einem Monat wurden die Panama Papers veröffentlicht und sorgten für ungewohnte Betriebsamkeit sowohl bei Regierungen, wo hochrangige Politiker ihren Hut nahmen und auch bei vielen Unternehmen und Organisationen wie der FIFA. Kritiker bemängelten, dass der Verbund aus Journalisten die brisanten Daten zwar gut aufbereitet hätten, aber eben nicht die kompletten Daten veröffentlichten.

Damit fühlten sich die Verschwörungstheoretiker direkt bestätigt, die der Meinung waren, dass bestimmte Länder hier komplett und bewusst ausgeklammert würden. Das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) hat nun reagiert und die Rohdaten zu hunderttausenden Briefkastenfirmen veröffentlicht. Das geschah gegen den Willen der betroffenen der Kanzlei Mossack Fonseca, die sich nach wie vor als Opfer eines Datendiebstahls sieht.

Auf der Seite offshoreleaks.icij.org kann nun jedermann selbst auf diese interaktive Datenbank zugreifen, von der das ICIJ sagt, dass es die “wahrscheinlich größte Datenbank über geheime Offshorefirmen und die Hintermänner ist, die je veröffentlicht wurde”. Allerdings sind auch diese Rohdaten nicht wirklich komplett. Es finden sich dort nämlich die Infos über die Unternehmen und Treuhandfonds, nicht jedoch persönliche Daten wie Kontonummern, Ausweispapiere, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.

Dennoch ein richtiger und wichtiger Schritt des Konsortiums, denn jetzt darf man sich berechtigte Hoffnung machen, dass sich in der Folge jetzt zahlreiche Menschen damit beschäftigen und helfen können, diesen Sumpf trockenzulegen. Die Süddeutsche wird weiterhin ausgewählte Personen der Öffentlichkeit mit weiteren Veröffentlichungen bedenken, aber wir dürfen davon ausgehen, dass jetzt noch viel mehr Journalisten, Institutionen und auch Privatpersonen einen gründlichen Blick auf die gewaltigen Datenmengen werfen werden. Dabei weisen die Journalisten darauf hin, dass das Auftauchen des Namens erst mal noch gar nichts heißen muss:

There are legitimate uses for offshore companies and trusts. We do not intend to suggest or imply that any persons, companies or other entities included in the ICIJ Offshore Leaks Database have broken the law or otherwise acted improperly. Many people and entities have the same or similar names.

Die interaktive Datenbank kann nach Ländern sortiert durchsucht werden – nach Personen, Unternehmen, etc. Ich persönlich bin gespannt, welche Dynamik sich aus dieser Veröffentlichung jetzt noch ergibt. Und ihr?

Panama Papers Datenbank Screenshot

Quelle: offshoreleaks.icij.org via Spiegel Online

Original-Artikel vom 04. April:

Panama Papers – alles, was ihr wissen müsst

Wer gestern schon zeitig im Bett war oder einfach keine Nachrichten verfolgt hat, dürfte verpasst haben, dass da noch eine journalistische Bombe hochgegangen ist. Die Story hat so viel Zündstoff, dass hier nicht von einem Bömbchen die Rede ist, sondern von der Mutter aller Bomben, wenn ihr mich fragt. Kurz zusammengefasst geht es um ein Datenleck immensen Ausmaßes, welches umfangreichst von den Journalisten der Süddeutschen aufbereitet wurde. Es geht um Briefkastenfirmen in Panama, um Offshore-Geschäfte, um die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca und darum, wie Regierungspolitiker, die Mafia, Verbände wie die FIFA, Spione, Prominente, Spitzensportler und natürlich Unternehmen in all diese Machenschaften verstrickt sind.

Klingt verwirrend? Ja, ist es vermutlich auch. Über die Panama Papers, so werden die gewaltigen Dokumenten-Mengen betitelt, werdet ihr in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten noch über die Maßen viel in den Medien hören, daher wollen wir euch hier schon mal ein bisschen auf Kurs bringen und zumindest grob skizzieren, was für ein hochspannendes Meisterstück den über 400 beteiligten Journalisten aus aller Welt da gelungen ist.

Panama Papers in Zahlen

So, wie wir auch viele unserer anderen Artikel aufbereiten, möchte ich auch in diesen Beitrag starten: Bevor es ans Eingemachte geht, schauen wir erst auf die “Specs”. Das gestaltet sich logischerweise in diesem Fall ein wenig anders, als wenn wir ein Smartphone oder ähnliches besprechen, dennoch lohnt sich auch hier ein Blick auf die nackten Zahlen, die den Rahmen der Panama Papers-Story bilden.

