Kommentar
PewDiePie macht’s wie Trump: Zurückrudern und Medien beschimpfen

Nach Antisemitismus- und Nazi-Vorwürfen meldet sich PewDiePie mit einem Video zu Wort und macht es wie Trump: Er rudert zurück und schimpft auf die Medien, die mit YouTube-Persönlichkeiten wie ihm generell ihre Probleme haben - seiner Meinung nach. 
von Carsten Drees am 17. Februar 2017

Es gibt ein paar Konstanten bei Trump, das müssen wir dem Präsidenten der USA zugestehen, beispielsweise dass er denkbar laut lospoltert, um Aufmerksamkeit zu erregen. Auch eine Konstante: Kein Standpunkt ist so in Stein gemeißelt, dass man nicht am nächsten Tag das Gegenteil behaupten könnte. Heute ist Putin der beste Kumpel der USA, morgen soll er die Krim zurückgeben. Israel bekommt die vollste Unterstützung der US-Regierung, dann wieder doch nicht. Egal ob Iran, China oder welches Land auch immer: Niemand kann wirklich sicher sein vor der Sprunghaftigkeit dieses Mannes.

Eine weitere Konstante: Egal, um welches Problem es geht – die Schuld tragen immer die Medien. Mal verstehen die Medien einfach nicht, was die Regierung unter Präsident Trump vorhat, mal unterschlagen sie böswillig Fakten und lassen ihn absichtlich alt aussehen.

Das erzähle ich euch, weil ich das Gefühl habe, dass Felix Arvid Ulf Kjellberg, besser bekannt als PewDiePie, sich bei Donald Trump Einiges abgeschaut haben könnte. Erst mal muss man ordentlich auf den Pudding hauen: „Ich mach meinen YouTube-Kanal dicht“ – danach wird dann – merklich leiser – zurückgerudert. Klar, dass dem guten Mann, der mit seinen Clips ordentlich Asche verdient, daran gelegen ist, für viel Aufmerksamkeit zu sorgen.

Ist ja auch sein gutes Recht – solange die Inhalte passen und er seine Supporter nicht für blöde verkauft, wie er es bei der „Ich lösche meinen Account“-Nummer getan hat. Zum Trommeln in eigener Sache und vermutlich auch zu dem Humor, mit dem er sich viele Fans erobert hat (kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, weil ich einfach zu wenige PewDiePie-Videos kenne“, gehört eben auch, dass er schon mal Grenzen des Geschmacks auslotet und gegebenenfalls auch überschreitet.

Genau das hat er mit seinen diversen Nazi-Anspielungen und antisemitischen Anspielungen getan. Zumindest erklärt er uns das nun so in seinem neuesten Video, in dem er zum Medien-Trubel der letzten Tage Stellung bezieht, der durch ebendiese Vorwürfe und die anschließenden Rückzieher von Disney und YouTube ausgelöst wurde.

Lest dazu auch: Judenwitze und Nazisymbole: Disney und YouTube ziehen PewDiePie den Stecker

Er ist natürlich weder Nazi noch Antisemit, erklärt er in seinem Video und ja – ich nehme ihm das auch tatsächlich hundertprozentig ab. Ändert aber nichts daran, dass ein Bild von zwei Indern, die ein „Death to all Jews“-Schild hochhalten, ein antisemitisches Statement ist. Dabei ist es dann egal, ob es jetzt von ihm als witzige Aussage verkauft wird, den Schuh muss er sich also anziehen.

Er sieht aber ein, dass er mit einigen Bemerkungen wohl wirklich übers Ziel hinausgeschossen ist und rudert zurück bzw. entschuldigt sich – selbstverständlich wolle er mit seinen Gags niemandem zu nahe treten. Er gesteht, dass er sich im Ton vergriffen hat und ist sich dessen bewusst, dass er Menschen dadurch beleidigt hat. Hier können wir zumindest einen wesentlichen Unterschied zu Trump feststellen: PewDiePie sieht seinen Fehler ein und entschuldigt sich – von Trump werden wir das wohl nicht erleben.

