“Pink Line of Death”: Droht Samsung ein Display-Debakel mit dem Galaxy S7 Edge?

In Samsungs Support-Foren mehren sich deutliche Hinweise auf einen Display-Fehler des Galaxy S7 Edge. Die sogenannte “Pink Line of Death” soll den baldigen Ausfall des AMOLED-Panels ankündigen. Eine Ursache konnte noch nicht gefunden werden, ein offizielles Statement der Südkoreaner liegt nicht vor. Betroffene hoffen auf eine kulante Garantieabwicklung, da Samsung nach dem Note7-Desaster und kurz vor der Vorstellung des Galaxy S8 keine schlechte Publicity gebrauchen kann.

Das Samsung Galaxy S7 edge ist ein großartiges Smartphone, in den zurückliegenden Jahren haben wir nie eine bessere Testnote für ein Device vergeben. Ein hat ein herausragendes und kompaktes Design, ist wasserdicht, besitzt eine sehr gute Akku-Laufzeit und eine hervorragende Kamera und verfügt über eines der besten Smartphone-Displays überhaupt. Doch genau mit diesem Display scheint es nun vermehrt Probleme zu geben: Immer mehr Benutzer berichten von der “Pink Line of Death”.

Es handelt sich um eine dünne, aber dennoch deutlich sichtbare pinke Linie, die in der rechten Hälfte des Displays vertikal von oben nach unten verläuft. Erste Berichte über diesen Effekt tauchten bereits im Sommer des vergangenen Jahres auf, mittlerweile umfasst der größte darüber handelnde Thread in den Support-Foren des Unternehmens über 100 Seiten. Auch in den Support-Foren verschiedener Mobilfunkbetreiber und auf den Sozialen Plattformen gibt es unzählige Hinweise auf den Effekt.

Die Bezeichnung “pinke Linie des Todes” deutet bereits an, dass der schmale Streifen nicht nur ein ärgerliches Problem ist. Vielmehr ist der schmale Streifen in unzähligen Fällen ein Vorbote für den Tod des Displays des Galaxy S7 edge. Das AMOLED-Panel versagt mehr oder weniger kurze Zeit danach vollständig seinen Dienst, das Smartphone ist unbrauchbar.

Erste gemeinsame Fehleranalysen der fachkundigeren Forennutzer lassen den Schluss zu, dass es sich nicht nur um eine einzelne betroffene Charge handelt. Vielmehr wird der Fehler von Besitzern gemeldet, die ihr Galaxy S7 Edge zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten in völlig verschiedenen Regionen erworben haben.

Eine dauerhafte Abhilfe konnte bisher nicht ermittelt werden. Bei einigen Benutzern half die mehrmalige Kalibrierung des Bildschirms, die sich beim Smartphone der Südkoreaner über die Tastenkombination *#0*# aufrufen lässt. Auch ein fester Druck auf das Samsung-Logo am oberen Bildschirmrand soll die “Pink Line of Death” kurzzeitig verschwinden lassen, wobei Tipps dieser Art selbstverständlich mit Vorsicht zu genießen sind.

Die betroffenen Benutzer melden auf Nachfrage, dass es keinen nachvollziehbaren mechanischen Grund für die pinke Linie gebe. Die Smartphones sollen nicht hingefallen oder anderweitig beschädigt worden sein, auch ein Zusammenhang mit einem Wasserschaden – der trotz dem zugesicherten IP68-Standard auftauchen könnte – wird nach den bisher vergangenen Monaten ausgeschlossen.

Angesichts der enorm hohen Verkaufszahlen und der mittlerweile längeren Verfügbarkeit des Galaxy S7 edge kann man die Dimension des Fehlers als externer Beobachter nur schwer abschätzen. Es könnte sich um einen bemerkenswert häufig auftretenden Fehler handeln, der aber in Relation zu den absoluten Verkaufszahlen für das Unternehmen keinerlei Bedeutung hat. Andererseits könnten die gehäuft auftretenden Hinweise auf den Fehler aber auch ein Indiz dafür sein, dass eine bestimmte, mit dem Display zusammenhängende Komponente einen konstruktions- oder fertigungsbedingten Fehler hat.

Das Galaxy S7 edge besitzt ein Aluminium-Gehäuse und ist lediglich 7,7 Millimeter dünn. Das 5,5 Zoll große Display des Smartphones besitzt eine Auflösung von 1440 x 2560 Pixeln (534 ppi) und ist an beiden Seiten leicht abgerundet. Auch die Rückseite ist leicht abgerundet, dadurch liegt das Smartphone sehr “schmeichelnd” in der Hand. Das Fehlen griffiger Kanten und die glatte Oberfläche aus Glas führt bei gemeldeten Fehlern immer wieder zu der wiederholten Nachfrage, ob das Smartphone hingefallen sei. Gleichzeitig besteht bei einem derart dünnen und wenig robust wirkenden Gerät immer wieder der Verdacht, dass der Aluminium-Body für unübliche Belastungen im Alltag nicht sonderlich geeignet ist – auch deshalb haken Forenmitglieder in diesem Punkt immer wieder nach.

Auch Apple hat Display-Probleme

iPhone 6: 10.000 Käufer verklagen Apple wegen defekten Displays

Die Branche ist spätestens seit dem vergangenen Jahr für gleichartige Display-Fehler sensibilisiert. Nach monatelangem Druck musste Samsungs größter Konkurrent Apple ein groß angelegtes “Multi-Touch-Reparaturprogramm” für den seit 2014 gefertigten Kassenschlager iPhone 6 Plus auflegen, weil sich immer mehr Benutzer über ein grauen Balken am oberen Bildschirmrand und einen daraufhin folgenden Totalausfall des Displays beschwerten.

Während unabhängige Reparaturdienste beim iPhone 6 Plus einen Konstruktionsfehler vermuten und die dauerhafte Alltagstauglichkeit des Smartphones in Frage stellen, schiebt Apple die Schuld auf die Besitzer. Der Fehler tauche nur auf, wenn das Smartphone mehrfach auf einen harten Untergrund gefallen und danach weiter belastet werde. Dementsprechend lehnt das Unternehmen aus Cupertino eine kostenlose Reparatur des Smartphones kategorisch ab und verlangt eine reduzierte, aber immer noch saftige Pauschale. Mittlerweile haben mehrere tausend Kunden eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Fehler soll nach Recherchen für 11% aller Reklamationen in den Apple Stores verantwortlich sein, das ist eine enorme Menge.

Garantieabwicklung bei Samsung ist Glückssache

Betroffene Benutzer berichten, dass Samsung völlig unterschiedlich auf die “Pink Line of Death” reagiere. Bei einigen Besitzern des nicht einmal 12 Monate alten Smartphones wurde der Fehler anstandslos als Garantiefall akzeptiert und entsprechend abgewickelt. Bei anderen Benutzern verweigerte man die Garantieabwicklung mit verschiedenen Begründungen. Besonders Besitzer, deren Smartphones äußerlich sichtbare Schäden aufweisen, geraten selbstverständlich in den Verdacht, dass die pinke Linie auf eine mechanische Beschädigung zurückzuführen sei. Offenbar gibt es trotz der gehäuften Meldungen noch keine offizielle einheitliche Verfahrensanleitung von Samsung, nach denen sich die Service-Center richten müssen – somit ist man auf die Kulanz oder den Kenntnisstand des jeweiligen Sachbearbeiters in diesem Punkt angewiesen.

Kraftakt Note7: überlastete Reklamationsabwicklung?

Erst vor wenigen Tagen hatte Samsung die Akte “Note7” schliessen können. Die Koreaner präsentierten ihren abschliessenden Untersuchungsbericht zu den fehlerhaften Akkus, die für mehrere Brände des Flaggschiffs verantwortlich gewesen sein sollen. In einer aufesehenerrenden Rückrufaktion hatte Samsung alle Geräte der Serie zurückgerufen und den besitzern eine vollständige Erstattung des Kaufpreises oder den Eintausch gegen ein Galaxy S7 edge angeboten.

Das Verhalten und die Abwicklung der Reklamationen gelten nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten als absolut vorbildlich und sollten eigentlich unterstreichen, dass Samsung für die Qualität seiner Smartphones mehr oder weniger “bedingungslos” einsteht. Im Zusammenhang mit der “Pink line of death” besteht selbstverständlich die Vermutung, dass sich die Service-Center und internen Qualitätsprüfer in den vergangenen Wochen völlig auf das Note7 konzentriert haben und kein neues “Fass aufmachen” wollten.

Hoffnungsträger Galaxy S8

 

Mit dem in wenigen Wochen erwarteten Samsung Galaxy S8 will das Unternehmen an den enormen Erfolg des Galaxy S7 (Edge) anknüpfen und nach Möglichkeit auch Kunden zurückgewinnen, die sich vom Note7-Debakel verunsichern liessen. Das kommende Smartphone-Flaggschiff der Südkoreaner dürfte neben dem Snapdragon 835 und einer „Bixby“ getauften AI-Software erneut ein Display besitzen, mit dem die wachsende Konkurrenz aus China und der ewige Konkurrent Apple zumindest übergangsweise in die Schranken verwiesen soll. Vor diesem Hintergrund dürfte Samsung überhaupt nicht an Meldungen interessiert sein, mit denen die Kompetenz des Unternehmens in puncto Panels in Frage gestellt wird.

Von der “Pink Line of Death” betroffenen Besitzern des Galaxy S7 Edge kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur raten, während der Reklamation deutlich auf die bisher bekannten Fälle hinzuweisen, um den Verdacht einer mechanischen Beschädigung auszuschliessen. In der Regel sollte dann die von Samsung zugesicherte Herstellergarantie greifen.

via myce.com