Panama Papers – die Datenmengen

Die Daten stammen aus einer einzigen Quelle! Ein Mensch hat für sich entschieden, dass all diese Informationen an die Öffentlichkeit gehören und hat per verschlüsseltem Chat mit der Süddeutschen Zeitung diesen Coup überhaupt erst auf den Weg gebracht. Über welche Datenmengen reden wir hier? Über 2,6 Terabyte (!) Daten oder umgerechnet 11,5 Millionen Dokumente! Zum Vergleich: Die Datenmengen bei den nun wahrlich nicht winzigen Swiss-Leaks umfassten gerade einmal 3,3 GB, die Snowden-Daten befanden sich auch lediglich auf einem USB-Stick. Folgendes Bild verdeutlicht das Ausmaß dieses Leaks:

Datenmengen von Leaks im Vergleich
Bild von der Süddeutschen Zeitung

Die veröffentlichten 11,5 Millionen Daten stammen aus der Zeitspanne zwischen den frühen Siebzigern und dem Jahr 2016 und teilen sich wie folgt auf:

  • 4.804.618 E-Mails
  • 3.047.306 Datenbankformate
  • 2.154.264 PDF-Dateien
  • 1.117.026 Bilder
  • 320.166 Text-Dokumente
  • 2.242 sonstige Dokumente

Die Daten stammen fast ausschließlich von der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Wir sprechen hier von einer Kanzlei, welche allein nachweislich über 214.000 Briefkastenfirmen gegründet hat, die in nahezu jedes Land dieser Erde führen.

Panama Papers – sortiert nach Ländern

Der Journalist Brian Kilmartin von der Irish Times und Teil des ICIJ hat eine interaktive Karte veröffentlicht, in der die Unternehmen, die in der Mossack-Fonseca-Datenbank auftauchen, Nationen zugeordnet werden. Dort ist schön zu sehen, dass sich auch viele Companies finden, deren Spur in die USA und nach Kanada führen. In Deutschland werden 173 Unternehmen, 53 Klienten, 27 Begünstigte und 253 Shareholder genannt. In den USA sind es über 3000 Unternehmen, in Kanada auch immerhin über 340 Unternehmen, also doppelt so viele wie in Deutschland. Deutlich mehr Namen führen uns in die Schweiz, hier sind es sage und schreibe über 38.000 Unternehmen! Hier könnt ihr selbst einen Blick auf die Karte werfen:

Panama Papers – das Recherche-Team

Die SZ hat schon bei anderen Geschichten wie den Offshore-Leaks oder den oben bereits erwähnten Swiss-Leaks eng mit dem International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ) zusammengearbeitet und so entschied man sich, auch in diesem Fall wieder mit dem Konsortium zu kooperieren. Herausgekommen ist die größte internationale Zusammenarbeit, die es in dieser Form jemals gegeben hat. Um die 400 Journalisten aus über 100 Medienorganisationen und über 80 Ländern haben an den Panama Papers mitgearbeitet.

Darunter befinden sich aus Deutschland neben der SZ auch noch WDR und NDR, aus England sind der Guardian und die BBC mit an Bord usw. Zusammen hat dieses riesige Journalisten-Team über ein Jahr lang recherchiert, Daten indexiert und ausgewertet.

Panama Papers – Worum es überhaupt geht

Ihr wisst jetzt schon mal, dass 400 Journalisten aus 80 verschiedenen Nationen an einem riesigen Berg Daten gesessen haben. Aber worum geht es eigentlich überhaupt? Es geht um ein Thema, welches uns allen eigentlich längst bekannt ist: Menschen mit viel Geld finden Wege, dieses Geld mithilfe von Steueroasen zu verschleiern und somit Unsummen an Steuern zu sparen dank eigens dafür gegründeten Briefkastenfirmen.

Dazu muss man wissen, dass an der Gründung einer solchen Briefkastenfirma grundsätzlich erst einmal nichts illegales ist. Es mag moralisch nicht ganz astrein sein, sein Vermögen aus welchem Grund auch immer zu verschleiern, verboten ist es jedoch nicht. Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, gegründet vom Deutschen Jürgen Mossack, eröffnet solche Briefkastenfirmen oder auch Offshore-Firmen bereits seit über 40 Jahren. So eine Gründung kostet oft nur läppische 1000 Dollar, es werden Scheindirektoren eingesetzt und schon fließt das Geld über nicht mehr nachvollziehbare Kontakte. Wie das bei Mossack Fonseca, kurz Mossfon lief, seht ihr hier:

Panama Papers 05

Diesen Service haben Tausende Kunden in Anspruch genommen. Unter den unzähligen Menschen, die durch die einjährige Recherche ans Licht gespült wurden, gehören Spitzenpolitiker wie Bashar al-Assad (Syrien), Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak oder der ehemalige Leader Libyens Muammar Gaddafi. Insgesamt 12 aktuelle oder ehemallige Staatsoberhäupter sind in die Geschäfte verwickelt, der prominenteste Name dabei ist Wladimir Putin aus Russland. Alles in allem werden 140 Politiker und ranghohe Staatsbeamte erwähnt in den Panama Papers.

Sein Name taucht zwar nicht explizit in den Millionen Dokumenten auf, allerdings die Namen von Menschen, die unmissverständlich seinem allerengsten Freundeskreis zugerechnet werden müssen. Dazu müsst ihr wissen, dass das gängige Praxis ist, dass man sich für diese Offshore-Geschäfte einen engen Vertrauten heranzieht und oftmals nicht mal ihn selbst, sondern dessen Frau, Kind, etc. Der britische Guardian hat das in seinem Video glänzend und einleuchtend geschildert:

Wir sprechen hier aber nicht etwa nur über Verstrickungen von Personen aus dem politischen Umfeld. Die Spuren führen zu zahlreichen Schwerkriminellen – die Rede ist von Drogenkartellen, der Mafia in Italien und der Yakuza in Japan. Vertreten sind aber auch zahlreiche Promis, so wurde namentlich beispielsweise der Ausnahme-Fußballer Lionel Messi genannt, außerdem wird der FIFA-Skandal mit den Enthüllungen in Verbindung gebracht. Auch zahlreiche Unternehmen sind betroffen, darunter auch viele deutsche Banken. Georg Mascolo, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur und jetziger Leiter des Rechercheverbund “NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung” sagte als Gast bei Anne Will am Sonntagabend, dass ihm selbst bei längerem Nachdenken neben der Sparkasse keine deutsche Bank einfalle, die nicht in diesen Enthüllungs-Skandal verstrickt sei.

Sie finden in den vergangenen Jahren keinen Skandal, zu dem es keine Verbindung in den Panama Papers gibt Georg Mascolo, Leiter Rechercheverbund NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung

Nochmal: Grundsätzlich befindet man sich rechtlich erst mal auf sicherem Terrain beim Gründen einer Briefkastenfirma. Wenn aber Spitzenpolitiker, Unternehmen wie die FIFA oder aber erst recht große Verbrecher-Organisationen solche Offshore-Geschäfte einstielen, darf man zumindest in Frage stellen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht.

Wie geht es jetzt weiter?

Das, was am Sonntagabend oder jetzt am Montagmorgen in den Medien zu sehen und zu lesen ist, ist erst einmal nur die Spitze des Eisbergs. Ein Jahr lang wurde recherchiert und dabei machten sich die Journalisten bzw. die Medien-Outlets selbstverständlich auch Gedanken darüber, in welcher Form und Abfolge die Erkenntnisse veröffentlicht werden. Das bedeutet, dass – ähnlich wie bei den Enthüllungen des Edward Snowden – die Recherche-Ergebnisse in Etappen veröffentlicht werden. So, wie ich die Süddeutsche verstehe, wird man Tag für Tag über den Zeitraum von zwei Wochen berichten und Story für Story veröffentlichen, die oft für sich allein betrachtet schon Futter für viele Diskussionen böten.

Für alle Verschwörungs-Theoretiker bedeutet das: Schießt euch nicht drauf ein, wenn die Schlagzeilen zum Thema Panama Papers heute oft von Putin bestimmt werden. Bei Journalisten aus 80 Ländern dürfen wir davon ausgehen, dass es hier ganz sicher nicht um simples Russland-Bashing geht. Putin ist zweifellos der bekannteste Politiker, der mit Panama Papers in Verbindung gebracht wird und daher natürlich eine Schlagzeile wert, aber wir werden auch noch massig andere Namen zu lesen bekommen.

Apropos Edward Snowden: Nachweislich ist witzigerweise er derjenige, der die Leaks geleakt hat, wenn man so will: 12 Minuten vor der eigentlichen Deadline um 19.48 Uhr haute er diesen Tweet raus:

Eine Sternstunde des Journalismus

Mich fasziniert die ganze Geschichte bereits seit gestern Abend. Das liegt nicht etwa in erster Linie daran, dass ich sensationsgeil bin oder mich mal wieder über ein anderes Thema freue, nachdem Flüchtlingskrise und der Rechtsruck in Deutschland zuletzt die Medien bestimmten. Eigentlich sind es zwei Dinge, die mich in gleichem Maße fesseln:

Zum einen ist es die Nachricht selbst – die nächsten Wochen werden es zeigen, wer einfach nur einen legalen Weg gesucht hat, um seine Einkünfte zu verschleiern und wer tatsächlich wissentlich in ganz großem Umfang betrogen hat. Die bereits erwähnten Politiker, die FIFA, uralte Geschichten wie der Siemens-Skandal – es gibt so viele Verbindungen zur Panama Papers-Story, dass sich keiner dieser Täter mehr sicher fühlen darf. In den nächsten Wochen und Monaten können wir die Resultate mitverfolgen und ihr dürft getrost davon ausgehen, dass a) sich nahezu jede Zeitung, jeder große Sender und jeder Verlag da dranhängen wird und jeder noch so winzige Stein nochmal und nochmal umgedreht wird und b) Köpfe rollen werden.

Bei diesen Köpfen wird es sich hoffentlich um ein “Rollen” im übertragenen Sinne handeln und zwar nur bei denjenigen, die nachweislich verbrecherisch gehandelt haben. Das erwähne ich deswegen, weil in meinen Augen auch eine reelle Gefahr besteht einmal für den anonymen Whistleblower, der diese Infos an die SZ rausgehauen hat und natürlich auch für all die Journalisten, die mit diesen Enthüllungen an die Öffentlichkeit gehen. Wie oben erwähnt sind immerhin auch zahlreiche schwerst kriminelle Menschen und Organisationen unmittelbar betroffen und es steht zu befürchten, dass die davon nicht sonderlich angetan sein werden.

Panama Papers - Screenshot

 

Die zweite Sache, die mich diabolisch freut an den Panama Papers: Das Ausmaß dieser Zusammenarbeit der beteiligten Journalisten! Eigentlich ist es sogar zum Schreien komisch: Immer wieder – auch hier auf dem Blog – beschäftigen wir uns mit Big Data, wer welche Daten abgreift und aus welchem Grund er das macht. Meistens ist es doch so, dass großen Unternehmen unterstellt wird, Schindluder mit unseren Daten zu treiben, dass unsere kostbaren Informationen dazu genutzt werden, dass sich andere dumm und dämlich verdienen können – und plötzlich läuft die Geschichte komplett umgekehrt: Ein unfassbar großer Datenberg taucht auf und es ist nicht der kleine Nutzer, der sich um seine Daten sorgen muss. Stattdessen sind es die großen Politiker, die Firmen-Chefs, die Schwer-Reichen und -Kriminellen.

Und in Zeiten, in denen kein technisches Gerät mehr veröffentlicht wird, ohne vorher zu leaken, schaffen es 400 Journalisten aus über 100 verschiedenen Medien, ein ganzes Jahr lang intensiv zu recherchieren und den denkbar größten Scoop überhaupt vorzubereiten, ohne dass es auch nur irgendein Außenstehender mitbekommt! Das freut mich so unfassbar, zeigt es doch eindrucksvoll, was moderner Journalismus zu leisten vermag. Die publizierende Zunft muss seit Jahren viel Prügel einstecken, teilweise natürlich auch zu recht. Aber an Geschichten wie dieser kann man ablesen, wie wichtig investigativer Journalismus ist und was damit auf den Weg gebracht werden kann.

Unglaublich akribisch wurde mehr als 12 Monate lang gewerkelt – angefangen von der ersten Sichtung der Daten über das Aufsetzen einer komplett neuen, auch nach Informationen in Bildern durchsuchbaren Datenbank bis zur finalen Auswertung der verfügbaren Fakten. In diesem Video wird euch die Chronologie der Ereignisse nochmal schön verdeutlicht:

 

…und die Moral von der Geschichte:

Wir wissen noch nicht, wer der vielen betroffenen Menschen, Unternehmen und Institutionen wirklich Dreck am Stecken hat – das werden die nächsten Wochen erst beweisen müssen. Was wir aber wissen: Niemand mehr darf sich sicher sein, dass er mit so einer linken Nummer durchkommt. Richtig so, dass jemand wie Uli Hoeneß für seine Verfehlungen in den Bau gegangen ist. Noch richtiger wäre es aber, wenn auch die Firmen und Banken dran glauben müssten, die solche Geschäfte mit ihm eingestielt haben.