Dieses Statement war längst überfällig und dennoch ist es natürlich absolut richtig, dass er diese klaren Worte öffentlich geäußert hat. Dummerweise endet das Video aber nicht mit dieser Entschuldigung. Damit kommen wir jetzt wieder zu den Trump-Parallelen: Nicht nur, dass PewDiePie in bester Populisten-Manier laut trommelt und um Aufmerksamkeit buhlt – nein, leider hat er sich auch auf das gleiche Feindbild eingeschossen wie Trump: Die bösen Medien!

Und wer ist immer Schuld? Klar – die Medien!

Schuld an diesem ganzen Theater wären nämlich die Medien, genauer gesagt das Wall Street Journal, welches die Story um die Nazi-Sprüche und antisemitischen Anspielungen erst auf den Weg gebracht habe. Aussagen von ihm wären aus dem Zusammenhang gerissen worden und erscheinen nun in einem anderen Kontext. Außerdem hätte man beim WSJ nicht verstanden, dass es sich um Witze des Künstlers handle und nicht etwa eine politische Position, die er einnimmt.

Konkret wirft er dem Wall Street Journal vor, dass durch diese Berichterstattung sowohl Disney als auch YouTube unter Zugzwang gesetzt wurden und entsprechend reagieren mussten, indem sie sich gegen eine weitere Zusammenarbeit entschieden.

Das ist der Punkt, an dem ich den guten Mann echt nicht mehr verstehen kann: Begründet er sein eigenes Dilemma wirklich damit, dass er zwar Scheiße gebaut habe, aber die Medien Schuld an den Konsequenzen sei, weil sie das frecherweise auch noch berichtet haben? Sorry, mehr Trump geht wirklich nicht, Herr Kjellberg!

Klar – wenn ein Screenshot mit einem erhobenen rechten Arm als Beleg für seine Nazi-Gesinnung herhalten soll, dann ist das in der Tat skurril, aber davon abgesehen hat er diese geschmacklosen Witze nun mal tatsächlich gebracht und ja wie erwähnt auch nicht bestritten. Dennoch glaubt PewDiePie daran, dass der wahre Schuldige in diesem Fall eben die Medien-Welt ist.

Er sieht es so, dass die „old school“-Medien einfach nicht damit zurechtkommen, dass Menschen via YouTube zu Stars werden. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass die Old School-Medien Internet-Stars nicht mögen und sogar Angst vor ihnen hätten. Er versucht das mit dem Verweis auf einen älteren Bericht über ihn zu belegen, aber sorry – auch das ist wieder Argumentieren auf Trump-Niveau.

Meiner Meinung nach hätte PewDiePie in diesem Fall einfach ein bisschen ruhiger und einsichtiger auftreten müssen, sich in seinem Clip mehr im Büßergewand präsentieren sollen, statt einen anderen Bösen zu suchen. So bekommt die ganze Geschichte erneut einen faden Beigeschmack, denn auf mich als Außenstehenden wirkt sein Verhalten immer mehr so, als müsse er zu immer drastischeren Mitteln greifen, um seine Fanbase zu halten bzw. auszubauen (oder denkt zumindest, das tun zu müssen).

Das wirft unterm Strich generell auf YouTuber kein gutes Licht, wenn selbst das prominenteste Aushängeschild zunehmend verzweifelter wirkt und Abonnenten-Schwund befürchtet. Aber vielleicht sehe auch ich das nur so und ihr habt eine ganz andere Meinung zu PewDiePie und der Art, wie er sich in letzter Zeit präsentiert. Lasst also gerne eure Meinungen zu PewDiePie und seinen jüngsten Aktionen da in unseren Comments – aber vorher schaut euch natürlich erst noch sein Response-Video an, wenn ihr es noch nicht gesehen habt: