PETA: Ist ihr “Meat is murder”-Spiel wichtiger als Pokémon Go?

This beautiful creature must die - so nennt sich ein Spiel der PETA, der größten Tierrechtsorganisation der Welt. The Smiths liefern mit "Meat is murder" den Soundtrack und Morrissey hält das Spiel für wichtiger als Pokémon Go.

Es gibt so Dinge, auf die muss ich erst mal klar kommen, beispielsweise, dass die Tierrechtsorganisation PETA auch Computerspiele produziert bzw. in Kooperationen produzieren lässt. Bevor ich mehr dazu schreibe, ein kleiner Disclaimer: Ich mag die Organisation nicht besonders. Das liegt sicher nicht daran, dass ich nicht tierlieb wäre oder ich mir nicht für mich wünschte, selbst weniger Fleisch zu essen. Eher liegt es daran, dass ich ein Problem mit militanten Umerziehern habe, die mir ihre Message ein bisschen zu offensiv verkaufen. Genau so, wie ich keine merkwürdigen Fotos von Babies mit Krebsgeschwüren in meinem Facebook News Feed haben möchte, möchte ich auch keine geschlachteten Tiere dort sehen. Das könnt ihr dumm, inkonsequent oder weltfremd finden, aber ich bilde mir ein, mir meine Meinung auch ohne offensive Fotos und Videos bei Facebook bilden zu können.

Nun aber zurück zur PETA und ihren Computer-Games. Denke ich zurück an die Achtziger, dann muss ich feststellen, dass Computerspiele schon damals ein wichtiger Teil meines Lebens waren und ich die 8-Bit-Spielereien in meinem Kopf für immer mit den Achtziger Jahren assoziieren werde. Gleiches gilt aber auch für unendlich viele Sänger(innen) und Bands. Vieles davon höre ich auch heute noch sehr gern (hier meine Spotify-Playlist zu den Achtzigern), dennoch bleiben viele der Künstler für mich auch auf immer mit den Achtzigern verbunden. Zu diesen Bands gehören unbestritten auch “The Smiths” mit Frontmann Morrissey.

Meat is murder

Über die Jahre kam mir Morrissey irgendwie immer sonderlicher vor und mit vielen Aussagen tue ich mich auch tatsächlich schwer, die Musik – auch seine Solo-Sachen – liebe ich aber nach wie vor. Ich erinnere mich dunkel an eine Aussage von Robert Smith – Sänger bei The Cure – der irgendwann im Interview spekulierte, dass Morrissey vermutlich weniger mies drauf wäre, wenn er zwischendurch mal ein ordentliches Steak essen würde. Ehrlich gesagt muss ich – im Gegensatz zu Vegetarier Morrissey und der PETA – darüber auch heute noch herzlich lachen :D

Wieso erzähle ich euch von der PETA, von den Achtzigern, von Computerspielen und tollen 80s-Kapellen? Weil das jetzt alles zusammen kommt. “This beautiful creature must die” nennt sich ein neues Spiel, welches laut Rolling Stone in Kooperation zwischen PETA und The Smiths entstanden ist. Das Album – bzw. der Titeltrack – “Meat is murder” hat Pate gestanden für dieses Spielchen im 8-Bit-Retro-Spiel und ihr hört den Song als Soundtrack des Games in einer zugegebenermaßen recht witzigen Bitpop/Chiptune-Version.

Das Spiel selbst? Irgendwie schräg, aber andererseits auch genau das, was ich mir von der PETA erwartet habe. Auf dem Screen, der in vier Segmente unterteilt ist, bewegen sich Tiere auf eine Kreissäge zu. Was für Tiere? Kühe, Truthähne, Hühner und Schweine – all das, was eben zum Ärger der PETA viel zu häufig auf unseren Tellern landet. Die Viecher bewegen sich unterschiedlich schnell auf die Kreissägen zu und ihr müsst möglichst schnell auf die Tiere tippen, um zu verhindern, dass es zu einem Blutbad kommt. Sobald ein Lebewesen in die Kreissäge gerät, ist das Spiel beendet mit der Zusatzinformation, dass das Tier ohne jeden Grund gestorben ist.

Death for no reason

Übrigens erscheinen zwischendurch auch viel größere Tiere, auf die ihr dann gleich mehrfach drauftippen/-klicken müsst, damit sie gerettet werden. Mit ein bisschen Übung kann man mit Leichtigkeit dreistellige Scores erzielen – also, wenn einen das Spiel so lange fesselt.