Bereits vor zwei Jahren geriet die Kanzlei Mossack Fonseca in den Blickpunkt der Ermittlungen, als nämlich ein anderer Whistleblower einen deutlich kleineren Datensatz an deutsche Behörden verhökerte und damit bewirkte, dass Razzien (u.a. bei der Commerzbank) durchgeführt werden konnten und Commerzbank, die HSH Nordbank sowie die Hypovereinsbank bereit erklärten, Strafzahlungen in Millionenhöhe zu leisten aufgrund der Zusammenarbeit mit Mossfon.

Diese Daten konnten nun mit den neuen Informationen abgeglichen werden, so dass dieses Mal eben nicht der kleine Steuerhinterzieher (okay, das “klein” bei Hoeneß in Anführungszeichen) dran glauben muss, sondern dass es ein wahres Erdbeben geben könnte, welches auch die verantwortlichen Banken nicht ausschließt. Und nicht vergessen: Trotz der immensen Datenmenge von 2,6 Terabyte reden wir hier von einer einzigen Quelle, die Daten einer einzigen Kanzlei aus einer einzigen Steueroase preisgegeben hat. Soll heißen: Da draußen sind noch viel mehr Steueroasen, unzählige Unternehmen, die mit dieser Art des Betrugs ihr Geld verdienen und unendlich viele Personen, Firmen, Institutionen, die diese Dienste in Anspruch nehmen – und keiner kann sich mehr sicher sein, dass er nicht auffliegt.

Panama Pampers
Während sich alle anderen Medien noch am Satz “Oh wie schön ist Panama” abarbeiten, hat Oli Hilbring den Janosch-Faden bereits logisch weiter gesponnen.

So können wir als (vorläufiges) Fazit festhalten: Es geht hier gar nicht primär um Mossack Fonseca oder um Panama – es geht darum, dass ab heute jeder weiß, dass er auch in den Fokus der Ermittlungen geraten kann und er tunlichst dafür sorgen sollte, besser nicht auf einer dieser Namenslisten zu landen.

Dank Internet können wir nicht nur unsagbar viel Zeit auf Facebook etc. verschwenden, sondern auch solche Errungenschaften feiern, wie die rasend schnelle Verbreitung von Informationen, die Plattformen wie Wikileaks oder Personen wie Edward Snowden überhaupt erst zu einer so gefährlichen Waffe machen. Egal, ob es um die hier besprochene Größenordnung geht, um Unwahrheiten, die in der Politik verbreitet werden oder auch mal nur um eine viele Jahre alte Doktorarbeit, die einen Politiker stürzen lässt: Freunde, diese Dinger fliegen auf und den Protagonisten um die Ohren – ist das nicht großartig?

Gestern ist eine absolute Bombe geplatzt, die in den nächsten Wochen noch für sehr viel Gesprächsstoff sorgen wird – und ich feiere diese Meisterleistung von einem journalistischen Husarenstück schwer ab. Wie denkt ihr über die ganze Nummer? Falls ihr euch noch Gedanken dazu machen wollt, wie ihr dazu steht – hier ist noch ein bisschen Futter in Form von Links zum Thema. Viel Spaß beim Lesen!

Süddeutsche Zeitung – Panama Papers Übersicht

Süddeutsche Zeitung – Das sind die Panama Papers

Süddeutsche Zeitung – Die Firma

Süddeutsche Zeitung – Putins beste Freunde

Süddeutsche Zeitung – FIFA – Doppeltes Spiel

(In der Übersicht unter dem ersten Link der SZ findet ihr weitere Stories)

ICIJ – The Victims of Offshore (Video)

ICIJ – Die politisch exponierten Personen (interaktive Grafik)

Tagesschau – erste Reaktionen

Anne Will (Mediathek) – Wer trocknet die Steueroasen aus?

The Guardian – Panama Papers – Übersicht

NDR.de – ZAPP – Die Geschichte der Panama Papers

BBC – Panama Papers – Übersicht