Ein paar Fragen stellen sich mir: Was sind das für Regenbogen-Strahlen, die diese Tiere auf wundersame Weise retten, wohin verschwinden sie dann alle und wieso tauchen da überall Bomben auf (auf die man nicht tippen kann, weil sie sonst explodieren und ebenfalls das Spiel beenden)?

Na egal – gerade bei solchen Retro-Games muss man vermutlich nicht so sehr auf die Logik schauen: In den Achtzigern hat auch niemand gefragt, wieso dieser kleine, gelbe Typ, der irgendwie nur aus Kopf besteht, von morgens bis abends durch Labyrinthe läuft und hauptsächlich Punkte frisst. Wollt ihr mal reinschnuppern in das Meat-is-murder-Spiel? Nur zu: Es lässt sich auf der PETA-Seite ebenso zocken wie eingebunden in eine Seite – viel Spaß!

Zum Meat-is-Murder-Spiel

Wichtiger als Pokémon Go?

Wenn es nach Morrissey geht, hat diese kleine Retro-Spielerei eine deutlich höhere Relevanz als das derzeit schwer gehypte Pokémon Go:

This game is the biggest social crusade of all, as we safeguard the weak and helpless from violent human aggression. You don’t get that from Pokémon Go. Morrissey

Okay, er redet also von dem “größten sozialen Kreuzzug von allen” und die PETA erhofft sich, dass nach dem Zocken alle Spieler zu Veganern mutieren und die Welt zu einem besseren Ort machen. Ist ein bisschen hoch gegriffen, wenn ihr mich fragt, aber für zwischendurch ist es dennoch zumindest für Retro-Freunde ein netter Zeitvertreib, dem man auch einen gewissen Suchtfaktor nicht absprechen kann.

Übrigens: Da wir gerade schon von Pokémon Go geredet haben, muss ich euch unbedingt drauf hinweisen, dass es auch eine (allerdings schon ältere) Pokémon-Persiflage auf der PETA-Seite gibt, die ihr ebenfalls dort spielen könnt. Das Spiel Pokémon Black & Blue dreht den Spieß um und unter dem Motto “Free them all” spielt ihr Pikachu, tretet gegen Menschen an und befreit ein Pokémon nach dem nächsten – ebenfalls in 8-Bit-Optik.

Zum Pokémon Black and Blue-Spiel

Von dieser Art gibt es eine Handvoll Spiele auf der Seite, die allesamt ein wenig blutig geraten sind und eben in keiner Sekunde vergessen lassen, dass PETA euch hier nicht in erster Linie unterhalten möchte, sondern dass sie euch missionieren wollen. Wenn ihr sowieso PETA-Freunde seid oder ihr euch – wie ich – durch das Missionieren-Wollen nicht beeindrucken oder abschrecken lasst, könnt ihr ja mal vorbeischauen. Erwartet keine Spiele-Highlights oder anspruchsvolle Games, der ein oder andere Retro-Fan findet vielleicht sogar wirklich Spaß daran.

Ich erwähnte eingangs, dass ich kein PETA-Fan bin und wohl auch keiner mehr werde. Den Ansatz mit diesen Spielen finde ich aber dennoch absolut nachvollziehbar. Die PETA will nun mal so viele Menschen wie möglich erreichen und so ist man nicht nur in allen sozialen Netzwerken präsent, sondern versucht hier auch ein Klientel für sich zu begeistern, auf die man auf eine andere Art vielleicht nur weniger Zugriff hätte. Ist das Meat-is-murder-Spiel deswegen wichtiger als Pokémon Go? Nein, natürlich nicht – da können sich PETA, The Smiths und Sänger Morrissey gemeinsam auf den Kopf stellen. Ich glaube nicht, dass ein leidenschaftlicher Fleischesser aufgrund dieses Spiels zu einem Kämpfer gegen die Massentierhaltung umpolen lässt. Aber interessant genug, es euch hier vorzustellen, ist die ganze Geschichte allemal.

PS: Was sagt eigentlich Nintendo zu den Spiele-Parodien? Zumindest mit dem Pokémon-Spiel dürfte man nicht so wirklich glücklich sein.

Quelle: Rolling Stone via TechCrunch